Holzschutz

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Dieser Artikel behandelt vorrangig den vorbeugenden Holzschutz. Zum Thema „Bekämpfender Holzschutz“ siehe Holzschädlingsbekämpfung. Für eine Detailübersicht über alle Teilbereiche von Holzschutz siehe Kategorie Holzschutz.
Durch Pilze teilweise zersetzter Telegrafenmast, Querschnitt in Bodennähe

Holzschutz umfasst alle Maßnahmen, die eine Wertminderung oder Zerstörung von Holz, Holzwerkstoffen oder Holzkonstruktionen (z. B. Blockhäuser, Dachkonstruktionen, Möbel, Bauholz, Gartenholz, Leitungsmasten, Eisenbahnschwellen) vor Schädigungen durch Witterung, Insekten und Pilze verhüten und damit eine lange Gebrauchsdauer sicherstellen.

Der Begriff „Holzschutz“ ist nicht nur auf den Einsatz von Holzschutzmitteln und Holzschutzverfahren zu beschränken. Bei richtiger Auswahl der Hölzer und Fällzeiten sowie bei Beachtung der Regeln des konstruktiven Holzschutzes lässt sich in den meisten Fällen auf chemische Mittel vollständig verzichten.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Holzschutz ist fast so alt wie der Gebrauch von Holz selbst. So heißt es in der Bibel: Genesis, 6:13-14 „Da sprach Gott zu Noah… mach dir eine Arche aus Zypressenholz. Statte sie mit Kammern aus, und dichte sie innen und außen mit Pech ab!“ Mit der Errichtung von Holzbauten begann schon ein frühzeitiges Verständnis von unterschiedlichen Holzresistenzen und dem Einfluss der Art der Konstruktion. Insofern ist der erste Holzschutz in der Frühzeit des Holzbaues anzusiedeln. Die Vorstellung unüberlegter, primitiver Errichtung von vorzeitlichen Holzbauwerken, wird durch diverse Erkenntnisse der Archäologie widerlegt. Die Geschichte der Holzschutzmittel reicht bis in die Anfänge der Verwendung des Holzes als Baustoff zurück. So wurde schon in der frühen Geschichte des Holzbaues versucht, diesen Baustoff länger haltbar zu machen. Dabei wurden neben dem rein konstruktiven Holzschutz aber auch schon sehr früh verschiedene physikalische Verfahren und Wirkstoffe eingesetzt:

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden durch die fortschreitende industrielle Entwicklung und Forschung zunehmend Holzschutzmittel auf Basis chlororganischer Verbindungen verwendet.

Holzbiologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einige Holzarten bilden ein Splintholz aus, welches oftmals deutlich weniger beständig ist als das Kernholz. Die Dauerhaftigkeit des Kernholzes hängt vor allem von den Inhaltsstoffen, aber auch von der Porenstruktur ab. So lässt sich Buchenholz aufgrund durchlaufender Poren zwar gut tränken, ist ohne chemischen Holzschutz jedoch anfällig für Durchfeuchtung und Pilzbefall. Witterungsbeständige Holzarten sind meist von Natur aus dicht und porenarm und enthalten Öle und Harze, die eine Durchfeuchtung verhindern. Auch enthaltene Mineralien oder Gerbsäure machen das Holz unattraktiv für Schädlinge und Pilze.

Unabhängig von der Holzsorte hat trocken verbautes und dauerhaft vor Feuchtigkeit geschütztes Holz im Grunde eine unbeschränkte Lebensdauer.

Verschiedene Faktoren können zu einer Schädigung des Holzes führen:

Witterungseinflüsse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Feuchtigkeit ist die Voraussetzung für Insektenbefall und Pilzwachstum
  2. Temperaturschwankungen können zu Kondensatbildung und Auffeuchtung des Holzes führen
  3. Mangelnde Luftbewegung verzögert das Abtrocknen von enthaltener Feuchtigkeit

UV-Strahlung bewirkt photochemische Reaktionen an der Holzoberfläche. Abbauprodukte werden durch Niederschlagswasser ausgespült. Freie Bewitterung allein führt zu einer Abtragung von etwa 0,01 bis 0,1 mm jährlich. Dieser Wert ist so gering, dass Hölzer, die ansonsten allseitig schnell abtrocknen können, ohne weiteres ebenso alt werden können, wie das Gebäude selber.

