Horst Mahler

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Dieser Artikel behandelt den Anwalt, für den Paläontologen siehe Horst K. Mahler
Horst Mahler (links) in Leipzig mit Christian Worch am 1. September 2001

Horst Mahler (* 23. Januar 1936 in Haynau, Niederschlesien) ist ein deutscher Publizist, politischer Aktivist, Neonazi und ehemaliger Linksextremist und Rechtsanwalt. Er wurde mehrfach wegen Volksverhetzung, Terrorismus und Raubes verurteilt.

Der frühere Angehörige des Sozialistischen Deutschen Studentenbunds (SDS) und Mitgründer der Rote Armee Fraktion (RAF) sagte sich 1975 vom Terrorismus los und erreichte 1988 seine Wiederzulassung als Anwalt.

Ab 1997 nahm er Kontakt zu rechtsextremen Kreisen auf und vertrat unter anderem die Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) im NPD-Verbotsverfahren.[1] Wegen verschiedener Delikte, darunter verfassungswidrige Betätigung, Holocaustleugnung, Mord- und Gewaltandrohungen, antisemitische und neonazistische Äußerungen, wurde er zu weiteren Geld- und Freiheitsstrafen verurteilt. Ein vorläufiges Berufsverbot von 2004 wurde im Jahr 2009 mit dem Entzug seiner anwaltlichen Zulassung hinfällig, da keine Berufsausübung ohne Zulassung möglich ist.

Lebenslauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Horst Mahler wurde als drittes von vier Kindern des Zahnarztes Willy Mahler (1900–1949) und seiner Ehefrau Dorothea (1901–1975) geboren.[2] Sein Onkel war der SA-Führer Reinhold Nixdorf. In einem Interview mit dem israelischen Reporter Naftali Glicksberg berichtete Mahler, seine Mutter habe ihm unter Tränen erzählt, dass auch Juden unter seinen Vorfahren waren.[3] Die Familie floh 1945 vor der anrückenden Roten Armee aus Schlesien nach Naumburg, später siedelte sie nach Dessau-Roßlau über. Der Vater, ein überzeugter Nationalsozialist, erschoss sich 1949.[4] Nach eigenen Angaben hatte Horst Mahler ein traumatisches Erlebnis in seiner Jugend: Obwohl er im Elternhaus antikommunistisch beeinflusst sei, ließ er es 1949 als 13-Jähriger aus opportunistischen Gründen zu, zum Vorsitzenden der FDJ-Gruppe an seiner Schule gemacht zu werden; dafür sei ihm nach eigenen Angaben zugesagt worden, dass er später studieren könne. Bald darauf „verzog“ die Familie nach West-Berlin.[5]

Als Stipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes studierte Mahler Rechtswissenschaften an der Freien Universität Berlin und war dort 1953/1954 Mitglied der schlagenden Studentenverbindung Landsmannschaft Thuringia.[6] 1956 trat er in die SPD ein, die die Unvereinbarkeit der Parteizugehörigkeit mit einer Mitgliedschaft in schlagenden Verbindungen beschlossen hatte. Dies nahm er zum Anlass, beim Abschlussconvent aus der „Thuringia“ auszutreten.[7] Als Mahler auch dem SDS beitrat, folgte 1961 der Parteiausschluss durch die SPD gemäß einem entsprechenden Unvereinbarkeitsbeschluss. Mahler wollte 1962 Journalist werden und sandte ein Manuskript an Die Zeit. Darin setzte er sich kritisch mit der Verteidigungspolitik Helmut Schmidts (SPD) auseinander und forderte einen Austritt Deutschlands aus der NATO. Das Manuskript wurde nicht gedruckt.[8]

Nach bestandenem Assessorexamen gründete Mahler 1964 eine Anwaltskanzlei in West-Berlin und spezialisierte sich auf die mittelständische Wirtschaft. Zuvor hatte er in der Kanzlei des prominenten Strafverteidigers Dietrich Scheid gearbeitet,[9] der in späteren Prozessen sowohl den SDS vertrat[10] als auch dem Verleger Axel Springer als Rechtsbeistand diente.[11] Einer größeren Öffentlichkeit wurde Mahler ab 1964 als Verteidiger im landesweit beachteten Thyssen-Bank-Prozess bekannt. Mit einer Beschwerde gegen die überlange Untersuchungshaft des angeklagten Finanzmaklers Karl-Heinz Wemhoff war er 1966 als erster deutscher Anwalt beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg erfolgreich.[12][13]

