Hohenkirchen (Wangerland)

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Hohenkirchen
Gemeinde Wangerland
Wappen von Hohenkirchen
Koordinaten: 53° 39′ 45″ N, 7° 54′ 55″ O
Höhe: 2 m ü. NN
Einwohner: 1965 (31. Dez. 2001)
Eingemeindung: 1. Februar 1971
Postleitzahl: 26434
Vorwahl: 04463
Hohenkirchen (Niedersachsen)
Hohenkirchen

Lage von Hohenkirchen in Niedersachsen

Hohenkirchen ist ein Ortsteil der Gemeinde Wangerland im Landkreis Friesland in Niedersachsen. Der Ortsteil ist Verwaltungssitz der 1971 gebildeten Gemeinde Wangerland.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um Christi Geburt war bereits die im Osten des Dorfes liegende Warf „Bübbens“ besiedelt. Auch auf der Warft „Wehlens“ wurden bei Grabungen frühgeschichtliche Funde entdeckt. Etwa 850 soll im Gebiet des heutigen Hohenkirchen durch den Erzbischof von Bremen eine (hölzerne) Kirche errichtet worden sein. Die heutige „St. Sixtus- und Siniciuskirche“ stammt aus dem Jahr 1143. Zu dieser Kirche wurde zweimal im Jahr ein Domdekan des Erzbischofs entsandt, um hier das Sendgericht abzuhalten. Das Gebiet wurde politisch zunächst von vom Volk gewählten Richtern, später von friesischen Häuptlingen regiert. Von 1667 bis 1810 war Hohenkirchen Sitz der Vogtei der Erbherrschaft Jever. 1831 wurden aus den Kirchspielen politische Gemeinden.

Am 1. Februar 1971 wurde die damalige Gemeinde Hohenkirchen (Oldenburg) in die neue Gemeinde Wangerland eingegliedert.[1] Der Ort wurde zum Verwaltungssitz der neuen Gemeinde bestimmt.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeindewahrzeichen: Wasserturm von 1934

Die evangelische Kirche St. Sixtus und Sinicius entstand 1134 auf einer etwa sechs Meter hohen Wurt, worauf der Ortsname Hohenkirchen bereits hinweist. Dies bezieht sich möglicherweise auch auf die Funktion der Kirche, die als hölzerner Vorgängerbau von etwa 864 die Mutterkirche des Gaus Wanga (Wangerland) war. Sie ist ein spätromanischer Bau aus Granitquadern mit Rundbogenfenstern und einer halbrunden Apsis, die mehrere Kirchenkunstwerke enthält. Dazu zählt ein Taufstein aus Baumberger Sandstein aus der Zeit um 1260. Altar und Kanzel der Kirche sind Werke des Hamburger Bildhauers Ludwig Münstermann von 1628. Auch der geschnitzte Taufsteindeckel könnte ein Werk Münstermanns sein. Die 1694 entstandene Orgel stammt vom Jeveraner Joachim Kayser.[2]

Das Wahrzeichen von Hohenkirchen ist der rund 30 Meter hohe und weithin sichtbare Wasserturm Hohenkirchen. Er liegt westlich des Ortes auf der Warft „Landeswarfen“. Der Wasserturm wurde 1934 nach Plänen des Hamburger Architekten Fritz Höger als Klinkerbau errichtet. Seit den 1970er Jahren wird er nicht mehr als Wasserturm genutzt. Nach verschiedenen Verwendungen, u. a. als Ausstellungsraum, Clubhaus eines Motorradclubs und als Funkmaststandort, wird derzeit eine neue Verwendung gesucht.[3]

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hohenkirchen ist heute Standort der Oberschule Hohenkirchen, welche 430 Schüler zwischen 10 und 17 Jahren in 10 Hauptschul- und 12 Realschulklassen besuchen. Das Einzugsgebiet des Schulzentrums umfasst die gesamte Gemeinde Wangerland. Weiter befindet sich in Hohenkirchen außerdem eine Grundschule mit Schulkindergarten.

Schulgeschichte Hohenkirchens[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rathaus der Gemeinde Wangerland

Schulstandort ist Hohenkirchen seit 1858 das erste Schulhaus für zwei Schulklassen und etwa 80 Schüler errichtet wurde. 1910 wurde die Schule aufgrund eines neuen Schulgesetzes von der Gemeinde übernommen, die Lehrer wurden nun vom Großherzogtum Oldenburg ernannt und besoldet. Dieses Volksschulsystem hielt sich im Wesentlichen bis 1971, auch wenn die Schule zwischenzeitlich ausgebaut wurde. Nach Hohenkirchen kamen hierbei alle Schüler der Oberklassen im nördlichen Jeverland. 1976 kamen nach der Bildung der Gemeinde Wangerland noch die Unterklassen hinzu, wodurch eine Mittelpunktschule mit 600 Schülern in Hohenkirchen entstand, nur in Horumersiel, Hooksiel und Tettens verblieben Grundschulen.

