Horst W. Opaschowski

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Horst W. Opaschowski im September 2014

Horst W. Opaschowski (* 3. Januar 1941 in Beuthen, Oberschlesien, heute Polen) ist ein deutscher Erziehungswissenschaftler, Zukunftsforscher und Berater für Politik und Wirtschaft.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Studium an den Universitäten Bonn und Köln wurde er 1968 mit einer Arbeit über die sozialen Folgen der Tourismusentwicklung promoviert. 1973 entwickelte er im Auftrag der Bundesregierung eine freizeitpolitische Konzeption. Von 1975 bis 2006 war er Professor für Erziehungswissenschaft an der Universität Hamburg. 1979 gründete er das BAT Freizeit-Forschungsinstitut, dessen Leiter er bis 2007 war. 2007 wurde das BAT Freizeit-Forschungsinstitut in die Stiftung für Zukunftsfragen umgewandelt, deren Wissenschaftlicher Leiter Opaschowski bis Ende 2010 war. Seit 2011 arbeitet er als Zukunftswissenschaftler, Publizist und Berater für Wirtschaft und Politik.[1]

Seine Themenschwerpunkte liegen im Bereich der Gesellschafts- und Zukunftsforschung.

Unter Bundeskanzler Willy Brandt (SPD) war er wissenschaftlicher Mitarbeiter und erarbeitete eine freizeitpolitische Konzeption für die Bundesregierung. Unter Kanzler Helmut Kohl (CDU) war er als wissenschaftlicher Gutachter tätig und als Berater von Angela Merkel regte er 2008/2009 Zukunftskonferenzen und Bürgerdialoge an.[2]

2007 erhielt Opaschowski den Ehrenpreis des Tourismusausschusses des Deutschen Bundestags.[3]

Im Dezember 2010 wurde Opaschowski mit dem Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet.[4]

In Kooperation mit dem Ipsos-Institut führt er seit 2011 regelmäßig den Nationalen WohlstandsIndex für Deutschland (NAWI-D) durch.[5]

2014 gründete er mit seiner Tochter Irina Pilawa das Opaschowski Institut für Zukunftsforschung/O.I.Z in Hamburg.

Opaschowski ist Mitglied in den Aufsichtsräten der Industrie-Contact AG[6] und des Ferienzentrums Weißenhäuser Strand.[7]

Darüber hinaus ist er seit 2003 Kuratoriumsmitglied der Landesinitiative „Hamburg engagiert sich“ sowie seit 2009 Gründer und Initiator der „Helferbörse“ im Mehrgenerationenhaus „brügge“ in Hamburg.[8]

Seit 1967 ist Opaschowski mit seiner Frau Elke verheiratet, mit der er zwei Kinder hat. Sohn Alexander ist Wirtschaftsprüfer und Partner bei Ernst & Young. Tochter Irina (Grundschullehrerin) ist mit dem Fernsehmoderator Jörg Pilawa verheiratet. Opaschowski hat fünf Enkelkinder.[9]