Vom SDS zur RAF[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 6. Juni 1970 flüchtete Mahler mit 9 RAF-Mitgliedern über Beirut zur Kampfausbildung nach Jordanien. Reisequittung im Haus der Geschichte in Bonn

Ab 1964 engagierte er sich in der außerparlamentarischen Opposition, besonders als Anwalt für strafverfolgte Studenten. In dieser Zeit vertrat er offen politische Positionen, die denen der SED stark ähnelten, und pflegte Kontakte zu Vertretern der DDR und der Sowjetunion. Im Sommer 2011 berichtete Bild am Sonntag über angebliche Erkenntnisse der Staatsanwaltschaft Berlin, Mahler habe von 1967 bis 1970 dem Ministerium für Staatssicherheit der DDR zugearbeitet.[14] Der Artikel wurde von zahlreichen Medien aufgegriffen und erreichte große öffentliche Aufmerksamkeit. Die Staatsanwaltschaft dementierte die Darstellung jedoch umgehend in einer Pressemitteilung, und Mahler selbst schloss jegliche Zusammenarbeit mit der Stasi aus.[15][16]

Er verteidigte bis 1970 unter anderem Beate Klarsfeld, die Kommunarden Fritz Teufel und Rainer Langhans; den Studentenführer Rudi Dutschke, Peter Brandt, den wegen Anstiftung zu einem Brandanschlag 1967 angeklagten Sohn des SPD-Vorsitzenden und Vizekanzlers, und die Kaufhaus-Brandstifter Andreas Baader und Gudrun Ensslin. Im Verfahren gegen den Polizeibeamten Karl-Heinz Kurras, der Benno Ohnesorg erschossen hatte, vertrat Mahler die Familie Ohnesorg, die als Nebenkläger auftrat.[17]

Am 1. Mai 1969 gründete Mahler mit Klaus Eschen, Ulrich K. Preuß und Hans-Christian Ströbele das Sozialistische Anwaltskollektiv in Berlin, das bis zur Gründung des Republikanischen Anwältinnen- und Anwältevereins 1979 bestand. Im Jahr 1970 war er an der Gründung der RAF beteiligt und plante die Baader-Befreiung und drei Banküberfälle im September 1970 mit. Nach Baaders Befreiung flüchtete er mit über 20 weiteren RAF-Mitgliedern nach Jordanien, um sich dort für den „bewaffneten Kampf“ ausbilden zu lassen.

Am 8. Oktober 1970 wurde er in Berlin verhaftet und später wegen Bankraubs und Gefangenenbefreiung zu 14 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Seine Verteidigung übernahmen Ströbele und Otto Schily, der spätere Bundesinnenminister. Schily brachte ihm die Gesamtausgabe von Hegels Werken ins Gefängnis,[18][19][20][21] die Mahler nach seinen Aussagen maßgeblich bezüglich seines weiteren Lebensweges beeinflusste.

1974 wurde Mahler aus der RAF ausgeschlossen.[22]

Am 27. Februar 1975 entführte die „Bewegung 2. JuniPeter Lorenz, CDU-Spitzenkandidat bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus von Berlin, um die Entlassung Mahlers sowie die von Verena Becker, Gabriele Kröcher-Tiedemann, Rolf Pohle, Ingrid Siepmann und Rolf Heißler zu erpressen. Am 1. März 1975 verkündete Mahler in der ARD-Tagesschau, dass er den Austausch ablehne:[23]

„Die Entführung des Volksfeindes Peter Lorenz als Mittel zur Befreiung von politischen Gefangenen ist Ausdruck einer von den Kämpfen der Arbeiterklasse losgelösten Politik, die notwendig in einer Sackgasse enden muß. Die Strategie des individuellen Terrors ist nicht die Strategie der Arbeiterklasse. […] Anläßlich des Schauprozesses gegen Becker, Meinhof und mich im September des vergangenen Jahres, habe ich in einer öffentlichen Kritik, die zugleich eine Selbstkritik war, klargestellt, daß mein Platz an der Seite der revolutionären Arbeiterklasse ist. Ich bin der festen Überzeugung, daß sich durch den Kampf der revolutionären Massen die Gefängnistore für alle politischen Gefangenen öffnen, und daß die gegen mich gefällten Terrorurteile hinweggefegt werden, weshalb ich es ablehne, mich auf diese Weise außer Landes bringen zu lassen […] Vorwärts mit der KPD.“

In der Haft führte er Gespräche mit dem Bundesinnenminister Gerhart Baum (FDP), die 1980 als Buch veröffentlicht wurden.[24] Ferner erhielt er Besuch vom Politikwissenschaftler Iring Fetscher und dem national-konservativen Sozialphilosophen Günter Rohrmoser, einem Mitglied der von der sozial-liberalen Bundesregierung eingesetzten Kommission zur Erforschung der geistigen Ursachen des Terrorismus.