Wenn durch konstruktive Maßnahmen eine Auffeuchtung des Holzes vermieden werden kann, ist also in der Regel kein weiterer Witterungsschutz erforderlich. Erst ab einer Holzfeuchtigkeit von über 16 % ist Insektenbefall und ab 20 % ist Pilzwachstum möglich.[2]

Chemische Einflüsse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Gegensatz zu Stahl und Beton korrodiert Holz nicht in salzhaltiger Atmosphäre und ist relativ widerstandsfähig gegen verdünnte Säuren und Laugen. Diese können im Gegenteil zum Holzschutz beitragen. Im Allgemeinen ist eine Beständigkeit des Holzes im pH-Bereich von 3–10 anzunehmen. Die Widerstandsfähigkeit ist von der Holzart abhängig.

Biologische Einflüsse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Veränderung der Holzsubstanz erfolgt in erster Linie durch Organismen wie Pilze, Insekten und Bakterien. Diese haben unterschiedliche Anforderungen an ihren Lebensraum. Eine zentrale Stellung nehmen dabei die Parameter Holzfeuchte und Temperatur ein.

Ziele des Holzschutzes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • natürlichen Holzabbau verhindern durch Schutz vor Feuchte und Sonnenstrahlen (UV)
  • Vorbeugung und Bekämpfung von Insekten- und Pilzbefall
  • Veränderung der Absorptionsverhalten (Quellen und Schwinden durch Wasseraufnahme bzw. -abgabe)
  • Verbesserung des Brandverhaltens
  • Erhöhung des mechanischen Widerstands

Konstruktiver Holzschutz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der wichtigste Schutz besteht in der Trockenhaltung des Holzes. Der Schutz des Holzes vor Regenwasser und Staunässe, sowie nachrangig vor UV-Strahlung und Betauung wird konstruktiver Holzschutz genannt. Die Norm für konstruktive Holzschutzmaßnahmen im Hochbau (DIN 68 800-2) zeigt beispielhafte Holzkonstruktionen. Nur bei statisch beanspruchten Bauteilen wie Holzmasten, die nicht ausreichend vor Durchfeuchtung geschützt werden können, ist ein chemischer Holzschutz notwendig.

Besonders senkrecht verbaute Hölzer können auch unbehandelt eine sehr hohe Lebensdauer erreichen, wenn beachtet wird, dass:

  • sie vollständig außerhalb des Sockelbereichs sowie des Spritzbereichs von anderen waagerechten Flächen wie Fensterbrettern, Vordächern oder Balkonen liegen und
  • ihre vom Regen betroffenen Flächen nicht durch Bewuchs oder andere Elemente beschattet oder überdeckt werden, so dass sie von Sonne und Wind normalerweise zügig getrocknet werden.

Insbesondere sind Holzverbindungen und andere enge Kontaktstellen zu vermeiden, in die das Regenwasser einläuft und durch Kapillarkräfte zurückgehalten wird.

Folgende Bauteile lassen sich in der Regel so konstruieren, das Regenwasser schnell abläuft und eine feuchte Stellen durch Besonnung oder Luftumspülung rasch abgetrocknet werden können:

  • Zaunlatten
  • Holzfassaden, entweder senkrecht montiert mit geringem Abstand oder mit Deckleisten oder waagerecht montiert mit Tropfkanten
  • Dachkästen und Traufbretter
  • Verkleidung des Ortgangs
  • Geländer und (Balkon-)Umwehrungen
  • Gartenmöbel und Spielgeräte, deren Kontaktpunkte zur Vermeidung von kapillarer Wasseransammlung mit Abstandshaltern ausgestattet werden
  • sonstige Holzkonstruktionen, die im Sockelbereich durch Pfostenschuhe oder Sockelmauerwerk vor Bodenfeuchtigkeit und Spritzwasser und von oben durch ausreichenden Dachüberstand vor Regenwasser geschützt werden.

