Horsarrieu

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Horsarrieu
Horsarrieu (Frankreich)
Horsarrieu
Region Nouvelle-Aquitaine
Département Landes
Arrondissement Mont-de-Marsan
Kanton Chalosse Tursan
Gemeindeverband Chalosse Tursan
Koordinaten 43° 41′ N, 0° 36′ WKoordinaten: 43° 41′ N, 0° 36′ W
Höhe 50–133 m
Fläche 11,02 km2
Einwohner 688 (1. Januar 2016)
Bevölkerungsdichte 62 Einw./km2
Postleitzahl 40700
INSEE-Code

Pilger vor der Pfarrkirche Saint-Martin

Horsarrieu ist eine französische Gemeinde mit 688 Einwohnern (Stand 1. Januar 2016) im Département Landes in der Region Nouvelle-Aquitaine (vor 2016: Aquitanien). Die Gemeinde gehört zum Arrondissement Mont-de-Marsan und zum Kanton Chalosse Tursan (bis 2015: Kanton Hagetmau).

Der Name leitet sich vom gascognischen horc arriu (deutsch Zusammenfluss zweier Flüsse) ab.[1]

Die Einwohner werden Horsarrois und Horsarroises genannt.[2]

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Horsarrieu liegt ca. 25 km südlich von Mont-de-Marsan im Landstrich Chalosse der historischen Provinz Gascogne.

Umgeben wird Horsarrieu von den Nachbargemeinden:

Audignon Dumes
Doazit Nachbargemeinden Sainte-Colombe
Hagetmau

Horsarrieu liegt im Einzugsgebiet des Flusses Adour. Der Ruisseau de Laudon, ein Nebenfluss des Gabas, fließt an der nordwestlichen Grenze der Gemeinde entlang.[3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Horsarrieu entfaltete sich im Mittelalter, da es an der Via Lemovicensis, einem der wichtigsten Jakobswege nach Santiago de Compostela, lag. Ein Hospital des Malteserordens wurde im Jahre 1335 erstmals erwähnt und bis zur Französischen Revolution betrieben. Die Gebäude dienen heute als Bauernhof. Das Siedlung entwickelte sich auf einem Felsvorsprung rund um den Sitz des Grundherrn und wurde im 16. Jahrhundert zum Baronat erhoben. Horsarrieu besitzt heute noch Reste der Burg auf einem künstlichen Erdhügel, Erdaufschüttungen und Gräben, auf dem die Arena heute errichtet ist.[1]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Beginn der Aufzeichnungen stieg die Einwohnerzahl bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts auf einen ersten Höchststand von 665. In der Folgezeit sank die Größe der Gemeinde bei kurzen Erholungsphasen bis zu den 1950er Jahren auf rund 415 Einwohner, bevor eine zeitweise starke Wachstumsphase einsetzte, die noch heute andauert.

