Horrortrip

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Klassifikation nach ICD-10
F16.0 Akute Intoxikation (akuter Rausch) (Halluzinogene)
ICD-10 online (WHO-Version 2016)

Als Horrortrip oder Angstreise (engl. bad trip) wird eine akute Intoxikation (akuter Rausch) durch halluzinogenen Substanzen bezeichnet, der als sehr negativ erlebt und mit starken Angstzuständen begleitet wird.[1] Er kann unter Einfluss verschiedener psychotroper Substanzen auftreten, insbesondere bei Halluzinogenen wie Psychedelika, Delirantia und Dissoziativa in hohen Dosierungen. Personen, die einen Horrortrip erleben, haben Panikanfälle, das Gefühl des Alleinseins, Verlust der Selbstwahrnehmung, Depersonalisation, Derealisation, Weinkrämpfe, Verfolgungswahn oder Todesangst.

Substanzen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Psychedelika (z.B. LSD, Psilocybin, DMT usw.), Delirantia (Anticholinergika, wie DPH, Scopolamin, Atropin, Engelstrompete, Stechapfel usw.) und Dissoziativa (Ketamin, PCP, MXE, DXM usw.), welche allgemein unter dem Begriff Halluzinogene zusammengefasst werden, können (meist in hohen Dosierungen) einen Horrortrip auslösen. Das Erleben eines Horrortrips nach hochdosiertem Ketaminkonsum wird als K-Hole bezeichnet.[2]

Horrortrip-ähnliche Zustände können aber auch durch den Konsum von Cannabis – hier v. a. durch ungewohnte Mengen oder Verabreichungsformen (z. B. Space-Cookies), synthetische Cannabinoide, Ecstasy oder Mischkonsum ausgelöst werden. Infolge eines Konsums von erregenden Substanzen (Amphetamin, Kokain, selbst Kaffee in exzessiver Dosierung[3]) können Horrortrip-Zustände auftreten, z. B. wenn die Person ununterbrochen über einen längeren Zeitraum ohne Schlaf gewesen ist; hier wirken Substanzeffekt und Schlafentzug zusammen. Jedoch spricht die Internationale Klassifikation der Krankheiten (ICD-10) ausschließlich der akuten Intoxikation von Halluzinogenen den Begriff des Horrortrip oder der Angstreise zu.

Auslösende Faktoren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Auftreten von Horrortrips ist in hohem Maße vom Gemütszustand der Person sowie von der Umgebung (Set und Setting) abhängig. So erleben nichtrauchende Drogenunerfahrene oft beim ersten Versuch eines oralen Cannabiskonsums äußerst unangenehm empfundene, lang anhaltende Wirkungen, die unter diese Kategorie gefasst werden können. „Echte“ Horrortrips treten v. a. nach Konsum unter „ungünstigen“ Umständen auf: etwa, wenn die konsumierende Person ohnehin in einer psychischen Problemlage steckt, wenn die Droge im „unangemessenen“ Umfeld (Party oder Disco oder sonstige stark frequentierte Orte) konsumiert wurde oder wenn während des Rausches unvorhergesehene Dinge passieren. Der US-Wissenschaftler Richard Bunce hat bereits 1982 dargelegt, wie im Nachklang der ersten „Drogenwelle“ durch die Zunahme des subkulturellen Wissens über „günstige“ Bedingungen für den Halluzinogenkonsum die Zahl der Horrortrips innerhalb weniger Jahre deutlich zurückging, obwohl der LSD-Konsum insgesamt stagnierte.[4]

Ein erhöhter Neurotizismuswert kann das Auftreten schwieriger Erlebnisse unter dem Einfluss von Psilocybin begünstigen.[5][6]

Gegenmaßnahmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei starker Erregung durch psychedelische Substanzen ist unter anderem medizinische Behandlung indiziert. „Goodman & Gilman's The Pharmacological Basis of Therapeutics“ schlägt hier 20 mg Diazepam peroral vor. Beruhigende Gespräche haben sich als wirksam erwiesen und sind daher als erste Maßnahme angezeigt. Antipsychotika können das Erleben verstärken und sind daher kontraindiziert.[7]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • H. D. Abraham, A. M. Aldridge: Adverse consequences of lysergic acid diethylamide. In: Addiction. Band 88, Nummer 10, Oktober 1993, S. 1327–1334. PMID 8251869 (Review).
  • R. J. Strassman: Adverse reactions to psychedelic drugs. A review of the literature. In: The Journal of nervous and mental disease. Band 172, Nummer 10, Oktober 1984, S. 577–595, PMID 6384428 (Review).

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. DIMDI - ICD-10-WHO Version 2016. In: dimdi.de. 17. Juli 2015, abgerufen am 19. August 2017.
  2. L. Muetzelfeldt, S. K. Kamboj, H. Rees, J. Taylor, C. J. Morgan, H. V. Curran: Journey through the K-hole: phenomenological aspects of ketamine use. In: Drug and alcohol dependence. Band 95, Nummer 3, Juni 2008, S. 219–229, doi:10.1016/j.drugalcdep.2008.01.024, PMID 18355990.
  3. Kopfschmerz aus der Tasse. In: Medical Tribune. 38/2002.
  4. Richard Bunce: Social and political sources of drug effects: The case of bad trips on psychedelics. (Memento vom 20. Oktober 2002 im Internet Archive) In: E. Zinberg, W. M. Harding: Control Over Intoxicant Use: Pharmacological, Psychological, and Social Considerations. In: Human Sciences Press. 1982, S. 105–125.
  5. Frederick S. Barrett, Matthew W. Johnson, Roland R. Griffiths: Neuroticism is associated with challenging experiences with psilocybin mushrooms. In: Personality and Individual Differences. 117, 2017, S. 155, doi:10.1016/j.paid.2017.06.004.
  6. Christiane Gelitz: Psilocybin: Wem droht ein Horrortrip? In: spektrum.de. 12. Juni 2017, abgerufen am 19. August 2017.
  7. „Severe agitation may respond to diazepam (20 mg orally). “Talking down” by reassurance also is effective and is the management of first choice. Antipsychotic medications may intensify the experience and thus are not indicated.“ Laurence Brunton, Bruce A. Chabner, Bjorn Knollman: Goodman and Gilman’s Manual of Pharmacology and Therapeutics. 12. Auflage. McGraw-Hill, 2011, ISBN 978-0-07-176939-6, S. 1537.
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