Horst Fuchs

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Horst Fuchs (* 4. April 1946 in Frankfurt am Main)[1] wurde bekannt als Verkäufer und Moderator in österreichischen Teleshopping-Sendungen. Sein extrovertiertes Auftreten etablierte den personifizierten „Herr Teleshopping“[2] in den 2000ern auch als frühes Internet-Meme im deutsch- sowie tschechischsprachigen Raum bis hin zu einem eigenen Fanclub.[3]

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eigentlich als Karosseriebauer ausgebildet, entdeckte Horst Fuchs Ende der 1960er Jahre sein Verkaufstalent auf Straßenmärkten im Raum Frankfurt. Anfang der 1970er Jahre begann seine Verkäuferkarriere mit Autopflegeprodukten. Später gründete er eigene Vertriebsunternehmen und bildete von da an selbst Verkäufer aus für Vorführungen in Kaufhäusern und auf Messen. Bis Mitte der 1980er Jahre brachten ihn seine Verkaufsshows auch ins westeuropäische Ausland. Mit einer Übersiedlung 1984 nach Österreich kam er in Kontakt mit seinem „Mentor“[4] Werner Schleinzer von der Firma WS und engagierte sich fortan verstärkt im osteuropäischen Raum; sein Hauptbetätigungsfeld wurde die damalige Tschechoslowakei. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs betreute er zunehmend die Ausbildung internationaler Verkäufer für den Direktvertrieb, der weiterhin vor allem auf Messen stattfand.

1995 entdeckte er das Fernsehen als neues Verkaufsmedium für sich und verlagerte anschließend seine Tätigkeit hin zum Teleshopping. Von 2000 an war Horst Fuchs zusätzlich live auf dem deutschen Ableger des Fernsehsenders QVC zu sehen. 2001 ging WS mit indischen Fernsehverkaufsshows für HSN erstmals in den asiatischen Raum, Fuchs begleitete seitdem auch dort das Verkäufertraining. Ernannt zum Creative Director übernahm er zudem Auswahl und Gestaltung der immer zahlreicheren Infomercials[2], für die er daraufhin den ehemaligen Talkshow-Gastgeber Ricky Harris zum Co-Moderator aufbaute – dieser dient als Zuschauersurrogat und Stichwortgeber gegenüber einem wortgewaltigen Produktexperten. Während im Deutschen Fuchs’ hessischer Akzent deutlich erkennbar bleibt, leiht ihm Schauspieler Zdeněk Junák (vgl. tschechische Wikipedia) seine tschechische Synchronstimme.[5]

Horst Fuchs’ Fernsehpräsenz erreichte zum Teil 15 Stunden am Tag, was ihm zu hoher Popularität verhalf. Anteil daran hat auch seine charakteristische Bühnen-Garderobe mit getönter Brille, großem Ohrring sowie vielen Ketten und Ringen.[6] Dieser auffällige Goldschmuck soll in deutscher Tradition den Erfolg eines Verkäufers demonstrieren, seine extravaganten Kleidung erachtet Fuchs wiederum als notwendiges Requisit für Professionalität und Glaubwürdigkeit. Obwohl er sich offen als Schauspieler sieht, prüfte er im Vorhinein alle Produkte eigenhändig und ausführlich.[3] In Abgrenzung zu amerikanischen Marktschreier-Methoden führte er dann als Produktexperte genüsslich übertriebene Extremtests vor: So überrollte er Konkurrenzhobel mit einer Dampfwalze, entsaftete Backsteine oder steckte eine frisch polierte Motorhaube in Brand, immer im Hinblick auf eine „Sensation“ für den Zuschauer.[7]

Ausgehend von Autopflege – diese Produktkategorie bewarb er auch für den WS Teleshop durchgängig – umfasst das Spektrum von Fuchs’ Präsentationen später vor allem Haushalts- und Küchenwaren, unter anderem die Pressurette-Dampfbügelstation, die Doubletta-Wendepfanne sowie verschiedene Arten von Mixern und Entsaftern. Bereits seit den 1990er Jahren vertreibt Fuchs erfolgreich Alfred Börners patentierten[8] Gemüsehobel in Lizenz als Original Deutschen V-Hobel, zuletzt zusammen mit Josef „Pepi“ Rössler. In den gemeinsamen Vorführungen überließ Fuchs die Rolle des Experten immer wieder Rössler – beide verbindet privat eine enge, jahrelange Freundschaft.[9] Jenseits von Werbesendungen kultiviert Fuchs sein Image gleichfalls mit großer Selbstironie[7] inklusive eigener Fanartikel.[4] In der Folge übernahmen auch Parodien Horst Fuchs als prototypischen Teleshopping-Verkäufer.[10]