Jahr 1962 1968 1975 1982 1990 1999 2006 2010 2016
Einwohner 424 447 478 567 634 636 629 633 688
Ab 1962 offizielle Zahlen ohne Einwohner mit Zweitwohnsitz
Quellen: EHESS/Cassini bis 1999,[4] INSEE ab 2006[5][6]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pfarrkirche Saint-Martin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Widmung an den heiligen Martin von Tours lässt vermuten, dass die Pfarrgemeinde im 9. oder 10. Jahrhundert gegründet wurde. Die erste Pfarrkirche befand sich umgeben von einem heute noch existierenden Friedhof im Zentrum der Gemeinde bis zu ihrem Abriss im Jahre 1871. Die heutige Pfarrkirche wurde im 13. oder 14. Jahrhundert errichtet und zunächst dem heiligen Blasius von Sebaste gewidmet. Sie war ursprünglich die Kapelle der benachbarten Burg. Vom ersten Bau ist heute nur die südliche Wand des Chors mit zwei rundbogenförmigen, im Jahre 1950 zugemauerten Eingängen übrig geblieben. Im Hundertjährigen Krieg wurde sie fast vollständig zerstört und zwischen dem 15. und dem 16. Jahrhundert wieder aufgebaut. Aus dieser Periode stammt das Langhaus mit zunächst einem Hauptschiff mit Kreuzrippengewölbe, der größte Teil der flach abschließenden Apsis und die westliche Partie mit dem Glockenturm und dem Eingangsportal im Flamboyantstil. Der Neubau wurde kaum fertiggestellt, als ihn 1569 protestantische Truppen im Rahmen der Hugenottenkriege in Brand steckten. Das Gewölbe des Chors und des Jochs unter dem Turm stürzten ein. Notdürftig im 17. und 18. Jahrhundert repariert, wurde die Kirche während der Französischen Revolution am 29. Mai 1794 in einen sogenannten Tempel der Vernunft umgewandelt. Seit der Julimonarchie wurde die Kirche, die sich inzwischen in einen schlechten Zustand befand, schließlich mehrfach restauriert und vergrößert. Das Gewölbe des Chors wurde 1841 in einem Neo-Flamboyantstil wiederhergestellt. 1865 bis 1866 wurde nach Plänen des Architekten Dupouy ein Seitenschiff nördlich an das Hauptschiff angefügt. 1867 wurde eine Nische in der Längsachse des Chors gebaut, und in den Jahren 1877 und 1878 wurde das Gewölbe und die östlichen Strebepfeiler des Glockenturms, eine Empore und ein Windfang errichtet. 1871 wurde sie Pfarrkirche nach dem Abriss der bisherigen Kirche und übernahm deren Widmung. Die Gewölbe der Kirchenschiffe erfuhren in den kommenden Jahren eine dekorative Bemalung. Eine teilweise Ausbesserung der Gewölbe erfolgte 1951, nachdem im Dezember 1947 ein Blitzeinschlag die Kirche beschädigt hatte. 1950 wurde die Sakristei südlich des Chors für den Bau einer kleinen Straße abgerissen und durch eine neue Sakristei nördlich des Chors ersetzt. 1981 führte eine Renovierung zum Abtragen der Gewölbe, zum Verputzen der Wände und zum Verlegen eines Steinpflasters. Die Kirche ist seit dem 12. Dezember 1939 als Monument historique eingeschrieben.[7][8]

Die Kirche besitzt ein Langhaus mit fünf ungleichförmigen Jochen, das nach Osten mit einem Chor gleicher Breite verlängert wird. Das Seitenschiff öffnet sich zum Hauptschiff durch Arkaden in Form von gedrückten Spitzbögen. Die beiden Kirchenschiffe sind mit einem Kreuzrippengewölbe gedeckt, mit Steinrippen im Hauptschiff und im Chor und mit flachen, überzogenen Ziegelsteinen im Seitenschiff. Der westliche Teil der Kirche besteht aus einem massiven Glockenturm, der in der nordwestlichen Ecke von einem rechteckigen, um 45° gedrehten Treppenturm ergänzt wird. Beide Türme sind mit einem Zeltdach aus Schiefer gedeckt. Strebepfeiler umsäumen das gesamte Gebäude. Aus der Einrichtung der früheren, 1871 abgerissenen Pfarrkirche ist nichts bewahrt worden mit Ausnahme eines Taufbeckens, das schwierig zu datieren ist. Die meisten Einrichtungsgegenstände stammen aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Fünfzehn künstlerisch ausgestaltete Glasfenster sind Werke von Charles Mauméjean (1888–1957) und seines Neffen Georges (1902–1970) aus den Jahren 1954 bzw. 1969 als Ersatz für die Fenster, die bei dem Blitzeinschlag im Dezember 1947 zerstört wurden.[7][9][10]

Neben fünf Fenstern mit ornamentalen Motiven zeigen sie folgende Persönlichkeiten und Symbole:

