Hokkaido Railway Company

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Hokkaidō ryokaku tetsudō K.K.
engl. Hokkaido Railway Co.
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Rechtsform Kabushiki-gaisha (Aktiengesellschaft)
Gründung 1. April 1987
Sitz Sapporo, Hokkaidō
Mitarbeiter 7.112 (2015)[1]
Branche Verkehr
Website jrhokkaido.co.jp

Die Hokkaido Railway Company (jap. 北海道旅客鉄道株式会社, Hokkaidō ryokaku tetsudō kabushiki-gaisha) ist eine der sieben Nachfolger der 1987 privatisierten japanischen Staatsbahn. Ihre Kurzbezeichnung lautet JR Hokkaido (jap. JR北海道, Jeiāru Hokkaidō). Sie betreibt das ehemals staatliche Netz auf der im Norden gelegenen Insel Hokkaidō. Der Hauptsitz des Unternehmens befindet sich in Sapporo, daneben gibt es Zweigstellen in Asahikawa, Hakodate und Kushiro.

JR Hokkaido ist zu 100 % im Besitz der Japan Railway Construction, Transport and Technology Agency (JRTT), einer im Jahr 2003 vom japanischen Parlament geschaffenen Selbstverwaltungskörperschaft unter Aufsicht des MLIT.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Karte Japans mit den Gebieten der Nachfolgegesellschaften der Japanischen Staatsbahn

Die Japanische Staatsbahn wurde am 1. April 1987 durch Aufspaltung in die sieben Nachfolgegesellschaften der JR Group privatisiert. JR Hokkaido übernahm den Personenverkehr auf der Insel Hokkaidō, während der Güterverkehr wie im übrigen Japan durch die Japan Freight Railway Company durchgeführt wird. Von Anfang an hatte JR Hokkaido die schwierigsten Voraussetzungen aller JR-Gesellschaften: Strenges Klima, geringe Bevölkerungsdichte, zunehmende Konzentration von Bevölkerung und Unternehmen auf die Hauptstadt Sapporo sowie eine stagnierende Wirtschaft nach dem Platzen der Spekulationsblase.[2]

In den frühen 1980er Jahren hatte die Staatsbahn damit begonnen, unrentable Nebenlinien stillzulegen. JR Hokkaido führte dies nahtlos weiter, sodass das einst über 4000 km lange Schienennetz bis heute um mehr als ein Drittel geschrumpft ist.[3] Den Anfang machte 1987 die Horonai-Linie; 1988 folgten die Matsumae-Linie und die Utashinai-Linie, 1989 die Nayoro-Hauptlinie, die Shibetsu-Linie und die Tempoku-Linie. Ebenfalls 1989 wurde die Chihoku-Linie an eine neue, von Gemeinden und Privatinvestoren getragene Gesellschaft übertragen und erhielt den neuen Namen Furusato-Ginga-Linie. Die Maßnahme war jedoch nicht erfolgreich, denn 2006 musste diese Linie aufgrund stetig sinkender Fahrgastzahlen ebenfalls endgültig schließen.[4] Nach einigen Jahren Pause setzte sich der Schrumpfungsprozess 1994 fort, als eine kurze Zweigstrecke der Hakodate-Hauptlinie stillgelegt wurde. 1995 war die Shinmei-Linie an der Reihe; sie war bisher verschont geblieben, da es bis dahin noch keine geeignete geeignete Straßenverbindung für einen Busersatzverkehr gegeben hatte.[3]

An einigen Stellen baute JR Hokkaido sein Angebot aus. Ein Meilenstein war insbesondere die Eröffnung des 53,85 km langen Seikan-Tunnels unter der Tsugaru-Straße am 13. März 1988, der die Schienennetze auf Hokkaidō und der japanischen Hauptinsel Honshū miteinander verbindet. Der Tunnel, an dem 24 Jahre lang gebaut worden war, ist vor allem für den Güterverkehr von Bedeutung. Hingegen spielt er für den Personenverkehr nur eine untergeordnete Rolle: In den 2000er Jahren entfielen 90 % des Verkehrsaufkommens im Personentransport zwischen den beiden Inseln weiterhin auf den Flugverkehr, da die Eisenbahn weder von der Zeit noch von den Kosten her konkurrenzfähig war. Daran änderte auch die Einführung von Schlafwagenzügen wenig.[5]

