Hugo Egon Balder

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Hugo Egon Balder, 2004

Hugo Egon Balder (eigentlich Egon Hugo Balder; * 22. März 1950 in West-Berlin)[1] ist ein deutscher Fernsehmoderator, Fernsehproduzent, Musiker, Schauspieler und Kabarettist. Bekannt ist er vor allem als Moderator der Sendungen Alles Nichts Oder?!, Tutti Frutti, Die Hit-Giganten sowie der Quizsendung Genial daneben.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hugo Egon Balder ist der Sohn von Egon Friedrich und Gerda Balder, geb. Schure. Gerda war Jüdin und überlebte mit ihrer Mutter Johanne Schure und Sohn Peter aus erster Ehe das KZ Theresienstadt.[2] Ihr erster Ehemann Walter Leyserson wurde im KZ Auschwitz ermordet.[3]

Balder wuchs in der Semperstraße in Berlin-Schöneberg auf. Vom vierten bis zum zwölften Lebensjahr nahm er Klavierunterricht, anschließend zwei Jahre Schlagzeugunterricht. In seiner Jugend spielte er Schlagzeug bei „The Earls“. 1967 gehörte er als Schlagzeuger zu den Gründungsmitgliedern der Band Birth Control, die sich aus „The Earls“ und „The Gents“ zusammensetzte. Nach einem Kunst- und Grafikstudium besuchte Balder von 1973 bis 1976 die private Schauspielschule von Else Bongers in Berlin.

In den 1980er Jahren war er das erste Mal verheiratet, danach Anfang der 1990er Jahre zwei Jahre lang mit einer Französin sowie von 1993 bis 1998 mit einer Kölnerin. Er war von 2000 bis 2011 in vierter Ehe mit Meral Canan verheiratet, mit der er eine Tochter, Saliha (* 2000), und einen Sohn, Canel (* 2001), hat. Er hatte die Kellnerin bei der Produktion der RTL-Comedy-Sendung Samstag Nacht kennengelernt. Im Juli 2017 trat Balder mit seinen Kindern sowie Jacky Dreksler und Pete York in der WDR-Sendung „Ich stelle mich“ mit Moderatorin Sandra Maischberger auf, in der er einen Einblick in sein Privatleben offenbarte. Im August 2019 ging Balder mit seiner Partnerin Elena Sumischewskaja seine fünfte Ehe ein.[4]

Seit 2010 ist er Teilhaber der Kneipe Zwick am Hamburger Millerntor.[5] Dort wurde vom 6. April 2015 bis zum 14. November 2015 seine Sendungsidee Der Klügere kippt nach produziert und live auf Tele 5 ausgestrahlt.

Balder engagiert sich ehrenamtlich für die Deutsche Knochenmarkspenderdatei; gemeinsam mit Hella von Sinnen und Bernhard Hoëcker warb er im Jahr 2009 bundesweit auf Plakaten für die Stammzellspende.[6]

Im September 2018 gehörte er zu den Erstunterzeichnern einer Erklärung, die Horst Seehofer zum Rücktritt vom Amt des Bundesinnenministers aufforderte.[7] In der Wochenzeitung Die Tagespost wurde ihm daraufhin vorgeworfen, ein „übersteigerte[s] Selbstbild“ als „Kulturschaffender“ zu haben.[8]

Balder lebte lange in Köln,[9] zog 2020 aber nach Hamburg[10]

Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anfänge als Musiker und Kabarettist[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Er war eines der Gründungsmitglieder der Krautrockband Birth Control, wo er bis 1968 als Schlagzeuger mitwirkte.

Balder gehörte von 1973 bis 1979 dem Ensemble des Berliner Schillertheaters an. 1982 trat er mit dem Titel Schwarzfahren in der von Ilja Richter moderierten Musiksendung Disco auf. 1983 war Balder in der Nachfolgesendung Vorsicht, Musik an der Seite von Frank Zander als Stimme der Handpuppe Herr Feldmann zu hören. 1985 trat Balder in das Ensemble des Düsseldorfer Kabaretts „Kom(m)ödchen“ ein, wo er gemeinsam mit Lore Lorentz und Harald Schmidt Programmkabarett gestaltete. Nebenher verdingte er sich als Schlagersänger und hatte mit der Single Erna kommt, einer Coverversion des Titels von Wolfgang Lippert, einen kommerziellen Erfolg. Das Lied stieg im November 1984 in die deutschen Airplay-Charts und erreichte dort Platz 19.[11]