Im Jahr 1980 erreichte Mahlers Rechtsanwalt, der Bundesvorsitzende der Jungsozialisten Gerhard Schröder, nach Ablauf von zwei Drittel der Freiheitsstrafe eine Strafaussetzung zur Bewährung. Mahlers Bewährungshelfer war der evangelische Theologe Helmut Gollwitzer. Schröder verhalf Mahler 1987 vor dem Bundesgerichtshof zur Wiederzulassung als Anwalt. In diesen Jahren stand Mahler politisch der FDP nahe.[25] Mahler und Schröder besuchten später gemeinsam Günter Rohrmoser in Stuttgart.

Hinwendung zum Rechtsextremismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mahler hielt am 1. Dezember 1997 in Stuttgart eine Laudatio zu Günter Rohrmosers 70. Geburtstag vor dessen Gästen, darunter Hans Filbinger. Darin forderte er u. a., das „besetzte“ Deutschland müsse sich von seiner „Schuldknechtschaft“ zum aufrechten Gang seiner „nationalen Identität“ befreien.[26] Dies sahen ehemalige Weggefährten im SDS wie Günter Langer[27] ebenso wie der Politikwissenschaftler Alfred Schobert als Coming out einer konservativen oder rechtsradikalen Gesinnung. Rohrmoser dagegen erklärte 1998, bezüglich der „die Religion und die sittliche Substanz zerstörenden Wirkung der 68er“ seien seine und Mahlers Positionen identisch, und gegenüber deren kulturrevolutionären Zielen charakterisierte er Mahlers Haltung als „national-christlichen Konservativismus“.[28] Anschließend gab er der Wochenzeitung Junge Freiheit ein Interview und veröffentlichte ab dem 17. April 1998 einige Artikel in der Jungen Freiheit. Im Dezember 1998 war er zusammen mit Bernd Rabehl und Peter Furth Referent bei den „Bogenhausener Gesprächen“ der Münchener Burschenschaft Danubia.

Im Jahr 1998 war er Begründer der deutschnationalen Bürgerbewegung Für Unser Land. Diese ruft alle Deutschen auf, sich ihr anzuschließen, „damit Deutschland deutsch bleibt...“[29] Er veranstaltete zusammen mit dem Funktionär des Bundes freier Bürger, Torsten Witt[30] und dessen Partner und Rechtsanwalt Markus Roscher Montagsdemonstrationen, unter anderem gegen das geplante Holocaust-Mahnmal, zuerst in Berlin, später auch in Frankfurt/Main.[31][32][33]

In der Folgezeit kam Mahler in Kontakt zu NPD-Mitgliedern.[1] Mit Franz Schönhuber veröffentlichte Mahler im Jahr 2000 das Buch Schluß mit dem deutschen Selbsthaß.[34] Der Liedermacher Frank Rennicke war der erste Mandant aus der rechtsextremen Szene.[1][35] Am 12. August 2000 trat Mahler in die NPD ein. In seiner Presseerklärung dazu hieß es, er halte das Grundgesetz für ein „Provisorium für die Übergangszeit bis zur Wiederherstellung der Handlungsfähigkeit des Deutschen Reiches“. Von 2001 bis 2003 vertrat Mahler die NPD vor dem Bundesverfassungsgericht, als die Bundesregierung erfolglos versuchte, ein Verbot der NPD zu erreichen. Seine Schriftsätze an das Gericht bestanden großenteils aus ideologischen Textpassagen unterschiedlicher Herkunft.[36] Er argumentierte auch mit eigenen Erfahrungen seiner APO-Zeit mit dem V-Mann Peter Urbach.[37]

Im Jahr 2003, nach der Einstellung des Verbotsverfahrens, trat Mahler wieder aus der NPD aus, mit der Begründung: „Die NPD ist eine am Parlamentarismus ausgerichtete Partei, deshalb unzeitgemäß und – wie das parlamentarische System selbst – zum Untergang verurteilt.“[38]

Nach dem NPD-Austritt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im November 2003 gründete Mahler den 2008 als verfassungsfeindlich verbotenen Verein zur Rehabilitierung der wegen Bestreitens des Holocaust Verfolgten, dem neben ihm selbst eine Reihe bekannter Holocaustleugner angehörten.

