Hypertext Transfer Protocol Secure

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HTTPS (HyperText Transfer Protocol Secure)
Familie: Internetprotokollfamilie
Einsatzgebiet: verschlüsselte Datenübertragung
Port: 443/TCP
HTTPS im TCP/IP-Protokollstapel:
Anwendung HTTP
Transport SSL/TLS
TCP
Internet IP (IPv4, IPv6)
Netzzugang Ethernet Token
Bus
Token
Ring
FDDI
Standards: RFC 2818 (HTTP Over TLS, 2000)

HyperText Transfer Protocol Secure (HTTPS, englisch für „sicheres Hypertext-Übertragungsprotokoll“) ist ein Kommunikationsprotokoll im World Wide Web, um Daten abhörsicher zu übertragen. Es stellt eine Transportverschlüsselung dar.

HTTPS wurde von Netscape entwickelt und zusammen mit SSL 1.0 erstmals 1994 mit deren Browser veröffentlicht.

Technisch definiert es als URI-Schema eine zusätzliche Schicht zwischen HTTP und TCP.

Nutzen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

HTTPS wird zur Herstellung von Vertraulichkeit und Integrität in der Kommunikation zwischen Webserver und Webbrowser (Client) im World Wide Web verwendet. Dies wird u. a. durch Verschlüsselung und Authentifizierung erreicht.

Ohne Verschlüsselung sind Daten, die über das Internet übertragen werden, für jeden, der Zugang zum entsprechenden Netz hat, als Klartext lesbar. Mit der zunehmenden Verbreitung von offenen (d. h. unverschlüsselten) WLANs nimmt die Bedeutung von HTTPS zu, da damit die Inhalte unabhängig vom Netz verschlüsselt werden können.

Die Authentifizierung dient dazu, dass beide Seiten der Verbindung beim Aufbau der Kommunikation die Identität des Verbindungspartners überprüfen können. Dadurch sollen Man-in-the-Middle-Angriffe und teilweise auch Phishing verhindert werden.

Technik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Syntaktisch ist HTTPS identisch mit dem Schema für HTTP, die zusätzliche Verschlüsselung der Daten geschieht mittels SSL/TLS: Unter Verwendung des SSL-Handshake-Protokolls findet zunächst eine geschützte Identifikation und Authentifizierung der Kommunikationspartner statt. Anschließend wird mit Hilfe asymmetrischer Verschlüsselung oder des Diffie-Hellman-Schlüsselaustauschs ein gemeinsamer symmetrischer Sitzungsschlüssel ausgetauscht. Dieser wird schließlich zur Verschlüsselung der Nutzdaten verwendet.

Der Standard-Port für HTTPS-Verbindungen ist 443.

Neben den Server-Zertifikaten können auch signierte Client-Zertifikate nach X.509.3 erstellt werden. Das ermöglicht eine Authentifizierung der Clients gegenüber dem Server, wird jedoch selten eingesetzt.

Eine ältere Protokollvariante von HTTPS war S-HTTP.

Client-Verarbeitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit der Entwicklung von HTTPS durch Netscape wurde das Protokoll und die anwenderseitige Client-Software schon früh in Webbrowser integriert. Damit ist meist keine weitere Installation gesonderter Software notwendig.

SSL Symbol.png

Eine HTTPS-Verbindung wird durch eine https-URL angewählt und durch das SSL-Logo angezeigt – beim Internet Explorer 6 ein Schloss-Icon in der Statusleiste, bei Mozilla zusätzlich in der Adresszeile, die bei Firefox, aktuellen Opera- und Internet-Explorer-7-Browsern zusätzlich gelb hinterlegt wird, bei Apple Safari 3.0 durch ein kleines Schloss-Symbol in der obersten rechten Ecke des Browserfensters.