2007 brach der Umsatz des WS Teleshops um 40 Prozent ein im Vergleich zum Vorjahr. Der massive Kundenrückgang wurde vor allem mit der starken Konkurrenz von Internethändlern wie Amazon oder eBay begründet. Am Montag, den 9. Juli musste das Unternehmen schließlich ein Insolvenzverfahren beantragen unter Angabe einer Überschuldung von 4,5 Millionen Euro.[11] Die Produktentwicklung und Filmproduktion wurde später unter dem Namen WS Invention fortgeführt, während die MediaShop GmbH als letzter Teleshopping-Vertrieb Österreichs verblieb.[12] Unverändert behielt man dort die Infomercials mit Horst Fuchs – einem ihrer „markantesten Moderatoren“[13] – im Programm, denn die von ihm vermarkteten Produkte gehörten weiterhin zu den meistverkauften der Branche.[14][15] Seine aktive Laufbahn vor der Kamera hat Horst Fuchs inzwischen beendet.[1]

Weiterführende Informationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Horst Fuchs: Zu Gast bei Horst Fuchs – Eine kulinarische Reise. WS Teleshop International, Wiener Neudorf 2004.[4]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Německý král teleshoppingu Horst Fuchs slaví 74. narozeniny. Před kamerou už jej však neuvidíme. In: tvguru.cz. 2. April 2020, abgerufen am 2. August 2020 (tschechisch).
  2. a b Pan Teleshopping Horst Fuchs. In: Mladá fronta Dnes. 11. Februar 2005, abgerufen am 2. August 2020 (tschechisch).
  3. a b Interview mit Horst Fuchs. In: Maxim. 18. April 2005, archiviert vom Original am 12. Januar 2006; abgerufen am 12. Juli 2020 (tschechisch).
  4. a b c vgl. Leseprobe des Kochbuchs auf Fuchs’ offizieller Website
  5. Kateřina „Snorlax“ Horáková: Zdeněk Junák – Biografie. In: Česko-Slovenská filmová databáze. Abgerufen am 12. Juli 2020 (tschechisch).
  6. Horst Fuchs, Chef Tony & Co: Die Vorläufer der heutigen Influencer. In: Der Standard. 12. November 2018, abgerufen am 12. Juli 2020.
  7. a b Horst Fuchs – WS International. (YouTube-Video, 6:27 min) In: TV Nova. 3. August 2009, abgerufen am 12. Juli 2020 (tschechisch).
  8. Mandy Radics: Wenn goldene Gemüsehobel die Welt erobern. In: Trierischer Volksfreund. 20. September 2013, abgerufen am 26. April 2019.
  9. Birgit Riezinger: Josef Rössler – Durchbruch mit dem Gemüseschneider. In: Wiener Zeitung. 23. Dezember 2012, abgerufen am 12. Juli 2020.
  10. Regierung engagiert Horst Fuchs, um Wählern die Steuerreform zu verkaufen. In: Die Tagespresse. Abgerufen am 12. Juli 2020.
  11. WS Teleshop ist pleite. In: ORF. 10. Juli 2007, abgerufen am 2. Januar 2020.
  12. Nataša Nikolić: Katharina Schneider im CASH-Interview – Teleshopping bleibt salonfähig. In: Cash. September 2019 (katharinaschneider.tv [PDF; 291 kB; abgerufen am 15. Juli 2020]).
  13. MediaShop.TV Partnerprogramm. Abgerufen am 12. Juli 2020.
  14. The Top 10 German DRTV Sellers. (Youtube-Video, 3:20 min) 1. Juli 2014, abgerufen am 14. Juli 2020 (englisch).
  15. The Top 3 German DRTV Sellers. (Youtube-Video, 1:28 min) 21. Dezember 2016, abgerufen am 14. Juli 2020 (englisch).