Bewitterte, waagerechte Holzflächen sind grundsätzlich zu vermeiden. Obere und untere Stirnflächen senkrecht montierter Hölzer sollten angeschrägt werden, um Regenwasser schneller ablaufen zu lassen. Da Hirnholz deutlich stärker saugt, als parallel zum Faserverlauf liegende Flächen, kann es sinnvoll sein, besonders die oberen Enden zusätzlich durch eine Blechabdeckung, durch geneigt montierte Deckhölzer oder durch eine Imprägnierung zu schützen.

Fassadenbewuchs wie Kletterpflanzen oder Spalierobst behindert zwar die Abtrocknung von Holzfassaden, schützt aber zugleich vor Durchnässung durch den Regen. An Süd- und wetterabgewandten Ost-Seiten kann daher in der Regel davon ausgegangen werden, dass die Holzverkleidung ausreichend trocken bleibt bzw. ausreichend schnell abtrocknet. Die Beanspruchung von West- und Nordseiten durch Schlagregen und der Verlauf der Abtrocknung hängt von den örtlichen Verhältnissen und der Art und Dichte des Bewuchses ab. Selbstklimmer liegen in der Regel direkt an der Fassade an, so dass besonders an der Westseite geprüft werden sollte, ob an den Hauptsträngen ablaufendes Regenwasser zu lokalen Feuchteschäden an der Holzfassade führt.

In Gebieten mit hoher Luftfeuchtigkeit bildet sich infolge nächtlicher Abkühlung der Bauteiloberflächen oft Tauwasser an Dachkästen oder an der Holzverkleidung von gut gedämmten Fassaden. Dies kann zu oberflächlichem Schimmelwachstum oder Moosbewuchs und in der Folge auch zur Erhöhung der Holzfeuchte führen.

Sogenannte maßhaltige Holzbauteile wie Türen oder Fenster müssen durch (austauschbare) Wetterschenkel, durch Blechverkleidung oder eine Imprägnierung vor Regenwasser geschützt werden. Die Befeuchtung unbehandelter Holzelemente führt zum Quellen und Schwinden. Hierdurch öffnen sich die Eckverbindungen und das Wasser kann in die Konstruktion laufen.

Wenn nicht sichergestellt werden kann, dass jeder Teil des verbauten Holzes dauerhaft vor Durchfeuchtung geschützt werden kann, so sollten kritische Bereiche durch eine Imprägnierung geschützt werden. Hierfür wird heute oft ein sogenannter Bläueschutz verwendet. Bewährt hat sich seit Jahrhunderten auch die Behandlung des Holzes mit Pflanzenölen, die in der Regel tiefer ins Holz einziehen, als chemische Holzschutzmittel.

Natürlicher Holzschutz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum natürlichen Holzschutz zählt die natürliche Holzstruktur sowie Holzinhaltsstoffe, welche bestimmte Holzarten mehr als andere direkt oder indirekt vor Pilz- und Insektenbefall schützen. Zusätzlich lässt sich auch die Imprägnierung des Holzes mit Pflanzenölen und die Behandlung mit Naturharzen zum natürlichen Holzschutz rechnen, zumal diese oft ähnliche Eigenschaften aufweisen, wie holzeigene Inhaltsstoffe.

Da die Behandlung des Holzes mit Öl in erster Linie zum Ziel hat, das Eindringen von Feuchtigkeit zu behindern, handelt es sich hierbei um einen physikalischen Holzschutz, der weiter unten behandelt wird.

