LafargeHolcim

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LafargeHolcim Ltd.[1]
Rechtsform Aktiengesellschaft
ISIN CH0012214059
Gründung 1912/2001 (Holding)
Sitz Rapperswil-Jona, Schweiz
Leitung Eric Olsen
(Vorsitzender der Geschäftsleitung)
Wolfgang Reitzle
(VR-Präsident)
Mitarbeiter 115'000 (kombiniert)
Umsatz 33 Mrd. CHF (kombiniert)
Branche Baustoffe
Website www.lafargeholcim.com
Logo der Marke Lafarge
Logo der Marke Holcim

Die LafargeHolcim Ltd. mit den Marken Holcim und Lafarge ist der grösste Baustoffhersteller der Welt mit Hauptsitz in Rapperswil-Jona in der Schweiz.

Der Name Holcim leitet sich aus der früheren Unternehmensbezeichnung Holderbank (nach einem Ort) und vom französischen ciments für Zement ab.

Am 7. April 2014 teilten Holcim und Lafarge mit, einen «Zusammenschluss unter Gleichen durch Aktientausch» anzustreben. Der neue Synergien nutzende Konzern LafargeHolcim soll seinen Sitz in der Schweiz, fast 140'000 Mitarbeiter und über 30 Mrd. Euro Jahresumsatz haben.[2][3] Die Fusion der beiden Unternehmen wurde am 14. Juli 2015 mit der Umbenennung der Holcim Ltd. in LafargeHolcim Ltd. und der zusätzlichen Kotierung der Aktien an der Euronext Paris abgeschlossen. Lafarge bleibt vorerst als eigenständige Gesellschaft an der Euronext Paris kotiert.[4]

Geschichte[Bearbeiten]

Im Dorf Holderbank im Kanton Aargau in der Schweiz wurde das Unternehmen 1912 als Aargauische Portlandcementfabrik Holderbank-Wildegg gegründet.[5] In den 1920er Jahren – bereits unter dem Firmennamen Holderbank bekannt – expandierte es nach Europa und 1927 nach Ägypten. Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen Beteiligungen im nord- und südamerikanischen Raum hinzu, ab den 1970er Jahren auch solche in Asien. Seit 1958 ist der Konzern börsennotiert. Anfang 2005 übernahm LafargeHolcim für insgesamt etwa 3,5 Milliarden Euro die britische Aggregate Industries und die indische ACC-Gruppe. 2005 begann eine strategische Allianz mit Cemento de El Salvador, die 2010 übernommen wurde. Die Familiendynastie Schmidheiny besitzt seit Oktober 2011 mehr als 20 % der Aktien.[6]

LafargeHolcim war 2005, 2006 und 2007 Leader of Industry im Dow Jones Sustainability Index und hat sich verpflichtet, bis 2010 den konzernweiten Ausstoss von Kohlendioxid gegenüber 1990 um 20 Prozent zu senken. Für das Verhalten der neu zugekauften indischen Tochtergesellschaft wurde LafargeHolcim allerdings 2008 für den Public Eye Awards (siehe Public Eye on Davos) nominiert. Dem Konzern wurde damals vorgeworfen, sich in Indien nicht an die Mindestlöhne zu halten, zweifelhafte Methoden beim Ankauf von Land anzuwenden sowie die Preise für Zement in die Höhe zu treiben.[7]

Aktionäre[Bearbeiten]

  • Thomas Schmidheiny: 20,11 % (direkt oder indirekt, Stand 31.12.2014)
  • Eurocement Holding AG (Filaret Iljitsch Galtschew): 10,82 % (31.12.2014)
  • Harris Associates L.P.: 4,94 % (April 2014)
  • Harbour International Fund: 3,01 % (4. August 2014)
  • Black Rock Inc.: 2,93 % (26.01.2015)
  • Freefloat: 69 % (Jahresende 2014)

Konzernstruktur[Bearbeiten]

Heute ist LafargeHolcim auf allen Kontinenten in mehr als 70 Ländern tätig.

Deutsche LafargeHolcim-Werke befinden sich unter anderem in der Nähe von Hannover in Sehnde-Höver, dem Werk der ehemaligen Nordcement AG (später Alsen AG), in Lägerdorf nördlich von Hamburg, dem Werk der ehemaligen Alsen-Breitenburg GmbH, sowie seit 2004 im baden-württembergischen Dotternhausen, südwestlich von Balingen, dem Werk der früheren Rohrbach Zement GmbH & Co. KG. Auch die mittlerweile stillgelegte Zementfabrik in Hemmoor der früher börsennotierten Hemmoor Zement AG gehörte seit 1972 zur LafargeHolcim-Gruppe. Daneben unterhält bzw. unterhielt LafargeHolcim eine Reihe von Abbaubetrieben für von Bau- und Baustoffindustrie benötigte Rohstoffe, darunter die Schinkel Grube, die Kreidegrube Saturn und die Höver Grube. Im seit 2008[8] zur Gruppe gehörenden Kieswerk in Rheinzabern fällt als Nebenprodukt Gold aus Sekundärablagerungen des Rheins (Rheingold) an. Dieses Werk ist gleichzeitig der einzige offizielle Goldproduzent Deutschlands.[9]

