Horace-Bénédict de Saussure

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Horace-Bénédict de Saussure
Horace-Benedict-de-Saussure-Monument in Chamonix (1899)
Horace-Benedict-de-Saussure-Monument in Chamonix (2012)

Horace-Bénédict de Saussure (* 17. Februar 1740 in Conches bei Genf; † 22. Januar 1799 in Genf) war ein Schweizer Naturforscher. Sein offizielles botanisches Autorenkürzel lautet „Sauss.“ Er ist der Vater von Nicolas-Théodore de Saussure, Großvater von Henri de Saussure und Urgroßvater von Ferdinand de Saussure.

Leben und Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Saussure erhielt Förderung von seinem Vater, Nicolas de Saussure, seinem Onkel Charles Bonnet, dem Naturforscher und Poeten Albrecht von Haller und dem Arzt Théodore Tronchin. Er studierte ab 1757 Naturwissenschaften an der Akademie Genf, wo er 1759 zum Dr. phil. promoviert wurde. 1762 wurde er mit 22 Jahren als Professor der Philosophie an die Akademie Genf berufen.

Anerkannt sind seine Verdienste um die Geologie, zu deren Begründern er zu zählen ist, um die Physik der Atmosphäre und verwandte Wissenschaften. Er lieferte bemerkenswerte pflanzenanatomische Arbeiten. Auch die Glaziologie verdankt ihm ihre Grundlagen.

Er bereiste Frankreich, Italien, Sizilien und durchforschte die Westalpen, besonders das Massiv von Chamonix. Im Jahre 1760 setzte er eine bedeutende Menge Geld für die Erkundung einer Aufstiegsroute auf den Mont Blanc aus. Im Jahre 1787, ein Jahr nach der Erstbesteigung des Mont Blanc, führte er „in Begleitung eines Bedienten und 18 Führer“ die erste wissenschaftliche Besteigung dieses Berges aus. Auf dem Gipfel machte er unter anderem geologische Beobachtungen und vergleichende barometrische und thermometrische Messungen. Diese Messungen ergaben am 3. August 1787, dass der Mont Blanc der höchste Gipfel Europas ist.

Er erfand ein Elektrometer, verbesserte das Hygrometer und ähnliche Instrumente. Zu den merkwürdigsten zählt auch der von ihm entwickelte Cyanometer (griech.), ein Instrument zur Messung der Farbintensität der blauen Himmelsfarbe.[1] Auf diese Instrumente griff unter anderem Alexander von Humboldt bei seinen amerikanischen Expeditionen zurück.

Als Stifter und Präsident der Gesellschaft der Künste erwarb er sich um das Fabrikwesen Genfs große Verdienste.

Durch die Forschung auf den Gebieten der Meteorologie, Geologie, Mineralogie, Glaziologie, dem Magnetismus und der Elektrizität hat er in seiner Zeit die Kenntnisse darüber beträchtlich erweitert. Der Frankfurter Philosoph Arthur Schopenhauer erwähnt den Naturforscher in seiner Dissertation Ueber die vierfache Wurzel des Satzes vom zureichenden Grunde: „SAUSSÜRE soll, vom Mont Blanc aus, den aufgehenden Mond so groß gesehn haben, daß er ihn nicht erkannte und vor Schreck ohnmächtig ward.“

Saussure gilt als Vater der modernen Alpenforschung. Von seinen Schriften sind seine Voyages dans les Alpes hervorzuheben. Als Erstbesteiger des Kleinen Matterhorns war Horace Bénédict de Saussure auch Wegbereiter des Alpinismus.

In den späteren Jahren seines Lebens nahm er Anteil an der neuen Gesetzgebung seines Vaterlandes und war Mitglied des Rats der Zweihundert.

Ehrungen und Würdigung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dedikationsnamen: Ihm zu Ehren wurde die Pflanzengattung der Alpenscharten (Saussurea DC.) aus der Familie der Korbblütler (Asteraceae, früher Compositae) benannt.
  • Der Mondkrater Saussure wurde 1935 von der Internationalen Astronomischen Union nach ihm benannt.
  • Als Vermesser des Matterhorns war er auf der alten Schweizer 20-Franken-Note abgebildet.
  • In Paris ist eine Straße nach ihm benannt: die Rue de Saussure.
  • Das 1806 von Nicolas-Théodore de Saussure zu Ehren von de Saussure benannte Mineral „Saussurit“ hat sich als dichtes, weißes bis lichtgrünes Gemenge von Zoisit, Skapolith, Epidot, Serizit und anderen Mineralen erwiesen. Der Mineralname lebt aber im Terminus „Saussuritisierung“ fort. Hierunter versteht man die Alteration calciumreicher Plagioklase zu feinkörnigen Aggregaten aus natriumbetonten Plagioklasen, Epidot, Zoisit, Calcit, Serizit und Zeolithen bei der epizonalen Metamorphose basischer Magmatite.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Observations sur l'écorce des feuilles et des pétales. 102 S., Genf 1762
  • Voyages dans les Alpes., Genf 1779-96 (4 Bände)
  • Essais Sur L'Hygrométrie. 542 S., Samuel Fauche Pere Et Fils, Neuchatel 1783
  • Relation abrégée d'un voyage à la Cime du Mont-Blanc: en août 1787. 38 S., Barde & Manget Genf 1787.
  • deutsche Fassung: Kurzer Bericht von einer Reise auf den Gipfel des Montblanc, im August 1787, Akademische Buchhandlung, Strasburg 1788. 40 Seiten. Faksimile Fines Mundi Verlag, Saarbrücken 2008.
  • Défense de l'Hygromètre à cheveu. 82 S., Genf 1788
  • Description de deux nouvelles espèces de trémelles douées d’un mouvement spontané. Journal de Physique, Bd. 37, S. 401-409, 1790
  • Manuscrits et publications de Horace-Bénédict de Saussure sur l'origine du basalte. Zusammenstellung von Albert V. Carozzi, 769 S., Éditions Zoé, Genf 2000. ISBN 2-88182-411-0

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jo Krummacher: Die Idee von den kleinen Wesen, welche auf der Oberfläche dieser Kugel herumkriechen. Kanarische Annäherungen an Horace Bénédict de Saussure. Essay. In: Das Plateau. 24 (1994)
  • René Sigrist, Le capteur solaire de Horace-Bénédict de Saussure. Genèse d'une science empirique, Genève, Passé-Présent / Jullien, 1993.
  • René Sigrist (éd.), H.-B. de Saussure (1740-1799). Un regard sur la Terre, Genève, Georg, 2001.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Horace-Bénédict de Saussure – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Verlinkung zu einer Cyanometer-Abbildung