Hohenrode (Salzgitter)

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52.02486111111110.347944444444149Koordinaten: 52° 1′ 30″ N, 10° 20′ 53″ O

Hohenrode
Ortswappen von Salzgitter-Hohenrode
Höhe: 149 m
Fläche: 1,22 km²
Einwohner: 180 (31. Dez. 2013)
Eingemeindung: 1. April 1942
Eingemeindet nach: Watenstedt-Salzgitter
Postleitzahl: 38259
Vorwahl: 05341
Karte

Lage von Hohenrode in Salzgitter

Hohenrode ist einer der insgesamt 31 Stadtteile der kreisfreien Stadt Salzgitter in Niedersachsen, gelegen in der Ortschaft „Süd“. Mit seiner Lage an der Grenze zum Landkreis Goslar ist es der am südlichsten gelegene und zudem der kleinste Stadtteil Salzgitters.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Ortsname leitet sich aus dem Begriff einer "hochgelegenen Rodung" her, die an einer Terrasse oberhalb (hoch) der Innerste gelegen ist. Die Namensendung „rode“ deutet dabei auf eine Gründung des Ortes in der Rodungsphase des 11-12. Jahrhunderts hin. Die Lage der Siedlung wurde wohl gewählt, weil dort eine Furt (die Düstere Furt) durch die nahegelegene Innerste führte. Deren Tal war damals stark versumpft und nur hier, wo das Tal durch den nahen Gitterberg stark verengt war, leidlich passierbar.

Die älteste bekannte schriftliche Erwähnung des Ortes datiert vom 6. Juni 1209. Es handelt sich dabei um eine Urkunde des damaligen Papstes Innozenz III., in der dieser das nahegelegene Kloster Ringelheim unter seinen Schutz nimmt und diesem seine Besitztümer bestätigt – darunter auch 4 Hufen in Hohenrode. Im Laufe der Geschichte wechselte die Zugehörigkeit Hohenrodes mehrfach. Ursprünglich dem Bistum Hildesheim zugeordnet, fiel es 1523 nach Ende der Hildesheimer Stiftsfehde für 120 Jahre an das Herzogtum Braunschweig. Nach Auflösung des von Kaiser Napoleon geschaffenen Königreich Westfalen gehörte es erst dem Amt Liebenburg an, das dann 1884 in den Landkreis Goslar überführt wurde. Mit der Neugründung der Stadt Watenstedt-Salzgitter zum 1. April 1942 wurde Hohenrode in die Stadt Watenstedt-Salzgitter eingemeindet. Am 23. Januar 1951 wurde diese amtlich in Salzgitter umbenannt..

Die Bevölkerung Hohenrodes bestand bis in das 20. Jahrhundert hinein aus Handwerkern, Landwirten und Landarbeitern. Nach den Zweiten Weltkrieg änderte sich der Charakter des Dorfes, zunächst bedingt durch den nahen Eisenerzbergbau. Die Förderung an der benachbarten Eisenerzgrube Schacht Georg wurde zum 28. Februar 1965 eingestellt und heute ist Hohenrode fast ausschließlich ein Wohnort für Pendler.

Politik[Bearbeiten]

Hohenrode hat als Teil der Ortschaft Süd von Salzgitter einen gemeinsamen Ortsrat mit den zur Ortschaft gehörenden Stadtteilen Salzgitter-Bad, Gitter, Groß Mahner und Ringelheim.

Ortsbürgermeister ist Wolfgang Bauer (SPD).[1]

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: „Von Gold und Rot zweimal gespalten und zweimal durch Wellenschnitt geteilt mit fünf (1:3:1) Kugeln in gewechselten Farben.“

Der Ort Hohenrode wurde einst wegen seiner Lage an einer Furt der Innerste gegründet. Im Wappen wird die Kreuzung der einstigen Landstraße mit der Innerste durch ein Kreuz dargestellt. Der senkrechte Arm symbolisiert die alte Handelsstraße Braunschweig-Frankfurt, der waagerechte Arm die Wasserstraße, d.h. den Fluss Innerste. Das Kreuz als Symbol der Kirche verweist darüber hinaus auf die lange Zugehörigkeit des Ortes zum Hochstift Hildesheim.

