Hostinné

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Hostinné
Wappen von Hostinné
Hostinné (Tschechien)
Paris plan pointer b jms.svg
Basisdaten
Staat: Tschechien
Region: Královéhradecký kraj
Bezirk: Trutnov
Fläche: 806 ha
Geographische Lage: 50° 32′ N, 15° 43′ OKoordinaten: 50° 32′ 28″ N, 15° 43′ 24″ O
Höhe: 351 m n.m.
Einwohner: 4.379 (1. Jan. 2018)[1]
Postleitzahl: 543 71
Kfz-Kennzeichen: H
Verkehr
Straße: VrchlabíDvůr Králové nad Labem
Bahnanschluss: Velký Osek–Trutnov
Struktur
Status: Stadt
Ortsteile: 1
Verwaltung
Bürgermeister: Dagmar Sahánkova (Stand: 2016)
Adresse: nám. 1. máje 69
543 71 Hostinné
Gemeindenummer: 579297
Website: hostinne.info/index.php

Hostinné (deutsch Arnau) ist eine Stadt im Okres Trutnov (Bezirk Trautenau) in Tschechien.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt liegt in den Sudeten am Oberlauf der Elbe auf einer Höhe von 351 m über dem Meeresspiegel, etwa 15 km westlich von Trutnov (Trautenau). Die Region gehört zum Vorland des Riesengebirges.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Arnau, vor 1868
Rathaus

Das Gebiet von Arnau gehörte ursprünglich zum Trautenauer Lehensbezirk. Die von Ottokar II. Přemysl gegründete Stadt Arnow wurde erstmals 1270 urkundlich erwähnt und ist damit die älteste dieser Region. Sie entwickelte sich aus einer Ansiedlung bei einer Burg, die von deutschen Kolonisten Arnau genannt wurde.[4] Der Name kommt vom germanischen Arn, zu deutsch Adler, er ist vermutlich als Adlernest zu deuten. Die Stadtherren von Torgau waren ein bedeutendes Wittiner-Geschlecht. Sie errichteten außer dem wehrhaften Arnau, an der oberen Elbe, Arnsdorf am Seifenbach und auch eine Siedlung Namens Arnsnesta an der Schwarzen Elster. Ab 1348 war die Burg Arnau im Pfandbesitz eines Botho von Turgow (Turgau, Torgau), eines kurz zuvor nach Böhmen ausgewanderten Sohnes des Burggrafen Purchart von Magdeburg. Zu dieser Zeit wanderten auch die Handwerker und Händler aus Franken, Bayern und Schlesien ein. Die von Kottwitz, ein fränkisches Ritter- und Adelsgeschlecht von zuvor schlesisch-sächsischer Herkunft, waren namensgebend für den Nachbarort Kottwitz. 1377 wurde Arnau als Besitz des Herzogs Bolko von Oppeln erwähnt, ab 1388 gehörte es wieder der Familie von Turgow (von Torgau). Zu Beginn des 15. Jahrhunderts wurden die Güter der Turgov erblich geteilt, und Arnau fiel an die Herren von Redern. Um 1415 verkaufte Tristan von Redern Arnau an Hynek Kruschina von Lichtenburg, der es für seinen unmündigen Bruder Johann Kruschina von Lichtenburg erwarb. 1424 belagerte die Hussitten unter Ziska am Faschingssonntag die Stadt und forderten eine Übergabe. In der Stadt sollen Rhodiserritter gewesen sein, auf Grund ihrer Anordnungen konnten die Angriffe zurückgewiesen werden. Der Ritter Zdenko I. von Waldstein soll die Verteidigung, an der auch Kreuzherren von Trautenau beteiligt waren, geleitet haben[2]. Bei einem Ausfall der Arnauer verloren über 100 Hussiten ihr Leben. Auch der Feldkaplan Ziskas soll am Fiebig den Berichten nach mit einer Armbrust getötet worden sein. Zizka hob die Belagerung darauf hin auf und zog ab, vernichtete aber das Rhodiserkloster St. Procop im benachbarten Mönchsdorf[3]. 1434 wurde Johann Kruschina nach einer Auseinandersetzung mit dem Braunauer Stadtrat ermordet,[4] seine Besitzungen fielen an Hynek. Nach dessen Tod 1454 erbte sein Sohn Wilhelm Kruschina († ~1487) aus der Ehe mit Anna von Hasenburg die Herrschaft Arnau, verkaufte sie jedoch 1458 an seine Stiefmutter Anna von Kolditz. Sie bestimmte Arnau zu ihrem Witwensitz und soll sehr wohltätig gewesen sein. Ihre Untertanen befreite sie von den herrschaftlichen Abgaben und gründete 1458 vor der Stadt ein Hospital. Sie starb am 1. Februar 1467. Die Herrschaft Arnau erbten ihre damals noch lebenden Töchter Anna und Salome von Častolowitz sowie Euphemia und Regina von Lichtenburg aus der Ehe mit Hynek. Sie verkauften Stadt und Herrschaft Arnau 1476 an Ulrich (Oldřich) Zajíc von Hasenburg, der mit Anna von Častolowitz verheiratet war sowie an dessen Bruder Johann, den Ehemann der verstorbenen Tochter Katharina von Častolowitz.[5]

