Hubert Laitko

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Hubert Laitko (2016)

Hubert Laitko (* 3. April 1935 in Spremberg) ist ein deutscher Wissenschaftshistoriker und Wissenschaftstheoretiker.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hubert Laitko wurde als Sohn des Schlossers Otto Laitko und seiner Ehefrau Liesbeth Laitko geb. Buder in Spremberg (Niederlausitz) geboren, besuchte von 1941 bis 1953 die Grund- und Oberschule und legte 1953 an der Karl-Marx-Oberschule Spremberg das Abitur ab.

Anschließend studierte er an der Karl-Marx-Universität Leipzig zunächst Journalistik und nach drei Jahren Philosophie am Institut für Philosophie, das damals von Ernst Bloch geleitet wurde.[1] Seine wichtigsten akademischen Lehrer in dieser Zeit waren der Philosoph Rudolf Rochhausen, der Physiker und Wissenschaftstheoretiker Asari Polikarow und der Wissenschaftshistoriker Gerhard Harig. Zu seinen Kommilitonen am Leipziger Philosophischen Institut gehörten Klaus Kittowski, Reinhard Mocek und Heinrich Parthey,[2] die später Wissenschaftsphilosophen wurden und mit denen er bis in die Gegenwart zusammenarbeitet. Sein Studium schloss Laitko 1959 mit dem Staatsexamen in Philosophie ab. Während des Studiums und seiner nachfolgenden Tätigkeit in Halle (Saale) wirkte er im Leipziger Studentenkabarett Rat der Spötter mit, zu dessen Gründergeneration er gehörte, das er zeitweise geleitet hat und das im Herbst 1961 aufgelöst werden musste, nachdem ein Programm als konterrevolutionär eingestuft worden war.[3] [4]

Nach einem Jahr als Wissenschaftlicher Assistent für Philosophie am Institut für Gesellschaftswissenschaften an der Universität Halle war er von 1960 bis 1963 Aspirant am Lehrstuhl für „Philosophische Fragen der Naturwissenschaften“ im Philosophischen Institut der Humboldt-Universität zu Berlin unter Hermann Ley. 1964 promovierte er mit der Arbeit „Zur philosophischen Konzeption des Physikers Pascual Jordan. Versuch einer kritischen Analyse“ zum Dr. phil. und blieb anschließend bis 1969 als Assistent, Oberassistent und wissenschaftlicher Mitarbeiter an diesem Institut.

Ab 1969 gehörte er zum Gründungsteam des „Instituts für Wissenschaftstheorie und –organisation“ – IWTO (ab 1975: „Institut für Theorie, Geschichte und Organisation der Wissenschaft“ – ITW) an der Deutschen Akademie der Wissenschaften zu Berlin – DAW (ab 1972: Akademie der Wissenschaften der DDR - AdW). Dort leitete er zunächst eine Forschungsgruppe und dann den Bereich „Wissenschaftsgeschichte“.

Laitko habilitierte sich 1978 an der Akademie mit der Dissertation (B) „Wissenschaft als allgemeine Arbeit – zur begrifflichen Grundlegung der Wissenschaftswissenschaft“ und wurde 1979 zum Professor an der Akademie ernannt.

Mit der Abwicklung des ITW wurde Laitko in den Vorruhestand versetzt.[5]

Seit 1994 ist Laitko Mitglied der Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin und gehört ihrer Kommission für Akademie- und Wissenschaftsgeschichte an. Er ist Gründungs- und Vorstandsmitglied der Gesellschaft für Wissenschaftsforschung. Seit 1999 ist er Mitglied des Beirats des Forschungsverbundes „Historische Innovationsforschung“ (München)

Von 2008 bis 2014 war Laitko Lehrbeauftragter für Geschichte der Naturwissenschaft an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus.

Mit Eckart Henning begründete Laitko 1994 die bis 2014 bestehenden und seit 1996 in einer Schriftenreihe dokumentierten „Dahlemer Archivgespräche“. Laitko hat mehrere Jahrbücher der „Gesellschaft für Wissenschaftsforschung“ mit herausgegeben und Arbeiten über Robert Havemann verfasst.

Im Mittelpunkt der wissenschaftlichen Arbeiten von Laitko stehen Untersuchungen zur Geschichte wissenschaftlicher Institutionen und Institutionennetze im 19. und 20. Jh.: Wissenschaft und Wissenschaftspolitik in Preußen und im wilhelminischen Deutschland; Geschichte der Kaiser-Wilhelm-/Max-Planck-Gesellschaft; deutsche Akademiegeschichte; Disziplinarität und Disziplingenese; Institutionalgeschichte der Wissenschaft in der DDR. Hinzu kommen Arbeiten zur Geschichte der Wissenschaftsforschung.