Das Schienennetz im Großraum Sapporo war ursprünglich nicht auf den Vorortsverkehr ausgerichtet. 1986 begann die Staatsbahn darauf zu reagieren, indem sie neue Bahnhöfe eröffnete und mehr Züge verkehren ließ. Der Bahnhof Sapporo, der bisher ein Flaschenhals gewesen war, wurde bis 1988 umgebaut und erweitert, ebenso ergänzte JR Hokkaido zwecks Kapazitätserhöhung bestehende Strecken im urbanen Gebiet um zusätzliche Gleise.[6] 1992 erhielt der südöstlich von Sapporo gelegene Flughafen Neu-Chitose einen 2,6 km langen unterirdischen Anschluss an das Schienennetz. Diese Verbindung, die in Zusammenarbeit mit der Dänischen Staatsbahn geplant worden war, entwickelte sich zur profitabelsten Teil des Netzes von JR Hokkaido.[7] Auf dem übrigen Netz konnten die Fahrtzeiten durch die Eliminierung von Langsamfahrstellen und die Einführung von Neigezügen zum Teil markant verringert werden. Beispielsweise beträgt die Zeitersparnis zwischen Sapporo und Kushiro 50 Minuten, während die Flugverbindungen zwischen Sapporo und Hakodate eingestellt wurden.[8]

In den frühen 2010er Jahren war JR Hokkaido von einer Serie ernster Zwischenfälle betroffen. Am 27. Mai 2011 entgleiste ein Schnellzug in einem Tunnel der Sekishō-Linie und fing Feuer; alle Fahrgäste konnten evakuiert werden, doch 79 von ihnen erlitten Verletzungen. Der damalige Vorsitzende Naotoshi Nakajima beging vier Monate später Suizid.[9] Auf derselben Strecke entgleiste am 16. Februar 2012 ein Güterzug und prallte in eine Schneeschutzmauer. Zu einer weiteren Entgleisung eines Güterzuges kam es am 19. September 2013 im Bahnhof Ōnuma auf der Hakodate-Hauptlinie. JR Hokkaido ließ verlauten, dass die Spurweite 25 mm breiter gewesen sei als vorgeschrieben (erlaubt ist eine maximale Abweichung von 19 mm, die innerhalb von zwei Wochen beseitigt werden muss). Eine vom japanischen Eisenbahnsicherheitsamt angeordnete Nachkontrolle ergab eine Abweichung von 39 mm; außerdem wurde festgestellt, dass die Prüfdaten manipuliert worden waren.[10] Im Februar 2014 leitete die Polizei von Hokkaido auf Antrag der Regierung eine Strafuntersuchung gegen das Unternehmen ein, nachdem es zugegeben hatte, dass es in 33 Wartungssektionen zu Datenfälschungen gekommen sei (was 16 % des gesamten Schienennetzes entspricht); insgesamt waren 129 Angestellte in dem Betrug involviert.[11] Im Dezember 2015 erhob die Staatsanwaltschaft Anklage wegen grober Fahrlässigkeit und Verstoß gegen das Eisenbahngesetz.[12]

Nach elfjähriger Bauzeit wurde am 26. März 2016 der Hokkaidō-Shinkansen in Betrieb genommen, eine 148,9 km lange Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Aomori und Hakodate, die den Seikan-Tunnel mitbenutzt. JR Hokkaido übertrug am selben Tag die parallel verlaufende Esashi-Linie zwischen Hakodate und Kikonai an die neue Gesellschaft Dōnan Isaribi Tetsudō; den westlich daran anschließenden Abschnitt nach Esashi hatte sie zwei Jahre zuvor stillgelegt. Im Bau ist zurzeit eine Verlängerung des Hokkaidō-Shinkansen nach Sapporo; die 211,3 km lange Strecke soll im Jahr 2031 eröffnet werden. Es bestehen Planungen für einen Sachalin-Hokkaidō-Tunnel, mit dem eine Verbindung nach Russland geschaffen würde.