Varianten der HTTPS-Anwahl[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Entscheidung, ob eine sichere HTTPS- statt einer HTTP-Verbindung genutzt wird, kann unterschiedlich erfolgen:

  • Serverseitig wird ausschließlich HTTPS zugelassen, wie meist bei Online-Banking; teils wird dabei eine angewählte http-Adresse automatisch auf https weitergeleitet.
  • Der Login wird über HTTPS erzwungen, dann wird ein HTTP-Cookie im Browser gesetzt und, um Rechenzeit zu sparen, der weitere Dienst unverschlüsselt abgewickelt; z. B. bei eBay.
  • Clientseitig durch HSTS: Wenn der Server nur HTTPS zulässt (wie oben beschrieben), kann der Browser dies speichern und stellt zukünftig immer eine Verbindung über HTTPS her. Steht der Server zusätzlich auf der HSTS Preload Liste, stellt der Browser auch beim ersten Besuch schon direkt eine HTTPS-Verbindung her.[1]
  • Clientseitige Eingabe der httpS-Variante oder Browser-Plug-in (z. B. für Firefox und ChromeHTTPS Everywhere“), welches http-Anfragen durch https-Anfragen ersetzt, bei Diensten, die beide Varianten unterstützen.

Gemäß der ursprünglichen Auslegung soll der Client-Browser nach Anwahl der HTTPS-Adresse dem Anwender zuerst das Zertifikat anzeigen. Dieser entscheidet nun, ob er dem Zertifikat für diese Sitzung vertraut, es evt. auch permanent speichert, gegebenenfalls nach Prüfung über die angegebenen Links. Andernfalls wird die HTTPS-Verbindung nicht hergestellt („Diese Seite verlassen“ bei Firefox bzw. „Klicken Sie hier um diese Seite zu verlassen.“ beim Internet Explorer).

Vorinstallierte Zertifikate[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um diese für Unkundige eventuell irritierende Abfrage zu vermeiden, wurde mit der Zeit eine Reihe von Root-Zertifikaten von den Browserherstellern akzeptiert, die schon bei der Installation eingetragen werden. Webseiten, die entsprechende Zertifikate haben, werden dann, ebenso wie davon abgeleitete Unter-Zertifikate, bei Aufruf ohne Nachfrage akzeptiert. Ob ein Root-Zertifikat dem Browser bekannt ist, hängt von der Browser-Version ab; zudem wird die Liste der Zertifikate teils auch online im Rahmen der Systemaktualisierung auf den neuesten Stand gebracht, so bei Microsoft Windows.

Mit dem Internet Explorer 7 hat Microsoft, kurz danach auch Mozilla mit dem Firefox 3, die Warnung bei nicht eingetragenen Zertifikaten verschärft: Erschien vorher nur ein Pop-up „Sicherheitshinweis“, das nach Name, Quelle und Laufzeit des Zertifikats differenzierte, so wird nun der Inhalt der Webseite ausgeblendet und eine Warnung angezeigt, mit der Empfehlung, die Seite nicht zu benutzen. Um diese sehen zu können, muss der Anwender dann explizit eine „Ausnahme hinzufügen“. Ein nicht im Browser eingetragenes Zertifikat wird damit für Massenanwendungen zunehmend untauglich.

Die Frage, welche Zertifikate in die Browser aufgenommen werden, hat in der Open-Source-Community fallweise zu längeren Diskussionen geführt, so zwischen CAcert, einem Anbieter kostenloser Zertifikate, und der Mozilla Foundation, siehe CAcert (Vertrauenswürdigkeit).

Ende 2015 ging Let’s Encrypt online, gegründet u. a. von Mozilla und der Electronic Frontier Foundation. Hier werden kostenlose Zertifikate für jedermann angeboten mit dem Ziel, die Verbreitung von HTTPS insgesamt zu fördern. Für die Installation und laufende Aktualisierung der Zertifikate ist jedoch eine eigene Software auf dem Server notwendig.

