LafargeHolcim

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LafargeHolcim Ltd.[1]
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Rechtsform Aktiengesellschaft
ISIN CH0012214059
Gründung 1912/2001 (Holding)
Sitz Rapperswil-Jona, Schweiz
Leitung Jan Jenisch
(Vorsitzender der Geschäftsleitung)
Beat Hess
(VR-Präsident)[2]
Mitarbeiter 90.000 (2016)[3]
Umsatz 26 Mrd. CHF
Branche Baustoffe
Website www.lafargeholcim.com

Logo der Marke Lafarge
Logo der Marke Holcim

Die LafargeHolcim Ltd. mit den Marken Holcim und Lafarge ist der größte Baustoffhersteller der Welt mit Hauptsitz in Rapperswil-Jona in der Schweiz.

Der Name Holcim leitet sich aus der früheren Unternehmensbezeichnung Holderbank (nach dem gleichnamigen Ort) und vom französischen ciments für Zement ab.

Am 7. April 2014 teilten Holcim und Lafarge mit, einen «Zusammenschluss unter Gleichen durch Aktientausch» anzustreben. Der neue Synergien nutzende Konzern LafargeHolcim soll seinen Sitz in der Schweiz, fast 140.000 Mitarbeiter und über 30 Mrd. Euro Jahresumsatz haben.[4][5] Die Fusion der beiden Unternehmen wurde am 14. Juli 2015 mit der Umbenennung der Holcim Ltd. in LafargeHolcim Ltd. und der zusätzlichen Notierung der Aktien an der Euronext Paris abgeschlossen.[6]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Dorf Holderbank im Kanton Aargau in der Schweiz wurde das Unternehmen 1912 als Aargauische Portlandcementfabrik Holderbank-Wildegg gegründet.[7] In den 1920er Jahren – bereits unter dem Firmennamen Holderbank respektive Holderbank Cement und Beton (HCB) bekannt – expandierte es nach Europa und 1927 nach Ägypten. Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen Beteiligungen im nord- und südamerikanischen Raum hinzu, ab den 1970er Jahren auch solche in Asien. Seit 1958 ist der Konzern börsennotiert. Anfang 2005 übernahm Holcim für insgesamt etwa 3,5 Milliarden Euro die britische Aggregate Industries und die indische ACC-Gruppe. 2005 begann eine strategische Allianz mit Cemento de El Salvador, die 2010 übernommen wurde. Die Familiendynastie Schmidheiny besitzt seit Oktober 2011 mehr als 20 % der Aktien.[8]

Holcim war 2005, 2006 und 2007 Leader of Industry im Dow Jones Sustainability Index und hat sich verpflichtet, bis 2010 den konzernweiten Ausstoss von Kohlendioxid gegenüber 1990 um 20 Prozent zu senken. Für das Verhalten der neu zugekauften indischen Tochtergesellschaft wurde Holcim allerdings 2008 für den Public Eye Awards (siehe Public Eye on Davos) nominiert. Dem Konzern wurde damals vorgeworfen, sich in Indien nicht an die Mindestlöhne zu halten, zweifelhafte Methoden beim Ankauf von Land anzuwenden sowie die Preise für Zement in die Höhe zu treiben.[9]

