Hohenwestedt

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Hohenwestedt
Hohenwestedt
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Hohenwestedt hervorgehoben
Koordinaten: 54° 5′ N, 9° 39′ O
Basisdaten
Bundesland: Schleswig-Holstein
Kreis: Rendsburg-Eckernförde
Amt: Mittelholstein
Höhe: 61 m ü. NHN
Fläche: 18,18 km2
Einwohner: 5229 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 288 Einwohner je km2
Postleitzahl: 24594
Vorwahl: 04871
Kfz-Kennzeichen: RD, ECK
Gemeindeschlüssel: 01 0 58 077
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Am Markt 15
24594 Hohenwestedt
Webpräsenz: www.hohenwestedt.de
Bürgermeister: Holger Bütecke
Lage der Gemeinde Hohenwestedt im Kreis Rendsburg-Eckernförde
Karte

Hohenwestedt (niederdeutsch: Wiste) ist eine Gemeinde im Zentrum Schleswig-Holsteins im Kreis Rendsburg-Eckernförde. Seit dem 1. Januar 2012 bildet die Gemeinde zusammen mit den ehemaligen Ämtern Aukrug, Hanerau-Hademarschen und Hohenwestedt-Land das Amt Mittelholstein.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vermutlich wurde das Gebiet von Hohenwestedt schon 3000 v. Chr. von Bauern besiedelt, was durch jungsteinzeitliche Funde belegt wird. Größtes Relikt aus dieser Zeit ist der „Schalenstein“, ein riesiger Findling, in den Schalen (Vertiefungen für Opfergaben) eingearbeitet wurden. Heute ist der Stein im Ortskern aufgestellt. Aus der Bronzezeit finden sich im Ortsteil Glüsing Grabhügel, in denen auch Gaben für die Toten gefunden wurden.

Erstmals wurde das Kirchspiel Hohenwestedt 1217 urkundlich als Wetsstede erwähnt, was in der Ursprungsbedeutung so viel wie „Siedlung im Wald“ bedeutet. Durch seine günstige Lage an der Nord-Süd-Verbindung des Ochsenweges und der Ost-West-Verbindung Lübsche Trade wurde Hohenwestedt recht bald zur wirtschaftlichen Blüte geführt. Diese günstige Lage war zugleich ein Nachteil, da auch Armeen diese Wege nutzen und dabei oft den gesamten Ort ausplünderten. 1616 und 1768 wurde der Ort von verheerenden Bränden heimgesucht, die fast den gesamten Ort mitsamt der Kirche zerstörten.

1867 wurde ein Amtsgericht eingerichtet, das bis 1975 bestand. 1877 wurde Hohenwestedt mit der Einweihung der Strecke Neumünster-Heide an das Bahnnetz angebunden. Mit der Rendsburger Kreisbahn kam 1901 eine meterspurige Verbindung nach Rendsburg zustande, die 1916 bis Schenefeld verlängert wurde. Diese Bahn musste 1956 ihren Betrieb einstellen.

1924 und 1925 bildeten sich in Hohenwestedt, Nindorf, Osterstedt, Wapelfeld und Tappendorf Ortsgruppen der NSDAP mit bis zu 40 Gründungsmitgliedern. In der Gemeinde Vaasbüttel wurden in jenen Jahren „Nordmarkthings“ veranstaltet.[2] Am 9. und 10. August 1930 übernachtete Adolf Hitler in der Villa des NSDAP-Kreisleiters Wilhelm Hamkens, der seit 1920 in Hohenwestedt als Rechtsanwalt und Notar tätig gewesen war. 1932 verübten mehrere SS-Männer in Glüsing ein Handgranaten-Attentat auf das Haus eines SPD-Anhängers.

Bei der Reichstagswahl im März 1933 erhielt die NSDAP in Hohenwestedt mit 72,2 % vor der DNVP mit 5,8 %, der SPD mit 18,4 % und der KPD mit 1,7 % den höchsten Stimmenanteil.[3]

1938 wurden die Ortsteile Vaasbüttel und Glüsing eingemeindet.

Nach dem Krieg suchten viele Flüchtlinge den Ort auf und die Bevölkerungszahl stieg, zwischenzeitlich bis auf über 5.300 (1946). In der Nachkriegszeit kam es zu Wirtschaftsansiedlungen.

In Hohenwestedt befand sich die deutsche Verwaltung sowie ein Servicezentrum des dänischen Spielwarenherstellers Lego. Das Servicezentrum wurde infolge von Umstrukturierungsmaßnahmen 2006 geschlossen.[4]

In den Jahren 2007 bis 2011 führte Hohenwestedt im Rahmen einer Verwaltungsgemeinschaft die Verwaltungsgeschäfte der Ämter Aukrug, Hanerau-Hademarschen und Hohenwestedt-Land. Seit 2012 ist Hohenwestedt Mitglied im Amt Mittelholstein. Der Sitz des Amtes Mittelholstein befindet sich ebenfalls in Hohenwestedt.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeindevertretung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von den 17 Sitzen in der Gemeindevertretung hat die CDU seit der Kommunalwahl im Mai 2013 acht Sitze, die SPD sechs und die FDP drei Sitze[5]. Bürgermeister ist Holger Bütecke (CDU).

