Hohes Venn

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Karte des Hohen Venns

Das Hohe Venn (französisch: Hautes Fagnes, niederl. Hoge Venen) ist eine schildförmig gewölbte Hochfläche an der Grenze zwischen Deutschland und Belgien mit einer Ausdehnung von über 600 km². Davon liegen 133 km2 in Deutschland[1]. In Belgien sind gut 4500 ha Vennfläche als Réserve naturelle domaniale des Hautes Fagnes unter Naturschutz gestellt[2].

Große Flächen sind als Hochmoor ausgebildet, wovon sich auch der Name ableitet: Venn, Fenn (niederländisch Veen) für Moor. Mit 694 m O.P. ist die Botrange die höchste Erhebung im Hohen Venn und gleichzeitig der höchste Punkt in Belgien.

Geologisch gehört das Hohe Venn zum linksrheinischen Teil des Rheinischen Schiefergebirges, wie auch die angrenzenden Ardennen und die Eifel sowie der südlich der Mosel gelegene Hunsrück. Es wird häufig nicht als eigenständiger Naturraum angesehen, sondern dem westlichen Teil der Eifel und dem östlichen Teil der Ardennen zugerechnet.


Geografie[Bearbeiten]

Georeferenzierung Karte mit allen Koordinaten Ausdehnung Hohes Venn: OSM, Google oder Bing
Hohes Venn
Ardennen mit Eifel.jpg
Bergland der Ardennen und der Eifel, der Kreis markiert die Lage des hohen Venns.

Das Hohe Venn besteht aus den naturräumlichen Einheiten

Es erstreckt sich zwischen Schevenhütte im Norden, Großhau im Osten, Spa im Westen und Malmedy im Süden. Die geografischen Koordinaten des Hochlandes liegen etwa zwischen 50° 46′ 10″ N, 6° 19′ 31″ O50.7694444444446.3252777777778 und 50° 44′ 3″ N, 6° 23′ 25″ O50.7341666666676.3902777777778 sowie zwischen 50° 29′ 29″ N, 5° 52′ 0″ O50.4913888888895.8666666666667 und 50° 25′ 32″ N, 6° 2′ 0″ O50.4255555555566.0333333333333.


Das Hohe Venn gehört zum Naturpark Hohes Venn-Eifel und liegt einerseits in der wallonischen Region in Ostbelgien teilweise auf dem Gebiet französischsprachiger Gemeinden und der Deutschsprachigen Gemeinschaft, andererseits in Nordrhein-Westfalen im Gebiet der Orte Roetgen, Monschau, Simmerath, Hürtgenwald, Langerwehe und Stolberg.

Das Umfeld ist geprägt von heckenumsäumten, hügeligen Wiesenlandschaften, Wäldern sowie verstreut liegenden Dörfern und Bauernhöfen. Die Häuser sind wetterseitig mit bis zum Boden reichenden Dächern versehen, haushohe Hecken bieten Schutz vor der besonders im Winterhalbjahr oft windigen und feuchten Witterung.

Als Vennvorland wird das niedrigere Gebiet südöstlich von Aachen bezeichnet.

Klima und Hochmoore[Bearbeiten]

Das Klima ist für mitteleuropäische Verhältnisse rau – im Jahresmittel wesentlich kühler als das Umland – und allgemein wolken-, regen- und schneereich. Die Höhen von Eifel und Ardennen sind das erste Mittelgebirge, auf das feuchte, atlantische Luft von Westen her trifft. Dabei steigen diese Luftmassen auf, kühlen ab und entladen die Feuchtigkeit in Form von Regen oder Schnee. Die durchschnittliche jährliche Niederschlagsmenge beträgt 1400 bis 1500 mm mit einen Maximum im Dezember und Januar und einem Minimum im Mai. Tage mit Regen- oder Schneefall gibt es im langjährigen Mittel etwa 220 bis 230 im Jahr. An etwa 160 bis 177 Tagen tritt Nebel auf (Sichtweite 1000 Meter oder weniger), Schnee liegt im Schnitt an etwa 70 bis 80 Tagen. Trotz des allgemein nassen Klimas treten mitunter auch längere Trockenphasen auf, vorwiegend im Frühjahr und Frühsommer, was im Extremfall zu Bränden des Torfbodens führt. So brannte es im Sommer 2004 auf einer Fläche von 200 Hektar und im April 2011 bei einem Großbrand sogar auf 10 Quadratkilometern.[3][4]

Der meiste Schnee fällt von Januar bis März, der lokalen Hauptsaison für den Wintersport. Eine dünne Schneedecke wurde auf der Vennhochfläche allerdings in wenigen Fällen auch schon im Oktober und im Mai beobachtet.