Natürliche Dauerhaftigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unter natürlicher Dauerhaftigkeit (in älteren Regelwerken auch als Resistenz bezeichnet[3]) versteht man die Widerstandsfähigkeit gegenüber holzzerstörenden Pilzen, Insekten und Meerestieren. Die Verwendung resistenter Holzarten entsprechend der jeweiligen Gebrauchsklasse (GK) verhindert Bauschäden. Zum Beispiel enthält Teakholz giftige Stoffe, die dem Zersetzen durch Fressfeinde entgegenwirken. Auch das Holz einiger Nadelholzgewächse (z. B. Lärche, Western Red Cedar) schützt sich selbst.

Dauerhaftigkeitsklassen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die natürliche Dauerhaftigkeit ausgewählter Holzarten wird in der Norm DIN EN 350-2 klassifiziert. Einige, dort nicht erfasste Holzarten sind ergänzend in DIN 68800-1 aufgeführt. Für die verschiedenen Gruppen von Holzschädlingen (Insekten, Pilze, marine Holzschädlinge) gelten jeweils unterschiedliche Einstufungen. In nachfolgender Tabelle ist die Klassifikation der natürlichen Dauerhaftigkeit gegenüber holzzerstörenden Pilzen dargestellt:

Dauerhaftigkeitsklassen nach DIN EN 350-2
Dauerhaftigkeitsklasse 1 Dauerhaftigkeitsklasse 2 Dauerhaftigkeitsklasse 3 Dauerhaftigkeitsklasse 4 Dauerhaftigkeitsklasse 5
sehr dauerhaft dauerhaft mäßig dauerhaft wenig dauerhaft nicht dauerhaft
Afzelia
Bilinga
Brillantnuss (Sucupira, Cutiuba)[4]
Cumarú (Dipteryx spp.)[4]
Greenheart
Makoré
Moabi
Padouk
asiat. Teak
Edelkastanie
Western Red Cedar
Bubinga
Bongossi
Mahagoni
Pech-Kiefer
Niangon
Tanne
Fichte
Okumé
Ulme
Roteiche
Yellow Meranti
Ahorn
Birke
Buche
Erle
Esche
Linde
White Meranti
Rosskastanie
Robinie (Falsche Akazie) *)
Ipé (Lapacho, Tabebuia spp.)[4]
Massaranduba (Manilkara spp.)[4]
Merbau (Intsia spp.)
Kapur (Dryobalanops spp.)
Thermoholz (z. B. Esche, Buche, Kiefer)[4]
Kiefer
Lärche
Douglasie[4]
 
  Bangkirai (Yellow Balau, Shorea)[4]
Stiel- oder Traubeneiche
Amerikanische Weiß-Eiche
Garapa (Molaris, Apuleia spp.)[5][4]
[Sibirische Lärche][4][5]
Nootka-Scheinzypresse (Yellow Cedar)
   

*) Bei Robinie ist das adulte Kernholz als dauerhaft nach 1–2, ihr juveniles Kernholz (die ersten 7 bis 15 Jahrringe) jedoch als wenig dauerhaft nach 3–4 einzustufen (Dünisch, Koch und Dreiner 2007)[6][7]

Die Zuordnung zu den Dauerhaftigkeitsklassen erfolgt getrennt nach Splint und Kern, wobei Splintholz generell als nicht dauerhaft einzustufen ist (überwiegend Resistenzklasse 5[6]). In den meisten Fällen kann der Splint jedoch gut imprägniert werden. Durch eine sachgemäße Kesseldruckimprägnierung kann die Dauerhaftigkeit des Splintholzes im Allgemeinen bis zur Resistenzklasse 1 gesteigert werden.[8] Eine Imprägnierung des Kernes ist aufgrund der erfolgten Verthyllung bzw. des Tüpfelverschlusses je nach Holzart technisch schwierig bzw. nicht möglich.