Thesen seit 2015[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2015 über die Notwendigkeit einer neuen Reichtums-Definition: „Reichtum ist keine bloße Geldfrage mehr. Bei Familien kommt der Beziehungsreichtum, bei Rentnern der Zeitwohlstand hinzu.“
  • 2015 über einen konservativen Wertewandel in Deutschland: „Konvention verdrängt die Emanzipation und Fleiß die Lebensfreude. Die Menschen orientieren sich wieder mehr an bürgerlich-konservativen Werten und traditionellen Arbeitstugenden.“
  • 2016 über Hass und Lügen in sozialen Medien: „Das soziale Immunsystem droht durch soziale Medien zerstört zu werden. Häme, Hass und Wut breiten sich aus. Lügen werden so wirksam wie Wahrheiten. Und Fake News werden als ‚gefühlte‘ Wahrheiten akzeptiert“."
  • 2016 über den Wandel von der Demokratie zur Virtukratie: „Online-Wahlkreise sowie virtuelle Ortsvereine und Rathäuser verändern die politische Landschaft und machen die Demokratie immer mehr zur Virtukratie. Digitale Medien werden zum neuen Machtinstrument. Wer die meisten Likes aufweist, gewinnt.“
  • 2016 über zunehmende Zweifel an der Flüchtlingsintegration: „Die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung in Deutschland gibt sich desillusioniert – quer durch alle sozialen Schichten. Die Zweifel an der Integration der Flüchtlinge wachsen“.
  • 2017 über den Sog des Populismus: „Deutschland geht es so gut wie lange nicht mehr. Doch von Zukunftsoptimismus ist die Bevölkerung weit entfernt. Die Zukunft erscheint immer unberechenbarer. Trump, Putin & Co. haben radikal-konservative Wirkungen und sorgen für populistische Stimmungen und Strömungen.“
  • 2017 über weniger Angst, aber mehr Sorgen: „Krisenstimmung und ‚German Angst‘ normalisieren sich langsam wieder. Doch gleichzeitig nehmen die Sorgen vor einer Gefährdung des sozialen Friedens in Deutschland zu. Die große Kluft Arm/Reich, die zunehmende Gewaltbereitschaft und die wachsende Fremdenfeindlichkeit machen den Deutschen mehr Sorgen als die Angst vor Terror.“
  • 2017 über die Gefahr eines digitalen Tsunami: „Der Einbruch in die Privatsphäre wird Realität, der Kontrollverlust des Staates auch. Die Manipulation durch Hacker wird zur größten Bedrohung der nationalen Sicherheit. Netzkontakte verdrängen Freundschaftsbeziehungen. Ein digitaler Tsunami droht: Unsere Identität wird profitabel vermarktet.“[10]
  • 2018 über die Lebenserwartung für Neugeborene: „Jeder Zweite, der heute geboren wird, ist in 100 Jahren noch am Leben. Eine Revolution der Lebenszeit, die es in der gesamten Menschheitsgeschichte noch nicht gegeben hat.“[11]

Wortschöpfungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Freizeitideologie (1970), Love-Generation (1971), Jugendkult (1972), Junge Alte (1972), Qualitative Freizeitforschung (1979), Arbeitsmangelgesellschaft (1980), Sonntagabendkrise (1980), Freizeitlebensstil (1980), Compunikation (1980), Rentnerstress (1983), Zeitwohlstand (1983), Erlebnisgesellschaft (1983), Freizeitarbeitsgesellschaft (1983), Freizeitstress (1984), Stand-by-Tourismus (1985), Freizeitrituale (1988), Staulust (1992), Mediaphobie (1995), Reisepioniere (1997), Soziales Volontariat (1997), Kathedralen des 21. Jahrhunderts (1998), Generation @ (= Wort des Jahres 1999), Extremgesellschaft (2000), Wellstress (2002), Wohlfühlgesellschaft (2002), Generationenpakt (2003), Viewser (2003), Armut-Wohlstands-Paradox (2004), Rentner als Trendner (2005)[12]