Rathaus und Patrizierhaus Gernert um 1845

1477 erwarb Aleš Šanovec von Šanov (Alex von Schönau) die Arnauer Besitzungen, dessen Nachfahren die Herrschaft abermals teilten. 1519 kaufte Johann von Wartenberg beide Teile, verkaufte sie aber schon 1521 an Zdeněk von Waldstein, unter dessen Nachfahren die Herrschaft wiederum geteilt wurde. Zdeněk von Waltstein kaufte 1592 für 910 Schock das südliche Gernert-Haus neben dem Rathaus mit den Wein- und Bierkellern des Stadtrates und zog so das Braugewerbe als Geldquelle an sich. Der Weinhandel hatte 1579 in Arnau große Bedeutung, der Umsatz des Weinschenks Merten Gernert und Jacob Heier hatte den Wert von 617 Schock im Jahr[6]. Das entspricht der Weinmenge von 262 Eimern (15750 Liter), das waren 157 Fässer à 100 Liter. Ab 1612 mussten die Bürger für ihren Weingenuss eine jährliche Zinspauschale von 50 Schock an Hans Christof von Waldstein zahlen. Zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges war die Herrschaft gemeinschaftlicher Besitz von Dietrich Waskabersky und Johann Ferdinand von Fünfkirchen.

Nach der Schlacht am Weißen Berg wurde die Herrschaft konfisziert und ein Teil 1623 für 6000 Gulden an Polyxena von Lobkowicz verkauft. 1628 wurde dies aufgehoben und die gesamte Herrschaft für 36.057 Schock und 20 Groschen an Albrecht von Wallenstein veräußert. Nach dessen Tötung in Eger wurde sie 1634 erneut konfisziert und im Jahr darauf an Guillaume Lamboy de Desseneur (Wilhelm von Lamboi) veräußert. Nachfolgende Besitzer waren ab 1684 Octavian Kinsky von Wchinitz und Tettau und ab 1699 dessen Sohn Wenzel Norbert Octavian. Diesen folgten ab 1706 die Grafen Morzin und ab 1719 die Grafen Schlick. 1750 erwarb Maximilian Graf Lamberg die Herrschaft; von ihm ging sie 1758 an Maria Anna von Schaffgotsch über, von der der Besitz 1762 an Joseph von Bolza gelangte. Dieser erwarb vor 1785 noch das Lehngut Tschermna und schloss dieses an die Herrschaft an. Nachdem Joseph Graf von Bolzas Witwe die Herrschaft lizitieren ließ, wurde sie 1799 durch Franz Graf Deym von Střítež erworben. Nach dessen Tod ging sie 1832 an seinen gleichnamigen Sohn über. 1834 bestand Arnau aus 244 Häusern und hatte 1439 Einwohner. Im 18. und 19. Jahrhundert wurde die alte Befestigungsanlage abgerissen. Die wirtschaftliche Entwicklung wurde von der Textil- und Papierindustrie geprägt.