In früheren Zeiten glich die Speicherwirkung der vielen Hochmoore den Wasserabfluss jahreszeitlich weitgehend aus und bewirkte eine konstantere Wasserführung der Bäche.


Moorlandschaft im Brackvenn, einer Landschaft im Westen des hohen Venns, im Herbst

Talsperren[Bearbeiten]

Venn im Winter

Es wurden zahlreiche, zum Teil untereinander verbundene Talsperren gebaut, die das Wasser zur Trinkwasser- und Stromerzeugung nutzen und regulieren. Das Venn-Wasser wird den Bewohnern und der Wirtschaft im Umkreis von rund 80 km zur Verfügung gestellt.

Geologie[Bearbeiten]

Das Gebiet des Hohen Venn wird geologisch dem Massiv von Stavelot zugeordnet. Der von Südwest nach Nordost streichende flache Höhenrücken besteht im Zentrum aus kambrischen Schichten des Revin (vor ca. 500 Millionen Jahren). Das oberste Revin besteht aus dünnblättrigen Schiefern, die zu einem fast wasserundurchlässigen, kalkfreien Boden verwittern. Diese Verwitterungsprodukte füllen flache Senken aus und bilden den Untergrund für Moore, die sich infolge der positiven Wasserbilanz (geringerer Abfluss als Niederschlag) und der tiefen Jahresmitteltemperaturen nach der letzten Eiszeit gebildet haben. Die tieferen Revinschichten sind reich an quarzitischen Sandsteinen. Sie treten im Zentralgebiet des Venns als sogenannte Vennwacken häufig zu Tage.

Die Erhebungen des Venns sind Härtlinge, die im Wesentlichen aus diesen Quarzit-Sandsteinen bestehen: Botrange, Pannensterz, Richelsley, Steling, Kaiser Karls Bettstatt, Hoscheit und Langschoß. Unter Geologen bekannt ist auch der Vennporphyr.

Im Silur (vor ca. 440 Millionen Jahren) wurden die kambrischen Schichten aufgefaltet und in späteren erdgeschichtlichen Perioden durch Erosion wieder eingeebnet. Der Rumpfsockel bildete häufig eine Insel, doch oft vom Meer überspült. Zuletzt wurde das Gebiet in der Oberen Kreide (vor ca. 100 Millionen Jahren) überflutet. Feuersteine als Relikte der Kreidezeit findet man im Vennbereich unter anderem bei Hattlich. Seit dem Pliozän (vor 5 bis 1,8 Millionen Jahren) hebt sich das Gebiet in Phasen, was man an der Terrassenbildung der Rur im Bereich Rurberg, Dedenborn und Widdau sehen kann.

Flora und Fauna[Bearbeiten]

Waldeidechse (Zootoca vivipara) auf einem Holzsteg im Venn

Der typische Bewuchs sind Heidepflanzen wie Besen- und Glockenheide, aber auch eine zum Teil alpine beziehungsweise boreale Flora, wie das Gefleckte Knabenkraut, Lungen-Enzian, Sonnentau, Moosbeere, Wollgras. Da die Beweidung in den letzten Jahrzehnten untersagt war, verbreiten sich immer mehr buschige Sträucher und das Pfeifengras. Südlich des Hohen Venns, im Nationalpark Eifel, liegen ausgedehnte Wild-Narzissen-Wiesen, die in dieser Ausprägung einzigartig in Deutschland sind. Auf belgischer Seite befinden sich große Wildnarzissenwiesen im Holzwarchetal in der Gemeinde Büllingen.

Die Schutzzonen gelten auch den Birkhühnern, die sich nur langsam vermehren und bei ihrem Balzverhalten ungestört bleiben müssen. Seit dem Jahr 2003 sind wieder erste Luchse und Biber ausgemacht worden. 2013 auch die seltene Kreuzotter.[5]

Palsen[Bearbeiten]

Reste eines eiszeitlichen Palsa im Hohen Venn; deutlich ist noch der ringförmige Wall zu sehen.

