Hohes Moor (Stade)

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Gebiete mit der Bezeichnung Hohes Moor sind hier aufgeführt.
Naturschutzgebiet Hohes Moor

IUCN-Kategorie IV − Habitat-/Species Management Area

Luftaufnahme aus südwestlicher Richtung

Luftaufnahme aus südwestlicher Richtung

Lage Westlich von Hagenah in den nieder­sächsischen Land­kreisen Stade und Roten­burg
Fläche 862 ha
Kennung NSG LÜ 013, NSG LÜ 294
WDPA-ID 163752, 555552572http://infobox-schutzgebiet.wdpa-id.test/%5Bhttp%3A%2F%2Fwww.protectedplanet.net%2Fsites%2FHohes_Moor_Luneburg_Nature_Reserve%20163752%5D%2C%20%5Bhttp%3A%2F%2Fwww.protectedplanet.net%2Fhohes-moor-randbereiche-nature-reserve%20555552572%5D
Natura-2000-ID DE-2421-331
FFH-Gebiet 853,9 ha
Geographische Lage 53° 33′ N, 9° 16′ OKoordinaten: 53° 33′ 7″ N, 9° 15′ 32″ O
Hohes Moor (Stade) (Niedersachsen)
Hohes Moor (Stade)
Seehöhe von 13 m bis 14 m
Einrichtungsdatum 23. Nov. 1934
Verwaltung NLWKN

Das Hohe Moor bei Stade ist ein etwa 5000 Jahre altes Hochmoor. Nach einer ca. 130 Jahre währenden Abbauphase zwischen 1830 und den 1960er Jahren wurde das Moor renaturiert und im Zeitraum von 2001 bis 2006 auf einer Fläche von ca. 653 Hektar wiedervernässt. Das Naturschutzgebiet reicht über die eigentlichen Wiedervernässungsflächen hinaus und besitzt einschließlich der Randbereiche eine Fläche von 862 Hektar[1]. Es besteht heute aus einem Mosaik aus offenen Wasserflächen, Feuchtwiesen, Torfmoosrasen und Moorwald.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Hohe Moor liegt westlich von Hagenah im Elbe-Weser-Dreieck in Niedersachsen. Es erstreckt sich über Teile der drei Gemeinden Estorf, Heinbockel und Oldendorf in der Samtgemeinde Oldendorf-Himmelpforten im Landkreis Stade und der Stadt Bremervörde im Landkreis Rotenburg (Wümme).

Schutzgebiete[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Oldendorfer See im Kern des Schutzgebietes Hohes Moor

Verwaltungsseitig besteht das Hohe Moor aus zwei Naturschutzgebieten: Im Kern liegt das ältere und landkreisübergreifende Naturschutzgebiet Hohes Moor[2]. Das kleinere Naturschutzgebiet Hohes Moor Randbereiche[3] wurde nachträglich eingerichtet und umfasst vier ergänzende Teilflächen im Landkreis Stade. Nach diesen Erweiterungen aus den Jahren 2000 und 2005 erstrecken sich die Schutzgebiete über eine Gesamtfläche von ca. 862 Hektar. Verwaltet wird der Komplex unter der Bezeichnung Hohes Moor (Lüneburg), die auf die Lage im ehemaligen Regierungsbezirk Lüneburg verweist.

Seit dem Jahr 2000 besteht außerdem das rund 854 Hektar große Natura-2000-Gebiet Hohes Moor[4] gemäß der FFH-Richtlinie der Europäischen Union, das nahezu deckungsgleich mit den beiden Naturschutzgebieten ist.[5]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gefluteter Handtorfstich

Etwa seit 1830 wurde das Hohe Moor entwässert und der Torf im Handstich abgebaut. Von den ursprünglichen großen Moorseen sind heute nur noch der Oldendorfer See und der Elmer See erhalten. Diese beiden großen Wasserflächen werden durch zahlreiche kleine wassergefüllte Torfabbaugruben und ehemalige Entwässerungsgräben ergänzt, denn seit Anfang der 1980er Jahre und besonders in den Jahren 2001 bis 2006 hat man den Wasserstand des Hohen Moores wieder angehoben. Durch die Wiedervernässung soll das teilweise zerstörte Moor renaturiert werden, abgestorbene Fichten- und Birkenbestände sind sichtbares Zeichen dieser Vernässung.