Die Herrschaft Arnau hatte 1834 10314 Einwohner, die durchweg katholisch und überwiegend deutschsprachig waren. Direkt untertänig waren neben dem Städtchen Arnau gänzlich die 20 Dörfer Anseith (Souvrať), Bukowina (Bukovina), Burghöfel (Dvoračky), Güntersdorf (Huntířov), Gutsmuts (Dobrá Mysl), Karlseck (Karlovka), Katharinadörfel (Ves Svaté Kateřiny), Kommar (Komárov), Kottwitz (Chotěvice), Mastig, Mastiger Bad (Mostecké lázně), Mittel Oels (Prostřední Olešnice), Neuschloß, Nieder Oels, Neustädtel, Nieder Prausnitz, Ober Oels, Ober Prausnitz, Oels-Döberney (Debrné) und Proschwitz sowie Anteile von Arnsdorf und Forst. Hinzu kam noch das angeschlossene Gut Tschermna. Zur Herrschaft gehörten mehrere Maierhöfe. Direkt bewirtschaftet wurden der Sybillenhof und der Hof Neuschloß. Die Höfe Karlseck und der Arnauer Posthof waren verpachtet, während die Höfe Kottwitz und Burghöfel emphytheutisiert waren. Zum Herrschaftsgebiet gehörten die Forstreviere Arnau, Anseith, Güntersdorf, Mastig, Neuschloß, Proschwitz und Tschermna.[7] Das anstelle der ehemaligen Burg errichtete Renaissanceschloss wurde im 19. Jahrhundert zu einer Baumwollspinnerei umgenutzt.

1835 kaufte die k.k. priv. Papierfabrik Gebr. Kiesling aus Ober Langenau das Schlossgebäude und richtete darin die Papierfabrik „Elbemühle“ ein, die 1839 an den Industriellen Franz Ritter von Lorenz, seit 1873 Ritter von Riesenstett (1806–1889)[8] verkauft wurde. Zusammen mit dem Industriellen Carl Julius Eichmann (1805–1872) gründete er 1842 das Unternehmen Franz Lorenz Söhne & Eichmann, nach 1865 Eichmann und Co. mit der Erzeugung von Spezialpapieren, u. a. Banknotenpapier. Sitz der Herrschaft Arnau war das Schloss Neuschloß.

Stadtfahne

Nach der Aufhebung der Patrionomialherrschaft bildete Arnau ab 1850 eine Stadtgemeinde im Gerichtsbezirk Arnau bzw. im Bezirk Hohenelbe. Die 1870 erfolgte Fertigstellung der Bahnstrecke Velký Osek–Trutnov führte zu einem wirtschaftlichen Aufschwung des Städtchens. Nachdem Eichmann und Co. noch die Feinpapierfabrik von Linke, Richter & Bibel in Gutsmuts erworben und 1870 die Holzstofffabrik Mönchsdorf sowie die Holzschleiferei Teschnen /Těšnov in Königreichwald gegründet hatte, firmierte es 1871 als k.k. priv. Papierfabriks- und Verlagsgesellschaft Elbemühl mit knapp 500 Beschäftigten.[9]

1872 erhielt Arnau ein Realgymnasium, das 1873 ein eigenes Gymnasialgebäude bezog.[10] Am Anfang des 20. Jahrhunderts war Arnau Sitz eines Bezirksgerichts und Industriestandort.[11]

Nach der Niederlage im Ersten Weltkrieg wurde Österreich-Ungarn aufgelöst, und die Tschechoslowakei wurde gegründet. Im Vertrag von Saint-Germain blieb das Selbstbestimmungsrecht der Deutschböhmen und Deutschmährer, die im Oktober 1918 die eigenständigen Provinzen Deutschböhmen und Sudetenland gegründet hatten, unberücksichtigt.