Server-Betrieb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Software zum Betrieb eines HTTPS-fähigen Webservers wird eine SSL-Bibliothek wie OpenSSL benötigt. Diese wird häufig bereits mitgeliefert oder kann als Modul installiert werden. Der HTTPS-Service wird üblicherweise auf Port 443 bereitgestellt.

Zertifikat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das digitale Zertifikat für SSL, das die Authentifizierung ermöglicht, ist vom Server bereitzustellen: Ein Binärdokument, das im Allgemeinen von einer – selbst wiederum zertifizierten – Zertifizierungsstelle (CA von englisch certificate authority) ausgestellt wird, das den Server und die Domain eindeutig identifiziert. Bei der Beantragung werden dazu etwa die Adressdaten und die Firmierung des Antragstellers geprüft.

In gängigen Browsern eingetragene Zertifikate werden typischerweise zu Preisen zwischen 15 und 600 € pro Jahr angeboten, wobei fallweise weitere Dienste, Siegel oder Versicherungen enthalten sind. Eine Reihe von Zertifizierungsstellen gibt kostenlos Zertifikate aus. Die etwa von Let’s Encrypt ausgestellten Zertifikate werden dabei von fast allen modernen Browsern ohne Fehlermeldung akzeptiert. Ebenfalls kostenlose Zertifikate erstellt CAcert, wo es bisher jedoch nicht gelang, in die Liste der vom Browser automatisch akzeptierten Zertifikate aufgenommen zu werden; siehe oben. Ein solches Zertifikat muss daher bei der Client-Verarbeitung vom Anwender manuell importiert werden; dieses Verhalten kann aber auch erwünscht sein.

Auch ist es möglich, selbst-signierte Zertifikate (engl. self-signed certificate) zu verwenden, die ohne Beteiligung einer gesonderten Instanz erstellt wurden und ebenfalls manuell bestätigt werden müssen. Bei einem so erstellten Zertifikat garantiert nicht unmittelbar ein Dritter die Authentizität des Anbieters, wodurch durch falsches Benutzerverhalten ein Erfolg eines Man-in-the-middle-Angriffs wahrscheinlicher ist. Es wird unter anderem vereinzelt dann angewendet, wenn der Server-Betreiber schnell und kostensparend Web-Verschlüsselung anbieten will. Ein solches Zertifikat kann wiederum dem Anwender vorab auf einem sicheren Weg zugestellt und in seine Client-Anwendung importiert werden, um Authentizität auf anderem Wege abzubilden.

Um veraltete oder unsicher gewordene Zertifikate für ungültig zu erklären, sind Zertifikatsperrlisten (englisch certificate revocation list, CRL) vorgesehen. Das Verfahren sieht vor, dass diese Listen regelmäßig von Browsern geprüft und darin gesperrte Zertifikate ab sofort abgewiesen werden.

Mit dem OCSP (Online Certificate Status Protocol) Protokoll kann, ergänzt um SCVP (Server-based Certificate Validation Protocol), serverseitig die Unterstützung für Zertifikats-Prüfungen umgesetzt werden.[2]

Zu Angriffen auf das Zertifikatsystem, siehe unten.

Extended-Validation-Zertifikat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vor dem Hintergrund zunehmender Phishing-Angriffe auf HTTPS-gesicherte Webanwendungen hat sich 2007 in den USA das CA/Browser Forum[3] gebildet, das aus Vertretern von Zertifizierungsorganisationen und den Browser-Herstellern Google, KDE, Microsoft, Mozilla und Opera besteht. Im Juni 2007 wurde daraufhin eine erste gemeinsame Richtlinie verabschiedet, das Extended-Validation-Zertifikat, kurz EV-SSL in Version 1.0, im April 2008 dann Version 1.1.

Ein Domain-Betreiber muss für dieses Zertifikat weitere Prüfungen akzeptieren: Während bisher nur die Erreichbarkeit des Admins (per Telefon und E-Mail) zu prüfen war, wird nun die Postadresse des Antragstellers überprüft und bei Firmen die Prüfung auf zeichnungsberechtigte Personen vorgenommen. Damit sind auch deutlich höhere Kosten verbunden.

