Hortenkachel

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Hortenkacheln
Hortenkachel 68/300 aus Hamm

Die Hortenkachel ist der Baustein einer speziellen Gebäudefassade, benannt nach dem Kaufhaus Horten, für das sie um 1960 von Egon Eiermann entwickelt wurde. Firmenintern sprach man von der Wabenfassade, beispielsweise im Mitarbeitermagazin Der Einblick.

Sie gehen jedoch auf ein für die Düsseldorfer Hauptverwaltung gestaltetes Türdrückermotiv von Helmut Rhode zurück. Auch das Kachelkonzept wurde früher schon, beim niederländischen Warenhaus de Bijenkorf von Marcel Breuer, verwendet.[1]

Die Anbringung der Wabenfassaden wurde Ende der 1970er Jahre beendet, Grund soll ein Streit um die Fassade der 1972 umgebauten Filiale in Regensburg gewesen sein.[2]

Formale Gestaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Grundmaß einer Kachel ist 50 × 50 cm, die Tiefe liegt bei ca. 15–20 cm (es gibt mindestens zwei Versionen). Anfänglich wurde die Kacheln aus Keramik hergestellt, später aus Aluminium. Die Form entspricht einem stilisierten H für Horten.

Die ornamentale Fassade, die das Gebäude nahezu vollständig bekleidet, nimmt keinen Bezug auf den stadträumlichen Kontext und macht die innere Gliederung sowie den Maßstab des Gebäudes nicht ablesbar. Da sich mit diesem Fassadensystem die Gebäudegrundrisse sehr flexibel und mit einem Höchstmaß an Stellfläche durch die Vermeidung von Fenstern ausbilden lassen, fand dieses Fassadensystem viel Anklang beim Neubau von Kaufhäusern. Auch beim Umbau oder der Erweiterung bestehender Gebäude war dies ein Vorteil, da man bei der Planung keine Rücksicht mehr auf eventuell vorhandene Fassadengliederungen nehmen oder Anbauten an das bestehende Gebäude anpassen musste, wenn anschließend der gesamte Gebäudekörper mit der Kachel verkleidet wurde. Da die Kacheln Nistmöglichkeiten für Tauben bieten, wurden sie meistens mit einem Drahtnetz überzogen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hocquél, Wolfgang; Kellermann, Friedel, Pfeifer, Hans-Georg; Schreiber, Mathias; Weiß, Klaus-Dieter; Zeidler, Eberhard: Architektur für den Handel. Kaufhäuser, Einkaufszentren, Galerien. Geschichte und gegenwärtige Tendenzen. Basel/ Boston/ Berlin 1996.
  • Irrgang, Thomas: Deutsche Warenhausbauten. Entwicklung und heutiger Stand ihrer Betriebs-, Bau- und Erscheinungsformen. Dissertation. Berlin 1980.
  • Jaeggi, Annemarie (Hrsg.): Egon Eiermann (1904–1970). Die Kontinuität der Moderne. Ostfildern-Ruit. 2004. Katalog zur Ausstellung der Städtischen Galerie Karlsruhe vom 18. September 2004 bis 9. Januar 2005.
  • Langenberg, Silke: Bauten der Boomjahre. Architektonische Konzepte und Planungstheorien der 60er und 70er Jahre. Diss. Dortmund 2006.
  • Schramm, Christian: Deutsche Warenhausbauten. Ursprung, Typologie und Entwicklungstendenzen. Aachen 1995.
  • Der Einblick (Magazin für Mitarbeiter der Horten Betriebe) Ausgabe 53 Seite 12: „Unser Foto zeigt die imposante Wabenfassade des in Duisburg-Hamborn entstehenden Warenhauses Horten“
  • Der Einblick (Magazin für Mitarbeiter der Horten Betriebe) Ausgabe 1/67 Seite 16: „Am Ende dieser Umstrukturierungsphase wird unser Unternehmen ausschließlich über Horten-Vollwarenhäuser modernster Prägung verfügen, deren gemeinsames Kennzeichen bis auf wenige Ausnahmen die Keramik-Wabenfassade sein wird.“

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Silke Langenberg: Bauten der Boomjahre. Architektonische Konzepte und Planungstheorien der 60er und 70er Jahre. Diss. Dortmund 2006. S. 51.
  2. Letzte Schlacht. In: Der Spiegel. Nr. 23, 1980 (online).