Im Jahr 2016 gab es erste Berichte wonach Lafarge vor der Fusion mit Holcim in den Jahren 2013 und 2014 Schutzgeld an den Islamischen Staat (IS) gezahlt hatte, um so ein Zementwerk in Syrien vor der Schließung und eventuellen Einnahme des IS zu schützen.[10] Das Werk wurde im September 2014 geschlossen und die Mitarbeiter evakuiert. Nach einer internen Untersuchung der Geschehnisse in Syrien, gab LafargeHolcim im März 2017 zu, dass in Syrien Gelder an „Dritte“ geflossen sind um den Betrieb aufrechterhalten zu können, sowie den Mitarbeitern sicheren Zugang zum Werk zu gewährleisten. Die Empfänger der Gelder seien jedoch nicht mehr genau ermittelbar.[11] Man gab auch an, dass die getroffenen Maßnahmen „nicht akzeptierbar“ gewesen seien.[12] Im Zusammenhang mit der Syrienaffäre gab LafargeHolcim im April 2017 bekannt, dass Eric Olsen (CEO) im Juli des Jahres das Unternehmen verlassen wird.[13] Im Mai wurde außerdem bekannt gegeben, dass Jan Jenisch, zuvor CEO der Sika AG, zum 16. Oktober 2017 den Posten als CEO übernimmt[14]. Im Zusammenhang mit den Schutzgeldzahlungen im syrischen Bürgerkrieg haben die französischen und belgischen Behörden in einer gemeinsamen Aktion vom 14. November 2017 Razzien in Paris und Brüssel durchgeführt. Die Durchsuchung in Brüssel fand nicht bei LafargeHolcim selber statt, sondern bei Grossaktionär GBL. Die belgische Gruppe gestand in einem Communiqué ein, dass die Justizbehörden die Büros wegen des Verdachts auf Finanzierung von Terrorgruppen durchkämmt hätten.[15]

Aktionäre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Konzernstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vor der Fusion mit Lafarge war Holcim alleine bereits in mehr als weltweit 70 Ländern tätig.

Deutsche Holcim-Werke befinden sich unter anderem in der Nähe von Hannover in Sehnde-Höver, dem Werk der ehemaligen Nordcement AG (später Alsen AG), in Lägerdorf nördlich von Hamburg, dem Werk der ehemaligen Alsen-Breitenburg GmbH, sowie seit 2004 im baden-württembergischen Dotternhausen, südwestlich von Balingen, dem Werk der früheren Rohrbach Zement GmbH & Co. KG. Auch die mittlerweile stillgelegte Zementfabrik in Hemmoor der früher börsennotierten Hemmoor Zement AG gehörte seit 1972 zur Holcim-Gruppe. Daneben unterhält bzw. unterhielt Holcim eine Reihe von Abbaubetrieben für von Bau- und Baustoffindustrie benötigte Rohstoffe, darunter die Schinkel Grube, die Kreidegrube Saturn und die Höver Grube. Im seit 2008[17] zur Gruppe gehörenden Kieswerk in Rheinzabern fällt als Nebenprodukt Gold aus Sekundärablagerungen des Rheins (Rheingold) an. Dieses Werk ist gleichzeitig der einzige offizielle Goldproduzent Deutschlands.[18]

In der Schweiz kontrolliert Holcim heute mehr als die Hälfte des Zementmarktes und hält bedeutende Anteile im Kies- und Betonmarkt. Das schweizweit älteste Werk des Konzerns in Brunnen wurde im Juni 2008 geschlossen, da zur Verbesserung der Energieeffizienz und zur Einhaltung der neuen Vorgaben der Luftreinhalteverordnung für die nicht mehr zeitgemässe Anlage hohe Investitionskosten angefallen wären.[19] Für die verbliebenen 44 Mitarbeiter wurde in Zusammenarbeit mit den Gewerkschaften Syna und Unia ein Sozialplan ausgearbeitet.[20]

Kennzahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Betriebsgewinn: 2,357 Milliarden CHF
  • Konzerngewinn: 1,596 Milliarden CHF
  • Produktionskapazität Zement: 206,2 Millionen t
  • Absatz Zuschlagstoffe: 154,5 Millionen t
  • Absatz Transportbeton: 39,5 Mio. m3

Stand: 31. Dezember 2013[21]

Stiftung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Baustoffkonzern gründete 2003 die Holcim Foundation for Sustainable Construction, welche im Oktober 2015 in LafargeHolcim Foundation for Sustainable Construction umbenannt wurde. Die Stiftung veranstaltet einen globalen Architekturwettbewerb zum Thema nachhaltigen Bauens (Holcim Awards). Alle drei Jahre werden zunächst in den fünf Weltregionen jeweils drei Architekturprojekte prämiert. Beurteilungskriterien sind Nachhaltigkeit, ökologische und ästhetische Qualität, ethische Anforderungen und Wirtschaftlichkeit. Die 15 Gewinner nehmen anschliessend an der globalen Endausscheidung teil, die erstmals im April 2006 stattfand. Das Preisgeld ist für die Branche ungewöhnlich hoch, es beträgt pro Wettbewerbsrunde insgesamt 2 Millionen US-Dollar. Zu den Preisträgern gehören unter anderem Christoph Ingenhoven, Diébédo Francis Kéré und realities:united.