Mahler vertrat seit seiner Haftentlassung auch antisemitische Positionen. Ab Februar 2004 stand er als Mitgründer des rechtsextremen Deutschen Kollegs zusammen mit Reinhold Oberlercher und Uwe Meenen wegen Volksverhetzung vor dem Landgericht Berlin. Grund war ein im Oktober 2000 von ihnen publiziertes Pamphlet mit dem Titel Ausrufung des Aufstandes der Anständigen, in dem unter anderem das Verbot der jüdischen Gemeinden in Deutschland, die Ausweisung aller Asylbewerber, „aller arbeitslos gewordenen Ausländer“ und weitere Maßnahmen dieser Art gefordert wurden. Mahler wurde zudem vorgeworfen, dass im September 2002 mit seiner Billigung in der Parteizentrale der NPD in Berlin-Köpenick ein Schriftstück an Journalisten verteilt worden war, in dem Hass gegen Juden als „untrügliches Zeichen eines intakten spirituellen Immunsystems“ bezeichnet wurde.

Nachdem er während des Prozesses den Richtern, den Schöffen und dem Staatsanwalt die Todesstrafe nach dem Reichsstrafgesetzbuch angedroht und im Gericht antisemitische Äußerungen getätigt hatte, erteilte das Amtsgericht Tiergarten Mahler am 8. April 2004 ein vorläufiges Berufsverbot. Ähnliche Todesdrohungen gingen an die Abgeordneten des Deutschen Bundestages und zwei Rechtsanwälte der Partei Bündnis 90/Die Grünen. Wegen der antisemitischen Kommentare erhob die Staatsanwaltschaft eine neue Anklage. Während des Prozesses ordnete das Landgericht an, Mahler von einem psychiatrischen Sachverständigen begutachten zu lassen. Er wurde schließlich zu einer Freiheitsstrafe von neun Monaten verurteilt. Da Mahler mit dem Deutschen Kolleg für die Errichtung eines „4. Reiches“ eintrat und als letzten in Deutschland gültigen Rechtsstand den Tag der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht ansieht, genießen er und seine Argumente Bekanntheit in der Reichsbürgerbewegung, die die Rechtmäßigkeit der Bundesrepublik abstreitet.[39]

Um Mahlers Teilnahme an der Teheraner Holocaust-Konferenz zu verhindern, wurde ihm im Januar 2006 von den brandenburgischen Behörden für einen Zeitraum von sechs Monaten der Reisepass entzogen. Das Innenministerium begründete dies damit, dass Mahler mit erneuten antisemitischen Äußerungen auf dieser Konferenz das Ansehen der Bundesrepublik Deutschland erheblich beschädigen würde. Dies sei rechtlich zu unterbinden.[40][41]

In einem weiteren Prozess wegen Volksverhetzung, bei dem ihn seine Lebensgefährtin[42] Sylvia Stolz anwaltlich vertrat, wurde Mahler erneut verurteilt.

Bei seinem Haftantritt am 15. November 2006 zum geschlossenen Vollzug in der Justizvollzugsanstalt Cottbus-Dissenchen zeigte Mahler nach Polizeiangaben den Hitlergruß und rief etwa 35 Anhängern „Heil“ zu. Dafür verurteilte ihn das Landgericht Cottbus am 22. Juli 2008 zu weiteren elf Monaten Freiheitsstrafe ohne Bewährung. Gegen ein vorausgegangenes Urteil des Amtsgerichts Cottbus (mit einem Strafmaß von sechs Monaten) hatten Anklage und Verteidigung Berufung eingelegt.[43] Beim Landgericht Potsdam liegen weitere Anklagen wegen Volksverhetzung gegen Mahler vor. Die Süddeutsche Zeitung berichtete am 23. November 2007 von einem Einschreiben Mahlers an den Bürgermeister seines Wohnorts Ebersberg. Darin leugnete er erneut den Holocaust und verherrlichte den Nationalsozialismus.