Auch noch in der heutigen Zeit findet man im Flussbett der Innerste alte Kanonenkugeln, die zu einem Wahrzeichen des Dorfes geworden sind. Diese Kugeln stammen aus dem Dreißigjährigen Krieg. Sie sollen von den fliehenden Truppen der Dänen nach der Niederlage in der Schlacht bei Lutter am Barenberge am 27. August 1626 hier zurückgelassen worden sein, als die schweren Munitionswagen im sumpfigen Flussbett festhingen.

Der Ort gehörte die längste Zeit zum Hochstift Hildesheim, zwischenzeitlich von 1523 bis 1643 zum Herzogtum Braunschweig. Die Wappenfarben Gold-Rot, die ehedem sowohl die fürstbischöflichen Stiftsfarben als auch die herzoglich braunschweigischen Stammwappenfarben waren, sollen hieran erinnern.

Das Wappen wurde am 20. Februar 2008 von einer Bürgerversammlung als Ortswappen angenommen.[2]

Gutshof und Mühle von Hohenrode[Bearbeiten]

Gutshof von Salzgitter-Hohenrode

Schon früh lässt sich in Hohenrode ein Ritterhof nachweisen. So wird 1360 ein Adeliger „Ludolf von Honrode“ genannt, der unter anderem das Gut in Hohenrode zu Besitz hat. 1577 belehnte Herzog Julius von Braunschweig den Rittmeister Karsten von Wobersnow mit diesem Gut. Nach dem Tod des Rittmeisters verkaufte dessen Witwe 1597 das Gut mit herzoglicher Genehmigung an Thedel von Wallmoden, bis 1932 verblieb dann das Gut im Besitz der Familie von Wallmoden. 1937 wurde das Gut zusammen mit anderen Gütern im Salzgittergebiet von den Reichswerken übernommen. Dem Gutsbetrieb wurden eine landwirtschaftliche Versuchsanstalt und eine Gärtnerei angegliedert. Nach Kriegsende übernahm die Güterverwaltung der Salzgitter AG den Betrieb. 1968 wurden die landwirtschaftlichen Flächen des Gutes aufgeteilt und wieder in privaten Besitz überführt.

Dem Gutshof war auch eine Wassermühle angegliedert, die 1573 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Diese lag am Mühlengraben, einem im 16. Jahrhundert angelegten Nebenarm der Innerste, der die Mühlen zwischen Othfresen und Ringelheim mit Wasser versorgte. In einem Mühlenverzeichnis von 1811 wird hier eine unterschlächtige Wassermühle mit zwei Getreidemahlgängen und einem Ölmahlgang genannt. Die Mühle gehörte der Familie von Wallmoden und wurde an den jeweiligen Müller verpachtet. 1831 wurde die Mühle wegen erheblicher Risse im Gemäuer abgerissen und durch den Kammerherrn Thedel Fredrich von Wallmoden neu erbaut. Diese Mühle wurde bis 1920 betrieben, 1964 wurde das Mühlengebäude wegen Baufälligkeit abgerissen.

Steinbrücken bei Hohenrode[Bearbeiten]

Franzosenbrücke über die Innerste bei Hohenrode
Steinbrücke über den Mühlengraben bei Hohenrode

An der Kreisstraße 32 von Salzgitter-Gitter nach Upen (früher Frankfurter Heerstraße, bis 1964 Bundesstraße 248) überqueren zwei alte Steinbrücken die Innerste und den 50 Meter nördlich fließenden Mühlengraben – einen Nebenarm der Innerste.

Im Jahre 1593 wurde erstmals mit dem Bau von Brücken über die beiden Flussarme der Innerste begonnen. Bauherr war Herzog Heinrich Julius von Braunschweig-Wolfenbüttel (1589-1613) und als Baumeister hatte er Paul Francke beauftragt. Bis dahin hatte es nur Stege gegeben, über die man die Innerste bloß bei Niedrigwasser gefahrlos überqueren konnte. Auslöser war wohl ein Ereignis aus dem Jahre zuvor. In einer Aufzeichnung heißt es hierzu: 1592 hat der Kutscher unterwegs (bei der Durchquerung der Hochwasser führenden Innerste bei Hohenrode) Herzog Heinrich Julius mit der Kutsche umgeworfen, worüber fürstliche Gnaden heftig ergrimmt.[3]