  • Salvator mundi, der eine Krone, das Zepter und den Globus trägt, umhüllt von einem purpurfarbenen Mantel und überragt vom Kreuz,
  • der zweite Schutzpatron der heilige Blasius, der ein Kind heilt, das eine Fischgräte verschluckt hatte,
  • die Barmherzigkeit des heiligen Martin,
  • den Evangelisten Johannes, der einer Schlange den Kelch hinhält,
  • Ludwig IX. von Frankreich auf seinem Thron, der eine Dornenkrone und ein Zepter mit einer Hand an seinem Ende, die sogenannte main de justice, hält,
  • der Apostel Petrus, thronend, die Schlüssel haltend und segnend,
  • weiße Lilien, ein Symbol Marias,
  • eine brennende Wachskerze als Symbol der Taufe,
  • Symbole der Passion, Dornenkrone, Nägel, Hammer, Lanze und
  • das Kreuz, umgeben von geometrischen Motiven, die an einen Strahlenkranz erinnern.[10]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Handel und Dienstleistungen sind die wichtigsten Wirtschaftsfaktoren der Gemeinde.

Aktive Arbeitsstätten nach Branchen am 31. Dezember 2015[11]
Gesamt = 48

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde verfügt über eine öffentliche Grundschule mit 51 Schülerinnen und Schülern im Schuljahr 2017/2018.[12]

Logo des Jakobswegs

Sport und Freizeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ein Rundweg mit einer Länge von 12 km führt vom Zentrum durch das Gebiet der Gemeinde.[14]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Horsarrieu ist erreichbar über die Routes départementales 18, 78, 350 und 933S, der ehemaligen Route nationale 133.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Horsarrieu – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Horsarrieu (fr) Conseil régional d’Aquitaine. Archiviert vom Original am 9. September 2016. Abgerufen am 5. Mai 2018.
  2. Landes (fr) habitants.fr. Abgerufen am 5. Mai 2018.
  3. Ruisseau de Laudon (Q1380500) (fr) Service d’Administration Nationale des Données et Référentiels sur l’Eau (SANDRE). Abgerufen am 5. Mai 2018.
  4. Notice Communale Horsarrieu (fr) EHESS. Abgerufen am 5. Mai 2018.
  5. Populations légales 2006 Commune d’Horsarrieu (40128) (fr) INSEE. Abgerufen am 5. Mai 2018.
  6. Populations légales 2015 Commune d’Horsarrieu (40128) (fr) INSEE. Abgerufen am 5. Mai 2018.
  7. a b église paroissiale Saint-Martin (fr) Ministerium für Kultur und Kommunikation. Abgerufen am 5. Mai 2018.
  8. Eglise Saint-Martin (fr) Ministerium für Kultur und Kommunikation. Abgerufen am 5. Mai 2018.
  9. le mobilier de l’église paroissiale Saint-Martin (fr) Ministerium für Kultur und Kommunikation. Abgerufen am 5. Mai 2018.
  10. a b ensemble de 15 verrières : Christ Roi, Saint Blaise, Saint Martin, Saint Jean, Saint Louis, Saint Pierre, symboles (baies 0 à 5, 7 à 9, 11 à 15, 101) (fr) Ministerium für Kultur und Kommunikation. Abgerufen am 5. Mai 2018.
  11. Caractéristiques des établissements en 2015 Commune d’Horsarrieu (40128) (fr) INSEE. Abgerufen am 5. Mai 2018.
  12. École élémentaire (fr) Nationales Bildungsministerium. Abgerufen am 5. Mai 2018.
  13. La voie de Vézelay (fr) Agence de Coopération Interrégionale et Réseau „Chemins de Saint-Jacques de Compostelle“. Abgerufen am 5. Mai 2018.
  14. A Horsarrieu (fr) Comité Départemental du Tourisme. Abgerufen am 5. Mai 2018.