Holm Schneider

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Holm Schneider (2010)

Holm Schneider (* 1. Januar 1969 in Leipzig[1]) ist ein deutscher Kinderarzt, Genforscher und Buchautor. Er ist Professor und Leiter des Zentrums für Ektodermale Dysplasien am Universitätsklinikum Erlangen. Seine Bücher über Lebenswege von Menschen mit Handicap und sein Engagement als Erster stellvertretender Bundesvorsitzender der Aktion Lebensrecht für Alle (ALfA), der größten deutschen Lebensrechtsorganisation,[2] machten ihn auch außerhalb seiner akademischen Tätigkeit bekannt. Weiter engagiert er sich im Forum Deutscher Katholiken[3] und war Kuratoriumsmitglied von ProLife Deutschland.[4]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Holm Schneider studierte von 1989 bis 1995 als Stipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes[5] Medizin an den Universitäten Leipzig und London und wurde 1996 in Leipzig promoviert. Nach einem Jahr am Universitätsklinikum Leipzig ging er für drei Jahre als Postdoktorand an die University of London. 1999 wechselte er an die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, wo er sich habilitierte und seine Ausbildung zum Facharzt für Kinder- und Jugendheilkunde abschloss. 2006 wurde er zum Professor für Experimentelle Neonatologie an die Medizinische Universität Innsbruck berufen und baute dort die gleichnamige Forschungsabteilung auf. Im März 2008 nahm er den Ruf auf eine Professur für Kinderheilkunde am Universitätsklinikum Erlangen an. Er erforscht angeborene Krankheiten, die durch Gendefekte oder eine gestörte Differenzierung von Körperzellen verursacht werden, insbesondere genetisch bedingte Hauterkrankungen (s. Genodermatose).[6] Seit März 2017 leitet er die Expertengruppe zu Ektodermalen Dysplasien und verwandten Erbkrankheiten im Europäischen Referenz-Netzwerk (ERN) Skin.[7]

Im April 2018 veröffentlichte Schneider die Ergebnisse mehrerer von ihm 2016 durchgeführter Heilversuche der anhidrotischen Form der Ektodermalen Dysplasie.[8][9] Für diese auf einem Gendefekt beruhende Krankheit gab es bis dahin keine Therapiemöglichkeit.[10] Die bei der Behandlung der betroffenen Kinder verwendete Methode, ein fehlendes Eiweiß durch Kopplung an die Fc-Komponente menschlicher Antikörper als Transporthilfe in das Blut der ungeborenen Kinder einzuschleusen, wird als eine mögliche Grundlage zur Behandlung weiterer Erbkrankheiten diskutiert.[11][12]

Schneider ist verheiratet und Vater von sechs Kindern.[13]

Ehrenamtliches Engagement[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Holm Schneider gehörte dem Verwaltungsrat der Krankenkasse für Industrie, Handel und Versicherungen BKK IHV in Wiesbaden an, die ihre umstrittene Kooperation mit ProLife Deutschland[14] im Juni 2012 beendete.[15] Im Dezember 2012 schied er aus dem Verwaltungsrat aus.[16]

An der Aktion „Stoppt PID“, die 2010 die Einführung der Präimplantationsdiagnostik in Deutschland verhindern wollte, hatte er sich maßgeblich beteiligt.[17] In Vorträgen und Presseinterviews äußerte er scharfe Kritik an der Einführung eines umstrittenen vorgeburtlichen Bluttests auf das Down-Syndrom.[18] In einem Gespräch mit der Welt am Sonntag wandte er sich mit den Worten „Das kommt einem Jagdrecht auf Kinder mit Down-Syndrom gleich“ gegen die geplante Aufnahme dieses Tests in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen. Wirkliche Inklusion beginne „schon vor der Geburt“.[19]

Schneider setzt sich besonders ein für Kinder mit Trisomie, ist ehrenamtlich tätig im Laufclub 21, einem Sportverein für Menschen mit Down-Syndrom,[20] sowie in den ärztlichen Beiräten der Selbsthilfegruppen Ektodermale Dysplasie e. V.[21] und Interessengemeinschaft Epidermolysis bullosa-DEBRA Deutschland e. V.[22] und schreibt Bücher über Kinder und Erwachsene, die anders aussehen als die meisten. Zu bioethischen Themen verfasst er auch Gastbeiträge für die Frankfurter Allgemeine Zeitung[23] und Die Tagespost.[24] Er gehört dem Herausgeberbeirat der Zeitschrift für Lebensrecht an.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erste wissenschaftliche Arbeiten Schneiders wurden mit dem Rolf-Emmrich-Preis der Sächsischen Gesellschaft für Innere Medizin (1996), dem Dr. Carl-Zeise-Preis der Universität Leipzig (1996), dem Förderpreis der Gesellschaft für Thrombose- und Hämostaseforschung (2002) und dem Arthur-Vick-Preis (2004) gewürdigt.

