Homosexualität in Chile

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Geografische Lage von Chile

Homosexualität war in der Vergangenheit in Chile gesellschaftlich tabuisiert, wird hingegen in der Gegenwart in zunehmendem Maße anerkannt, obwohl die Sichtbarkeit der LGBT-Community klein ist.

Legalität[Bearbeiten]

Homosexuelle Handlungen sind in Chile seit 1998 legal. Das Schutzalter ist nicht einheitlich. Es liegt bei 18 Jahren bei homosexuellen Handlungen und bei 14 Jahren bei heterosexuellen Handlungen.[1]

Antidiskriminierungsgesetze[Bearbeiten]

Die Einführung von Antidiskriminierungsgesetzen zum Schutz der sexuellen Orientierung wird gegenwärtig parlamentarisch debattiert. Mediales Aufsehen in Chile erregte der Diskriminierungsfall des chilenischen Richters Daniel Calvo, der nach Bekanntwerden eines Saunaaufenthalts in einer Schwulensauna als Richter am Santiago Court of Appeals versetzt wurde.[2]

Anerkennung gleichgeschlechtlicher Paare[Bearbeiten]

Am 13 April 2015 [3] verkündete Michelle Bachelet, die amtierende Präsidentin Chiles, das Gesetz "Acuerdo de Unión Civil", welches nach 6 Monaten, die für verwaltungstechnische Umstellungen benötigt werden, in Kraft treten soll. Es stellt einen neuen Zivilstatus neben der Ehe dar, der es homosexuellen wie auch heterosexuellen Paaren erlaubt eine gesetzlich anerkannte Partnerschaft zur juristischen Absicherung einzugehen. Der Verwaltungsakt wird, ebenso wie die Ehe, auf den Standes-/Meldeämtern (registo civil) durchgeführt.

Neben der rechtlichen Absicherung, wie Krankheits- oder Erbfall der PartnerInnen, sind auch gemeinsame oder miteingbrachte Kinder (Stiefkinder) in diese Absicherung miteinbezogen. Die Auflösung dieser Gemeinschaft erfolgt, bei beidseitigem Einverständnis, ebenfalls auf dem Standes-/Meldeamt, wo dann zusätzlich noch Verträge über Renten-, Unterhaltszahlungen und die Erziehungsberechtigung von Kindern unterschrieben werden müssen. Bei einseitiger Annullierung muss ein Zivilrichter miteinbezogen werden. Das Adoptionsrecht ist von diesem Gesetz nicht betroffen.

Historie[Bearbeiten]

Staatlicherseits wurden gleichgeschlechtliche Paare bis Oktober 2015 nicht anerkannt. Bereits 2004 wurde ein Gesetzentwurf angekündigt, welches aber nur für homosexuelle Partner angedacht war. Im Zuge dieser politischen Debatte in Chile wurde der Richterin Karen Atala, die Mutter dreier Kinder ist, ihr Sorgerecht von chilenischen Gerichten entzogen.[4] Karen Atala wollte gemeinsam mit ihrer Lebensgefährtin ihre Kinder erziehen, wogegen ihr geschiedener Ehemann geklagt hatte.[5][6] Gegenwärtig klagt Karen Atala vor der Interamerikanischen Kommission für Menschenrechte in Washington, D.C.[7] 2011 wurde erneut im chilenischen Parlament über die staatliche Anerkennung gleichgeschlechtlicher Paare debattiert.[8][9] Ein Gesetzentwurf der Regierung Sebastián Piñera zur Einführung einer Lebenspartnerschaft wurde im August 2011 im Parlament eingebracht[10]; der Gesetzentwurf wurde bis zum Ende der Legislaturperiode im November 2013 nicht angenommen. Nach den Präsidentschaftswahlen in Chile 2013 stimmte infolge des Regierungswechsels am 9. Januar 2014 der Senat von Chile für die Einführung eines Lebenspartnerschaftsinstitutes.[11] Im Januar 2015 votierten im chilenischen Unterhaus 86 Abgeordnete für die Einführung eines Lebenspartnerschaftsinstitutes, 23 stimmten dagegen, zwei Delegierte enthielten sich.[12]Ebenso befürwortete im Januar 2015 der Senat von Chile die Einführung eines Lebenspartnerschaftsinstitutes.[13]

Gesellschaftliche Situation[Bearbeiten]

Im Vergleich zu den südamerikanischen Staaten Brasilien oder Argentinien ist die LGBT Community in Chile eher klein. Sie findet sich vorwiegend in der chilenischen Hauptstadt Santiago und in der Hafenstadt Valparaíso. LGBT-Organisationen wie Movimiento de Integración y Liberación Homosexual (MOVILH) und Movimiento Unificado de Minorías Sexuales (MUMS) unterstützen in Chile die Rechte homosexueller Menschen.

Fall Daniel Zamudio[Bearbeiten]

2012 wurde in Santiago de Chile der 1987 geborene Verkäufer Daniel Zamudio Vera wegen seiner Homosexualität von vier Neo-Nazis ermordet. Sein Fall erregte in ganz Chile und Lateinamerika großes Entsetzen und große Aufmerksamkeit. Die Beisetzung von Daniel kam in Chile einem Staatsakt gleich, die Täter wurden unter großer Anteilnahme der Bevölkerung verurteilt. Eine 2013 eingerichtete Stiftung mit dem Namen Fundacion Daniel Zamudio setzt sich für das Erinnern an Gewaltopfer ebenso als Beratungsstelle für Eltern homosexueller Kinder ein.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Homosexualität in Chile – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gemma Pritchard: Chilean court delivers controversial sodomy conviction, 21. August 2007 in Pinknews
  2. Reporter ohne Grenzen: Annual Report 2004
  3. La Tercera, Chile: [1]
  4. National Center for Lesbian Rights: Karen Atala Riffo v. Chile
  5. Queerday: Chilean lesbian Karen Atala Riffo and her custody battle (Memento vom 27. September 2007 im Internet Archive)
  6. Queerday: Chile under fire by rights groups for denying lesbian Karen Atala custody (Memento vom 27. September 2007 im Internet Archive)
  7. New York City Bar: Amicus Briefs Argue Against Discrimination in Chile (Memento vom 1. Dezember 2008 im Internet Archive)[ ]
  8. Queer: Homo-Ehe in Chile ?, 6. August 2011
  9. Advocate: Chile Considers Same-Sex Civil Unions, 11. Juli 2011
  10. Advocate: Chiles President backs civil unions, 10. August 2011
  11. queer.de:Senat stimmt für eingetragene Partnerschaften
  12. taz.de:Homosexuellen-Rechte in Chile, Mehrheit für Verpartnerung'
  13. Queer.de:Chile: Lebenspartnerschaftsgesetz nimmt letzte Hürde