In der Schweiz kontrolliert LafargeHolcim heute mehr als die Hälfte des Zementmarktes und hält bedeutende Anteile im Kies- und Betonmarkt. Das schweizweit älteste Werk des Konzerns in Brunnen wurde im Juni 2008 geschlossen, da zur Verbesserung der Energieeffizienz und zur Einhaltung der neuen Vorgaben der Luftreinhalteverordnung für die nicht mehr zeitgemässe Anlage hohe Investitionskosten angefallen wären.[10] Für die verbliebenen 44 Mitarbeiter wurde in Zusammenarbeit mit den Gewerkschaften Syna und Unia ein Sozialplan ausgearbeitet.[11]

Kennzahlen[Bearbeiten]

  • Betriebsgewinn: 2,357 Milliarden CHF
  • Konzerngewinn: 1,596 Milliarden CHF
  • Produktionskapazität Zement: 206,2 Millionen t
  • Absatz Zuschlagstoffe: 154,5 Millionen t
  • Absatz Transportbeton: 39,5 Mio. m3

Stand: 31. Dezember 2013[12]

Stiftung[Bearbeiten]

Der Baustoffkonzern gründete 2003 die LafargeHolcim Foundation for Sustainable Construction. Die Stiftung veranstaltet einen globalen Architekturwettbewerb zum Thema nachhaltigen Bauens (LafargeHolcim Awards). Alle drei Jahre werden zunächst in den fünf Weltregionen jeweils drei Architekturprojekte prämiert. Beurteilungskriterien sind Nachhaltigkeit, ökologische und ästhetische Qualität, ethische Anforderungen und Wirtschaftlichkeit. Die 15 Gewinner nehmen anschliessend an der globalen Endausscheidung teil, die erstmals im April 2006 stattfand. Das Preisgeld ist für die Branche ungewöhnlich hoch, es beträgt pro Wettbewerbsrunde insgesamt 2 Millionen US-Dollar. Zu den Preisträgern gehören unter anderem Christoph Ingenhoven, Diébédo Francis Kéré und realities:united.

Kritik[Bearbeiten]

LafargeHolcim wird vorgeworfen, in der Gemeinde Schalkholz in Schleswig-Holstein einen Kiesabbau illegal als Mülldeponie genutzt zu haben. Dort sollen Bauschutt, Teerbrocken und Kunststoffe vergraben worden sein. LafargeHolcim hatte angekündigt, die Kiesgrube dementsprechend nutzen zu wollen, allerdings keine Genehmigung beantragt. LafargeHolcim kündigte 2015 gegenüber dem NDR-Magazin Panorama 3 an, die Vorgänge zu prüfen und Schadstoffe entfernen zu wollen.[13]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Internet-Auszug: CHE-100.136.893. Handelsregister des Kantons St. Gallen, 4. Juni 2012, abgerufen am 14. Januar 2014.
  2. Zementriesen Holcim und Lafarge fusionieren. ORF.at vom 7. April 2014
  3. Zusammenschluss zu LafargeHolcim, des fortschrittlichsten Konzerns der Baustoffbranche. Medienmitteilung vom 7. April 2014 (PDF)
  4. http://www.nzz.ch/wirtschaft/wirtschaftspolitik/lafarge-holcim-feiert-1.18580520
  5. Kleine Zementgeschichte, Holcim AG vom 24. März 2010
  6. Pflichtmitteilung
  7. Public Eye Swiss Award (PDF-Datei; 104 kB)
  8. Holcim Kies und Beton GmbH erwirbt neue Kieswerke und ein Trockensandwerk. Pressemitteilung Holcim-Süd. 1. April 2008, abgerufen am 23. August 2012.
  9. Christoph Seidler: Schatzsucher heben das Rheingold. Spiegel Online, 23. August 2012. abgerufen am gleichen Tage.
  10. Medienmitteilung der Holcim (Schweiz) AG, 16. Januar 2008
  11. Gemeinsame Medienmitteilung der Gewerkschaften Syna, Unia und der Holcim (Schweiz) AG, 15. Februar 2008.
  12. Holcim Ltd.: Jahresbericht 2013. Abgerufen am 30. April 2014 (PDF).
  13. Jörg Hilbert: Auf der Spur eines Müllskandals. In: NDR.de. 10. Februar 2015, abgerufen am 11. Februar 2015.