Die Ermittlung der Dauerhaftigkeit von Holzarten erfolgt nach DIN EN 350-1 bisher durch Freilandversuche mit Hölzern im Erdkontakt (Gebrauchsklasse 4) sowie durch Laborprüfungen. In jüngerer Zeit wurden differenziertere Untersuchungen durchgeführt, bei denen die Hölzer in stärkerem Maße unter realistischen, an Bauwerken häufiger vorkommenden Einbausituationen (in den Gebrauchsklassen 3 und 4) geprüft wurden. Die so ermittelten Dauerhaftigkeiten ergaben hinsichtlich der geprüften Nadelhölzer eine weitgehende Übereinstimmung mit der DIN EN 350-2. Nach den bisherigen, vorläufigen Versuchsergebnissen ist die Dauerhaftigkeit der Laubhölzer Eiche und Robinie jedoch geringer als in der Norm angegeben. Es deutet sich an, dass z. B. Eichenkernholz unter realitätsnahen Einbaubedingungen als lediglich „wenig dauerhaft“ einzuschätzen ist.[9]

Physikalischer Holzschutz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Methoden und Mittel des physikalischen Holzschutzes sollen das Holzbauteil vor witterungsbedingter Schädigung schützen, also vor Feuchteaufnahme, Sonnenlicht und mechanischen Einflüssen. Sie sind auch als Wetterschutzmittel bekannt. Rein physikalisch wirkende Mittel bedürfen in Deutschland keiner Bewertung durch das Umweltbundesamt.

Holzschutzmittel ohne chemische Wirkung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Physikalische Holzschutzmittel sollen in erster Linie den Feuchteeintrag ins Holz reduzieren, um einen Insekten- oder Pilzbefall auszuschließen. Falls sie Pigmente oder andere Mittel zum Schutz vor UV-Strahlung enthalten, verzögern sie auch die Zersetzung bestimmter Inhaltsstoffe durch die Sonneneinstrahlung und damit die Vergrauung des Holzes. Schließlich können sie auch die mechanische Beanspruchbarkeit der Holzoberfläche verbessern.

Imprägnierungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Imprägnierungen ziehen in das Holz ein und schützen es vor Durchfeuchtung indem die Poren entweder verschlossen oder hydrophobiert werden.

Traditionell werden Öle und Wachse zur Imprägnierung von Holz verwendet. Diese reduzieren und hydrophobieren den zur Wasseraufnahme zur Verfügung stehenden Porenraum des Holzes, ohne die Verdunstung und Diffusion der bereits im Holz enthaltenen Feuchtigkeit vollständig zu unterbinden.

Nicht trocknende Öle wie Paraffinöl und kaltgepreßte Pflanzenöle ziehen besonders tief ins Holz ein, verteilen sich selbsttätig in alle Richtungen und können jederzeit in beliebiger Menge nachgestrichen werden, ohne klebrige oder dauerhaft glänzende Öberflächen befürchten zu müssen. Bei häufiger Beanspruchung durch Schlagregen waschen sie oberflächlich aus und das Holz nimmt wieder seine natürliche Erscheinung an.

Die Moleküle trocknender Öle vernetzen sich durch Polymerisation zu längeren Ketten, so dass das Öl immobil und bei Kontakt mit Wasser weniger leicht ausgewaschen wird. Trocknende Öle können Pigmente an der Holzoberfläche fixieren und so auch als Lasur und zum Schutz vor UV-Strahlung eingesetzt werden. Die Vernetzung des Öls kann sich über Jahre hinziehen und wird daher häufig durch Erhitzung des Öls oder Zusatz von Trocknungsmitteln beschleunigt.

Nachteile von Pflanzenölen

  • Die Holzoberfläche verdunkelt sich. Leinöl kann zur Vergilbung führen. Bestimmte Öle wie beispielsweise Walnußöl, Olivenöl und Paraffinöl ergeben weniger dunkle Oberflächen.
  • Öle haben in der Regel nur eine schwache oder keine fungizide Wirkung. Wenn sich auf Oberflächen Staub absetzt, die satt mit nicht trocknendem Öl behandelt wurden, so kann dies bei dauerhaft erhöhter Luftfeuchte oder häufiger Tauwasserbildung oberflächliche Schimmelbildung begünstigen. Die Voraussetzungen hierfür liegen in der Regel nur in gewerblich genutzten Feuchträumen oder in Gebieten mit häufiger Nebelbildung vor.