Eine weitere Besonderheit sind die auf ca. 2000 ha zu findenden Palsen. Diese Reste von periglazialen Hydrolakkolithen sind heute ringförmige Wälle, die einen Moortümpel oder verlandeten Moortümpel umschließen. Die Höhe dieses Ringwalls kann je nach Erhaltungszustand durchaus einen Meter und mehr betragen. Der Durchmesser kann auf ebenem Gebiet auch schon mal 50 m betragen, an Hängen sind längliche Strukturen von einigen 100 m Ausdehnung gefunden worden.

Palsen weisen auf die periglazialen Prozesse während der letzten Eiszeiten im Hohen Venn hin. Das Hohe Venn war nicht vereist, hatte jedoch einen hohen Anteil an Permafrostböden.

Tourismus[Bearbeiten]

Rote Flagge
Der Boulté, auch Boultay geschrieben, gilt als Wahrzeichen des Hohen Venns

Es gibt zahlreiche ausgewiesene Wanderrouten – teils mit festem Untergrund, aber auch auf Holzstegen. Beliebte Ausgangspunkte für Wanderungen sind Baraque Michel, Mont Rigi und Botrange. Ein Teil der Holzstege wurde bei dem Großbrand am 25. April 2011 zerstört. Daher sind große Teile der Wanderwege östlich der Baraque Michel derzeit gesperrt.[6] Ein Wiederaufbau der Stege ist beabsichtigt, wann er durchgeführt wird ist jedoch noch nicht bekannt.

Einige Regeln sind zu beachten, so darf man ausgewiesene Zonen zum Schutz seltener Tiere nicht ohne Naturführer betreten. Es gibt insgesamt vier Zonen für die Zugangsberechtigung: Die Zone A umfasst das Gebiet, das für den Wanderer frei zugänglich ist. Unter der Bezeichnung Zone B versteht man das Gebiet, das für den Besucher auf markierten Wegen frei begangen werden kann. Die Zone C hingegen darf nur in Begleitung eines anerkannten Naturführers begangen werden und die Zone D ist für den Besucher gänzlich gesperrt. Zu bestimmten Zeiten kann die Forstverwaltung große Teile der Vennflächen (zum Beispiel wegen Brandgefahr) absperren. Es werden dann rote Flaggen im gesamten Venngebiet aufgezogen. Das Polleur-Venn ist von dieser Regel ausgenommen. Der Siebenstern bildet das Emblem des unter Naturschutz stehenden Gebietes.

Im Winter ist bei entsprechender Schneeauflage im Hohen Venn Skilanglauf möglich. Es gibt zahlreiche Loipen, die entweder gespurt sind, wie auf Mont Rigi oder am Haus Ternell, oder ungespurt und gemeinsam mit Spaziergängern zu benutzen, wie am Signal de Botrange.

Das Hohe Venn wird von der Vennbahn berührt, einer inzwischen stillgelegten touristischen Eisenbahnstrecke im deutsch-belgischen Grenzgebiet, welche mittlerweile zum internationalen Vennbahnradweg umgebaut wurde.

Am Rande des Venn, auf dem Felsen der Richelsley steht versteckt das Kreuz im Venn, das an Stephan Horrichem erinnert.

LIFE-Projekt Hohes Venn[Bearbeiten]

Das LIFE (L’Instrument Financier pour l’Environnement) ist das 1992 ins Leben gerufene Finanzierungsprogramm, welches die Entwicklung der europäischen Umwelt- und Nachhaltigkeitspolitik unterstützt. Das LIFE-Natur-Programm widmet sich speziell dem Erhalt der Flora, der Fauna und deren Lebensräume. Dieses Programm wird ausschließlich im Natura-2000-Netzwerk entwickelt, welches die Wiederherstellung der Vernetzung zwischen den verschiedenen natürlichen Lebensräume anstrebt.

Die Heiden und Moore im Hohen Venn spielen auf europäischer Ebene eine wichtige Rolle: Erhalt der Artenvielfalt, Zufluchtsort für eine seltene Flora und Fauna, Regulierung des Wasserhaushaltes sowie die Schönheit der Landschaft. Diese Lebensräume sind allerdings seit dem 17. Jahrhundert schwer beschädigt worden:

Abbau von Torf, Trockenlegung des Bodens, unangemessene Bepflanzung mit Fichten, extreme Ausbreitung von Pfeifengras. Das LIFE-Projekt Hohes Venn zielt hauptsächlich auf die Renaturierung dieser Heiden und Moore ab.

