Hornmist

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Hornmist-Präparate („Präparat 500“)

Als Hornmist (auch Präparat 500)[1] wird ein Präparat in der biologisch-dynamischen Landwirtschaft bezeichnet.

Herstellung und Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Hörner werden vor dem Vergraben mit frischen Exkrementen gefüllt

Zur Gewinnung des Präparats wird eine kleine Handvoll frischen Kuhmists in das ausgehöhlte Horn einer toten Kuh gefüllt. Dieses wird in der Erde vergraben; die Ausbringung erfolgt vorzugsweise bei Vollmond (im Gegensatz zu Hornkiesel, welche bei Neumond vergraben werden sollten).[2] Das mit Mist gefüllte Kuhhorn muss nun für eine bestimmte Zeit im Boden verbleiben. Danach wird der Inhalt des Kuhhorns in einem Eimer Wasser verrührt und vom Landwirt über einem Hektar Acker versprüht.

Vermeintliche Wirkweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Wirkung dieses Präparates wird aus Sicht der Lehrmeinung der Anthroposophie behauptet, die von Rudolf Steiner um 1924 begründet wurde. Das Präparat soll „die kosmischen Kräfte des Bodens“ aktivieren[3] und der Wirkung eines warmen Regens entsprechen.

Steiner selbst sprach beim vierten Vortrag seines Landwirtschaftlichen Kurses zur Düngungsfrage am 12. Juni 1924 in Koberwitz:

„Nehmen wir Dünger, wie wir ihn bekommen können, stopfen wir damit ein Kuhhorn aus und geben wir in einer gewissen Tiefe ich will sagen etwa dreiviertel bis einhalb Meter tief wenn wir einen unten nicht zu tonigen oder zu sandigen Boden haben - das Kuhhorn in die Erde. Wir können ja einen guten Boden dazu, der nicht sandig ist, auswählen. Sehen Sie, dadurch, daß wir nun das Kuhhorn mit seinem Mistinhalt eingegraben haben, dadurch konservieren wir im Kuhhorn drinnen die Kräfte, die das Kuhhorn gewohnt war, in der Kuh selber auszuüben, nämlich rückzustrahlen dasjenige, was Belebendes und Astralisches ist. Dadurch, daß das Kuhhorn äußerlich von der Erde umgeben ist, strahlen alle Strahlen in seine innere Höhlung hinein, die im Sinne der Ätherisierung und Astralisierung gehen.“

- Rudolf Steiner: „Geisteswissenschaftliche Grundlagen zum Gedeihen der Landwirtschaft“ (GA 327), S. 99f.

Kuhmist enthält eine Vielzahl von Mikroorganismen, die prinzipiell in feiner Verteilung über den Boden die „Kleinstlebewelt“ anregen können, in hoher Konzentration aber ein Infektionsrisiko für Tier und Mensch darstellen.

Aus naturwissenschaftlicher Sicht kann jedoch eine Wirkung nicht nachvollzogen werden.[4]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Das Hornmistpräparat 500 - Die Präparatekiste
  2. Was sind biodynamische Weine? - Alnatura
  3. Blut und Bohnen Der Paradigmenwechsel im Künast-Ministerium ersetzt Wissenschaft durch Okkultismus F.A.Z. Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 13. März 2002
  4. Dubiose Wunder aus dem Kuhhorn - Die Presse

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rusch, Hans Peter. Bodenfruchtbarkeit: Eine Studie biologischen Denkens. Heidelberg 2014, ISBN 9783922201458
  • Seifert, Alwin. Gärtnern, Ackern – ohne Gift. München 1971, ISBN 3406340261
  • Steiner, Rudolf. Geisteswissenschaftliche Grundlagen zum Gedeihen der Landwirtschaft. Dornach 1999, ISBN 3727464003

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]