Holzspielzeug

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Spielzeugautos aus Holz im Musée des Métiers du Bois, Labaroche
Kinder mit Papp- und Holzschwertern spielen Krieg
„Altes Holzspielzeug“
(Wohlfahrtsmarken der Deutschen Bundespost 1971)
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Frauen am Butterfass
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Reiter
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Nussknacker
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Taubenhaus
„Holzspielzeug“
(Sondermarke der Deutschen Post AG 2002; Design: Harry Scheuner)

Als Holzspielzeug oder im kommerziellen Sinn als Holzspielware wird vollständig oder größtenteils aus Holz gefertigtes Spielzeug bezeichnet.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Holz ist neben Knochen und Steinen einer der ältesten Rohstoffe in der Spielzeugherstellung. Die Geschichte von Holzspielzeug ist eng verbunden mit der Entwicklung der Menschheit und war oft Spiegelbild der vorherrschenden Kunstepochen. Im alten Ägypten spielten Kinder 200 vor Christus vor allem mit Tierfiguren aus Holz. Junge Griechen und Römer des Altertums widmeten sich neben Kreiseln, Würfelspielen und ähnlichem bevorzugt dem Spiel mit Holzschwertern.[1] Die Verwendung von Holz für Spielzeugwaffen ist bis in die Gegenwart beobachtbar. In der einfachsten Form dienen abgebrochene Äste bei Kindern als imaginäre Schuss-, Wurf- oder Stichwaffen. Viele bildende Künstler nahmen sich dem Thema an. In vielen Regionen war die Herstellung von Holzspielwaren oft Haupteinnahmequelle. Historisches Holzspielzeug im Speziellen ist und war immer wieder Thema für Ausstellungen und Museen, wie etwa für das Erzgebirgische Spielzeugmuseum Seiffen, das Holzspielzeugmuseum Bad Münstereifel oder das Museum Steinacher Spielzeugschachtel. Das Museum Gröden beherbergt eine einmalige Sammlung alten Grödner Holzspielzeugs aus der Zeit von 1750 bis 1940, das Johann Senoner-Vastlé vor dem Zweiten Weltkrieg zusammentrug.

Herstellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Allgemein wichtig bei der Herstellung ist, dass Holz als Hauptbestandteil verwendet wird. Es können verschiedene Holzarten verwendet werden. Ebenso sind verschiedenste Holzverarbeitungstechniken möglich. Weiterhin ist es nicht wichtig, ob es sich um schon einmal verarbeitetes oder Rohholz handelt, da beides zur Herstellung eines Holzspielzeugs erlaubt ist. Der Rohstoff Holz ermöglicht zudem in vielen Fällen auch die Reparatur defekten Spielzeugs.

Sicherheitsrichtlinien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für Holzspielzeug gelten, genau wie für jede andere Art von Kinderspielzeug, die Spielzeugrichtlinie der Europäischen Union.[2] Da diese eine allgemeine Richtlinie der Europäischen Union darstellt, ist sie für alle Staaten, die der Europäischen Union angehören, gültig. Holzspielzeug, das diesen Richtlinien nicht entspricht, gilt nicht als sicheres Kinderspielzeug und darf nicht in Umlauf gebracht, von privaten Händlern gehandelt oder von Staaten exportiert werden.

Produkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Angebot an Holzspielzeug ist vielfältig. Neben klassischen Spielzeugvarianten wie Holzpuppen, Holzeisenbahnen, Puppenküchen, Spielzeugautos, Holzbaukästen, Konstruktionsspielzeug (z.B. Baufix) usw. werden häufig Brett- und Geduldspiele sowie Spielgeräte wie Tischfußball und Tischkegelbahnen aus Holz gefertigt. Neben der fachmännischen bzw. industriellen Fertigung wird Holzspielzeug auch häufig von Heimwerkern für den Eigengebrauch hergestellt. Für die Eigenherstellung gibt es ein breites Literaturangebot mit Anleitungen.

Besonders im Erzgebirge entwickelte sich die Herstellung von Holzspielzeug infolge der früher herrschenden finanziellen Not und durch den Holzreichtum der Region zu einer wichtigen Nebenerwerbsquelle. Um kleine Holzfiguren durch Massenproduktion wirtschaftlicher herstellen zu können, wurde in dieser Gegend zu Beginn des 19. Jahrhunderts die Technik des Reifendrehens entwickelt.

Die Berchtesgadener War wurde ab dem Ende des 15. bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts im Gebiet der Fürstpropstei Berchtesgaden hergestellt.[3] Ein traditionelles Beispiel für diese Produkte ist das ursprünglich als Kinderspielzeug gedachte und später auch als Christbaumschmuck genutzte Arschpfeifenrössl.

In Russland sind Matrjoschkas besonders beliebt.

Viele renommierte Spielwarenproduzenten haben oder hatten Holzspielzeug in ihrem Sortiment. Beispielsweise begann der Tischlermeister und Erfinder der Lego-Steine Ole Kirk Christiansen mit Holzspielzeug. Auch der Plüschtierhersteller Steiff hatte zeitweilig Holzspielzeug im Programm.

Pädagogik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Herstellung von Kinderspielzeug ist vor allem bedeutsam, dass das Produkt zur Verwendung von Kindern zu Unterhaltungs- und Lernzwecken entworfen wird. Die von Friedrich Fröbel entwickelten Spielgaben bestehen größtenteils aus Holz. Sie sollen sowohl die Kreativität und Feinmotorik als auch das räumliche Denken schulen.

Hauptartikel: Reformspielzeug

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Deutschland ist Holzspielzeugmacher bzw. Holzspielzeugmacherin ein staatlich anerkannter Ausbildungsberuf.[4] Schon in der DDR gab es den Beruf des Facharbeiters für Holzspielzeug.

Seit 1993 wird in Deutschland der Deutsche Designpreis für Holzspielzeug verliehen.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Manfred Bachmann: Holzspielzeug aus dem Erzgebirge. Verlag der Kunst, Dresden, 1984

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Wooden toys – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Holzspielzeug – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Alfried Schmitz: Spiele und Spielzeug – Geschichte des Spielzeugs, Planet Wissen, vom 30. Dezember 2010.
  2. Richtlinie 2009/48/EG (PDF, 1029 kB)
  3. Joseph Ernst von Koch-Sternfeld: Geschichte des Fürstenthums Berchtesgaden und seiner Salzwerke. Band 3
  4. Verordnung über die Berufsausbildung zum Holzspielzeugmacher/zur Holzspielzeugmacherin. auf: gesetze-im-internet.de, (PDF; 47 kB), abgerufen am 12. Oktober 2010.