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wappen und Flagge wurden am 5. Mai 1961 genehmigt.

Blasonierung: „Im blau-silbern gespaltenen Schild ein Radtatzenkreuz in verwechselten Farben.“[6]

Der auf dem Gemeindegebiet von Hohenwestedt gefundene Schalenstein trägt als kultisches Symbol aus vorgeschichtlicher Zeit ein Radkreuz, welches sich im Wappen wiederfindet und damit die lange Ortsgeschichte repräsentiert. In vorchristlicher Zeit mag das Radkreuz als Symbol der Sonne gegolten haben. 1217 wird "Wetstede" als Kirchort erwähnt; nach diese Zeit kann das Radkreuz als christliches Symbol aufgefasst werden. Die Lage am Kreuzungspunkt der "Lübschen Trade" und des "Ochsenweges" verband Hohenwestedt mit den vier Städten Rendsburg, Neumünster, Itzehoe und Heide. Diese vorteilhafte verkehrsgeographische Situation kann ebenfalls in dem Radkreuz erkannt werden. Im Hinblick auf die neueste Zeit soll das Rad den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Fortschritt, vertreten durch die sich ansiedelnde Industrie und die rege Bautätigkeit, versinnbildlichen. Der geschlossene Kreis um das Kreuz betont daher den Gemeinschaftssinn der Einwohner. Die Schildspaltung und die "Verwechslung" der Farben bringt die hemmenden und fördernden Faktoren zum Ausdruck, deren wechselvolles Zusammenspiel die Entwicklung der Gemeinde bestimmt hat.

Das Wappen wurde von dem Brunsbütteler Heraldiker Willy „Horsa“ Lippert gestaltet.

Flagge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Flagge zeigt im blau-weiß gespaltenen Liek das Radtatzenkreuz des Ortswappens, im fliegenden Ende neun abwechselnd blaue und weiße Streifen.

Patengemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Patengemeinde ist die Stadt Müncheberg im Bundesland Brandenburg, des Weiteren besteht eine Partnerschaft mit Billund in Dänemark.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Gemeindegebiet befinden sich ca. 400 Betriebe einschließlich des Dienstleistungsbereiches mit 2.500 Arbeitsplätzen. Hierzu kommen 1.700 Berufspendler aus 90 Gemeinden. Nördlich von Hohenwestedt befindet sich der Ferienpark Falkenburg mit einem Reiterhof.

In Hohenwestedt gibt es neben einem Gymnasium mit Regionalschulteil eine Grundschule mit Förderzentrum sowie zwei Kindergärten, wobei einer integrativ ist. In die hauptamtlich geleitete Volkshochschule ist eine Musikschule integriert. Außerdem stehen in der Gemeinde mehrere Sportanlagen, unter anderem ein beheiztes Freibad, drei Sporthallen und eine Tennisanlage mit Halle sowie ein Sport- und Jugendheim mit Schießstand zur Verfügung, das auch einen Saal für Veranstaltungen besitzt. Für die jüngeren Einwohner steht ein Jugendzentrum bereit. Die Gemeinde verfügt über ein eigenes Versorgungsunternehmen für Gas, Wasser, Abwasser und Telekommunikation.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hohenwestedt verfügt über eine gute Verkehrsanbindung: Es befindet sich im Schnittpunkt der B 77 (Nord-/Süd-Verbindung) und der B 430 (Ost-/West-Verbindung). Die Entfernung zu den Autobahnen 7 (Hamburg-Flensburg), 23 (Hamburg-Heide (Holstein)) und 210 (Rendsburg-Kiel) beträgt jeweils rund 15 Minuten.

Durch Hohenwestedt führt die Eisenbahnverbindung Neumünster–Heide (Holstein)–Büsum. Die Züge der nordbahn Eisenbahngesellschaft (Dieseltriebwagen vom Modell LINT 41) fahren alle zwei Stunden, in Richtung Neumünster werktags sogar stündlich.[7]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Liste der Kulturdenkmale in Hohenwestedt stehen die in der Denkmalliste des Landes Schleswig-Holstein eingetragenen Kulturdenkmale.

