Holger Gerlach

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Holger Gerlach (* 1974 in Jena)[1] war einer der wichtigsten Unterstützer der rechtsterroristischen Zelle „Nationalsozialistischer Untergrund (NSU“).[2] Er wurde im NSU-Prozess wegen Unterstützung einer terroristischen Vereinigung zu drei Jahren Haft verurteilt.[3]

Holger Gerlach stammt aus Sachsen, lebte aber zuletzt im Landkreis Schaumburg in Niedersachsen.

Holger Gerlach soll ab Mitte 1990er Jahre Mitglied der „Freien Kameradschaft Jena“ gewesen sein, zu der auch Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos, Beate Zschäpe, Ralf Wohlleben und auch André Kapke gehörte. Die ersten vier bildeten nach 1998 den NSU. Holger Gerlach war bis 2011 einer der treuesten Unterstützer des NSU, der erst 2001 aufflog. Gerlach behauptete in dem NSU-Prozess, dass er von den Morden seiner Freunde nichts gewusst habe. Er übergab Uwe Böhnhardt seinen Ersatzführerschein sowie 2001 seinen eigenen Pass. Zehn Jahre später ließ Gerlach einen Pass auf seinen Namen aber mit dem Foto von Uwe Böhnhardt ausstellen und übergab ihn diesem. Damit konnte dieser als Person unter falschem Namen agieren. Für Beate Zschäpe kaufte er von einer Friseurin in Hannover deren Krankenversichertenkarte für 300 Euro.[4]

So ermöglichte er der Terrorzelle, mittels Urkundenfälschung zu agieren und neonazistisch motivierte Gewalttaten zu verüben. Zudem soll er im Jahr 2001 im Auftrag von Ralf Wohlleben eine Waffe von Jena nach Zwickau transportiert haben.[5] Im Jahr 2007 wurde mit seinem Personalausweis das Wohnmobil angemietet, das Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos beim Mord an der Polizistin Michele Kiesewetter und dem Mordversuch an ihrem Kollegen Martin A. benutzten.[6] Holger Gerlach legte vor Gericht ein umfassendes Geständnis ab.[5] Bereits in einer ersten Vernehmung räumte er ein, die beiden Terroristen Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos unterstützt zu haben.

Gerlach war nach Erkenntnissen des niedersächsischen Verfassungsschutzes als Mitläufer der Neonazi-Szene bekannt. Er war bis zum Jahr 2005 durch neonazistische Aktivitäten in Erscheinung getreten.[7][5]

Seit seiner Entlassung aus der Untersuchungshaft war Gerlach zunächst im Zeugenschutzprogramm des Bundeskriminalamtes.[5] Später verließ Gerlach das Zeugenschutzprogramm aus unbekannten Gründen freiwillig.[8]

Prozess[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gerlach wurde von den Anwälten Stefan Hachmeister und Pajam Rokni-Yazdi vertreten.[5] Vor Gericht gestand er, Pässe und einen Führerschein für Zschäpe, Böhnhardt und Mundlos organisiert zu haben.[9] Er gab zu, 10.000 Euro an seinem Wohnort im niedersächsischen Lauenau für den NSU deponiert zu haben. Er entschuldigte er sich in einer verlesenen Erklärung für seine Tat.[10] Gerlach wurde vom OLG München 2018 zu drei Jahren Haft wegen Unterstützung einer terroristischen Vereinigung verurteilt.[11]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Neonazi-Terrorgruppe: Richter erlässt Haftbefehl gegen Holger G. In: Welt Online. 14. November 2011, abgerufen am 17. November 2011.
  2. Andrea Röpke: Der Nationalsozialistische Untergrund und sein Netzwerk. In: Andrea Röpke, Andreas Speit (Hrsg.): Blut und Ehre. Geschichte und Gegenwart rechter Gewalt in Deutschland. Ch. Links, Berlin 2013, ISBN 978-3-86153-707-6, S. 139.
  3. NSU-Prozess: Drei Jahre Haft für Holger G. auf: ndr.de
  4. NSU-Prozess: Niedersachse Holger G. verurteilt. paz-online.de, abgerufen am 12. Juli 2018.
  5. a b c d e Angelika Henkel, Stefan Schölermann: Holger G. - ahnungsloser Unterstützer? In: tagesschau.de. Norddeutscher Rundfunk, 3. Mai 2013, abgerufen am 3. Mai 2013.
  6. Andrea Röpke, Andreas Speit (Hrsg.): Blut und Ehre — Geschichte und Gegenwart rechter Gewalt in Deutschland. Ch. Links, Berlin 2013, ISBN 978-3-86153-707-6.
  7. NSU-Ermittlungen: BGH hebt Haftbefehl gegen Holger G. auf. In: Spiegel Online. 25. Mai 2012, abgerufen am 3. Mai 2013.
  8. NSU verwendete Schalldämpfer - aber nicht bei allen Mordanschlägen. auf: tagesspiegel.de, 4. Februar 2014.
  9. Holger G. gesteht und entschuldigt sich (Memento vom 9. Juni 2013 im Internet Archive) tagesschau.de vom 6. Juni 2013.
  10. Ablesen ist einfach (Memento vom 9. Juni 2013 im Internet Archive) tagesschau.de vom 6. Juni 2013.
  11. Ablesen ist einfach (Memento vom 9. Juni 2013 im Internet Archive) tagesschau.de vom 6. Juni 2013.