Horumersiel

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Koordinaten: 53° 41′ 3″ N, 8° 0′ 38″ O

Horumersiel
Gemeinde Wangerland
Höhe: 2 (2–10) m ü. NN
Einwohner: 1109 (31. Dez. 2001)
Postleitzahl: 26434
Vorwahl: 04426

Horumersiel, Teil des Ortsteils Horumersiel-Schillig, ist ein Nordsee-Heilbad in der Gemeinde Wangerland im niedersächsischen Landkreis Friesland in Deutschland.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort liegt etwa zwei Kilometer südlich der äußersten Nordost-Spitze der ostfriesischen Halbinsel, an der Innenjade, rund 20  Kilometer nördlich von Wilhelmshaven, zwei Kilometer südlich von Schillig und vier Kilometer östlich von Minsen. Vorgelagert sind die Inseln Mellum und Minsener Oog.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Name[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ortsname Horumersiel, früher auch Horumer Syhl genannt, setzt sich aus den Worten Horum und Siel zusammen. Horum steht im Sinnzusammenhang mit Horn, womit die Lage an der Landecke gemeint ist, an der der Ort liegt. Mit Siel ist hier der Deichdurchlass eines Flusses in das Meer gemeint.

Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort entstand etwa um 1542. Damals siedelten sich Menschen an diesem Ort an, als das Kastensiel von der Stumpenser Mühle zum Horumer-Siel verlegt wurde. Daraus entstand ein Sielort mit einem Küstenhafen. Mit den von Schiffen angelandeten Waren wurde das Hinterland versorgt. Trotz des Hafens gab es in Horumersiel keine Fischereiflotte. Ursache war das zu geringe Absatzgebiet im Hinterland, außerdem verfügten die Nachbarhäfen Carolinensiel und Hooksiel über Fischereirechte. Die Blütezeit des Sielhafens hielt nur bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts an. Danach ging der Schiffsverkehr zurück, da die Weservertiefung andere Häfen für größere Schiffe attraktiver machte. Konkurrenz beim Warenverkehr entstand auch durch den Straßen- und den Eisenbahnbau. 1889 entstand eine Eisenbahnlinie nach Carolinensiel, 1914 eine nach Schillig, die an Horumersiel vorbeiführte. Um 1900 fanden auf dem Meer vor Horumersiel und Schillig Flottenparaden der kaiserlichen Marine statt. Im Ersten und Zweiten Weltkrieg war der Ort Marinestützpunkt zur Verteidigung der Schifffahrtsrinne zum südlich gelegenen Kriegshafen Wilhelmshaven.

Sturmfluten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kolk im Ort und rechts Erläuterungstafel neben dem Kolk

Durch seine Lage nahe der nord-östlichen Ecke der ostfriesischen Halbinsel war Horumersiel bei Sturmfluten stark gefährdet. Seit dem 15. Jahrhundert gingen dadurch mehrere Deiche und Ländereien verloren, die später wieder zurückgewonnen wurden. Die Weihnachtsflut 1717 riss in den Seedeich zwischen Schillig und Horumersiel einen Kolk von 82 m Breite und 7 m Tiefe, der heute in die Kuranlagen einbezogen ist. Die Orkanflut 1962 vernichtete fast die gesamten Strandanlagen.

Fremdenverkehr und Kurbetrieb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Badebetrieb begann bereits 1856, nachdem eine Sturmflut den Urlaubsort auf Wangerooge zerstört hatte. Die Inselbewohner wurden teilweise in Horumersiel angesiedelt. Ihre Erholungsgäste brachten sie mit und begründeten so den Fremdenverkehr. Nach ihrer Rückkehr auf die Insel wurde in Horumersiel der Fremdenverkehr von Geschäftsleuten weiter betrieben. Nach der Gründung eines Seebadevereins führte der Ort ab 1900 die Zusatzbezeichnung Nordseebad. 1952 übernahm die Gemeinde Minsen die Fremdenverkehrsverwaltung und baute die Strand- und Badeanlagen mit Einrichtung des Campingplatzes weiter aus. Der Campingplatz, einer der größten in Deutschland, vergrößerte sich auf rund 3.000 Stellplätze durch Aufspülung des Geländes in den 1970er Jahren. Im Ort gibt es heute ein großes Angebot an Ferienwohnungen- und Häusern bzw. Appartements mit rund 6.000 Gästebetten. Seit 1985 ist Horumersiel als Nordseeheilbad staatlich anerkannt. Hier werden auch Mutter-Kind-Kuren angeboten. An Erholungseinrichtungen gibt es ein Kurmittelhaus, ein Haus des Gastes, ein Freizeitbad (Friesland-Therme) mit Solewasser aus einem 160 m tiefen Brunnen, einen Sportboothafen und ein Kinderspielhaus. Im Ort gibt es derzeit (2007) nur noch einen Fischer, der mit seinem Krabbenkutter im Hafen festmacht.

Zentral im Ort ist seit 1985 das 30 m lange Küstenwachboot 19 (KW 19) ausgestellt. Es wurde 1952 gebaut und diente anfänglich den US-Streitkräften zur Überwachung der Weser, ab 1957 der Bundesmarine. Seit 1985 ist es das Kameradschaftsheim der Marinekameradschaft Horumersiel.

Hafen und Seenotrettung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwischen 1960 und 1965 kam es im Ort zu einer grundlegenden Umgestaltung von Siel und Hafen. Dabei wurde der Hafen aus dem Ort nach außen verlegt, das Siel entstand an anderer Stelle neu als Wangersiel und das Gewässer Horumertief wurde verlegt.

Im Hafen von Horumersiel gibt es eine Seenotrettungsstation der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger. Sie unterhält das 8,5 m lange Leichtmetall-Seenotrettungsboot Baltrum. Die Seenotrettung begann in Horumersiel 1866 mit einem Ruderrettungsboot. Bis 1928 wurde gerudert, dann kam ein Motorrettungsboot zum Einsatz. Zur Unterstellung entstand ein Rettungsschuppen. 15 verschiedene Boote gab es in der rund 140-jährigen Geschichte.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Horumersiel ist durch Buslinien der Weser-Ems Bus mit Wilhelmshaven sowie Jever verbunden. In den Sommer- und Herbstferien verkehrt zusätzlich eine Urlauberbuslinie, die über verschiedene Streckenabschnitte der beiden anderen Linien nach Jever verkehrt. Viele Fahrten, besonders am Wochenende, verkehren jedoch nur auf telefonische Voranmeldung. Horumersiel liegt im Tarifgebiet des Verkehrsverbundes Ems-Jade, Urlauber mit Gästekarte können die normalen Linienbusverkehre für 2 € pro Person nutzen (sogenannter Urlauberbus).[1]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Horumersiel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Urlauberbus für 2 Euro auf horumersiel.de, abgerufen 6. Juli 2016