Hortense von Gelmini

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Hortense von Gelmini als Dirigentin, 1975

Hortense Anna Stephanie von Gelmini Edle zu Kreutzhof, verheiratete Freifrau Droste zu Hülshoff, (* 14. April 1947 in Bozen, Südtirol[1]) ist eine Musikerin, Malerin und Schriftstellerin. Sie war in den 1970er Jahren eine der ersten bekannten deutschen Orchester-Dirigentinnen.

Leben und Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kindheit und Studium[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hortense von Gelmini stammt aus der Südtiroler Adelsfamilie Gelmini von Kreutzhof.[2] Sie ist die Tochter des aus Salurn stammenden Gutsbesitzers und Importkaufmanns Johannes Anton von Gelmini Edler zu Kreutzhof und der Grafikerin und Malerin Erika von Gelmini, geb. Schmid. Von Gelmini wuchs in Salurn und Kirchzarten auf und besuchte das Bertholdgymnasium in Freiburg. Aufgrund ihrer frühen Klavierkompositionen wurde sie im Alter von 14 Jahren an der Hochschule für Musik Freiburg immatrikuliert und bildete sich parallel durch Privatunterricht fort. Sie studierte Dirigieren bei Herbert Froitzheim und Francis Travis, Komposition bei Wolfgang Fortner, Klavier in der Meisterklasse von Carl Seemann sowie Cello, Trompete und Klarinette.

Musikalische Laufbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ihre Klavierkompositionen Tetrade unio mystica (1967) und Ich wär’ so gern enthoben (1982) spielte Gelmini als Pianistin in Konzerten. 1969 gründete sie das Kammerorchester Orchestra Gelmini, das sich aus Meisterklassestudenten verschiedener Musikhochschulen zusammensetzte. Mit diesem Orchester konzertierte sie in Deutschland[3] und führte mit der Pianistin Fany Solter Schallplatten- und Rundfunkaufnahmen durch.[4] Ab 1974 wirkte Gelmini als Gastdirigentin u. a. der Nürnberger Symphoniker, der Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz,[5] der Hofer Symphoniker,[6] des Mozarteum-Orchesters Salzburg,[7] des Sinfonieorchesters des Südwestfunks und des Collegium musicum Aschaffenburg.[8] Dabei trat sie u. a. im Großen Festspielhaus Salzburg auf und arbeitete mit Künstlern wie Ludwig Güttler zusammen.[9][10] Gelmini beendete ihre Dirigentenkarriere 1980.

Fernsehporträts sendeten der Bayerische Rundfunk (1975), der Südwestfunk (1975) und der WDR (1980). 1975 war sie zu Gast in der Talkshow Der heiße Draht mit Joachim Fuchsberger.[11] Neben Rezensionen der Fachpresse über ihre Arbeit als Dirigentin erschienen Berichte, die noch heute als Beispiel für Sexismus gegenüber Dirigentinnen gelten.[12][13] Zudem wurde sie von Journalisten wie Stefan Aust[14] interviewt, hauptsächlich unter dem Gesichtspunkt der Emanzipation der Frau.

Schriftstellerin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gelmini befasste sich von Jugend auf mit katholischer Theologie und Philosophie. Der Verleger Karl Borromäus Glock druckte in seiner Zeitschrift Besinnung einige ihrer Essays und Gedichte ab. 1981 erschien im Glock und Lutz-Verlag das Buch Einblicke, eine illustrierte Sammlung von Essays, einer phänomenologischen Abhandlung und ersten Gedichten, in dem sie u. a. auch ihr Verständnis von Musik, den Musikbetrieb und das Dirigieren von Orchestern reflektierte. 1999 erschien im Lyrikverlag Edition L eine Auswahl von 92 Gedichten mit dem Titel Augenblicke christlicher Besinnung. Weitere 65 Gedichte aus den Jahren 2000 bis 2013 mit Zeichnungen von ihrer Hand enthält der Gedichtband Verwundete Umborgenheit – Bilderwelten (erschienen 2018), wiederum mit eigenen Zeichnungen, eine Gesamtausgabe aller bisherigen Gedichte Verharr nicht im Dunkel. Gedichte von Gemini wurden auch vertont und ihre Werke zudem in Tageszeitungen und Zeitschriften veröffentlicht.

