Horst Holzer

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Horst Holzer (* 17. Oktober 1935 in Wiesbaden; † 13. Mai 2000 in München) war ein deutscher Soziologe und Hochschullehrer. Er war eines der prominentesten Opfer des Radikalenerlasses.[1]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Holzer studierte Volkswirtschaftslehre, Soziologie, Politikwissenschaft und Psychologie an den Universitäten Wilhelmshaven und Frankfurt am Main.[2] In Frankfurt legte er 1963 die Diplomprüfung in Soziologie ab.[2] In München war er von 1964 bis 1970 wissenschaftlicher Assistent am Institut für Soziologie der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU).[2] Bei Karl Martin Bolte wurde er 1967 dann mit einer wirtschaftswissenschaftlichen Arbeit über „Illustrierte und Gesellschaft“ promoviert.[2] Holzer initiierte 1968 an seinem Institut zusammen mit seinem Kollegen Conrad Schuhler ein wegweisendes Modell zur demokratischen Mitbestimmung der Studenten.[3] 1970 habilitierte er mit einer Arbeit, die später unter dem Titel „Gescheiterte Aufklärung? Politik, Ökonomie und Kommunikation in der Bundesrepublik Deutschland“ publiziert wurde.[2] 1971 wurde er Wissenschaftlicher Rat und C3-Professor an der LMU. Im gleichen Jahr erhielt er einen Ruf an die Universität Bremen, 1972 an die Universität Oldenburg, 1973 an die FU Berlin bzw. PH Berlin.[2] Keiner der Rufe wurde realisiert, da ihm als DKP-Mitglied aufgrund des Radikalenerlasses die Anstellung verweigert wurde.[2] Dabei ließ Holzer sich weder in seinem wissenschaftlichen Wirken noch seinem politischen Handeln als linientreuer Parteikommunist verorten: Seine Texte waren nie Ideologie,[2] sondern stets Wissenschaft, und als die DDR-Behörden 1976 Wolf Biermann ausbürgerten, stimmte er spontan einem von Wolfgang Abendroth und Günter Wallraff initiierten Beschwerdetelex an das Politbüro des ZK der SED zu.[1] Der Freistaat Bayern strengte dennoch gegen Holzer wegen dessen DKP-Mitgliedschaft ein Disziplinarverfahren an, das trotz öffentlicher Proteste (z. B. vom PEN-Club[4]) 1980 mit der Entfernung Holzers aus seiner Münchner Stelle als Professor endete.[2] Bereits zuvor wurden Holzers Schriften aus der Universitätsbibliothek entfernt. Dies wurde seitens des bayerischen Kultusministeriums als „langfristige Entleihung“ zur Vorbereitung des Verwaltungsgerichtsverfahrens deklariert, doch wurden zudem auch die zugehörigen Karteikarten aus dem Bestandskatalog der Bibliothek entfernt.[5] Er behielt eine Privatdozentur an der LMU, doch deren Versuch, ihn 1994 zum außerplanmäßigen Professor zu ernennen, scheiterte am Widerstand des Kultusministeriums.[2]

1977 hatte Holzer eine Gastprofessur am Literaturwissenschaftlichen Institut der Universität Hamburg, 1977/78 einen Lehrauftrag der TU Berlin, 1978 einen Lehrauftrag der Universität Bremen und von 1984 bis 1995 einen der Universität für Bildungswissenschaft in Klagenfurt.[2] 1998 gab er seine Privatdozentur in München auf,[2] zwei Jahre später verstarb er an einem Herzleiden.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Kamerad Muschel. In: Der Spiegel. Nr. 52, 1976, S. 68 f. (online).
  2. a b c d e f g h i j k l Wolfgang R. Langenbucher: Im Gedenken an Horst Holzer. Nachruf in: Publizistik. 4/2000, S. 500f, ISSN 0033-4006 (Print)
  3. Aktive Kollegen. In: Der Spiegel. Nr. 32, 1968, S. 31 (online).
  4. Trojas Pferde lahmen. In: Der Spiegel. Nr. 16, 1975, S. 176 f. (online).
  5. PERSONALIEN. In: Der Spiegel. Nr. 27, 1974, S. 106 (online).