In einem im September 2007 geführten Interview mit der Zeitschrift Vanity Fair begrüßte Mahler seinen Interviewpartner Michel Friedman mit den Worten: „Heil Hitler, Herr Friedman“ und leugnete im Gesprächsverlauf den Holocaust.[44][45] Am 28. April 2008 wurde er deshalb vom Amtsgericht Erding wegen Volksverhetzung und Beleidigung zu zehn Monaten Freiheitsstrafe ohne Bewährung verurteilt.[46] Mahler hat Revision gegen das Urteil eingelegt.[47] Seine Äußerungen gegenüber Friedman bestritt er nicht. Die Revision wurde 2009 als unbegründet verworfen.

Verurteilungen und Haftstrafen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mahler strebte die Strafprozesse an, um sie als Bühne für seine Zwecke zu instrumentalisieren. „Ich sitze hier, weil ich hier sitzen will“, sagte Mahler am 12. Januar 2009 dem Richter bei der Eröffnung eines der vielen Verfahren und leugnete vor Gericht zugleich erneut den Holocaust. Zuvor hatte er Strafanzeige gegen sich selbst erstattet.[48]

Verurteilung am Landgericht München II 2009[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 25. Februar 2009 wurde er vom Landgericht München II wegen Volksverhetzung zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren verurteilt.[49] Das Urteil ist seit dem 10. August 2009 rechtskräftig.[50] Nach der Verkündung des Urteils in München wurde er im Gerichtssaal verhaftet.

Verurteilung am Landgericht Potsdam 2009[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch Urteil der 4. großen Strafkammer des Landgerichts Potsdam vom 11. März 2009 ist Horst Mahler erneut wegen Volksverhetzung in 15 Fällen – unter Einbeziehung der Strafen aus Urteilen des Landgerichts Hamburg vom 20. Januar 2005 und des Amtsgerichts Mainz vom 9. September 2002 – zu einer Gesamtstrafe von zwei Jahren und vier Monaten, außerdem wegen Volksverhetzung in vier Fällen zu einer Gesamtstrafe von zwei Jahren und zehn Monaten verurteilt worden. Mit den Verurteilungen des Landgerichts München II vom Februar 2009 ist Mahler wegen Volksverhetzung zu insgesamt zwölf Jahren Freiheitsstrafe verurteilt worden.

Verfahren der Anwaltskammer Berlin 2009[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mitte Juli 2009 wurde ihm von der Anwaltskammer Berlin die Zulassung als Rechtsanwalt entzogen.[51]

Strafvollzug in der JVA Brandenburg a. d. Havel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seine Strafe verbüßt er in der Justizvollzugsanstalt Brandenburg a. d. Havel. In der Zeit von November 2012 bis März 2013 schrieb er auf einem Computer im Gefängnis ein umfangreiches Werk unter dem Titel Das Ende der Wanderschaft.[52] Teile dieser Schrift wurden inzwischen im Internet veröffentlicht. Der mehr als 200 Seiten umfassende Text wurde als antisemitisch eingestuft, der Computer daraufhin beschlagnahmt und Kontakte nach außen streng kontrolliert.[53] Die Staatsanwaltschaft Cottbus erhob im Mai 2014 deswegen Anklage wegen Volksverhetzung gegen Mahler.

Krankheitsbedingte Haftunterbrechung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Juli 2015 gewährte die Staatsanwaltschaft Potsdam Mahler aufgrund seines schlechten Gesundheitszustandes Haftunterbrechung. Im Zuge einer schweren Infektion, in deren Verlauf ihm der linke Unterschenkel amputiert werden musste, entwickelte Mahler eine schwere Sepsis. Wegen des akut lebensbedrohlichen Zustandes wurde er vom Gefängniskrankenhaus auf die Intensivstation des Städtischen Klinikums Brandenburg verlegt.[54][55] Anfang August 2015 hatte sich sein Gesundheitszustand so weit verbessert, dass er eine Rehabilitation plante.[56] Im September 2015 entschied die Strafvollstreckungskammer des Landgerichts Potsdam, dass der aufgrund des gesundheitlichen Zustandes haftverschonte Horst Mahler nach Verbüßung von zwei Dritteln der zehnjährigen Haftstrafe auf Bewährung freikommen soll. Die Staatsanwaltschaft München legte dagegen Beschwerde ein.[57] Anfang 2016 hob das Oberlandesgericht Brandenburg die Aussetzung der Strafe zur Bewährung wieder auf. Die Justizvollzugsanstalt wie auch die Staatsanwaltschaft hatten sich gegen eine vorzeitige Entlassung ausgesprochen, da weitere Straftaten zu erwarten seien und Mahler eine „verfestigte kriminelle Persönlichkeitsstruktur“ aufweise. Dieser Auffassung folgte das Oberlandesgericht Brandenburg und stellte fest, dass eine positive Sozialprognose für ein straffreies Leben nicht zu erwarten sei.[58] Der Berliner Tagesspiegel berichtete im März 2017, dass Mahler wegen eines „sogenannten Strafausstandes“ auf freiem Fuß sei. Die zuständige Münchener Staatsanwaltschaft kommentiere diesen Entscheid nicht, weil Vollstreckungsverfahren „grundsätzlich nicht öffentlich“ seien. Diesem Bericht zufolge trat Mahler wieder mit Vorträgen in rechten Kreisen auf.[59]