Bei der Volkszählung 1930 hatte der Ort 4502 Einwohner (davon 602 Tschechen = 13 %) [12]. 1939 waren es 4272.[13] Durch das Münchner Abkommen kam Arnau 1938 zum Deutschen Reich. Bis 1945 gehörte Arnau zum Landkreis Hohenelbe im Regierungsbezirk Aussig im Reichsgau Sudetenland. In Arnau betrieben die Deutschen zwischen Mai 1942 und März 1944 ein Zwangsarbeitslager mit ungefähr 120 Jüdinnen.[14]

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde das Sudetenland wieder unter tschechoslowakische Verwaltung gestellt. In der Folgezeit wurde die mehrheitlich deutschsprachige Bevölkerung aus Arnau vertrieben. Ihr Vermögen wurde durch das Beneš-Dekret 108 konfisziert und die katholische Kirche während der kommunistischen Ära von 1948 bis 1989 enteignet. Die Einwohnerzahl ging stark zurück.

Nach der Aufhebung des Okres Vrchlabí wurde Hostinné mit Beginn 1961 dem Okres Trutnov zugeordnet. Die Papierfabrik wurde 1985 stillgelegt.

Demographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung bis 1945
Jahr Einwohner Anmerkungen
1852 ca. 1.550 [15]
1900 4.193 deutsche Einwohner[11]
1930 4.502 [16]
1939 4.272 [16]
Einwohnerzahlen seit Ende des Zweiten Weltkriegs
Jahr 1970 1980 1991 2001 2003
Einwohner 4.229 5.016 5.181 4.886 4.795

Wappen und frühe Stadtentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen 1578 Wappen 1754
Wappen 1578
Wappen 1754

Die Entwicklung der Bevölkerung in Arnau ist durch Regeste und Stadtbuchaufzeichnungen nachzuvollziehen. Die zur Ortsgründung belehnten adligen Grundherren brachten Bürger und Handwerker aus ihren Stammorten mit und siedelten sie auch in den Nachbarorten an. Anhand von repräsentativen Familiennamen der Bürger und deren Sprache kann man die frühe Entwicklung nachvollziehen.

In der Stadtgeschichte gibt es mit der Entwicklung des Stadtbildes und den wechselnden Herrschaftszeiten eine Anzahl verschiedener Wappendarstellungen. Das älteste Wappen des Ortes auf einem Siegel ist bei Karl Schneider beschrieben: „Die beiden Türme sind spitz gedeckt und ohne Verbindungsmauer. Zwischen ihnen steht mit langem heraldischen Schweife der einköpfige Adler.“[17]

Die Wappendarstellung nach 1500 zeigt lediglich eine Stadtmauer mit Tor und zwei rückwärtigen Türmen. Das heutige Wappen zeigt dagegen ein zweitürmiges Stadttor mit den beiden Riesen; dieses Wappen ist erst nach dem Rathausbau von 1525 /1600 gestaltet worden.

Der heutige Kirchturm, der früher ein Wehrturm mit einer ca. 8 Meter hoch liegenden Einstiegstür war (heute die Zugangstür von der Sakristei in den Turm), zeigt einen typisch mittelalterlichen Wehrturm. Der zweite Turm im ältesten Wappen wäre der Burg zuzuordnen. Die Ummauerung der Burg, der Kirche und der Siedlerhäuser entwickelte die erste Stadtstruktur bis zu dem damalig künstlich gegrabenen Bach, der heute überdeckt unter dem Markt hindurch fließt. Dieser Bach füllte hauptsächlich den nördlichen und östlichen Teil des Ringgrabens um den ersten mittelalterlichen Stadtkern vor 1400. Der Arnauer Stadtbaumeister Kosma vertrat die städtebauliche Ansicht, dass die Vorderfront der Häuserreihe auf der Westseite zuvor, in früherer Zeit, dem Schlossplatz zugewandt war.[18] Das Rathaus wurde erstmals im Jahr 1477 erwähnt. Über den heutigen Markt hinweg erweiterte sich dann im frühen 15. Jahrhundert die Stadt bis an die heute noch teilweise existierende Stadtmauer.

