Hudā Schaʿrāwī

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Huda Sha`arawi

Hudā Schaʿrāwī (auch Hoda Shaarawy, arabisch هدى شعراوي, DMG Hudā Šaʿrāwī * 23. Juni 1879 in Minya; † 12. Dezember 1947) war eine frühe ägyptische Frauenrechtlerin, Gründerin der Ägyptischen Feministischen Union (EFU) und Philanthropin. Sie war auch das Idealbild einer modernen moslemischen Frau für den malaiischen Intellektuellen Syed Sheikh al-Hady.

Privates Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Huda Scha’arawi wurde 1879 in Minya (Oberägypten) als Tochter einer wohlhabenden Familie geboren. Ihre Mutter war die Tochter von Flüchtlingen aus dem Kaukasus, die in den 1860er Jahren nach kriegerischen Auseinandersetzungen mit dem zaristischem Russland geflohen waren. Ihr Vater war Sultan Pascha, ein hoher Beamter, der 1881 zum Präsidenten des kurzlebigen Egyptian Representative Council wurde und bereits 1884 starb.[1]

Ihre ersten Jahre verbrachte sie relativ isoliert im Harem, eine Erfahrung, die sie später in ihren Memoiren niederschreiben sollte. Trotz dieser Abschottung erhielt sie eine grundlegende Ausbildung, so memorierte sie bereits im Alter von neun Jahren den Koran und berichtete davon, wie sie sich heimlich am Bücherschrank ihres Vaters bediente.[2]

Im Alter von zwölf Jahren wurde Scha’arawi mit ihrem Vetter Ali Pascha Scharawi verlobt und ein Jahr später verheiratet, lebte aber bis 1900 getrennt von ihm in Kairo. In dieser Zeit lernte sie Französisch und Arabisch von Lehrerinnen wie der der französisch-ägyptischen Frauenrechtlerin Eugénie Le Brun. In deren Frauensalon beteiligte sie sich an Diskussionen über soziale Fragen, insbesondere im Hinblick auf die Position der Frauen.[3]

1900 kehrte sie schließlich zu ihrem Ehemann zurück, weniger aufgrund ihres eigenen Wunsches als vielmehr wegen des familiären und sozialen Drucks. Das Eheleben verlief nach Scha’arawis eigener Beschreibung aber harmonisch und 1903 wurde ihre Tochter Bathna und 1905 ihr Sohn Muhammed geboren. Ihr Mann starb 1922, sie selbst am 12. Dezember 1947.[3]

Philanthropische Arbeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachdem Scha’arawis Tochter sich von schwerer Krankheit erholt hatte, widmete sie sich wieder verstärkt den Freundinnen aus der Zeit in Kairo und organisierte zusammen mit Marguerite Clemente die ersten Vorträge für Frauen an der neugegründeten Universität in Kairo.[3]

1908 war sie federführend an der Gründung der Mabarrat Muhammed Ali beteiligt, einer philanthropischen Gesellschaft, geführt von ägyptischen Frauen, die sich um soziale Belange armer Frauen und Kinder kümmerte und von der ägyptischen Prinzessin Ain al-Hayat unterstützt wurde. Scha’arawi sah die Prinzessin und andere Wohlhabende als „Wächter und Beschützer der Nation“[4] an, während sie die Armen als bloß passive Empfänger dieser Hilfe betrachtete.[4]

Feminismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Vorgängerorganisation der EFU gründete sie im April 1914 zusammen mit gleichgesinnten ägyptischen und ausländischen Frauen die Intellectual Association of Egyptian Women, um Frauen nach den Erfolgen der Frauensalons und Vorlesungen für „weitere intellektuelle und soziale Erfolge“[3] zusammen zu bringen.

Als nach dem Ende des Ersten Weltkrieges die ägyptischen Unabhängigkeitsbestrebungen ignoriert und hohe Vertreter der Unabhängigkeitsbewegung auf die Seychellen deportiert wurden, brach am 9. März 1919 die ägyptische Revolution aus und Scha'arawi war führend an den Demonstrationen und Protesten der Frauen der Oberschicht gegen die Briten beteiligt, was sie als selbstverständlich erachtete, um „ihrem Land zu dienen“.[3] 1920 wurde sie Präsidentin des neugründeten Wafdist Womens Central Committee, der Frauenvereinigung der nach Unabhängigkeit strebenden Wafd-Partei.[4]