Maßnahmen[Bearbeiten]

Abholzung von auf nassen, unproduktiven Böden gepflanzten Fichten, um Heiden und Moore zu schaffen (1130 ha), Renaturierung von Heideflächen durch das Entfernen der obersten Erdschicht oder durch Mahd. Hierdurch wird das Keimen und Aufkommen von Heidekrautgewächsen vorangetrieben (220 ha). Renaturierung von Mooren durch das Überfluten von Pfeifengras mittels Anbringen von kleinen Staudämmen oder Schließen von Drainagegräben. Hierdurch kann sich die typische Vegetation, hauptsächlich Torfmoos, wieder ansiedeln (min. 25 ha). Aufsetzen von Zäunen um die Naturverjüngung von einheimischen Laubhölzern (z. B. Stieleiche und Moorbirke) zu fördern (125 ha), sowie für den Unterhalt von Heidefläche durch Schafe (125 ha). Sensibilisierung der Bevölkerung durch Lehrtafeln, Animationen in den Schulen, Presseartikel usw.

Resultate[Bearbeiten]

  • Öffnung der Landschaft und Vernetzung von biologisch hochwertigen Flächen.
  • Die Heide: typisch für die Heide ist eine niedrige Vegetation, welche vor allem aus Heidekrautgewächsen besteht.
  • Wiedervernässung von Flächen, damit die typische Vennflora und -fauna wieder aufkommt.
  • Das aktive Hochmoor: mit Wasser durchtränktes Ökosystem, in dem sich Torfmoos anhäuft und so Torf bildet. Torfmoos ist in der Lage, ungefähr das zehnfache seines Eigengewichtes an Wasser zu speichern.

Literatur[Bearbeiten]

  • Willem Cremer: Wandern im Hohen Venn. Routen im Gebiet „Brackvenn–Ternell“. Weiss, Monschau 1997.
  • Carl Kamp: Das Hohe Venn. Gesicht einer Landschaft. 5. Auflage. Eifelverein, Düren 1980.
  • Maxime Metzmacher: Les Oiseaux des Hautes-Fagnes. Histoire et Géographie des Oiseaux Nicheurs. Édition Eole, La Roche-en-Ardenne 2004, ISBN 2-87186-101-3.
  • Ulrike Schwieren-Höger, Guido Bertemes: Das Hohe Venn. GEV (Grenz-Echo Verlag), Eupen 2011, ISBN 978-3-86712-045-6
  • Otfried R. Weise: Das Periglazial. Geomorphologie und Klima in gletscherfreien, kalten Regionen. Gebr. Bornträger, Berlin 1983, ISBN 3-443-01019-9.
  • Elisabeth Zenses: Kaltzeitliche Überformung des Altreliefs in Süd- und Zentral-Wales im Vergleich zur Nord-Eifel (= Kölner geographische Arbeiten. H. 50, ISSN 0454-1294). Geographisches Institut der Universität zu Köln, Köln 1989.

Weblinks[Bearbeiten]

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Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Landschaftssteckbrief. Hohes Venn. Bundesamt für Naturschutz, 1. März 2012, abgerufen am 29. April 2014.
  2. La biodiversité en Wallonie. Hautes-Fagnes. Observatoire de la Faune, de la Flore et des Habitats (OFFH), abgerufen am 29. April 2014 (französisch).
  3. Feuer vernichtet viel Hochmoor im Hohen Venn. In: dw-world.de. Deutsche Welle, 26. April 2011, archiviert vom Original am 26. April 2011, abgerufen am 26. April 2011.
  4. Heftige Brände vernichten Hunderte Hektar Naturschutzgebiet. Belgien. Spiegel Online, 26. April 2011, archiviert vom Original am 26. April 2011, abgerufen am 26. April 2011.
  5. Heiner Schepp: Kreuzotter flüchtet vor den Radfahrern. In: Aachener Zeitung. 26. August 2013, abgerufen am 29. April 2014.
  6. Naturparkzentrum Botrange: Karte der gesperrten Wege nach dem Brand von April 2011 (Word-Dokument; 342 kB)

50.5444444444446.0777777777778694Koordinaten: 50° 33′ N, 6° 5′ O