Medien über Opaschowski[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Opaschowski gilt als „Vollblutwissenschaftler“ (Die Welt), „wissenschaftlicher Vordenker“ (WAZ), „Mann der Thesen und Prognosen“ (DPA) und „Meinungsmacher“ (Die Zeit), als „Mr. Zukunft“ (Bild), „politischer Zukunftsforscher“ (DDP), „begnadeter Zukunftsforscher mit Forscherqualitäten und Bodenhaftung“ (Speyerer Tagespost) und „Visionär mit Augenmaß“ (Nürnberger Zeitung). Seine Forschungen sind „vorausschauend, objektiv und glaubwürdig“ (Frankfurter Allgemeine). „Mal gelangt er zu einem für die Praxis vernichtenden Fazit, mal lässt er die Besucherzahlen klettern.“ (Der Spiegel). „Dem Volk schaut er aufs Maul, der Regierung klopft er auf die Finger.“ (DPA). „Opaschowski perceives profound political and economic implications.“ (Time).[13]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Buchveröffentlichungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1970: Jugendauslandsreisen – Geschichtliche, soziale und pädagogische Aspekte. Luchterhand, Neuwied / Berlin 1970 (zugleich Dissertation Universität Köln)
  • 2000: Xtrem. Der kalkulierte Wahnsinn. Extremsport als Zeitphänomen, ISBN 3-924865-33-7
  • 2000: Kathedralen des 21. Jahrhunderts. Erlebniswelten im Zeitalter der Eventkultur, Hamburg, ISBN 3-924865-32-9
  • 2001: Das gekaufte Paradies. Tourismus im 21. Jahrhundert, Hamburg, ISBN 3-924865-36-1
  • 2001: Deutschland 2010. Wie wir morgen arbeiten und leben. Edition der B.A.T. Freizeit-Forschungsinstitut GmbH, Hamburg
  • 2002: Was uns zusammenhält. Krise und Zukunft der westlichen Welt, ISBN 3-7892-8091-7
  • 2002: Tourismus. Eine systematische Einführung – Analysen und Prognosen, Opladen ISBN 3-8100-3216-6
  • 2002: Start-up ins Leben: Wie selbstständig sind die Deutschen, Hamburg, ISBN 3-924865-37-X
  • 2004: Der Generationenpakt. Das soziale Netz der Zukunft, Darmstadt, ISBN 3-89678-487-0
  • 2004: Deutschland 2020. Wie wir morgen arbeiten und leben – Prognosen der Wissenschaft, ISBN 978-3-531-14940-0
  • 2005: Besser leben, schöner wohnen? Leben in der Stadt der Zukunft, ISBN 3-89678-544-3
  • 2006: Freizeitwirtschaft. Die Leitökonomie der Zukunft, ISBN 3-8258-9297-2
  • 2006: Das Moses-Prinzip. Die 10 Gebote des 21. Jahrhunderts, ISBN 978-3-579-06947-0
  • 2007: Altersträume. Illusion und Wirklichkeit (mit Ulrich Reinhardt), ISBN 978-3-89678-361-5
  • 2007: Minimex. Das Zukunftsmodell einer sozialen Gesellschaft, ISBN 978-3-579-06976-0
  • 2009: Wohlstand neu denken: Wie die nächste Generation leben wird, ISBN 978-3-579-06878-7
  • 2010: WIR! Warum Ichlinge keine Zukunft mehr haben, Hamburg, ISBN 978-3-86774-104-0
  • 2011: Der Deutschland-Plan. Was in Politik und Gesellschaft getan werden muss, Gütersloh, ISBN 978-3-579-06671-4
  • 2013: Deutschland 2030. Wie wir in Zukunft leben, Gütersloh, ISBN 978-3-579-06635-6
  • 2014: So wollen wir leben! Die 10 Zukunftshoffnungen der Deutschen (unter Mitarbeit von Irina Pilawa), Gütersloh, ISBN 978-3-579-07076-6
  • 2016: Das Abraham-Prinzip. Wie wir gut und lange leben (unter Mitarbeit von Irina Pilawa), Gütersloh, ISBN 978-3-579-08647-7
  • 2018: Du hast fünf Leben! Ein Wegweiser durch die Fünf-Generationen-Gesellschaft (mit Peter Zellmann), Wien, ISBN 978-3-214-12639-1
  • 2019: Wissen, was wird. Eine kleine Geschichte der Zukunft Deutschlands, Ostfildern, ISBN 978-3-8436-1184-8

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.opaschowski.de/index.php?id=11
  2. http://www.mittelbayerische.de/panorama-nachrichten/horst-opaschowski-wird-75-21934-art1323757.html
  3. http://presseservice.pressrelations.de/pressemitteilung/tourismusforscher-prof-opaschowski-erhaelt-ehrenpreis-des-tourismusausschusses-270899.html
  4. Professor Opaschowski mit Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet (Memento vom 11. November 2013 im Internet Archive)
  5. http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/umfragen-host-opaschowski-und-allianz-deutsche-gehen-voller-optimismus-ins-jahr-2014/9226536.html
  6. https://www.ic-gruppe.com/team/prof-dr-horst-w-opaschowski/
  7. http://www.ostholstein-urlaub.com/freizeit/ferienzentrum.html
  8. http://www.opaschowski.de/index.php?id=11
  9. http://www.mittelbayerische.de/panorama-nachrichten/horst-opaschowski-wird-75-21934-art1323757.html
  10. http://www.opaschowski.de/index.php?id=10
  11. tagesschau.de: Zukunft der Rente: So könnte das Leben im Alter aussehen. (Zukunftsforscher Horst Opaschowski im Interview mit tagesschau.de) (abgerufen am 6. Juni 2018)
  12. https://www.ew.uni-hamburg.de/ueber-die-fakultaet/personen/opaschowski.html
  13. https://www.ew.uni-hamburg.de/ueber-die-fakultaet/personen/opaschowski.html