Ehrungen in der DDR[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Veröffentlichungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hrsg. mit Reinart Bellmann: Wege des Erkennens – philosophische Beiträge zur Methodologie der naturwissenschaftlichen Erkenntnis. Deutscher Verlag der Wissenschaften, Berlin 1969.
  • mit Wolf-Dietrich Sprung: Chemie und Weltanschauung. Urania-Verlag, Leipzig/Jena/Berlin 1970, 2. Auflage 1973.
  • mit Günter Kröber: Wissenschaft als soziale Kraft. Akademie-Verlag, Berlin 1976.
  • Wissenschaft als allgemeine Arbeit – zur begrifflichen Grundlegung der Wissenschaftswissenschaft. Akademie-Verlag, Berlin 1979.
  • Leiter des Autorenkollektivs: Wissenschaft in Berlin – von den Anfängen bis zum Neubeginn nach 1945. Dietz Verlag, Berlin 1987.
  • Hrsg. mit Martin Guntau: Der Ursprung der modernen Wissenschaften. Studien zur Entstehung wissenschaftlicher Disziplinen. Akademie-Verlag, Berlin 1987.
  • Geschichte der Wissenschaft in Berlin im Spannungsfeld von wissenschaftshistorischem Weltprozess und urbaner Prägung. Akademie-Verlag, Berlin 1988.
  • Hrsg. mit Dieter Hoffmann: Ernst Mach: Studien und Dokumente zu Leben und Werk. Deutscher Verlag der Wissenschaften, Berlin 1991.
  • Hrsg. mit Bernhard vom Brocke: Die Kaiser-Wilhelm-/Max-Planck-Gesellschaft und ihre Institute. Studien zu ihrer Geschichte: Das Harnack-Prinzip. Walter de Gruyter, Berlin/New York 1996.
  • Hrsg. mit Klaus Fuchs-Kittowski, Heinrich Parthey, Walter Umstätter: Wissenschaft und Digitale Bibliothek. Wissenschaftsforschung. Jahrbuch 1998. Gesellschaft für Wissenschaftsforschung, Berlin 2000.
  • Hrsg. mit Dieter Hoffmann, Staffan Müller-Wille: Lexikon der bedeutenden Naturwissenschaftler in drei Bänden. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg / Berlin 2003–2004.
  • Hrsg. mit Andreas Trunschke: Mit der Wissenschaft in die Zukunft: Nachlese zu John Desmond Bernal. Rosa-Luxemburg-Stiftung Brandenburg, Potsdam 2003.
  • Strategen, Organisatoren, Kritiker, Dissidenten – Verhaltensmuster prominenter Naturwissenschaftler der DDR in den 50er und 60er Jahren des 20. Jahrhunderts. Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte, Berlin 2009.
  • Hrsg. mit Klaus Fischer, Heinrich Parthey: Interdisziplinarität und Institutionalisierung der Wissenschaft. Wissenschaftsforschung. Jahrbuch 2010. Wissenschaftlicher Verlag, Berlin 2011.
  • Hrsg. mit Karl-Friedrich Wessel, Thomas Diesner: Hermann Ley – Denker einer offenen Welt. Kleine Verlag, Grünwald 2012.
  • Hrsg. mit Herbert Hörz: Akademie und Universität in historischer und aktueller Sicht: Arbeitsteilung, Konkurrenzen, Kooperationen. Jahreskonferenz der Leibniz-Sozietät 2010 in Berlin. Trafo- Wissenschaftsverlag, Berlin 2013.
  • Hrsg. mit Karl-Heinz Bernhardt: Akademische und außerakademische Forschung in Deutschland – Tendenzen und Zäsuren eines Jahrhunderts. Trafo-Wissenschaftsverlag, Berlin 2013, ISBN 978-3-86464-031-5.
  • Talente- und Elitenförderung im "System Althoff". In: Karl-Friedrich Wessel und Andreas Wessel (Hrsg.): Persönlichkeit und Verantwortung in Wissenschaft, Medizin und Technik. Robert Ketting zum Gedenken. Berliner Studien zur Wissenschaftsphilosophie und Humanontogenetik, Bd. 30. Kleine Verlag, Grünwald 2013, ISBN 978-3-937461-57-1.

Quellen und Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hubert Laitko: Als Philosophiestudenten in Leipzig – die späten Fünfziger. In: Frank Fuchs-Kittowski; Werner Kriesel (Hrsg.): Informatik und Gesellschaft. Festschrift zum 80. Geburtstag von Klaus Fuchs-Kittowski. Frankfurt a. M., Bern, Bruxelles, New York, Oxford, Warszawa, Wien: Peter Lang Internationaler Verlag der Wissenschaften, PL Academic Research 2016, S. 241, ISBN 978-3-631-66719-4 (Print), E-ISBN 978-3-653-06277-9 (E-Book).
  2. Hubert Laitko: Als Philosophiestudenten in Leipzig – die späten Fünfziger. In: Frank Fuchs-Kittowski; Werner Kriesel (Hrsg.): Informatik und Gesellschaft. Festschrift zum 80. Geburtstag von Klaus Fuchs-Kittowski. Frankfurt a. M., Bern, Bruxelles, New York, Oxford, Warszawa, Wien: Peter Lang Internationaler Verlag der Wissenschaften, PL Academic Research 2016, S. 242, ISBN 978-3-631-66719-4 (Print), E-ISBN 978-3-653-06277-9 (E-Book).
  3. Ernst Röhl: Rat der Spötter. Das Kabarett des Peter Sodann. Kiepenheuer, Leipzig 2002, ISBN 3-378-01062-2.
  4. Interview mit Peter Sodann, in: Süddeutsche Zeitung Magazin, 14. März 2014, S. 64.
  5. http://www.bundesstiftung-aufarbeitung.de/wer-war-wer-in-der-ddr-%2363%3B-1424.html?ID=1994