Filmbildende Holzschutzmittel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die meisten gewerblich vertriebenen Beschichtungen für Holz wie Dünn- oder Dickschicht-Lasuren und Lacke behindern das Eindringen von Feuchtigkeit indem sie die Oberfläche des Holzes versiegeln.

Da die Diffusion von Wassermolekülen ins Holz von der Innen- oder der Aussenseite aus in der Regel nicht vollständig ausgeschlossen werden kann, sollten Beschichtungen im Außenbereich nur nach einer vorherigen Imprägnierung in Form eines Bläueschutzes aufgebracht werden.

Thermobehandlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Thermoholz

Durch die Erhitzung des Holzes wird die chemische Umwandlung einiger Holzinhaltsstoffe erreicht, um das Holz unattraktiv für Pilze und Insekten zu machen und gegebenenfalls eine bestimmte Oberflächenwirkung zu erreichen. Die Erhöhung der Dauerhaftigkeit geht in der Regel mit einer gewissen Minderung der Festigkeit einher.

Chemischer Holzschutz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Holzschutzmittel

Chemische Holzschutzmittel enthalten in der Regel Biozide, welche holzzerstörende oder holzverfärbende Schadorganismen auf biologischem oder chemischem Wege bekämpfen.

Zum gewerblichen Einsatz chemischer Bekämpfungsmittel ist eine Sachkundeprüfung notwendig, die durch den „Sachkundenachweis Holzschutz am Bau“ beurkundet wird. Dieser Sachkundenachweis bestätigt die in DIN 68 800, Teil 4 geforderte Qualifikation und besagt, dass der Inhaber über die Kenntnisse und Fertigkeiten entsprechend dem Stand von Wissenschaft und Technik für die Vorbereitung, Anleitung, Durchführung und Prüfung von gesundheitlich unbedenklichen und umweltverträglichen Holzschutzmaßnahmen zur Bekämpfung holzzerstörender Pilze und Insekten sowie sonstiger Einflüsse verfügt.[10]

Entweder wird das Holz an der Oberfläche behandelt oder mit dem Holzschutzmittel durchtränkt. Dies kann handwerklich, z. B. mit Pinsel oder Sprühpistole, oder industriell, z. B. in Druckimprägnieranlagen, geschehen. Siehe Holzschutzverfahren.

Neue Holzschutzmittel enthalten zunehmend Wasser als Lösungs- bzw. Transportmittel, um problematische organische Lösungmittel zu reduzieren. Das Ziel ist, dass behandelte Hölzer weniger Schadstoffe durch Austrag, Auswaschung oder Ausgasung abgeben. Die Schutzwirkung ist jedoch gegebenenfalls geringer als bei herkömmlichen Mitteln, besonders im bekämpfenden Holzschutz.

Die Verbrennung von imprägnierten Hölzern erfolgt in speziellen Anlagen, die nach der Bundesimmissionsschutzverordnung (BImSchV) zugelassen werden.

Ausbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Deutschland gibt es seit 2007 zwei Ausbildungsberufe im dualen System, die mit der Gesellenprüfung abschließen: die zweijährige Ausbildung zur Fachkraft für Holz- und Bautenschutzarbeiten und den dreijährigen Ausbildungsberuf Holz- und Bautenschützer. Erfahrene Fachkräfte haben seit 2012 die Möglichkeit, eine Meisterprüfung im Holz- und Bautenschutz abzulegen. Berufsbegleitend gibt es seit 1992 die Möglichkeit am Europäischen Institut für postgraduale Bildung (EIPOS), einem An-Institut der TU Dresden, eine einjährige Ausbildung zum Sachverständigen im Holzschutz zu absolvieren.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Deutschen Institut für Bautechnik (DIBt)(Hrsg.) Holzschutzmittelverzeichnis. Verzeichnis der Holzschutzmittel mit allgemeiner bauaufsichtlicher Zulassung – Auflistung der Holzschutzmittel mit RAL-Gütezeichen – Auflistung der Bläueschutzmitel nach VDL-Richtlinie. 55. Auflage 2007, Erich Schmidt Verlag Berlin, ISBN 978-3-503-10029-3.
  • Johann Müller: Holzschutz im Hochbau. Fraunhofer IRB Verlag, Stuttgart 2005, ISBN 3-8167-6647-1.
  • Dietger Grosser: Pflanzliche und tierische Bau- und Werkholzschädlinge. München 1984.
  • Hans Peter Sutter: Holzschädlinge an Kulturgütern erkennen und bekämpfen. Verlag Paul Haupt, Bern Stuttgart Wien 2002, ISBN 3-258-06443-1.
  • G. Becker: Untersuchungen über die Ernährungsphysiologie der Hausbockkäferlarven. 1941, Z. vergl. Physiologie, 29/3, 315–388.
  • W. Behrenz, G. Technau: Untersuchungen zur Immunisierung des Holzes durch Heißluftbehandlung. 1956.
  • DIN, DGfH (Hrsg.): Holzschutz. Baulich – chemisch – bekämpfend. Erläuterungen zur DIN 68800 Teil 2, 3, 4. Beuth Verlag, Berlin 1998, ISBN 3-410-13959-1.
  • Uwe Wild: Lexikon Holzschutz. BAULINO Verlag, Waldshut 2009, ISBN 978-3-938537-07-7.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Dieter Lehmann: Zwei wundärztliche Rezeptbücher des 15. Jahrhunderts vom Oberrhein. Teil I: Text und Glossar. Horst Wellm, Pattensen/Han. 1985, jetzt bei Königshausen & Neumann, Würzburg (= Würzburger medizinhistorische Forschungen, 34), ISBN 3-921456-63-0, S. 229 (Öle-drusene: Öldrusen, Ölhefe).
  2. Informationen zur Ausgleichsfeuchte auf Holzfragen.de
  3. DIN 68364:1979-11 Kennwerte von Holzarten - Festigkeit, Elastizität, Resistenz (Norm zurückgezogen)
  4. a b c d e f g h i Stephan Winninghoff, Thomas Bauer, Martina Lorenz, Johannes Diebel, Christoph Schelhorn, Clemens Fauth, Christine Andres: Das Baustellenhandbuch für den Garten- und Landschaftsbau6. aktualisierte Auflage, Forum Verlag Herkert GmbH
  5. a b Angaben zur Dauerhaftigkeit in der Broschüre zum Terrassenbau, Firma Eurotec, abgerufen im Oktober 2015.
  6. a b Angaben zu den Dauerhaftigkeitklassen auf der Seite Holzfragen.de, abgerufen im Oktober 2015.
  7. Mechanische Kenngrößen von Buchen-, Eschen- und Robinienholz für lastabtragende Bauteile, S.5, Dissertation von Ulrich Hübner, Technische Universität Graz
  8. Informationen zur Dauerhaftigkeit/Resistenz von Holz auf der Seite der Firma Fahlenkamp, abgerufen im Oktober 2015.
  9. A. O. Rapp, U. Augusta, C. Brischke und C. R. Welzbacher: Natürliche Dauerhaftigkeit wichtiger heimischer Holzarten unter bautypischen Bedingungen. in: 25. Holzschutz-Tagung der DGfH am 20. und 21. September 2007 in Biberach/Riß, (Tagungsband).
  10. Sachkundenachweis Holzschutz am Bau. Deutscher Holz- und Bautenschutzverband, abgerufen am 15. Januar 2017.