Moderator und Produzent bei RTL[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erste Erfahrungen als Moderator sammelte Balder mit verschiedenen Hörfunksendungen auf den „4 fröhlichen Wellen“ von Radio Luxemburg. Hier wurde Mahlzeit, in der Balder durch die Mitwirkung in zahlreichen Sketchen gleichsam seine Herkunft vom Kabarett ausspielte, die erfolgreichste Sendung. Seine Co-Moderatorin und Sketchpartnerin war Inga Abel. Ab 1984 trat Balder auch regelmäßig im RTL-Fernsehen auf. Zu dieser Zeit moderierte er aber auch schon im ZDF die Rückshow. Seine frühe Popularität gründet sich jedoch vorrangig auf die beiden Unterhaltungsshows Alles Nichts Oder?! (gemeinsam mit Hella von Sinnen) und später Tutti Frutti, die er zwischen 1990 und 1993 bei RTL moderierte.

Als Produzent war Balder unter anderem für April, April mit Frank Elstner (RTL, 1995) und – zusammen mit Jacky Dreksler – für die Kultsendung RTL Samstag Nacht (1993–1998) verantwortlich.

Im Jahr 1997 folgte sein Debüt als Regisseur für die Fernsehkomödie Silvias Bauch – 2 Männer und (k)ein Baby (Darsteller u. a. Dolly Dollar, Markus Maria Profitlich, Dorkas Kiefer, Piet Klocke, Helmut Zierl). 1998 präsentierte er die RTL-Samstagabend-Show Fata Morgana – Die wüste Orientshow, im Jahr 2002 moderierte er bei 9Live die Show Tanzmarathon.

Neubeginn bei Sat.1[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hugo Egon Balder, 2012

Von Januar 2003 bis Oktober 2011 moderierte und produzierte Balder das von Sat.1 ausgestrahlte Comedy-Quiz Genial daneben. Von 2003 bis 2009 war er außerdem Moderator der Chart- und Musikshow Die Hit-Giganten. Am 29. September 2007 moderierte er die Event-Show Volltreffer! Schiffe versenken XXL. Gemeinsam mit Hella von Sinnen moderierte Balder weitere Event-Shows bei Sat.1, wie etwa die Spielshows Promi ärgere Dich nicht, Jetzt wird eingelocht, Jetzt wird eingeseift und Jetzt geht’s auf den Rummel.

Als Produzent war Balder zusammen mit Jacky Dreksler für zwei Ende 2004 auf Sat.1 ausgestrahlte Folgen der Musiksendung Taratata und die mittlerweile wieder eingestellte Comedysendung Talk im Tudio (später: Der heiße Brei) verantwortlich.

Balder war 2008 als Moderator der Musical-Casting-Show Ich Tarzan du Jane zu sehen. In diesem Format wurden die beiden Hauptrollen für die deutsche Ausgabe des Musicals Tarzan gesucht. Im Dezember 2008 moderierte er die Sendung Wer zuletzt lacht …?, einen Comedy-Rückblick auf das Jahr 2008. Mit Dirk Bach moderierte er am 3. April 2009 bei Sat.1 die Sendung Happy Birthday Hella, eine Veranstaltung für Hella von Sinnen anlässlich ihres 50. Geburtstags.

Seit März 2017 strahlt Sat.1 neue Folgen von Genial daneben aus, Balder ist wieder als Moderator dabei. Seit 2018 moderiert er das Spin-off von Genial Daneben Genial daneben – Das Quiz bzw. deren Fortsetzung Genial oder Daneben?.

Zurück im Radio[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 28. Januar 2013 moderierte Balder im Rahmen der Radioreihe Die Rückkehr der Radiolegenden[12] bei Radio Eins die Auftaktsendung. Seit 2016 ist er außerdem täglich in der Hörfunkserie Hugo Egon Balders Zeitmaschine – die Geschichten hinter den Songs mit über 300 Folgen zu hören,[13] u. a. bei Antenne Brandenburg vom RBB, bei MDR 1 Radio Sachsen, WDR4 und weiteren Radiosendern. Die Serie[14] beschäftigt sich mit der Entstehung der Kulthits der Achtziger.

Hörbuch-Sprecher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Balder sprach die Hörbücher Die Bibel nach Biff von Christopher Moore, Treibstoff von James Robert Baker und Kein Applaus für Podmanitzki von Ephraim Kishon ein.