In jeder Phase der Stadterweiterung war durch die topografische Höhenlage der über Arnau ankommenden Gewässer gewährleistet, dass die Stadt mit einem schützenden fließenden Wassergraben umschlossen wurde. Die Herren von Torgau besaßen Kenntnisse im Siedlungsbau, insbesondere an Flüssen in Sachsen. In der Ortschaft Arnsnesta am Fluss der Schwarzen Elster waren die Herren von Torgau 1348 aktiv beim Bau einer Grenzwasserburg tätig. Auch ihr damaliger Sitz in Herzberg an der Schwarzen Elster lag auf einer Wasser umflossenen Burg. Die Familie der Grundherren nahm für drei Orte, Arnsnesta, Arnau und das Nachbardorf Arnsdorf, den germanische Wortstamm des Arn, des Adlers, als Ortsname. Sie sind die Namensgeber für ihre Wasserburgen. Das Anlegen des künstlichen Grabens vom Seifenbach bis zur Elbe garantierte ein Wasserhindernis vor den nördlichen Stadtbefestigungen. An diesen wohl nur gering zugefrorenen Wasserhindernissen scheiterte im Winter 1424, in der Fastnacht, der Angriff des Hussitenführers [19] Zizka. Dieser künstlich angelegte Graben war eine vorsorgliche Anlage für die spätere Wasserversorgung innerhalb der Stadtmauern seit dem 15. Jahrhundert.

Eine ehemalige Mauereckbastion im Süden, in der Vedute von 1730 noch dargestellt, lässt den östlich nach Norden strebenden Verlauf einer ursprünglichen anderen Stadtbefestigung noch ahnen. Die Regeln des Burgenbaus, die die wirkungsvolle Schussweite einer Armbrust von ca. 25 Metern berücksichtigt, wurden beim Mauerbau und dessen Bastionen beachtet. In der Vedute von 1836 sieht man an der zuvor genannten Stelle die dann im 15. Jahrhundert weitergebaute Stadtmauer, um den heutigen Stadtkern, mit einem gedeckten Armbrustschützenwehrgang.

Fiktives Stadtbild Arnau um 1400

Die fiktive Darstellung „Arnau um 1400“ zeigt den natürlichen Wasserstandspegel, die Wasserführung und die Wasserflächen bzw. -gräben um die Stadt herum. Die weitere Ausdehnung der Stadt nach Osten ist nach der Hussitenzeit einzuordnen, Zeugnis hierfür ist der Einbau des Niedertores 1456 in die Stadtbefestigung. Das Obertor wurde 1425 noch in der alten Stadtmauer des 14. Jahrhunderts errichtet. Der Aushub der Hauskellergewölbegruben um den neu anzulegenden Ringplatz wurde zur Aufschüttung des neuen Stadtzentrums genutzt. Durch die Geländeerhöhung wurde der Stadtgraben gegen die tiefer liegenden Keller der Bürgerhäuser eingebettet und abgedichtet. So entstand dann nach ca. 1450 mit der Anlage des Ringplatzes die Stadterweiterung in der heute bekannten Stadtmauer bzw. den Wallanlagen.

Kolonistendörfer im Umkreis der Stadt: Die befestigte Stadt Arnau zog auch durch die hochmittelalterliche Ostsiedlung zahlreiche Kolonisten mit ihren deutschen Siedlern an[20].

  • 1384 Hertwicivilla, Kolonist Hartwig
  • 1254 Heinrichsau, Henrichowe, Kolonist Heinrich
  • 1384 Goezierivilla, Kolonist Goez (Götz)
  • 1384 Albertivilla, Kolonist Albert, Albendorf, Slezsku
  • 1383 Vykerivilla, Kolonist Wickhart, Weiß-Trzemeschna, Bila Tremesna
  • 1384 Hermannsdorph, Kolonist Hermann, Hermannseifen,
  • 1384 Bernharticz cum Olessna (bei Oels), Kolonist Bernhart
  • 1383 Pertoldi villa, Kolonist Bernhart, Barteldorf, Slezska
  • 1384 Kachwitz, 1399 Kothwicz, Kolonist von Kottwitz, Chotevice

Stadtgliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für die Stadt Hostinné sind keine Ortsteile ausgewiesen. Zu Hostinné gehört die Ansiedlung Dobrá Mysl (Gutsmuts).