Streckennetz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Streckennetz

2016 betreibt JR Hokkaido ein Streckennetz mit einer Länge von 2568,7 km. Davon entfallen 148,8 km auf eine Shinkansen-Linie, 1327,9 km auf fünf Hauptlinien und 1092,0 km auf acht sonstige Linien. Es gibt 443 Bahnhöfe und Haltestellen, von denen 107 mit Personal besetzt und 336 unbesetzt sind.[1]

Shinkansen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Name der Linie Strecke Länge
Hokkaidō-Shinkansen Shin-AomoriShin-Hakodate-Hokuto 148,9 km

Hauptlinien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Name der Linie Strecke Länge
Chitose-Linie ShiroishiNumanohata 060,2 km
Minami-ChitoseFlughafen Neu-Chitose 002,6 km
Hakodate-Hauptlinie HakodateOshamambeOtaruSapporoAsahikawa 423,1 km
Ōnuma – Mori 035,3 km
Muroran-Hauptlinie Oshamambe – Higashi-MuroranOiwakeIwamizawa 211,0 km
Higashi-Muroran – Muroran 007,0 km
Nemuro-Hauptlinie TakikawaObihiroNemuro 443,8 km
Sekishō-Linie Minami-Chitose – Shintoku 132,4 km
Shin-YūbariYūbari 016,1 km

Sonstige Linien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neige-Dieseltriebzug Super Hokuto auf der Hakodate-Hauptlinie
Dieseltriebzug Super Sōya auf der Sōya-Hauptlinie
Flughafen-Schnellzug im Bahnhof Minami-Chitose
Name der Linie Strecke Länge
Furano-Linie AsahikawaFurano 054,8 km
Hidaka-Hauptlinie TomakomaiSamani 146,5 km
Sekihoku-Hauptlinie Shin-AsahikawaKitamiAbashiri 234,0 km
Kaikyō-Linie Naka-OguniKikonai 087,3 km
Rumoi-Hauptlinie FukagawaMashike 066,8 km
Sasshō-Linie SōenShin-Totsukawa 076,5 km
Senmō-Hauptlinie Higashi-Kushiro – Abashiri 166,2 km
Sōya-Hauptlinie Asahikawa – NayoroWakkanai 259,4 km

Im Bau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Name der Linie Strecke Länge Eröffnung
Hokkaidō-Shinkansen Shin-Hakodate-HokutoSapporo 211,3 km 2031

Frühere Linien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Name der Linie Strecke Länge Anmerkung
Chihoku-Linie IkedaKitami 140,0 km am 4. Juni 1989 an die Hokkaidō Chihoku Kōgen Tetsudō
am 21. April 2006 stillgelegt
Esashi-Linie GoryōkakuKikonai 037,8 km am 26. März 2016 an die Dōnan Isaribi Tetsudō
Kikonai – Esashi 042,1 km am 12. Mai 2014 stillgelegt
Hakodate-Hauptlinie Sunagawa – Kami-Sunagawa 007,3 km am 16. Mai 1994 stillgelegt
Horonai-Linie IwamizawaIkushumbetsu 018,1 km am 13. Juli 1987 stillgelegt
MikasaHoronai 002,7 km
Matsumae-Linie Kikonai – Matsumae 050,8 km am 1. Februar 1988 stillgelegt
Nayoro-Hauptlinie NayoroEngaru 138,1 km am 1. Mai 1989 stillgelegt
Naka-YūbetsuYūbetsu 004,9 km
Shibetsu-Linie ShibechaNemuro-Shibetsu 069,4 km am 30. April 1989 stillgelegt
Naka-ShibetsuAttoko 047,5 km
Shinmei-Linie Fukagawa – Nayoro 121,8 km am 4. September 1995 stillgelegt
Tempoku-Linie OtoineppuMinami-Wakkanai 148,9 km am 1. Mai 1989 stillgelegt
Utashinai-Linie Sunagawa – Utashinai 014,5 km am 25. April 1988 stillgelegt

Bis zum 13. März 1988 betrieb das Unternehmen auch die Seikan-Fähre zwischen Hakodate und Aomori.

Konzerngesellschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptsitz in Sapporo
Zweigstelle in Hakodate

JR Hokkaido ist ein Konzern, der neben dem eigentlichen Bahnbetrieb auch mehrere Tochtergesellschaften umfasst:[13]

  • Hokkaido High-Speed Rail Development (50 % Beteiligung): Ausführung von Elektrifizierungsprojekten, Vermietung von Anlagen und Fahrzeugen
  • JR Hokkaido Bus Co.: Stadtbusverkehr in Sapporo, Fernbuslinien
  • Hokkaido JR Consultants: Designstudien für Bahnprojekte
  • Elektrokinetic: Bau und Unterhalt von elektrischer Ausrüstung
  • Hokkaido JR Built: Bau und Unterhalt von Strecken und Gebäuden
  • Hokkaido Orbital Facility Industrial Co.: Bau und Unterhalt von Gleisanlagen
  • Satsuken Industrial Co.: allgemeiner Hoch- und Tiefbau
  • Sapporo Rolling Stock & Machinery Co.: Wartung, Reparatur und Umbau von Fahrzeugen, Klima- und Sanitäranlagen
  • Sapporo Koei Co.: Nebenprodukte der Waggonfabrik
  • Hokkaido JR Transportation Support Co.: Reinigung und Unterhalt von Fahrzeugen, Büroräumen und Betriebsgebäuden
  • Hokkaido JR Cybernet Co.: Elektronische Ausrüstung und Systeme
  • Hokkaido JR Servicenet: Reisebüro, Arbeitsvermittlung, Bildungsangebote
  • JR Hokkaido Rent-a-car Co.: Autovermietung
  • Hokkaido JR Freshness Retail: Lebensmittelgeschäfte
  • Hokkaido Kiosk: Convenience-Shops
  • Hokkaido JR Shoji: Beschaffung der von der JR-Hokkaido-Gruppe verwendeten Materialien
  • Hokkaido JR Foods: Betrieb der Restaurants und Hotels der JR-Hokkaido-Gruppe
  • Hokkaido JR Urban Development Co.: Immobilienhandel
  • Sapporo Station Development Co.: Einkaufszentrum im Bahnhof Sapporo
  • JR Hokkaido Hotels Co.: Bahnhotels in Sapporo, Asahikawa und Obihiro
  • Hokkaido JR Inn Management: Hotel in Sapporo
  • Hokkaido Clean System Co.: Facility Management, Abfallbeseitigung und Recycling
  • Hokkaido Linen Supply Co.: Reinigung von Stoffüberzügen, Bettwäsche, Arbeitskleidung usw.
  • Hokkaido JR System Development: Software-Entwicklung
  • Hokkaido JR Agency: Werbe- und Kommunikationsdienstleistungen
  • Sōen Driving School: Fahrschule
  • JR Dotō Travel Service: verschiedene Dienstleistungen in Kushiro
  • Asahikawa Terminal Building Co.: verschiedene Dienstleistungen im Bahnhof Asahikawa

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: JR Hokkaido – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b 会社概要. JR Hokkaido, 2016, abgerufen am 20. Mai 2016 (japanisch, Unternehmensprofil).
  2. 20 Years After JNR Privatization. S. 12.
  3. a b 20 Years After JNR Privatization. S. 13.
  4. ふるさと銀河線,最後の日を迎える (Letzter Tag der Furusato-Ginga-Linie). Japan Railfan Magazine, April 2006, S. 166.
  5. Railway operators in Japan 2 – Hokkaido. S. 62.
  6. Railway operators in Japan 2 – Hokkaido. S. 63.
  7. 20 Years After JNR Privatization. S. 14.
  8. Railway operators in Japan 2 – Hokkaido. S. 59–60.
  9. JR Hokkaido in crisis. Japan Times, 27. November 2013, abgerufen am 20. Mai 2016 (englisch).
  10. JR Hokkaido admits manipulating track data at accident site. Japan Times, 13. Dezember 2013, abgerufen am 20. Mai 2016 (englisch).
  11. No way to run a railway. Japan Times, 19. Februar 2014, abgerufen am 20. Mai 2016 (englisch).
  12. Papers on JR Hokkaido derailment to be sent to prosecutors. Japan Times, 19. Dezember 2015, abgerufen am 20. Mai 2016 (englisch).
  13. JR北海道グループ. Hokkaido Railway Company, 2016, abgerufen am 20. Mai 2016 (japanisch, Kurzporträts der Konzerngesellschaften).