Während des Dreißigjährigen Krieges wurden beide Brücken von Tillys Söldnern schwer beschädigt. 1643 zerstörte dann ein Hochwasser beide Brücken.[4] Erst 1707/08 wurden beide Brücken als Steinbrücken neu errichtet. Die Brücke über die Innerste wurde als Zweibogenbrücke gebaut, die über den Mühlengraben als Einbogenbrücke. Die Kosten der Brücke über die Innerste hatte das Adelsgeschlecht zu Wallmoden zu tragen, die der Brücke über den Mühlengraben das Adelsgeschlecht von Kniestedt.[5]

Nach der ungewöhnlich starken Hochwasserflut vom 5. Februar 1775 stürzte die Mühlengrabenbrücke ein und es wurde ein Neubau errichtet, der bis heute erhalten ist. Damit ist diese Brücke eine der ältesten Steinbrücken Salzgitters.[6]

Die Brücke über die Innerste war 1808 bei einem Hochwasser eingestürzt, nachdem diese beim Einmarsch der Franzosen übermäßig belastet worden war.[7] Sofort wurde sie von französischen Pionieren und örtlichen Handwerkern durch eine hölzerne Notbrücke ersetzt – seitdem wird für diese der Name Franzosenbrücke benutzt.

1818/19 wich dieser Notbau einer 3-bogigen Steinbrücke.[8] Doch schon 1866 musste die Franzosenbrücke umgebaut werden, da bei starken Hochwassern der Fluss durch die engen Durchlassöffnungen zu sehr gestaut wurde. Hierzu wurde die vorhandene Steinbrücke vollständig abgebaut, das Flussbett um 5 Fuß vertieft und die Brücke mit erhöhten Widerlagern neu aufgebaut.[9]

Beide Brücken werden auch heute noch genutzt und sind zu einem beliebten Ausgangspunkt für Wanderungen längs der Innerste geworden.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Quellen: Die Bevölkerungszahlen von 1821 bis 2000 basieren auf dem Statistischen Jahrbuch des Referats für Wirtschaft und Statistik der Stadt Salzgitter.[10] Die Bevölkerungsstatistik ab 2001 basiert auf den statistischen Monatsberichten der Stadt Salzgitter (Einwohner mit Hauptwohnsitz) gemäß Melderegister zum Monatsende Dezember.[11]

Literatur und Quellen[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ortsrat der Ortschaft Süd der Stadt Salzgitter
  2. Hohenroder wählen ihr Wappen aus, Salzgitter Zeitung vom 22. Februar 2008, S. 19
  3. Brückenbau vor 400 Jahren bei Hohenrode von Hermann Bartels, Salzgitter-Zeitung vom 10. April 1993
  4. Brücke aus Steinen gebaut von Hermann Bartels, Salzgitter-Zeitung vom 21. Dez. 1993
  5. Geheimnis der Franzosenbrücke gelüftet von Hermann Bartels, Salzgitter-Zeitung vom 5. Januar 1988
  6. Brückenbau kostete 1775 nur 500 Taler von Hermann Bartels Salzgitter-Zeitung vom 27. September 1990
  7. Bericht über den Einsturz der Innerstebrücke vom 9. April 1808, Hauptstaatsarchiv Hannover
  8. Chausseebau- und Besserungsregister des Königreichs Hannover von 1819, Hauptstaatsarchiv Hannover
  9. Chronik Hohenrode von 2001, S. 81
  10. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatReferat für Wirtschaft und Statistik: Statistisches Jahrbuch 2010. Stadt Salzgitter, 26. März 2012, S. 31–108, abgerufen am 15. Januar 2013 (Gesamtzahl Wohnberechtigter (Haupt- und Nebenwohnsitz) © Stadt Salzgitter).
  11. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatReferat für Wirtschaft und Statistik: Statistische Monatsberichte der Stadt Salzgitter. Stadt Salzgitter, abgerufen am 15. Januar 2014 (Bevölkerung am Ort der Hauptwohnung © Stadt Salzgitter).