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der quadratische Marktplatz ist von Laubengängen umgeben.
  • Das Renaissance-Rathaus wurde 1570–1600 von C. Valmadis errichtet. Der mit Sgraffito verzierte Turm ist mit zwei überlebensgroßen Figuren geschmückt. Beide tragen in der einen Hand ein Schwert, in der anderen einen Schild: eines mit dem böhmischen Löwen, das andere mit dem schlesischen Adler. Zwischen ihnen hängt das Stadtwappen. Besonders sind die Zellengewölbe in den Ratsräumen. Der Rathauskeller hat gotische rundbogige Portale aus dem 14. Jahrhundert und große Tonnengewölbe, die einst die Lagerräume der Wein- und Biervorräte der Ratsherren beinhalteten.
  • Die Pestsäule von 1678 in der Platzmitte ist mit Statuen der Hll. Antonius von Padua, Franz von Assisi, Johannes von Nepomuk, Sebastian und Ignatius umgeben.
  • Die Dreifaltigkeitskirche (Kostel Nejsvětějši Trojice) wurde 1280 errichtet und mehrfach umgestaltet. 1877 wurde sie von Franz Schmoranz regotisiert. Die Madonnenstatue auf dem neugotischen Altar stammt aus dem 15. Jahrhundert, die reich verzierte Renaissancekanzel ist von 1612.
  • Das ehemalige Franziskanerkloster und die Klosterkirche wurden 1667–1689 nach Plänen des Prager Baumeisters Martin Reiner errichtet. Nach dessen Tod 1680 wurde die Anlage durch seinen damaligen Polier Wolfgang Dientzenhofer fertiggestellt.

Partnerstadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Töchter und Söhne[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Paul Clapius, Kantor, * in Arnau, 1558 Rektor am Gymnasium in Sagan in Schlesien, 1573 Pfarrer in Petersdorf und Buchwald bei Sprottau[22], Paul Clapius junior studiert 1583 an der Universität Wittenberg

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Karl Leeder: Beiträge zur Geschichte von Arnau. In: Mittheilungen des Vereins für Geschichte der Deutschen in Böhmen. Band 11, Prag 1873, S. 13–27, S. 41–61 und S. 242–267.
  • Marianne Mehling (Hrsg.): Knaurs Kulturführer in Farbe Tschechische Republik, Slowakische Republik. Droemer Knaur, München 1993, ISBN 3-426-26609-1.
  • Joachim Bahlcke, Winfried Eberhard, Miloslav Polívka (Hrsg.): Handbuch der historischen Stätten. Band: Böhmen und Mähren (= Kröners Taschenausgabe. Band 329). Kröner, Stuttgart 1998, ISBN 3-520-32901-8, S. 8 f.
  • Otto Weiss, Band 1 u. 2, Die alte Heimat, Arnau an der Elbe im Riesengebirge, Heimatkreis Hohenelbe/Riesengebirge e.V. 11. Band der Ortsbücher, 87616 Marktoberstein, Druck CZ 54101 Trutnov
  • Alfred Meißner u. Dr. Karl Schneider: Das Land an der hohen Elbe (Arnau u. Hohenelbe), Flugschrift der Heimatbildung Heft 17, Sudetendeutscher Verlag Franz Kraus, Reichenberg 1921
  • Jan Šícha, Eva Habel, Peter Liebald, Gudrun Heissig: Odsun. Die Vertreibung der Sudetendeutschen. Dokumentation zu Ursachen, Planung und Realisierung einer „ethnischen Säuberung“ in der Mitte Europas 1945/46. Sudetendeutsches Archiv, München 1995, ISBN 3-930626-08-X.
  • Johann Gottfried Sommer: Das Königliche Böhmen, statistisch-topografisch dargestellt, Bidschower Kreis, Arnau Seite 213 ff., Prag 1835 Verlag der J.G.Calve'sche Buchhandlung online