Neben der staatlichen Schule bestand ab 1894 ein privates Progymnasium (später auch Gymnasium Wangerland genannt), das sich zunächst bis 1923 hielt und nur von den begabteren und begüterten Kindern besucht wurde. 1948 wurde ein Privatschulverein gegründet. Mit der Besetzung der Lehrerstellen wurde hierbei die Herrnhuter Brüdergemeine beauftragt, betreut wurden zunächst nur die Klassenstufen 5–7. 1958 wurde diese Schule vom Landkreis Friesland übernommen. Bei der Schulreform 1976 wurde die fünfte und die sechste Klasse in die allgemeine Orientierungsstufe integriert. Nach der Einrichtung des Realschulzweiges am heutigen Schulzentrum Hohenkirchen ging die Schülerzahl derartig zurück, dass nach den Feierlichkeiten zum 40-jährigen Bestehen diese Schule endgültig aufgelöst wurde.

Vereinsleben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der MTV Hohenkirchen von 1867 e. V. wurde am 7. November 1867 gegründet und bietet heute Aerobic, Badminton, Basketball für Mädchen, Jiu Jitsu, Kick-Box-Aerobic, Korfball, Leichtathletik, Prellball, Tennis, Turnen, Volleyball, Walking und Wirbelsäulengymnastik an. Nach der Gründung schlief die Vereinstätigkeit zwar zunächst ein, aber es kam zur Neugründung des Sportvereins am 7. Februar 1891.

Im Jahr 1923 wurde die Freiwillige Feuerwehr gegründet. Sie ist die Schwerpunktwehr der Gemeinde Wangerland und hat heute (2014) 47 Mitglieder. Zur Ausrüstung gehören ein Einsatzleitwagen (ELW), ein Löschgruppenfahrzeug (LF16/12 TS), ein Tanklöschfahrzeug (TLF 20/35), ein Rettungsboot (RTB 1), ein Mannschaftstransportfahrzeug (MTF) und ein Schlauchwagen (SW 1000). Ebenso gehören der Feuerwehr seit 1983 eine Jugendfeuerwehr mit 25 und seit 2014 eine Kinderfeuerwehr mit 17 Mitgliedern an.

In Hohenkirchen besteht seit 1957 der Boßelverein „Lot’n loopen“ Hohenkirchen.

Der eingetragene Verein WanGo e. V. engagiert sich für eine Partnerschaft zwischen dem Wangerland und dem ugandischen Dorf Gogonyo im Distrikt Pallisa.[4]

Militär[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Hohenkirchen befand sich die „Wangerlandkaserne“, die 2003 geschlossen wurde. Die Streitkräfte waren zuvor ein wichtiger Wirtschaftsfaktor des Ortes. Hier war zwischen 1973 und 1989 das Flugabwehrraketenbataillon (FlaRakBtl) 26 stationiert, welches als Teil des NATO-Luftverteidigungsgürtels Niedersachsen mit dem Luftabwehrraketensystem Nike ausgerüstet war. Bis zur Schließung waren hier Waffensysteme vom Typ Roland und Teile des ObjSBtlLw stationiert. Zeitweilig befand sich in der Kaserne das Hauptquartier des Alphateams des 35th USAAD.

Hotel- und Freizeitanlage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nordsee Spielstadt Wangerland

Nördlich von Hohenkirchen befindet sich die Hotel- und Freizeitanlage „Dorf Wangerland“. Die Anlage entstand ab 2006 auf dem Gelände einer ehemaligen stillgelegten Bundeswehrkaserne. Die Teileröffnung fand im Frühjahr 2008 statt. Zum „Dorf Wangerland“ gehören acht Hotelgebäude mit 600 Betten in 231 Zimmern, Gaststätten mit 660 Sitzplätzen, ein Veranstaltungshaus für bis zu 300 Besucher, ein Kegel- und Bowlingcenter sowie die „Nordsee-Spielstadt Wangerland“ auf etwa 5700 Quadratmetern Fläche in drei Hallen.[5] Die Anlage grenzt an das rund 80 Hektar große, künstlich geschaffene Wangermeer, das im Rahmen von Deicherhöhungsmaßnahmen bei Minsen entstand.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ernst Andreas Friedrich: Die Kirche Sixtus und Sinicicius in Hohenkirchen, S. 52–54, in: Wenn Steine reden könnten. Band IV, Landbuch-Verlag, Hannover 1998, ISBN 3-7842-0558-5
  • Karl-Heinz Peters: Die Polizei im Wangerland. Vom Gendarmerie-Standort zur Polizeistation, in: Archiv für Polizeigeschichte. Zeitschrift der Deutschen Gesellschaft für Polizeigeschichte, Band 3, 1992, S. 34-41. ISSN 0939-9755

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Hohenkirchen (Wangerland) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 275.
  2. Fritz Schild und Maarten Vente: Zur Restaurierung der Orgel in Hohenkirchen, Monographien historischer Orgeln, Heft 3. Pape Verlag, Berlin 1980, ISBN 3-921140-23-4.
  3. Wahrzeichen zu verkaufen, abgerufen am 19. September 2010.
  4. Klaus Homolla: In Afrika mehr als 200 Bäume gepflanzt. In: Nordwestzeitung (Lokalteil Wangerland), 20. Januar 2009; eingesehen 7. September 2009.
  5. Dorf Wangerland – Chronik, abgerufen am 9. Februar 2014