Für den Anwender macht sich das EV-Zertifikat durch die zusätzlich angezeigte Firma des Webanbieters in der Adresszeile bemerkbar, weiß auf grün unterlegt in Browsern ab 2007, rechts vom Site-Logo. Durch das Ausbleiben der - für diese Website gewohnten - zusätzlichen Firma soll der Anwender nun gefälschte HTTPS-Sites schnell und ggf. auch intuitiv – also ohne spezielle Schulung – erkennen können.

IP-Adressen bei mehreren Domains[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum Betrieb eines HTTPS-Webservers war lange Zeit eine eigene IP-Adresse pro Hostname notwendig.

Bei unverschlüsseltem HTTP ist das nicht erforderlich: Seitdem Browser den Hostnamen im HTTP-Header mitsenden, können mehrere virtuelle Webserver mit je eigenem Hostnamen auf einer IP-Adresse bedient werden, zum Beispiel bei Apache über den NameVirtualHost-Mechanismus. Dieses Verfahren wird inzwischen bei der weit überwiegenden Zahl der Domains benutzt, da hier der Domain-Eigner selbst keinen Server betreibt.

Da bei HTTPS jedoch der Webserver für jeden Hostnamen ein eigenes Zertifikat ausliefern muss, der Hostname aber erst nach erfolgtem SSL-Handshake in der höheren HTTP-Schicht übertragen wird, ist das Deklarieren des Hostnamens im HTTP-Header hier nicht anwendbar. Dadurch war eine Unterscheidung nur anhand der IP/Port-Kombination möglich; ein anderer Port als 443 wird wiederum von vielen Proxys nicht akzeptiert.

Vor diesem Hintergrund nutzten einige Provider einen Workaround, um ihren Kunden auch HTTPS ohne eigene IP-Adresse zu ermöglichen, etwa „shared SSL“. Sie nutzten wildcard Zertifikate, die für alle Subdomains einer Domain gültig sind, in Verbindung mit kundenspezifischen Subdomains. Andere Provider nutzten einen „SSL Proxy“, der die Anfragen über eine von mehren Kunden genutzte Domain leitete.

Die Lösung dieses Problems kam durch Server Name Indication (SNI)[4], auf Basis von Transport Layer Security 1.2, da hier das Zertifikat bereits beim SSL-Handshake übermittelt werden kann. Damit sind die o.g. anderen Techniken bedeutungslos geworden. Das Verfahren bedarf entsprechend aktueller Software auf Seiten des Servers und des Browsers.

Im Falle des Apache-Servers wird die SNI Verarbeitung z. B. durch eine nur leicht modifizierte Konfigurations-Anweisung gesteuert:[5][6]
<VirtualHost _default_:443>

Einbindung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Einbindung von HTTPS in eine Website oder -anwendung erfolgt analog zu den oben genannten Varianten der HTTPS-Anwahl:

  • Wenn ausschließlich HTTPS zulässig ist, kann das umgesetzt werden durch:
    • Weiterleitung (HTML-refresh) oder auch ein rewrite der URL
    • Konfiguration von HTML-Seiten oder Skripten als Muss-SSL, bei Apache etwa durch die Anweisung SSLRequireSSL in der .htaccess. Wird eine solche Seite per http aufgerufen, erzeugt der Server einen '403 – Forbidden' HTTP-Fehlercode.
  • Der Anwender wird auf die Möglichkeit der SSL-Nutzung durch einen entsprechenden Link hingewiesen.
    • Teilweise wird, vor allem während der Einführung von HTTPS, auf eine Bewerbung durch einen Link verzichtet. Der Anwender kann nur manuell auf HTTPS umschalten, indem er in der URL selbstständig das „s“ hinter „http“ hinzufügt.
  • Skriptgesteuerte Erzeugung von HTTPS-Links, um den Anwender bei bestimmten Arbeitsschritten oder Ausgaben auf eine HTTPS-Seite zu lenken. Anschließend kann im Skript geprüft werden, ob dieses per HTTPS aufgerufen wurde, bei PHP etwa durch die Bedingung: $_SERVER['HTTPS']=='on'

Umstellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit zunehmender CPU-Leistung sowie Sicherheitsbewußtsein tritt regelmäßig die Anforderung auf, eine bisher auf HTTP basierende Website auf HTTPS umzustellen. Im Falle des Stack overflow Dienstes mit einer Vielzahl von Usern und Services zieht sich dieser Prozess über einige Jahre hin[7] und ist Stand März 2017 nicht abgeschlossen. Dabei wurden u. a. folgende Themen bearbeitet:[8]

  • Vermeidung von Einbindungen von unverschlüsselten Daten (Mediadaten, Stylesheets, etc.) in eine Verschlüsselte Seite (sogenannter Mixed Content[9]). Andernfalls werden Browserwarnungen wie 'Part of this page is not secure' ausgegeben oder Daten nicht geladen.
  • Gesamte Infrastruktur ist auf SSL umzustellen, darunter Loadbalancer und Proxies
  • Organisation der Zertifikate, ggf. für eine Vielzahl von Subdomains
  • Umstellung von Code der eigenen Webanwendung, worin HTTP hart codiert ist
  • Umstellung von altem und Prüfung von neuem User-Code, der ggf. HTTP verwendet
  • Qualitätsprüfung
  • Umsetzung laufender Sessions, ohne deren Inhalte zu verlieren (24/7 Betrieb)

Leistung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beim Verbindungsaufbau legt der Server einen Verschlüsselungsalgorithmus fest. In der Theorie soll der Server dabei an den Wünschen des Clients orientieren. Um Rechenzeit zu sparen, werden jedoch auf Servern mit hohem Datenverkehr bevorzugt Strom-Chiffren eingesetzt, da diese weniger rechenintensiv sind als Block-Chiffren wie AES oder Camellia. Viele der dabei lange Zeit genutzten Verfahren wie RC4 gelten als unsicher und werden daher ab 2016 von den großen Webbrowsern nicht mehr unterstützt.[10]

Zur Entlastung der Server-CPU werden auch Hardware-SSL-Beschleuniger (SSL accelerators) angeboten: PCI-Steckkarten mit speziellen, optimierten Prozessoren, die aus der SSL-Bibliothek angesprochen werden. Daneben gibt es auch eigenständige Geräte, meist in Rack-Bauweise, die Teile des HTTP-Datenstroms automatisch verschlüsseln. Weiterhin werden Server mit programmierbaren Recheneinheiten angeboten, die mit entsprechenden SSL-Bibliotheken höhere Leistung als vergleichbar aufwendige Universal-CPUs erreichen, so die MAU (Modular Arithmetic Unit) von Sun. Diese spezielle Hardware steht aber im engen Wettbewerb mit der stetigen Entwicklung der Multiprozessor- und Multi-Core-Systeme der großen CPU-Hersteller Intel und AMD.[11]

2010 verursachte die Verschlüsselung beispielsweise bei Gmail weniger als 1 % der Prozessor-Last, weniger als 1 KB Arbeitsspeicherbedarf pro Verbindung und weniger als 2 % des Netzwerk-Datenverkehrs.[12] 10 Jahre vorher belastete der Rechenaufwand der Verschlüsselung die Server noch stark.[12]

Angriffe und Schwachstellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit den allgemein zunehmenden Kenntnissen über die HTTPS-Technik haben sich auch die Angriffe auf SSL-gesicherte Verbindungen gehäuft. Daneben sind durch Recherche und Forschungen Lücken in der Umsetzung bekannt geworden. Dabei ist grundsätzlich zu unterscheiden zwischen Schwachstellen bei der Verschlüsselung selbst und im Zertifikatsystem. 2013 wurde im Zusammenhang mit der globalen Überwachungs- und Spionageaffäre bekannt, dass die NSA beide Angriffskanäle nutzte um Zugang zu verschlüsselten Verbindungen zu erlangen.