Bildende Künstlerin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab 1976 schuf Gelmini Gemälde und theologisch-philosophisch inspirierte Gemäldezyklen. 1977 nahm der Kunsthistoriker Franzsepp Würtenberger einen Abschnitt über sie in sein Werk Malerei und Musik auf[15] und eröffnete es mit ihrem Gemälde Pfingsten. Ab 1981 entwickelte sie drehbare Altarretabel, z. B. in St. Michael (Rheinfelden-Karsau) sowie in Kirchzarten (Kapelle des Neuen Friedhofs am Giersberg) und erhielt Aufträge zur künstlerischen Gestaltung von Kirchen. Ihre Altarmalerei sieht sie als „Biblia pauperum“ (Armenbibel); die einzelnen Gemäldetafeln stellt sie „aufs Eck“ und bringt dadurch „das Kreuz auf die Fläche“, so entsteht eine „Kreuzesikonostase“.[16] Seit 2001 stellt sie auch Computergrafiken und Atelier-Kunstdrucke her. Ihr künstlerisches Œuvre umfasst ca. 900 Bilder und Zeichnungen und wurde in zahlreichen Einzelausstellungen in städtischen und kirchlichen Galerien unter dem Titel „Christlicher Glaube in Bildsymbolik“, u. a. beim 85. Katholikentag 1978 im Historischen Kaufhaus in Freiburg, gezeigt sowie in Büchern, Zeitschriften, Drucken und Kunstpostkarten veröffentlicht. Gelmini gestaltete St. Michael in Beuggen-Karsau (Innen- und Außengestaltung, Altarbilder, Kreuzweg),[17] die Friedhofskapelle in Kirchzarten (Altarbilder, Altartisch, Ambo, Sedilien, Weihwasserspender) und die Burgkapelle auf Burg Meersburg (Altarbilder).

Beziehung zwischen Musik, Literatur und Kunst[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gelmini räumt keiner der Künste einen „Primat“ über eine andere ein.[18] Berührungspunkte innerhalb ihres Schaffens gibt es, indem sie sowohl Gedichte als auch Gemälde zu gleichen Themen schuf. Beispielsweise dirigierte sie 1974 die Vier Temperamente von Paul Hindemith, Motive, die sie 1985 auch in vier Bildern malte und 2005 in vier Gedichten umsetzte. Ihr Gemäldezyklus Gehirnmusik – in memoriam Anton Bruckner (1982) enthält ein Bild namens Synästhesie und zeigt eine Verbindung von Denken, Musik und Malerei auf; er wurde unter dem Titel Sieben Fühlstücke 2007 von Hans-Josef Winkler vertont und 2012 in Berlin uraufgeführt. Sie selbst schuf nach dem Tod von Otto Gillen Federzeichnungen zu dessen Gedichten, die im Buch Maria Frau der Frauen publiziert wurden.

Privates[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1978 ist sie mit Wilderich von Droste zu Hülshoff verheiratet, mit dem sie einen Sohn hat.[19] Sie wohnen seit 2005 in Horben bei Freiburg im Breisgau. Gelmini führt den Verlag LPV Hortense von Gelmini und leitete bis 2013 den von ihr gegründeten land- und forstwirtschaftlichen Betrieb mit angeschlossener Brennerei in Horben.

Stiftung Libertas per Veritatem[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1994 wurde in Freiburg von Silvia Berk die gemeinnützige Stiftung Libertas per Veritatem gegründet. Seit 1999 ist Gelminis Ehemann Vorstand der Stiftung, deren Zweck es ist, durch das Werk Gelminis einen Beitrag zur Erhaltung christlicher Grundwerte in der Öffentlichkeit zu leisten. Hierfür unterhielt sie von 1994 bis 2006 in Freiburg die nichtkommerzielle Galerie Kunstsammlung Hortense von Gelmini, in welcher Ausstellungen ihrer Werke, Vorträge und Lesungen stattfanden.