Festnahme nach Haftentzug durch Flucht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 19. April 2017 wurde von Mahler ein Video veröffentlicht, in dem er seine Weigerung verkündete, die Haft wieder anzutreten. Seitdem befand er sich auf der Flucht.[60][61] Die Staatsanwaltschaft München stellte einen Europäischen Haftbefehl aus. Am 15. Mai 2017 wurde bekannt, dass Mahler in Ungarn in einem persönlich gerichteten Schreiben an Viktor Orbán um Asyl gebeten hatte,[62] dann aber von den ungarischen Behörden in Sopron an der Grenze zu Österreich festgenommen wurde[63] und vorerst in Abschiebehaft gesetzt wurde. Gegen ihn lief ein europäischer Haftbefehl.[64] Am 6. Juni 2017 wurde ein Beschluss des Budapester Stadtgerichts zur Auslieferung an Deutschland bekannt. Mahler wurde rund eine Woche später am Budapester Flughafen den deutschen Behörden übergeben.[65][66] Er wurde zurück in die Justizvollzugsanstalt Brandenburg a. d. Havel gebracht. Dort muss er nun seine Reststrafe von dreieinhalb Jahren absitzen. Mahler wird wegen der Nähe zu seinem Wohnort in Kleinmachnow, seiner letzten Meldeadresse vor der Inhaftierung, in Brandenburg inhaftiert.[67]

