Horst-Jürgen Gerigk

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Horst-Jürgen Gerigk (* 10. November 1937 in Berlin) ist ein deutscher Literaturwissenschaftler. Seine Interessengebiete sind die russische, amerikanische und deutsche Literatur, der Hollywood-Film und die Geschichte der Ästhetik von Kant bis Heidegger. Gerigk gilt als einer der vorzüglichsten Kenner des Werkes Dostojewskis, die der deutschsprachige Raum hervorgebracht hat.

Leben und Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gerigk hat ‒ hauptsächlich in HeidelbergSlawistik, Philosophie und Anglistik/Amerikanistik studiert. Zu seinen Lehrern zählten Hans-Georg Gadamer und Paul Fussell. Für seine von Dmitrij Tschižewskij betreute Doktorarbeit über Dostojewskis Roman Der Jüngling wurde er 1964 zum Dr. phil. promoviert. 1971 folgte die Habilitation für das Fach Russische Literatur und Allgemeine Literaturwissenschaft. Im selben Jahr war er Mitbegründer der Internationalen Dostojewskij-Gesellschaft, der er 1998‒2004 als Präsident vorstand; seit 2004 ist er ein Ehrenpräsident der Einrichtung.

Seit 1974 ist Gerigk Professor für Russische Literatur und Allgemeine Literaturwissenschaft an der Universität Heidelberg, inzwischen als Emeritus. Gemeinsam mit dem Medizinhistoriker Dietrich von Engelhardt und dem Psychiater Wolfram Schmitt gründete er 1983 den Arbeitskreis Psychopathologie, Kunst und Literatur.

Gerigk hat zahlreiche Bücher und Arbeiten über Dostojewskis Werk veröffentlicht, manche davon als Anhänge zu dtv-Ausgaben von Werken Dostojewskis. Michail Bachtins These, dass Dostojewskis Romanen eine polyphone Struktur zugrundeliege, hat er widersprochen: die Handlungsführung lasse keine Polyphonie erkennen, im Gegenteil, die Stellungnahme des Autors trete deutlich hervor.[1]

Er ist Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft, der Deutschen Thomas-Mann-Gesellschaft, der Martin-Heidegger-Gesellschaft und des Gesprächskreises Kultur und Kritik des Internationalen Wissenschaftsforums (IWF) der Universität Heidelberg. Seit 2008 ist Gerigk korrespondierendes Mitglied der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen und seit 2009 auch Mitglied des Kuratoriums der Deutschen Tschechow-Gesellschaft in Badenweiler. Die Universität Ulm hat ihn 2011 mit ihrer „Humboldt-Professur“ ausgezeichnet. Seit 2015 ist er Ehrenvorsitzender der Turgenev-Gesellschaft Deutschland (Baden-Baden).[2] Seit 2016 ist er auch Ehrenmitglied der Deutschen Dostojewskij-Gesellschaft.

Veröffentlichungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Versuch über Dostoevskijs »Jüngling«. (Dissertation Heidelberg 1964). Wilhelm Fink Verlag, München 1965.
  • Entwurf einer Theorie des literarischen Gebildes. Walter de Gruyter, Berlin, New York 1975. (Habilitationsschrift, Universität Heidelberg, 1971)
  • Unterwegs zur Interpretation. Hinweise zu einer Theorie der Literatur in Auseinandersetzung mit Gadamers „Wahrheit und Methode“. Guido Pressler Verlag, Hürtgenwald 1989.
  • Der Mensch als Affe in der deutschen, französischen, russischen, englischen und amerikanischen Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts. Guido Pressler, Hürtgenwald 1989.
  • Die Sache der Dichtung, dargestellt an Shakespeares „Hamlet“, Hölderlins „Abendphantasie“ und Dostojewskijs „Schuld und Sühne“. Guido Pressler, Hürtgenwald 1991.
  • Die Russen in Amerika. Dostojewskij, Tolstoj, Turgenjew und Tschechow in ihrer Bedeutung für die Literatur der USA. Guido Pressler, Hürtgenwald 1995.
  • Dostojewskij, der „vertrackte Russe“. Die Geschichte seiner Wirkung im deutschen Sprachraum vom Fin de siècle bis heute. Attempto, Tübingen 2000.
  • Lesen und Interpretieren. 3. Auflage. Mattes, Heidelberg 2013.
  • Staat und Revolution im russischen Roman des 20. Jahrhunderts, 1900–1925. Eine historische und poetologische Studie. Mattes, Heidelberg 2005.
  • Der Spur der Endlichkeit. Meine akademischen Lehrer. Vier Porträts. Dmitrij Tschižewskij, Hans-Georg Gadamer, Réne Wellek, Paul Fussell. Universitätsverlag Winter, Heidelberg 2007.
  • Mit Rudolf Neuhäuser: Dostojewskij im Kreuzverhör. Ein Klassiker der Weltliteratur oder Ideologe des neuen Rußland? Zwei Abhandlungen. Mattes, Heidelberg 2008.
  • Ein Meister aus Russland. Beziehungsfelder der Wirkung Dostojewskijs. Vierzehn Essays. Universitätsverlag Winter, Heidelberg 2010.
  • Puschkin und die Welt unserer Träume. Zwölf Essays zur russischen Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts. Humboldt-Studienzentrum, Ulm 2011.
  • Dichterprofile. Tolstoj. Gottfried Benn. Nabokov. Universitätsverlag Winter, Heidelberg 2012.
  • Dostojewskis Entwicklung als Schriftsteller. Vom „Toten Haus“ zu den „Brüdern Karamasow“. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2013.
  • Turgenjew. Eine Einführung für den Leser von heute. Universitätsverlag Winter, Heidelberg 2015.
  • Lesendes Bewusstsein. Untersuchungen zur philosophischen Grundlage der Literaturwissenschaft. Berlin und Boston: de Gruyter 2016.

Literatur über Horst-Jürgen Gerigk (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hermann Klippel: Die Sache der Dichtung. Gespräch mit dem Heidelberger Literaturwissenschaftler Horst-Jürgen Gerigk. In: Rhein-Neckar-Zeitung. 8. Juni 1993.
  • Joseph. P. Strelka: Horst-Jürgen Gerigks Bedeutung für die Literaturtheorie. In: Klaus Manger (Hrsg.): Die Wirklichkeit der Kunst und das Abenteuer der Interpretation. Festschrift für Horst-Jürgen Gerigk. Universitätsverlag C. Winter, Heidelberg 1999, S. 285–298.
  • Joachim Vahland: Der Text als Theodizee. Lektionen für Leser. In: Zeno. Jahrheft für Literatur und Kritik. Band 25, 2003, S. 96‒104.
  • Die Präsidenten der Internationalen Dostojewskij-Gesellschaft 1971–2006. Amtszeit und Festschriften. In: Dostoevsky Studies. New Series. The Journal of the International Dostoevsky Society. Band 10, 2006, S. 262–263.
  • Dagmar Drüll: Heidelberger Gelehrtenlexikon 1933–1986. Springer, Heidelberg 2009.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Dostojewskij, der „vertrackte Russe“. S. 61.
  2. Turgenev Gesellschaft Deutschland: Ehrenvorsitzende