  • Die evangelische Peter-Pauls-Kirche von 1769 ist im Ortskern zu finden. Daneben existieren noch eine römisch-katholische und eine selbständig-evangelisch-lutherische Kirche.
  • Die ehemalige Klostervogtei an der Lindenstraße 37 ist ein gut erhaltenes klassizistisches Bauwerk von 1846.
  • Eine Kuriosität stellt das sogenannte Muschelhaus an der Lindenstraße dar. Der Muschelsouvenirhersteller Detlev Hauschildt ließ das Haus 1901 an den Fenstern, Türen und Hausecken mit Muscheln verzieren.
  • Eine Bronzestatue des letzten „Utroper“ (Ausrufer) Hohenwestedts steht auf den Stufen des Rathauses; die „Ochsentränke“ im Ortskern gedenkt an den Ochsenweg.
  • Weiterhin steht im Park Wilhelmshöhe ein Ehrenmal, das im Jahr 1921 unter der Leitung von Albert Brodersen für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges errichtet wurde.
  • Hohenwestedt hat ein Heimatmuseum, das von einer wissenschaftlichen Fachkraft geleitet wird, und eine Gemeindebücherei.
  • Hohenwestedt liegt am Rande des Naturparks Aukrug. Der Boxberg bietet als eine der höchsten Erhebungen einen weiten Ausblick über die gesamte Region und ist mit dem Auto in fünf Minuten über die B 430 in Richtung Neumünster zu erreichen.
Peter-Pauls-Kirche
Klostervogtei
Muschelhaus
Heimatmuseum
Ehrenmal

Freizeit und Tourismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hohenwestedt bietet neben mehreren örtlichen Wanderwegen auch ein beheiztes Freibad an. Es gibt zwei große 50 m lange Schwimmbereiche, eine kleinen Wasserrutsche, einem Ein-Meter- und einem Drei-Meter-Sprungturm, einem Beachvolleyballfeld sowie ein Babybecken.

In Hohenwestedt gibt es den Park Wilhelmshöhe, eine große Parkanlage, in der jährlich Veranstaltungen stattfinden, z.B. das Parkfest im Rahmen der Hohenwestedt-Woche und das Mittelalterspectaculum.

Museum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Heimatmuseum Hohenwestedt befindet sich seit 1927 im Burmesterhaus, einem Handwerkerhaus vom Ende des 18. Jahrhunderts, in dem früher auch eine Nebenerwerbslandwirtschaft betrieben wurde.

Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1998 findet jährlich zu Pfingsten im Park Wilhelmshöhe das Mittelalter Spectaculum statt. Diese Veranstaltung zieht jährliche tausende von Besuchern nach Hohenwestedt, um dort den Flair von Mittelalter zu erleben.

Ende August findet in Hohenwestedt die alljährliche Hohenwestedt-Woche statt, in der es unterschiedliche sportliche, kulturelle und freizeitliche Angebote gibt. Ein Höhepunkt ist das am Samstagabend stattfindende Parkfest, das traditionell im Park Wilhelmshöhe veranstaltet wird und stets auch ein Feuerwerk beinhaltet. Am darauf folgenden Samstag findet der ein „Hallo-Partner-Tag“ statt, an dem Nachbargemeinden kreative Stände aufbauen und Teams aus allen umliegenden Gemeinden sich in kreativen Wettkämpfen freundschaftlich messen. Neben einem Kunsthandwerkermarkt und gibt es auch ein Karussell.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Hohenwestedt geboren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit Hohenwestedt verbunden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Albert Brodersen (1857–1930), Landschaftsarchitekt und städtischer Gartendirektor in Berlin, verbrachte seine Jugend in Hohenwestedt
  • Harald Jacobsen (* 1960), Schriftsteller
  • Jürgen Kröger (1856–1928), Architekt und Kirchenbaumeister, absolvierte ab 1873 eine Ausbildung bei Zimmermeister Göttsche in Hohenwestedt
  • Wilhelm Werner (1886–1975), Kunstsammler und Werkmeister der Kunsthalle Hamburg, kam nach dem frühen Tod seiner Eltern 1896 in eine Pflegefamilie in Hohenwestedt.

In Hohenwestedt beerdigt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ernst Bamberger (1885–1941), jüdischer Arzt, der sich in Remmels vor der bevorstehenden Deportation das Leben nahm[8] und auf dem Neuen Friedhof beerdigt wurde.
  • Georg Ebeling (1867–1950), war ein deutscher Romanist und Mediävist.
  • Hans-Jürgen Voß (1903–1990), war ein deutscher Tierarzt und Hochschullehrer.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Hohenwestedt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistikamt Nord – Bevölkerung der Gemeinden in Schleswig-Holstein 4. Quartal 2015 (XLSX-Datei) (Fortschreibung auf Basis des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Felicitas Glade, Rechtsanwalt Weber und die Moral der Rendsburger Kreisleitung, unter www.akens.org.
  3. akens.org
  4. Die Lego-Gruppe nimmt Anpassungen an der Produktion in Europa vor (Memento vom 11. Juni 2007 im Internet Archive)
  5. Ergebnisse der Kommunalwahlen 2013. amt-mittelholstein.de, abgerufen am 27. Mai 2013.
  6. Kommunale Wappenrolle Schleswig-Holstein
  7. Nordbahn feiert Streckenübernahme Neumünster-Büsum, 9. Dezember 2011.
  8. vimu.info