1922 hoben die Briten ihr Protektorat mit einer formalen Anerkennung der Unabhängigkeit Ägyptens auf.[5] Die Artikel 74 und 82 der Verfassung vom März 1923 garantierten das allgemeine Wahlrecht. Im Wahlgesetz aus dem selben Jahr wurden aber Frauen ausgeschlossen.[6] Hudā Schaʿrāwī gründete daraufhin zusammen mit anderen Frauen aus der Oberschicht die Ägyptische Feministische Union (EFU). Die Union setzte sich für politische Rechte für Frauen, für gleiche Rechte der Geschlechter bei der Bildung in den Sekundarschulen und an den Universitäten, für eine Ausweitung der qualifizierten Arbeitsmöglichkeiten für Frauen und eine Kontrolle der Ehegesetze, die die Vielehe und Scheidung betrafen, ein.[7] 1923 nahmen zum ersten Mal Vertreterinnen der EFU an einem internationalen Treffen der International Alliance of Women teil. Nach der Rückkehr von diesem Treffen nahm Scha'arawi bei ihrer Ankunft in Ägypten öffentlichkeitswirksam ihren Schleier ab, wurde von den Frauen, die ihre Ankunft erwartet hatten, begeistert bejubelt und löste ein großes Presseecho aus.[8] Hierbei ist anzumerken, dass damals die Verschleierung in Ägypten nur die Oberschicht betraf und auch nie Kernthema der EFU war.[4]

1924 wurde klar, dass die ägyptische Regierung für die anstehenden Wahlen kein Frauenwahlrecht gewähren würde und auch viele andere Forderungen der EFU trotz Protesten bei der Eröffnung des Parlaments nicht berücksichtigt werden würden. Scha‘arawi wandte sich zusätzlich enttäuscht von den Eingeständnissen gegenüber den Briten im Bezug auf Sudan vom WWCC ab und widme sich ganz ihrer Arbeit für die EFU.[3]

Bis zu ihrem Tod 1947 leitete sie deren Geschicke, vernetzte sich international und wurde 1944 Präsidentin der von ihr initiierten Arab Feminist Union. In ihren letzten Jahren wurden ihr zahlreiche Ehrungen zuteil[1], unter anderem die damals höchste Auszeichnung des Staates Ägypten.[3] Sie selbst ordnet dies wie folgt ein:

„Männer haben sich Frauen mit außergewöhnlichen Erfolgen rausgesucht und diese auf einen Sockel gestellt, damit sie nicht die Fähigkeiten aller Frauen anerkennen müssen.“

Huda Scha’arawi: Harem Years. The Memoirs of an Egyptian Feminist (1879–1924). S. 131

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Posthum: Margot Badran (Hrsg.): Harem Years. The Memoirs of an Egyptian Feminist (1879–1924). by Huda Shaarawi. New York 1987.
  • Kristina Maroldt: Feminismus in islamischen Ländern Als der Schleier fiel. Einestages (Spiegel Plus), 15. März 2017
  • Sha‘rawi, Nur al-Hudá, in: June Hannam, Mitzi Auchterlonie, Katherine Holden: International encyclopedia of women's suffrage. Santa Barbara, California : ABC-Clio, 2000, ISBN 1-57607-064-6, S. 270f.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Huda Sha’arawi – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Monika Tworuschka: Huda Sharawi. Islamische Feministin. In: Michael Klöcker; Udo Tworuschka (Hrsg.): Handbuch der Religionen. Kirchen und andere Glaubensgemeinschaften in Deutschland/im deutschsprachigen Raum. Ausgabe 17. I – 14.8.1. München 2008, S. 1–2.
  2. Beth Baron: The Women`s Awakening in Egypt. Culture Society, and Press. New Haven/London 1994.
  3. a b c d e f g Huda Sha'arawi: Harem Years. The Memoirs of an Egyptian Feminist (1879–1924). Hrsg.: Margot Badran. New York 1987.
  4. a b c d Postcolonial Studies | Shaarawi, Huda. In: scholarblogs.emory.edu. 2006, abgerufen am 15. September 2016.
  5. Nadje S. Al-Ali: The Women's Movement in Egypt, with Selected References to Turkey. Genf, United Nations Research Institute for Social Development 2002, S. 22, zitiert nach: Jad Adams: Women and the Vote. A World History. Oxford University Press, Oxford 2014, ISBN 978-0-19-870684-7, Seite 407.
  6. Margot Badran: Feminists, Islam andNation: Gender and the Making of Modern Egypt. Princeton, Princeton University Press 1994, S. 207, zitiert nach: Jad Adams: Women and the Vote. A World History. Oxford University Press, Oxford 2014, ISBN 978-0-19-870684-7, Seite 407.
  7. Jad Adams: Women and the Vote. A World History. Oxford University Press, Oxford 2014, ISBN 978-0-19-870684-7, Seite 408.
  8. Soha Abdel Kader: Egyptian Women in a Changing Society, 1899–1987. Colorado/London 1987.