Flora und Fauna[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Damm mit Wanderweg, seitlich geflutete Torfstichgruben

Der bis heute gut erkennbare Torfstich hat zu einem stark strukturierten Landschaftsbild geführt, in dem sich Hochmoorflächen und Bruchwälder mit vollgelaufenen Torfstichgruben und natürlichen Moorseen abwechseln; in den waldfreien Randbereichen liegen zudem verschiedene Feuchtwiesentypen. Auf einigen alten Moordämmen führen Wanderwege durch das Hohe Moor, das Betreten des Naturschutzgebietes außerhalb dieser Wege ist aber zum Schutz der seltenen Pflanzen- und Tierwelt verboten.

Tierwelt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Paarungsrad der Nordischen Moosjungfer

Im Hohen Moor findet man etliche moortypische Libellenarten wie z.B. die Mond-Azurjungfer, die Hochmoor-Mosaikjungfer, die Arktische Smaragdlibelle und – in hoher Individuendichte – die Nordische Moosjungfer. Auch moortypische Schmetterlingsarten wie der Hochmoor-Bläuling werden wieder beobachtet.

Bezüglich der Reptilien und Amphibien sind sowohl Kreuzottern als auch Ringelnattern zu beobachten, Blindschleichen sind eher selten, Moorfrösche treten dagegen mit größeren Beständen auf.

Für viele Vogelarten sind die Moorflächen heute wieder Brut- und Rastplätze, beispielsweise ist der Kranich seit 2002 als Brutvogel zurückgekehrt. Auch äußerst seltene Arten wie die Sumpfohreule oder der Baumfalke brüten in den offenen Bereichen der Moorlandschaft.[6] Auf den offenen Wasserflächen finden sich neben vielen Entenarten während der Zugzeiten größere Bestände an Grau-, Nonnen- und Nilgänsen ein. An den Moorrändern brüten zahlreiche Singvögel, neben Goldammern, Buchfinken, Kohl- und Blaumeisen finden sich auch seltenere wie Kuckuck und Kleiber.

Hinsichtlich des Wildbestandes dominieren zahlreiche Rehe das Bild, seltener sind Wildschweine und Feldhasen zu beobachten. Die während der Trockenlegung heimischen Dachse sind durch die Wiedervernässung wahrscheinlich verdrängt und seither nicht mehr beobachtet worden.

Pflanzenwelt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den höher gelegenen Bereichen tritt Schwarzerlen-, Kiefern- und Moorbirkenbruch auf. In den tiefer liegenden Flächen finden sich durch die Wiedervernässung, die Wiederherstellung der Nährstoffarmut und den sauren pH-Wert des Wassers inzwischen wieder etliche der typischen Moorpflanzen wie Torfmoose und verschiedene Binsen (Flatterbinse u.a.). Auf den etwas trockeneren Flächen wächst vereinzelt rundblättriger Sonnentau, in abnehmenden Beständen steht das schmalblättrige und das scheidige Wollgras, in den offenen Flächen sind Glocken-Heide und Weißes Schnabelried häufig. Die Wegränder und Dämme säumen Zwergsträucher wie Heidelbeere, Eberesche und vereinzelt Gagel.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Landkreis Stade, Naturschutzamt (Hrsg.): Das Hohe Moor – Größtes Wiedervernässungsprojekt im Landkreis Stade. In: Umwelt im Kreis. 2006, S. 4–5 (PDF-Datei, 1,2 MB).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Hohes Moor (Stade) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Naturschutzgebiet Hohes Moor und Randbereiche
  2. Naturschutzgebiet „Hohes Moor“ in der Datenbank des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN)
  3. Naturschutzgebiet „Hohes Moor Randbereiche“ in der Datenbank des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN)
  4. FFH-Gebiet Nr. 022, Natura-2000-Kennung DE-2421-331
  5. World Database on Protected Areas – Hohes Moor Site of Community Importance (Habitats Directive) (englisch)
  6. Klaus Krapohl: LIFE-Nature-Projekt: Wiedervernässung des Hohen Moores