Horst-Werner Nilges

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Horst-Werner Nilges, bekannt als Knöllchen-Horst (* um 1954) ist ein deutscher Frührentner, der durch seine privaten Anzeigen von Verkehrsverstößen bekannt geworden ist. Er lebt in Badenhausen im Landkreis Osterode am Harz.

Seit 2004 hat er über 41.000 Anzeigen erstattet (Stand 2014).[1] Bundesweit bekannt wurde seine Anzeige gegen einen Einsatz-Rettungshubschrauber wegen Falschparkens in Herzberg am Harz. Nilges behauptete später, er habe den Hubschrauber nur „vermerkt“.[2]

Leben[Bearbeiten]

Horst-Werner Nilges war Maschinenbautechniker[3] und Taxifahrer[4]. Nach seiner Frühverrentung begann er im Jahr 2004 im Landkreis Osterode, Verkehrsverstöße anzuzeigen. In einem lokalen Radiosender begründete er sein Wirken damit, dass er die Menschen zu mehr Gesetzestreue bringen wolle. Pro Werktag erstattet er beim Landkreis Osterode etwa zehn bis fünfzehn Anzeigen. Nach Auskunft der Kreisverwaltung werden viele davon nicht verfolgt, da entweder Bagatellen angezeigt würden oder Beweise fehlten. Im Dezember 2005 musste sich Nilges wegen mehrerer Falschanzeigen vor Gericht verantworten und wurde zu 15 Tagessätzen à 40 Euro verurteilt.[3] Die Sammlung der Daten in einer privaten Datei verstößt nach Auffassung der Staatsanwaltschaft Göttingen nicht gegen geltendes Recht, da er nur die von ihm selbst angezeigten Fälle dokumentiere. Auch in Duderstadt erstattete er Anzeigen.[5]

Nilges setzt sich auch für die Einhaltung geltenden Rechts durch Politiker und Verwaltungen ein. So reichte er beim Land Niedersachsen Dienstaufsichtsbeschwerde gegen die Stadt Osterode und die Polizei ein.[3] Die Gemeinde musste die Abwassergebühren senken. Den Landkreis Osterode zeigte er wegen Betrugs an. Nach den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft überarbeitete die Kreisverwaltung die Abfallgebührenordnung.[6]

Der Fernsehsender RTL berichtete 2011 in der Sendung „Die 10 verrücktesten Deutschen“ von einem Prozess, in dem Nilges zu zehn Euro Bußgeld wegen Geschwindigkeitsübertretung verurteilt worden war.[4][7]

2013 stellte das niedersächsische Oberverwaltungsgericht Lüneburg fest, Nilges gehe einer „denunziatorischen Tätigkeit“ nach und könne die Behörden nicht zwingen, die von ihm aufgezeichneten, angeblichen Ordnungswidrigkeiten zu verfolgen. Vorausgegangen war eine Klage von Nilges, nachdem der Landkreis sich zunehmend geweigert hatte, die von ihm gemeldeten Bagatellen zu verfolgen.[8] Im Landkreis Göttingen hat er im Jahr 2014 etwa 600 Anzeigen aufgegeben.[9] Duderstädter Geschäftsleute schrieben offene Briefe an die Stadt, die Häufung sei „geschäftsschädigend“, die Betroffenen fühlten sich „verfolgt und bespitzelt“.[10] Die Ordnungsämter in Duderstadt teilten mit, dass die Anzeigen von Kontaktbereichsbeamten vor Ort behandelt werden.[11]

Im Januar 2015 erstattete Nilges Anzeige gegen Dolly Buster und forderte 1500 Euro Schmerzensgeld. Dolly Buster soll laut Berichten der Zeitung Harzkurier bei einem öffentlichen Fernsehauftritt sinngemäß gesagt haben, er „geile sich wohl daran auf“. Das Amtsgericht Osterode wies seine Klage jedoch ab, da das Wort „geil“ in diesem Fall keine Herabwürdigung darstelle. Außerdem hatte er wegen der Äußerung bereits vom Sender RTL 400 Euro erstritten.[12] Im Februar 2015 stellte Nilges Strafanzeige gegen den Comedian Dietmar Wischmeyer, der ihn in der Reihe „Günther der Treckerfahrer“ bei radio ffn als „alten Stinker“, „Knöllchen-Nazi“ und „Horst, der Anscheißer“ bezeichnet hatte.[13]

Ende 2014 wurde ihm wegen einer unzulässigen Verfassungsbeschwerde vom Bundesverfassungsgericht eine Missbrauchsgebühr von 1000 Euro auferlegt. In dieser Beschwerde rügte er die Prozessleitung eines Richters.[14][15]

Zitate[Bearbeiten]

„Ich sitze nicht am Stammtisch und palavere über Probleme. Ich sitze am Schreibtisch und bearbeite sie.“ – Nilges zu einem Journalisten des Stern[6]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Jürgen Gückel: „Knöllchen-Horst“ klagt gegen Dolly Buster. In: Göttinger Tageblatt. 22. Januar 2015, abgerufen am 3. Februar 2015
  2. Felix Helbig: Horst Nilges stellt klar. In: Frankfurter Rundschau. 17. November 2009
  3. a b c Der Pedant von Osterode. In: Die Zeit. 19. Dezember 2006
  4. a b „Die 10 verrücktesten Deutschen“ mit Sonja Zietlow, loomee-tv.de, 25. Juli 2011, abgerufen am 7. Januar 2012
  5. „Knöllchen-Horst“ jagt jetzt in größerem Umkreis. In: RP Online. 18. Oktober 2012
  6. a b Artur Fischer-Meny: Weiter so, Horst Nilges! In: Stern. 29. September 2008
  7. Claus Peter Müller: Hassfigur aus dem Harz – „Knöllchen-Horst“ muss zehn Euro zahlen. In: FAZ. 4. August 2010
  8. Gericht bescheinigt „Knöllchen-Horst“ Denunziantentum. In: Der Spiegel. abgerufen am 25. September 2013
  9. „Knöllchen-Horst“ weitet sein Jagdgebiet aus. Falschparker-Jäger aus Niedersachsen. In: Göttinger Tageblatt. 8. Dezember 2014, abgerufen am 8. Februar 2015
  10. Kuno Mahnkopf: „Knöllchen-Horst“ verärgert Einzelhändler. Vorwurf der Bespitzelung. In: Göttinger Tageblatt. 28. November 2014, abgerufen am 8. Februar 2015
  11. Angst vor Denunziant: „Knöllchen-Horst“ in Duderstadt angekommen. In: Thüringer Allgemeine. 11. Dezember 2014, abgerufen am 16. Dezember 2014
  12. „Knöllchen-Horst“ scheitert mit Klage gegen Dolly Buster.. In: Spiegel Online. 29. Januar 2015
  13. „Knöllchen-Horst“ zeigt Komiker Dietmar Wischmeyer an. In: Hessische/Niedersächsische Allgemeine. 3. Februar 2015
  14. Bundesverfassungsgericht, Beschluss vom 15. September 2014, Az. 2 BvR 1746/14, Link zur Entscheidung
  15. Beschwerde in Karlsruhe: „Knöllchen-Horst“ muss 1000 Euro zahlen. In: Hessische/Niedersächsische Allgemeine. 4. Februar 2015, abgerufen am 7. Februar 2015

Weblinks[Bearbeiten]