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Hostinné – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Český statistický úřad – Die Einwohnerzahlen der tschechischen Gemeinden vom 1. Januar 2018 (PDF; 421 KiB)
  2. Czerwenka: Splendor et gloria domus Waldsteiniana 1673.
  3. Dr. Carl Leeder: Beiträge zur Geschichte Von Arnau. Hrsg.: Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Deutschen in Böhmen. 11.Jahrgang,, Zweites und Drittes Heft, S. 45 , 46.
  4. Vinzenz Maiwald: Das Braunauer Ländchen zur Husitenzeit. In: Die Husitennot im Glatzer Lande (= Glatzer Heimatschriften. Bd. 30, ZDB-ID 2520906-1). Verein für Glatzer Heimatkunde, Glatz 1928, S. 63–68.
  5. Jan Urban: Lichtenburkové. Vzestupy a pády jednoho panského rodu (= Šlechtické rody Čech, Moravy a Slezska. 2). Nakladatelství Lidové Noviny, Praha 2003, ISBN 80-7106-579-X, S. 321–322.
  6. Georg Schmidt: Ein Register über den Weinhandel 1579. Hrsg.: Verein der Deutschen in Böhmen. Band 47, 1908, S. 94 bis 100.
  7. Johann Gottfried Sommer: Das Königreich Böhmen. Statistisch-topographisch dargestellt. Band 3: Bidschower Kreis. Calve, Prag 1835, S. 213–223.
  8. Heribert Sturm: Lorenz v. Riesenstett. In: Heribert Sturm (Hrsg.): Biographisches Lexikon zur Geschichte der böhmischen Länder. Band 2: I – M . Herausgegeben im Auftrag des Collegium Carolinum. R. Oldenbourg Verlag München 1984, ISBN 3-486-52551-4, S. 499@1@2Vorlage:Toter Link/www.vifaost.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis..
  9. Die Papierindustrie im Bezirk Hohenelbe im böhmischen Riesengebirge um 1907
  10. Jahresbericht des Staats-Untergymnasiums zu Arnau. Arnau 1873, S. 35 ff.
  11. a b Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage, Band 1, Leipzig und Wien 1905, S. 794.
  12. Rudolf Hemmerle: Sudetenland Lexikon Band 4, Seite 39. Adam Kraft Verlag, 1985. ISBN 3-8083-1163-0.
  13. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Landkreis Hohenelbe (tschech. Vrchlabí). (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  14. Rudolf M. Wlaschek: Juden in Böhmen. München : Oldenbourg, 1990, S. 151
  15. Topographisches Lexikon von Böhmen. Prag 1852, S. 5.
  16. a b Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. sud_hohenelbe.html#ew39helbarnau. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  17. Karl Schneider. Die Geschichte der Deutschen Ostböhmens. 1.Band Von der ältesten Zeit bis zum Beginn der Hussitenstürme. Sudetendeutscher Verlag Franz Kraus, Reichenberg 1924 S. 81
  18. Die alte Heimat, Arnau an der Elbe im Riesengebirge von Dr. Otto Weiss Band 1 , Seite 483
  19. https://books.google.de/books?id=z508AAAAcAAJ&pg=PA141&lpg=PA141&dq=Arnau+Hussiten&source=bl&ots=uLMC3eeD5T&sig=i1AsRXrQJRoR16UvFew4Z0LerWg&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwj-spv04LrUAhXIvBQKHetVCbAQ6AEIOzAG#v=onepage&q=Arnau%20Hussiten&f=false
  20. Wacslaw Wlaiwoj Tomek: Registra Decimarum Papalium, (Register des päpstlichen Zehnten von den Pragern). In: Abhandlung der Classie für Philosophie, Geschichte, und Philologie. Band 6. Prag 1873.
  21. Die Bürgermeister in Arnau von 1477 bis 1945. Trutnow / Archiv Trautenau.
  22. Schlesisches Pfarrerbuch. Band 8, S. 241.