Preise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Veröffentlichungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Einblicke. Zeitkritische Essays und Gedichte, mit Kunstdrucken und Text-Bildmeditationen von Franziskus Eisenbach. Glock und Lutz-Verlag, Heroldsberg 1981, ISBN 33-7738-7009-8
  • Der mich liebt und ruft. Text-Bildmeditationen. Informationszentrum Berufe der Kirche, Freiburg, 2. Auflage 1988.
  • Mit offenen Armen. Text-Bildmeditationen. Grünewald-Verlag, Mainz 1987 (Texte: Josef Sudbrack), ISBN 3-7867-1285-9.
  • Neue Altarbilder im Dienst der Verkündigung – die Altarbilder in der Schlosskapelle der Meersburg. Text-Bildmeditation. Selbstverlag, 1987.
  • Maria Frau der Frauen. Zeichnungen zu Gedichten von Otto Gillen. Christiana-Verlag, Stein a. Rhein 1991.
  • Das Vaterunser – Gebetbuch für Behinderte und Menschen, die sie begleiten. Verlag Aktuelle Texte, Heiligkreuztal 1994, ISBN 3-921312-58-2.
  • Die Friedhofskapelle von Kirchzarten. Text-Bildmeditationen. Stiftung Libertas per Veritatem, Kirchzarten 1995.
  • Augenblicke christlicher Besinnung. Gedichte. Edition L, Hockenheim 1999, ISBN 3-930045-84-2.
  • Die Kunst Gott zu loben. Leporelli theologischer Gemäldezyklen mit Betrachtungstexten (Bände 1–9). Verlag LPV von Gelmini, Kirchzarten, ISBN 978-3-936509-00-7.
  • Verwundete Umborgenheit – Bilderwelten. Gedichte 2000–2013 mit Zeichnungen. Verlag LPV Hortense von Gelmini, Horben 2013.
  • Bilder in: Ernest Hello: Sonntag – Der Tag unseres Herrn. (Reprint, Hrsg. von Hortense von Gelmini). Aus dem Französischen übertragen von U. W. Sturm. Verlag LPV Hortense von Gelmini, Horben 2016.
  • Verharr nicht im Dunkel. Gesamtausgabe der Gedichte, mit einem Epilog und Zeichnungen von Hortense von Gelmini, Verlag LPV Hortense von Gelmini, Horben 2018, ISBN 978-3-936509-11-3.

Diskografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hortense von Gelmini, Nürnberger Symphoniker: A. Bruckners „Nullte“ Symphonie d-moll, Colosseum LP SM 558, 1975. Ein digitalisierter Transfer dieser historischen Aufnahme ist frei downloadbar von John Berkys Website.
  • Hortense von Gelmini, Orchestra Gelmini: Werke von Schostakowitsch / Roussel / Genzmer. RBM 463 024.
  • Die Kunst Gott zu loben. Multimedia-CD, Präsentation von 9 Leporellos mit Texten, Gedichtrezitationen, Musik und einem Filmporträt über Schaffen und Werk Hortense von Gelminis. Verlag LPV Hortense von Gelmini Dokumentarfilm von Holger Hillesheim, Texte in Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Russisch, Japanisch und Chinesisch, 2002.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Brigitte von Savigny: Hortense von Gelmini – „Libertas per Veritatem“. In: Freiburger Almanach ’97.
  • Wilderich von Droste zu Hülshoff: Hortense von Gelmini – Leben und Werk – die Kunst Gott zu loben. Verlag LPV Hortense von Gelmini, Horben 2007, ISBN 978-3-936509-10-6.
  • Elke Mascha Blankenburg: Hortense von Gelmini. In: Dirigentinnen im 20. Jahrhundert. Portraits von Marin Alsop bis Simone Young. Hamburg 2003.
  • Olivia Cox Fill: Hortense von Gelmini. In: For our daughters - How outstanding women worldwide have balanced home an career. Westport, CT (USA), 1996, S. 208–213.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Hortense von Gelmini – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gunnar Strunz: Südtirol – Natur und Kultur zwischen Vinschgau und Dolomiten/Berühmte Bozener. Berlin 2014, S. 168.
  2. Genealogisches Handbuch des Adels, Adelslexikon Band IV, S. 68, Band 67 der Gesamtreihe. C. A. Starke Verlag, Limburg 1978; Libro d’Oro 1937/39 bis 1973/76.
  3. Eine Konzerttournee mit großem Erfolg - Hortense von Gelmini begeistert am Dirigentenpult in Badische Zeitung vom 5. November 1971
  4. Plattenreife Kammermusik in: Badische Zeitung vom 2. Mai 1974
  5. Theo Klan: Dirigentin personifizierte Mozartmusik - Hortense von Gelmini mit den Philharmonikern in der Festhalle - Bruckners "Nullte" vollendet. In: Rheinpfalz vom 22. Januar 1977
  6. Karl Hahn: Neuntes Hauptkonzert der Hofer Symphoniker - Hortense von Gelmini begeisterte. In: Frankenpost-Hofer Anzeiger
  7. Das Mozarteumorchester Salzburg. 2015, S. 63.; Reinhard Kriechbaum: Ein Jahr älter als die Wiener Philharmoniker, in: DrehPunktKultur vom 20. Juli 2016, abgerufen am 31. August 2020.
  8. Claus Meisner: Zweites Schloßkonzert optimal. In Main-Echo vom 8. Juni 1975
  9. „Scala“ Zeitschrift der Bundesrepublik Deutschland. Heft 12 (Dezember) 1975.
  10. Elke Mascha-Blankenburg: Dirigentinnen im 20. Jahrhundert. Hamburg 2003, S. 247; Gunnar Strunz: Südtirol-Natur und Kultur zwischen Vinschgau und Dolomiten. Berühmte Bozener. Berlin 2014, S. 168; Pressearchiv der Stiftung Libertas per Veritatem, Horben.
  11. Ausgestrahlt vom BR am 5. April 1975.
  12. Rainer Schmitz, Benno Ure: Wie Mozart in die Kugel kam: Kurioses und Überraschendes aus der Welt der klassischen Musik. Pantheon Verlag, 2018, ISBN 978-3-641-23636-6 (google.de [abgerufen am 13. August 2020]).
  13. Rainer Schmitz, Benno Ure: Tasten, Töne, Tumulte – Alles was Sie über Musik nicht wissen. Siedler-Verlag München 2016, S. 844.
  14. Interview vom 25. Februar 1976 für den SWF
  15. Franzsepp Würtenberger: Malerei und Musik – die Geschichte des Verhaltens zweier Künste zueinander dargestellt nach den Quellen im Zeitraum von Leonardo da Vinci bis John Cage. Lang, Bern, Frankfurt u. a. 1978, S. 247 f.
  16. Libertas per Veritatem (Hrsg.): Hortense von Gelmini – Leben und Werk, die Kunst Gott zu loben, S. 94.
  17. Hermann Brommer: Katholische Pfarrkirche St. Michael Rheinfelden – Beuggen-Karsau (= Kleine Kunstführer Nr. 2179). Verlag Schnell & Steiner, Regensburg 1995.
  18. Franzsepp Würtenberger: Das Ich als Mittelpunkt der Welt – eine äonische Biographie. Karlsruhe 1986, S. 344.
  19. Genealogisches Handbuch des Adels, Freiherrliche Häuser. Bd. XVII; Band 107 der Gesamtreihe. 1994.
  20. Dr. iur. utr. Ernst Seidel und die europäische Kulturstiftung Pro Europa – eine biographische Skizze. Europäische Kulturstiftung Pro Europa, Freiburg 2012, S. 30; Europäische Kulturstiftung Pro Europa (Hrsg.): Pro Europa – europäische Kulturstiftung – European Foundation of Culture. Fondation Européenne de la Culture. Broschüre der Stiftung Pro Europa, Freiburg 2012.