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Holcim wird vorgeworfen, in der Gemeinde Schalkholz in Schleswig-Holstein einen Kiesabbau illegal als Mülldeponie genutzt zu haben. Dort sollen Bauschutt, Teerbrocken und Kunststoffe vergraben worden sein. Holcim hatte angekündigt, die Kiesgrube dementsprechend nutzen zu wollen, allerdings keine Genehmigung beantragt. Holcim kündigte 2015 gegenüber dem NDR-Magazin Panorama 3 an, die Vorgänge zu prüfen und Schadstoffe entfernen zu wollen.[22]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Internet-Auszug: CHE-100.136.893. Handelsregister des Kantons St. Gallen, 4. Juni 2012; abgerufen am 14. Januar 2014.
  2. Vernetzt: Dieses Machtnetz pflegt der LafargeHolcim-Präsident, Artikel über Hess vom 11. Mai 2016 in der Zeitschrift Bilanz.
  3. LafargeHolcim Geschäftsbericht 2016. Abgerufen am 19. Mai 2017.
  4. Zementriesen Holcim und Lafarge fusionieren. ORF.at vom 7. April 2014
  5. Zusammenschluss zu LafargeHolcim, des fortschrittlichsten Konzerns der Baustoffbranche. Medienmitteilung vom 7. April 2014 (PDF)
  6. http://www.nzz.ch/wirtschaft/wirtschaftspolitik/lafarge-holcim-feiert-1.18580520
  7. Kleine Zementgeschichte, Holcim AG vom 24. März 2010
  8. Pflichtmitteilung
  9. Public Eye Swiss Award (PDF-Datei; 104 kB)
  10. http://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft/standard/Lafarge-machte-angeblich-Geschaefte-mit-dem-IS/story/25374933
  11. http://www.n-tv.de/wirtschaft/Lafarge-zahlte-Schutzgeld-in-Syrien-article19726964.html
  12. http://www.lafargeholcim.com/sites/lafargeholcim.com/files/atoms/files/03022017-press-lafargeholcim-syria-de.pdf
  13. http://www.lafargeholcim.com/sites/lafargeholcim.com/files/atoms/files/04242017-press-lafargeholcim-ceo-departure-de.pdf
  14. http://www.lafargeholcim.com/new-ceo-jan-jenisch
  15. Hausdurchsuchungen bei LafargeHolcim in Paris. In: swissinfo.ch, 14. November 2017, abgerufen am 14. November 2017.
  16. http://www.lafargeholcim.com/major-shareholders
  17. Holcim Kies und Beton GmbH erwirbt neue Kieswerke und ein Trockensandwerk. Pressemitteilung Holcim-Süd. 1. April 2008, abgerufen am 23. August 2012.
  18. Christoph Seidler: Schatzsucher heben das Rheingold. Spiegel Online, 23. August 2012. abgerufen am gleichen Tage.
  19. Medienmitteilung der Holcim (Schweiz) AG, 16. Januar 2008
  20. Gemeinsame Medienmitteilung der Gewerkschaften Syna, Unia und der Holcim (Schweiz) AG, 15. Februar 2008.
  21. Holcim Ltd.: Jahresbericht 2013. Abgerufen am 30. April 2014 (PDF).
  22. Jörg Hilbert: Auf der Spur eines Müllskandals. In: NDR.de. 10. Februar 2015; abgerufen am 11. Februar 2015.