Literatur und Film[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Horst Mahler – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Horst Mahler: „...Dabei fing alles ganz harmlos an“, Hanse-Buchwerkstatt Bremen 2015.
  2. Zum Folgenden Martin Jander Horst Mahler. iIn: Wolfgang Kraushaar (Hrsg.): Die RAF und der linke Terrorismus. Hamburg 2006, Bd. 1, S. 372 ff.
  3. שונאים, סיפור אמיתי. In: Ynet. 3. April 2005, abgerufen am 3. August 2015 (hebräisch, Dokumentationsreihe über Antisemitismus).
  4. Malte Herwig: Zwei links, zwei rechts. In: Zeitmagazin vom 11. August 2011, S. 32.
  5. Willi Winkler: Ein ZEIT-Gespräch mit Ex-Terroristen Horst Mahler über die Apo, den Weg in den Terror und die Versöhnung mit dem Grundgesetz. In: Die Zeit vom 2. Mai 1997 (online, Zugriff am 6. August 2011).
  6. Alexander Gallus: Ein Anfang, der das Ende nicht erwarten ließ. Die Studienstiftler Meinhof, Mahler, Ensslin, Vesper und die Eliteförderung der frühen Bundesrepublik – eine Aktenlektüre. In: Jahrbuch Extremismus & Demokratie, 24/2012, ISBN 978-3-8329-7999-7, S. 13–29.
  7. Markus Gail: Studentenverbindungen in Frankfurt am Main: Berühmte (und berüchtigte) Korporierte..
  8. Willi Winkler: Augen Ost, Augen West. In: Süddeutsche Zeitung vom 6. August 2011, S. 13.
  9. Baader/Meinhof: Gesetz und Pistole. In: Der Spiegel vom 9. Oktober 1972, abgerufen am 7. Dezember 2015.
  10. Michael Fischer: Horst Mahler. S. 436
  11. Rehse, Hans Joachim. In: Lexikon der politischen Strafprozesse, abgerufen am 7. Dezember 2015.
  12. Rechtsanwälte/Mahler: Stück im Schrank. In: Der Spiegel vom 25. März 1968, abgerufen am 7. Dezember 2015.
  13. U-Haft: Schnell erschöpft. In: Der Spiegel vom 14. November 1966, abgerufen am 7. Dezember 2015.
  14. Abschlussbericht der Berliner Staatsanwaltschaft: War Horst Mahler Stasi-Spitzel? In: Bild.de vom 31. Juli 2011, abgerufen am 4. August 2015.
  15. Jochen Staadt: Journalisten raten. Fehlurteile: Horst Mahlers angebliche Stasi-Tätigkeit. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 31. August 2011.
  16.  Malte Herwig: Mahler und Rabehl: Zwei links, zwei rechts. In: zeit.de. 11. August 2011, abgerufen am 11. Dezember 2014.
  17. Dirk Kurbjuweit: Ganz links, ganz rechts, ganz oben. In: Der Spiegel. Nr. 7, 2002 (online).
  18. www.artechock.de
  19. Wie sie wurden, was sie sind. In: faz.net. 18. November 2009, abgerufen am 11. Dezember 2014.
  20. Ferdinand von Schirach: Drei deutsche Anwälte. In: faz.net. 17. November 2009, abgerufen am 11. Dezember 2014.
  21. Christian Buß: Die drei Fragezeichen. In: Spiegel Online. 17. November 2009, abgerufen am 29. November 2014.
  22. Stefan Aust: Der Baader Meinhof Komplex. Dritte Ausgabe, 2008. Ebook ohne Seitenangaben. Vgl. auch: Die Gefangen aus der RAF: Erklärung zum Ausschluss von Horst Mahler aus der RAF vom 27. September 1974, dokumentiert durch das Social History Portal
  23. www.nadir.org
  24. Axel Jeschke, Wolfgang Malanowski: Der Minister und der Terrorist. 1980.
  25. Willi Winkler: Augen Ost, Augen West. In: Süddeutsche Zeitung vom 6. August 2011, S. 13.
  26. Ist das Ende der Defundamentalisierung der Kultur in Sicht? – Gedanken zum 70. Geburtstag von Günter Rohrmoser (Memento vom 19. Dezember 2007 im Internet Archive) Rede Horst Mahlers zum 70. Geburtstag Günter Rohrmosers, 1. Dezember 1997.
  27. Günter Langer: Ein Konservativer als „Mentor der Linken“? Ein Brief von Günter Langer an Horst Mahler. 4. Januar 1998, abgerufen am 21. April 2011.
  28. Gerhard Quast, Peter Krause: „Das einfache Weltbild verwirrt“. In: Junge Freiheit, 24. April 1998
  29. https://www.hdg.de/lemo/biografie/horst-mahler.html
  30. Torsten Witt (Geb. 1963) im Tagesspiegel
  31. https://www.hdg.de/lemo/biografie/horst-mahler.html
  32. Horst Mahlers Neonazi-Aktivitäten. Antifa Infoblatt, 22. September 1999.
  33. Verkrachte Existenzen, Antifa Infoblatt, 10. April 2003.
  34. Horst Mahler, Franz Schönhuber: Schluss mit deutschem Selbsthass: Plädoyers für ein anderes Deutschland. Druffel & Vowinckel, 2000, ISBN 3-86118-093-6.
  35. [1]
  36. Rechtsanwalt Horst Mahler: Stellungnahme zum Verbotsantrag gegen die NPD, gerichtet an das BVerfG, 2. Senat. (Memento vom 3. Dezember 2008 im Internet Archive) (PDF; 3,6 MB), siehe z. B. S. 46 ff)