Verschlüsselung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die bei SSL eingesetzten Verschlüsselungsverfahren werden unabhängig von ihrem Einsatzzweck regelmäßig überprüft und gelten als mathematisch sicher, d. h., sie lassen sich theoretisch mit den heute bekannten Techniken nicht brechen. Die Zuverlässigkeit der Algorithmen wird regelmäßig etwa durch Wettbewerbe unter Kryptologen überprüft. Regelmäßig werden in den Spezifikationen und den Implementierungen die Unterstützung veralteter Verschlüsselungsverfahren, die nach dem aktuellen Stand der Technik als nicht mehr sicher gelten, gestrichen und neue Verfahren aufgenommen.[13]

Probleme entstanden in der Vergangenheit mehrfach durch fehlerhafte Implementierung der Kryptologie. Insbesondere Schwachstellen in der weit verbreiten OpenSSL-Bibliothek wie Heartbleed haben dabei große öffentliche Aufmerksamkeit erfahren.

Da in der Regel Benutzer nicht explizit eine verschlüsselte Verbindung durch Spezifizierung des HTTPS-Protokolls (https://) beim Aufruf einer Webseite anfordern, kann ein Angreifer eine Verschlüsselung der Verbindung bereits vor Initialisierung unterbinden und einen Man-in-the-Middle-Angriff ausführen.[14] Als Schutz vor solchen Angriffen wurde der Standard HTTP Strict Transport Security (HSTS) entwickelt.

Zertifikatsystem[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

SSL-Verbindungen sind grundsätzlich gefährdet durch Man-in-the-middle-Angriffe, bei denen der Angreifer den Datenverkehr zwischen Client und Server abfängt, indem dieser sich beispielsweise als Zwischenstelle ausgibt. Eine Reihe von Angriffsverfahren setzen voraus, dass sich der Angreifer im Netzwerk des Opfers befindet. Beim DNS-Spoofing wiederum bestehen diese Voraussetzungen nicht.

Um sich als (anderer) Server auszugeben, muss der Angreifer auch ein Zertifikat vorweisen. Das ist ihm beispielsweise dann möglich, wenn es ihm gelingt, in das System einer Zertifizierungsstelle einzudringen, oder er anderweitig in den Besitz eines Zertifikats kommt, mit dem sich beliebige andere Zertifikate ausstellen lassen. Insbesondere bei einflussreichen Angreifern, wie etwa Regierungsbehörden, können solche Möglichkeiten bestehen, da mitunter auch staatliche Zertifizierungsstellen existieren.[15] HTTP Public Key Pinning und Certificate Transparency sollen solche Angriffe erschweren.

Phishing und HTTPS[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Nachteil der automatischen Bestätigung der Zertifikate besteht darin, dass der Anwender eine HTTPS-Verbindung nicht mehr bewusst wahrnimmt. Das wurde in jüngerer Zeit bei Phishing-Angriffen ausgenutzt, die etwa Online-Banking-Anwendungen simulieren und dem Anwender eine sichere Verbindung vortäuschen, um eingegebene PIN/TAN-Codes „abzufischen“. Als Reaktion wiesen betroffene Unternehmen ihre Kunden darauf hin, keine Links aus E-Mails anzuklicken und https-URLs nur manuell oder per Lesezeichen einzugeben.

Wegen der teils oberflächlichen Prüfungen bei der Vergabe von Zertifikaten wurde von den Browserherstellern das extended-validation-Cert eingeführt, siehe oben.