2006 wurde Holm Schneider gemeinsam mit Regina Betz von der Universität Bonn mit dem Gottron-Just-Wissenschaftspreis für seinen Ansatz zur Behandlung der Erbkrankheit Epidermolysis bullosa ausgezeichnet.

Im Jahr 2008 erhielt Schneider zusammen mit seiner Arbeitsgruppe die Goldmedaille der Union of European Neonatal and Perinatal Societies (UENPS) für den Nachweis, dass sich aus bestimmten Stammzellen des Nabelschnurblutes Knochen-, Knorpel-, Skelettmuskel- und Herzmuskelzellen züchten lassen.[25]

2015 erhielt er für sein außergewöhnliches Engagement für Menschen mit Behinderung den Erlanger Inklusionspreis.[26]

Veröffentlichungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wissenschaftliche Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bücher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Kürschners Deutscher Gelehrten-Kalender. 2012, S. 3562.
  2. Bundesvorstand. Aktion Lebensrecht für Alle; abgerufen am 2. Juli 2016.
  3. Holm Schneider (Memento vom 5. Mai 2012 im Internet Archive), Website des Forums Deutscher Katholiken.
  4. Kuratorium (Memento vom 2. Juli 2016 im Internet Archive), Website von ProLife Deutschland, abgerufen am 2. Juli 2016.
  5. Jahresbericht 2009 der Studienstiftung des deutschen Volkes, S. 179.
  6. Vorgestellt: Prof. Holm Schneider, Medizinische Universität Innsbruck, 16. Januar 2007, abgerufen am 2. Juli 2016.
  7. Prof. Dr. H. Schneider leitet europäische Expertengruppe, Universitätsklinikum Erlangen, 29. September 2017, abgerufen am 3. Januar 2018.
  8. Pressemeldung der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg: Weltweit erste erfolgreiche Therapieversuche bei Erbkrankheit Ektodermale Dysplasie. Drei Kinder dank vorgeburtlicher Proteinspritze außer Lebensgefahr. vom 26. April 2018, abgerufen am 26. April 2018 und Pressemitteilung des Universitätsklinikum Erlangen: Weltweit erste erfolgreiche Therapieversuche bei Erbkrankheit Ektodermale Dysplasie. vom 26. April 2018, abgerufen am 26. April 2018
  9. Holm Schneider et al.: Prenatal Correction of X-Linked Hypohidrotic Ectodermal Dysplasia. In: The New England Journal of Medicine, 26. April 2018, 26,378(17), S. 1604-1610, PMID 29694819, doi:10.1056/NEJMoa1714322
  10. Christina Berndt: Ärzte behandeln erstmals Gendefekt im Mutterleib. In: Süddeutsche Zeitung, 25. April 2018.
  11. Richard Friebe: Deutsche Mediziner therapieren Erbkrankheit im Mutterleib. In: Der Tagesspiegel, 27. April 2018.
  12. Twins treated for genetic disorder in the womb. CNN, 18. Mai 2018.
  13. Holm Schneider. Neufeld Verlag; abgerufen am 4. Januar 2015.
  14. Katrin Elger: Gesundheit: Heilige Allianz. In: Der Spiegel. Nr. 7, 2012 (online).
  15. Presseerklärung. (Memento vom 30. Juni 2012 im Internet Archive) BKK IHV, 21. Juni 2012.
  16. Vorstand und Verwaltungsrat (Memento des Originals vom 3. Dezember 2013 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.bkk-ihv.de BKK IHV, abgerufen am 29. Januar 2013
  17. Holm Schneider. Website von „Stoppt PID“, abgerufen am 1. Dezember 2013.
  18. Eingriffe vor der Geburt. In: Trierischer Volksfreund, 20. Juli 2012.
  19. Sabine Menkens: „Das ist ein Jagdrecht auf behinderte Kinder“. In: Welt am Sonntag, 26. Februar 2017.
  20. Ich kann laufen so wie du. In: Pharmazeutische Zeitung, Ausgabe 03/2013.
  21. Medizinischer Beirat (Memento vom 3. Dezember 2013 im Internet Archive), Selbsthilfegruppe Ektodermale Dysplasie e. V.
  22. Medizinischer Beirat, Interessengemeinschaft Epidermolysis bullosa e. V.
  23. Holm Schneider: Nico, Chiara und Daniela. In: FAZ, 19. Oktober 2010.
  24. Holm Schneider: Heute kaufe ich mir mal Kinder. In: Die Tagespost, 9. April 2016.
  25. Erlanger Mediziner züchten Zellen aus Nabelschnurblut.
  26. Erlangen: Lebenshilfe zeichnet gelebte Inklusion aus. In: Nürnberger Nachrichten, 24. November 2015.