  37. Rechtsanwalt Horst Mahler: Stellungnahme zum Verbotsantrag gegen die NPD, gerichtet an das BVerfG, 2. Senat. (Memento vom 3. Dezember 2008 im Internet Archive) (PDF; 3,6 MB), S. 31, 30. August 2002
  38. zitiert nach: Frank Aydt: eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche In: Wolfgang Gessenharter, Thomas Pfeiffer (Hrsg.): Die neue Rechte – eine Gefahr für die Demokratie? VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2004, ISBN 3-8100-4162-9, S. 109.
  39. Jan Rathje: Zwischen Verschwörungsmythen, Esoterik und Holocaustleugnung – die Reichsideologie – bpb. In: bpb.de. 14. Oktober 2015, abgerufen am 8. April 2016.
  40. Behörde entzieht dem Rechtsextremisten Mahler den Pass. Mögliche Teilnahme an Teheraner Holocaust-Konferenz soll verhindert werden. Berliner Zeitung, 27. Januar 2006
  41. Netzeitung: Lob für Ausreiseverbot gegen Rechten Mahler, 27. Januar 2006 (Memento vom 17. Januar 2009 im Internet Archive)
  42. Frank Käßner: „Agitator, Hetzer, Brandredner“. In: welt.de. 16. Februar 2007, abgerufen am 11. Dezember 2014.
  43. Rechtsextremist Mahler zu elf Monaten verurteilt. Hitlergruß. Focus Online, 22. Juli 2008, archiviert vom Original am 21. April 2011, abgerufen am 21. April 2011.
  44. So spricht man mit Nazis. Teil 1 des ungekürzten Vanity Fair-Interviews von Autor Michel Friedman mit Deutschlands Chef-Nazi Horst Mahler. In: Vanity Fair, November 2007. Condé Nast Digital, 11. September 2007, archiviert vom Original am 21. April 2011, abgerufen am 21. April 2011.
  45. So spricht man mit Nazis. Teil 2 des ungekürzten Vanity Fair-Interviews von Autor Michel Friedman mit Deutschlands Chef-Nazi Horst Mahler. In: Vanity Fair, November 2007. Condé Nast Digital, 1. November 2007, archiviert vom Original am 21. April 2011, abgerufen am 21. April 2011.
  46. Horst Mahler muss ins Gefängnis. "Hitler-Gruß". Spiegel Online, 28. April 2008, archiviert vom Original am 21. April 2011, abgerufen am 21. April 2011.
  47. Rechtsextremist Mahler geht in Revision. In: tagesspiegel.de. undatiert, abgerufen am 11. Dezember 2014.
  48. Kathrin Haimerl: Horst Mahler vor Gericht – Im Zweifel für die Holocaust-Leugner. In: sueddeutsche.de. 17. Mai 2010, abgerufen am 11. Dezember 2014.
  49. Volksverhetzung – Horst Mahler zu sechs Jahren Haft verurteilt. In: sueddeutsche.de. 17. Mai 2010, abgerufen am 11. Dezember 2014.
  50. Haftstrafe gegen Neonazi Mahler rechtskräftig (Memento vom 19. August 2009 im Internet Archive), Deutsche Welle, 10. August 2009
  51. Zulassung entzogen: Mahler kein Anwalt mehr. In: n-tv vom 19. August 2009.
  52. Hetzschrift aus der Haft. In: Der Spiegel. Nr. 30, 2013 (online).
  53. Mahler verfasst antisemitische Hetzschrift in Haft. In: welt.de. 22. August 2013, abgerufen am 29. November 2014.
  54. Neonazi Mahler ringt um sein Leben. In: Märkische Allgemeine, Potsdam, 17. Juli 2015.
  55. Alexander Fröhlich: Polizei will Gedenkaufmärsche für Horst Mahler verhindern. In: Tagesspiegel, 21. Juli 2015. Eingesehen am 21. Juli 2015.
  56. Neonazi Horst Mahler (79) plant Rehabilitation. Märkische Allgemeine, 3. August 2015
  57. Alexander Fröhlich: Horst Mahler kommt frei auf Bewährung. Erschienen am 7. Oktober 2015 in Tagesspiegel. Eingesehen am 10. Oktober 2015
  58. RAF-Gründer und Neonazi: Gericht hebt Bewährung von Horst Mahler auf. spiegel.de, 22. Januar 2016
  59. Horst Mahler nutzt seine Bewährung für Hetze. tagesspiegel.de vom 31. März 2017.
  60. Julian Feldmann: Horst Mahler ist auf der Flucht. In: ndr.de/panorama. Abgerufen am 19. April 2017.
  61. Flucht ins Ausland? In: n-tv.de, 19. April 2017.
  62. Ungarn bestätigt Festnahme von Rechtsextremist Horst Mahler. In: Berliner Morgenpost online, 15. Mai 2017
  63. Horst Mahler in Ungarn festgenommen. In: Spiegel Online, 15. Mai 2017.
  64. Horst Mahler in Abschiebehaft. In: Spiegel Online, 17. Mai 2017.
  65. Holocaustleugner – Ungarn liefert Horst Mahler an Deutschland aus. In: faz.net, 6. Juni 2017.
  66. Mahler an Deutschland ausgeliefert. Bericht auf tagesschau.de vom 13. Juni 2017; abgerufen am 13. Juni 2017.
  67. Horst Mahler nach Auslieferung aus Ungarn zurück in Deutschland. (tagesspiegel.de [abgerufen am 13. Juni 2017]).