Holzidol aus dem Schigir-Moor

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Das Holzidol aus dem Schigir-Moor
ausgestellt im Heimatmuseum Jekaterinburg
Ansichten des Holzidols von unterschiedlichen Seiten

Das Holzidol aus dem Schigir-Moor ist ein verzierter Pfahl, der vermutlich als anthropomorphe Pfahlgottheit errichtet wurde. Die Figur wurde im Januar 1890 in vier Meter Tiefe einem Torfstich beim Dorf Kalata in der Nähe von Kirowgrad, nördlich von Jekaterinburg, in Russland entdeckt. Laut ersten Untersuchungen mittels der Radiokarbonmethode im Jahr 2015 ließ sich der hölzerne Pfahl zunächst etwa 9000 v. Chr. datieren.[1][2] Bei späteren systematischen Radiokarbondatierungen wurde das Alter der Figur auf 9500 v. Chr. geschätzt.[3] Damit handelt es sich um die älteste Holzskulptur der Welt. Die entsprechenden Forschungsergebnisse eines deutsch-russischen Forscherteams unter Beteiligung der Universität Göttingen wurden 2018 erstmals wissenschaftlich veröffentlicht.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der ursprünglich vermutlich fünf Meter und heute noch 3,8 Meter hohe Pfahl aus Lärchenholz ist Zeugnis mesolithischer Holzschnitzerei und einer im westlichen Europa unbekannten monumentalen Kunst. Wissenschaftler nehmen an, dass die Skulptur längere Zeit aufrecht stand und als ritueller Pfahl diente. Das Stück zeigt, dass die Bedeutung Osteuropas für die steinzeitliche Entwicklung Eurasiens unterschätzt wurde. Im Schigir-Moor wurden über 3000 Jagdwaffen, Fischfanggeräte und Werkzeuge aus Geweih und Knochen entdeckt.

Im Jahre 2000 postulierte Juri Serikow, dass die menschenleere Region erst etwa 7400 v. Chr. von einer Transuralkultur wiederbesiedelt wurde. Dagegen sprechen das Datum des Holzidols und die auf etwa 8500 v. Chr. datierten knöchernen Pfeilspitzen und die Speere mit Feuersteinschneide aus der Lobvinskaya-Höhle.

Eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe hat sich zum Ziel gesetzt, mittels Feuchtbodenarchäologie Daten zur Entwicklung der Nacheiszeit (etwa 9500–5000 v. Chr.) im mittleren Transural zu gewinnen und eine kulturelle Abfolge zu erarbeiten. Dabei geht es darum, wann die erste Keramik im Ural auftrat. Die rundbodige, teils reich verzierte frühe Wildbeuterkeramik definiert den Beginn des so genannten Waldneolithikums, in dem bei Fortdauer der Lebensweise als Jäger und Sammler Keramik hergestellt wurde, ohne dass Ackerbau oder Viehhaltung vorkommen. Das Waldneolithikum strahlte am Ende mit der Ertebölle-Kultur bis Südskandinavien, Norddeutschland, und die Niederlande (Swifterbant-Kultur) aus.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Sönke Hartz, Svetlana Savchenko, Thomas Terberger, Mikhail Zhilin: Elchjäger und Bibertrapper. Jäger und Fischer im Transural vor 10.000 Jahren. In: Archäologie in Deutschland, Jahrgang 2010, H. 5, S. 58 ff. (Online)
  • Mikhail Zhilin, Svetlana Savchenko, Svend Hansen, Karl-Uwe Heussner, Thomas Terberger: Early art in the Urals: new research on the wooden sculpture from Shigir. in Antiquity, 92(362):334–350, 2018 (doi:10.15184/aqy.2018.48)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Holzidol aus dem Schigir-Moor – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Anna Liesowska: Revelations on Shigir Idol 'change our understanding of ancient civilisations' in der Siberian Times vom 28. August 2015. Abgerufen am 30. August 2015.
  2. Spiegel Online: Fund im Schigir-Moor: Russische Holzskulptur ist 11.000 Jahre alt vom 31. August 2015
  3. Romas Bielke: Älteste Holzskulptur der Welt ist 11.500 Jahre alt, Pressemitteilung der Universität Göttingen vom 30. April 2018

Koordinaten: 57° 22′ 51,2″ N, 60° 8′ 26,5″ O