Gemischte Inhalte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Nachladen unverschlüsselter Ressourcen ermöglicht einem Angreifer mittels eines Man-in-the-Middle-Angriffs Schadcode in die ursprünglich verschlüsselt übertragene Webseite einzuschleusen. Daher blockieren aktuelle Versionen gängiger Webbrowser das Nachladen unverschlüsselter Ressourcen standardmäßig. Ebenso besteht bei einem sowohl für verschlüsselte als auch unverschlüsselte Verbindungen genutzten HTTP-Cookie das Risiko eines Session Hijacking, auch wenn die Authentifizierung über eine verschlüsselte Verbindung erfolgte.

Schwachstelle MD5[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Rahmen des 25. Chaos Communication Congress in Berlin wurde im Dezember 2008 ein erfolgreicher Angriff auf das SSL-Zertifikatsystem veröffentlicht. In internationaler Zusammenarbeit von Kryptologen und mit Einsatz speziell programmierter Hardware – einem Cluster aus 200 Playstation-3-Spielkonsolen – war es gelungen, im MD5-Algorithmus eine Kollision zu erzeugen, auf deren Basis ein Angreifer sich selbst beliebige Zertifikate ausstellen könnte.[16] Von der Verwendung des MD5-Algorithmus wurde in Fachkreisen vorher schon abgeraten, bei EV-Zertifikaten kann er ohnehin nicht verwendet werden. Die meisten Webbrowser akzeptieren schon seit 2011 keine MD5-Zertifikate mehr.[17] Um ähnliche Probleme zu vermeiden, kündigten die Browser-Hersteller bereits an, Zertifikate die SHA1 nutzen, nur noch eine beschränkte Zeit zu unterstützen.[18]

Spezifikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Preloading HSTS
  2. apache.org: Apache 2.5 OCSP Stapling, abgerufen 23. Juli 2017
  3. cabforum.org
  4. Internet Engineering Task Force: RFC 3546, Juni 2003, abgerufen 10. März 2017
  5. digitalocean.com: How To Set Up Multiple SSL Certificates on One IP with Apache on Ubuntu 12.04, 19. Oktober 2012, abgerufen 9. März 2017
  6. nickgeoghegan.net: Enabling Server Name Includes on Debian Squeeze, abgerufen 23. Juli 2017
  7. meta.stackexchange.com: Network-wide HTTPS: It’s time, abgerufen 9. März 2017
  8. nickcraver.com: Stackoverflow.com: the road to SSL, abgerufen 9. März 2017
  9. Beschreibung von Mixed Content bei www.w3.org
  10. Emil Protalinski: Google, Microsoft, and Mozilla will drop RC4 encryption in Chrome, Edge, IE, and Firefox next year, VentureBeat, 1. September 2015
  11. Quad Core Intel Xeon SSL Performance auf anandtech.com, 27. Dezember 2006.
  12. a b Adam Langley, Nagendra Modadugu, Wan-Teh Chang: Overclocking SSL. In: ImperialViolet. Adam Langley’s Weblog. 25. Juni 2010, abgerufen am 23. Oktober 2014 (englisch).
  13. Beispielhaft: Daniel Berger: Firefox 39 entfernt SSLv3 und RC4. In: Heise online. 3. Juli 2015, abgerufen am 22. Oktober 2015.
    Daniel Berger: Firefox 27 verschlüsselt mit TLS 1.2. In: Heise online. 4. Februar 2014, abgerufen am 22. Oktober 2015.
  14. Daniel Bachfeld: Black Hat: Neue Angriffsmethoden auf SSL vorgestellt. In: Heise online Security. 19. Februar 2009, abgerufen am 25. Oktober 2015.
  15. EFF zweifelt an Abhörsicherheit von SSL auf heise security, abgerufen am 28. Juni 2013
  16. 25C3: Erfolgreicher Angriff auf das SSL-Zertifikatsystem. Auf heise.de, 30. Dezember 2008, abgerufen am 3. Januar 2013.
  17. Apple IOS5, Firefox 16, Microsoft Internet Explorer
  18. Ivan Ristic: SHA1 Deprecation: What You Need to Know.