Horsemanship

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Horsemanship, aus dem Englischen (von Horseman, engl.: Pferdemensch), war ursprünglich in der Übersetzung eine Sammelbezeichnung für die Reitkunst im Allgemeinen. Hier muss zwischen "Horsemanship" und "Natural Horsemanship" unterschieden werden.

Einführung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Horsemanship bezeichnet den allgemeinen Umgang mit dem Pferd. Natural Horsemaship wiederum ist der Begriff für alle Arten von negativer Verstärkung (Operante Konditionierung) im Pferdetraining. Prägende Trainer dieser Trainingsart sind Beispielsweise Pat Parelli und Monty Roberts. Die Bezeichnung "natural" ist hier irreführend. In der natürlichen Kommunikation innerhalb einer Pferdeherde wird mehr Positive Verstärkung als negative Verstärkung eingesetzt. Für das Pferd ist die Kommunikation via ausschließlich negativer Verstärkung nicht, wie allgemein angenommen, "natürlich" und angenehm, sondern nur ein kleiner (unangenehmer) Teil seines natürlichen Herdenlebens. Pferde sind als soziale Herden- und Fluchttiere dazu geboren, unangenehme Dinge zu meiden und freundlich zu sein. Aus diesem Grund funktioniert das Training über den Operanten "negative Verstärkung" sehr gut. Sie werden einem aversivem Reiz ausgesetzt und weichen aus anstatt sich diesem entgegen zu setzen. Durch das darauf folgende Ausbleiben des Reizes lernt das Pferd, dass seine Reaktion korrekt war und wird das Verhalten in Zukunft öfter zeigen. In anderen Bereichen des Tiertrainings wird inzwischen mehr durch positive Verstärkung (Clickertraining) trainiert. Andere Tierarten reagieren teilweise nicht so gut auf aversive Reize (Hunde, Fische, Schmetterlinge, Katzen), oder es wäre zu gefährlich, einen aversiven Reiz zu nutzen (Raubkatzen, Raubfische). Durch die besonderen Eigenschaften des Pferdes, eignet sich das Training nach Natural Horsemanship jedoch sehr gut für Pferde.

In einigen reiterlichen Wettbewerben, z. B. den Hestadagar wird das Horsemanship, also der Umgang des Reiters mit dem Pferd während der Absolvierung der Prüfungsaufgabe speziell bewertet. Im erweiterten Sinne umfasst der Begriff Horsemanship auch die artgerechte Haltung und nicht nur den fairen Umgang mit dem Pferd, sondern auch mit den Mitreitern.

Die Seven Games[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den Horsemanship-Bereich zählen die unvergesslichen „Seven Games“, die die Grundlage der aufbauenden Übungen bilden. Sie werden anfangs „On Line“ gespielt und später erst „At Liberty“

  • Freundlichkeitsspiel (Friendly Game)

Dieses Spiel sollte oft zwischen den anderen gespielt werden, um die Aufmerksamkeit des Pferdes zu erhalten und Vertrauen aufzubauen. Es geht darum, für das Pferd eine ungewohnte Situation darzustellen, die es verschrecken könnte. Genau das soll es allerdings nicht tun. Im Idealfall bleibt das Tier immer ruhig und gelassen stehen, dies beweist großes Vertrauen. Das ganze Spiel soll im Rhythmus bleiben. Wurde beispielsweise damit angefangen, um das Pferd herum zu springen und danach sich auf seinen Rücken zu werfen, so muss es später wieder passieren - mit unveränderter Reihenfolge. Dies dient dazu, das Pferd nicht mit diesen Situationen zu überhäufen.

  • Stachelschweinspiel (Porcupine Game)

Bei diesem Spiel übt man einen sich langsam aufbauenden Druck auf eine beliebige Stelle des Pferdekörpers aus. Der Druck verschwindet sofort, wenn das Pferd ihm weicht. Darauf folgt ein vertrauliches Einreiben der Stelle, um dem Pferd zu sagen, dass seine Reaktion richtig war. Besonders wichtig ist, dass das Pferd dem Druck mit der Vorhand und der Hinderhand problemlos weicht.

  • Weichen auf Zeichen (Driving Game)

Nachdem das Pferd ohne Probleme dem Druck gewichen ist, kann man anfangen zeichenhaften Druck auszuüben. Dies tun Pferde in ihrer Herde täglich. Das Pferd sollte vorwärts weichen können, aber auch einzelne Körperbereiche sollten weichen. Es werden etwa Handzeichen gegeben wie Winken (rückwärts weichen), auf das Pferdeauge zeigen (mit der Vorhand weichen) und die Hand in Richtung Hinterhand schwenken (Weichen mit der Hinterhand).

  • Jo Jo (Yoyo Game)

Bei diesem Spiel geht es darum, das Pferd mit Hilfe des Seils vorwärts und rückwärts zu schicken. Das Seil Stück für Stück und ein wenig energisch einholen bedeutet dem Pferd vorwärts zu treten, stärkeres Wedeln mit dem Seil dirigiert es rückwärts. Sobald das Pferd die richtige Reaktion zeigt, hört man auf, das Seil zu bewegen.

  • Zirkeln (Circling Game)

Das Zirkeln ist nicht das normale Longieren, allerdings eine feinere Art, die in ähnliche Richtung geht. Genauso wie beim Longieren übermittelt man hierbei dem Pferd an einem Seil Kreise um den Menschen herum zu laufen, und zwar in der Gangart, die man von ihm verlangt. Anfangs schickt der Mensch das Tier in gewünschter Gangart los. Es sollte nun etwa zwei Runden so gelaufen sein, bevor man ihm wieder eine andere Gangart vorlegt. Sollte das Pferd, ohne dass es gewünscht wurde, die Gangart wechseln, so holt man es wieder zu sich herein und schickt es erneut los. Wichtig ist, dass man das Pferd in Ruhe lässt, wenn es die Anweisung befolgt.

  • Seitwärts (Sideways Game)

Das Pferd soll auf ein Zeichen seitwärts gehen. Dies kann damit geübt werden, dass man das Pferd an einen Zaun stellt, damit es nicht nach vorne ausweichen kann, und dann erst Vorhand, dann Hinterhand seitwärts schickt.

  • Engpass (Squeeze Game)

Es sollte bei mehreren Metern angefangen werden, lässt sich aber später auf sogar nur etwa 60 Zentimeter reduzieren. Es trainiert das Vertrauen und macht das Verladen später einfacher. Das Pferd soll hinter dem Menschen durch den Engpass gehen, ohne sich zu weigern.

Literatur und Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Welz, Heinz: „Horsemanship – was ist das?“, in: Pegasus – Freizeit im Sattel, Heft 10, Oktober 2008, Singhofen 2008
  • Parelli, Pat; Parelli, Karen; Gieseke, Ulrike [Übers.]; Natural horsemanship; Wipperfürth 1995 ISBN 3-89118-093-4