Schauspieler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Darüber hinaus ist Balder weiterhin als Schauspieler tätig. 2003/2004 wirkte er in mehreren Folgen der Fernsehserie Chili TV mit Bernd das Brot im KiKA mit, des Weiteren war er in der Sat.1-Boulevardkomödie Ewig rauschen die Gelder zu sehen. Auch war er in einigen Folgen der Sat.1-Serie Pastewka zu sehen, in der er sich selbst spielte. 1992 spielte er in der Tatort-Folge Camerone und 2009 in der Folge Borowski und die Sterne mit.[15] 2011 spielte Balder eine größere Rolle in der Folge Frischfleisch der Serie Wilsberg im ZDF.[16] Seit 2010 ist er in einer Hauptrolle des Theaterstücks Sei lieb zu meiner Frau von René Heinersdorff zu sehen, das unter anderem in Düsseldorf, Berlin und Köln aufgeführt wurde bzw. wird.[17] Im Jahr 2013 spielte er eine Hauptrolle in einer Komödie des Chiemgauer Volkstheaters mit dem Titel Nordlicht über Bollerbach.[18]

Anfang Januar 2015 war er in einer Episode der ZDF-Vorabendserie Bettys Diagnose zu sehen. In der Saison 2014/2015 spielte er im Theater am Dom in Köln. Im Jahr 2016 spielte Balder in der ARD-Serie In aller Freundschaft in der Episode Spott und Ruhm den Schlagersänger Frank Butze. 2017 hatte er in der dritten Folge der RTL-Sitcom Nicht tot zu kriegen, mit Jochen Busse in der Hauptrolle, einen Gastauftritt. Im Silvester-Stück Einen guten Rutsch des Chiemgauer Volkstheaters aus dem Jahr 2018 hatte Balder wiederum eine tragende Gastrolle.[19]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diskografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1976: Elvira, hol’ dein Strumpfband ab
  • 2010: Ist das schön

Singles[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1973: Isolde; Fischers Fritz fischt frischen Fisch
  • 1973: Maskenball im Hochgebirge; Schmalzer in f
  • 1976: Doch wenn du lachst, dann wirst du verlegen; Stanislaus, der Krieg ist aus (als Egon Balder)
  • 1976: Wir zieh’n uns aus und spiel’n mit uns’ren Sachen; Da hab’ ich ihr ’nen Straps geklaut
  • 1976: Elvira, hol’ dein Strumpfband ab; Zwei Buletten und eine Gitarre
  • 1978: Greenhorn; Romantica (als Wild Egon & His Crazy Piano)
  • 1979: Wir zieh’n uns aus; Wuschel-Kuschel-Kätzchen
  • 1982: Kurfürstendamm; Lehmann (als Balder)
  • 1982: Ach, du weißt ja nicht wie gut dir’s geht; Jeder kocht sein eig’nes Süppchen (als „Herr“ Feldmann mit Frank Zander)
  • 1982: Schwarzfahrn; Top-Job (als Balder)
  • 1983: Tanze mit mir in den Morgen; Hammer Jammer (als Balder)
  • 1983: Raus aus’m Wohnklo – rein in die Disco; So einfach
  • 1984: Erna kommt; Faß mich nicht an (als Balder)
  • 1985: Toot Toot; Es geht nicht
  • 1986: Ein Eigentor; Ein Eigentor (Instrumental)
  • 1988: Nimm’s easy – sei happy (Cover von Don’t Worry, Be Happy); Streetwalk (als Balder)
  • 1990: Itsy Bitsy Teeny Weeny… (Deutscher Original-Remix); Slipnotic (Instrumental) (Midnight-Mix), Itsy Bitsy Teeny Weeny … (Radio-Mix)
  • 1991: Single-Ling (Single-Song) (Deutsche Version); Single-Ling (Single-Song) (Englische Version); Single-Ling (Single-Song) (Instrumental Version)

TV-Auftritte (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Hugo Egon Balder – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hans Hoff: Tv – Hugo, mein Hugo. In: sueddeutsche.de. 22. Oktober 2004, abgerufen am 30. Oktober 2020.
  2. Anna Jacobi: Hugo Egon Balder: So überlebte meine Familie den Holocaust. In: express.de. 20. März 2013, abgerufen am 30. Oktober 2020.
    Jan Freitag: „Geweint habe ich nur innerlich“. In: Neues Deutschland. 26. Januar 2015, S. 15, abgerufen am 30. Oktober 2020 (Interview mit Balder anlässlich des Films „Mit dem Mut der Verzweiflung“).
  3. Holocaust Survivor names. In: Sharit Ha-Platah. 1946, S. 200, 296.
    Mitgliedverzeichnis der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, 1947, S. D49.21.a, 6 und D49.21.f, 116.
  4. Zum fünften Mal: Hugo Egon Balder hat heimlich geheiratet. In: Promiflash. 15. November 2019, abgerufen am 15. November 2019.
  5. Hugo Egon Balder und Uli Salm eröffnen neue Zwick-Kneipe. In: abendblatt.de. 23. September 2010, abgerufen am 30. Oktober 2020.
  6. Autogrammstunde im Friseursalon in Pulheim-Dansweiler mit Comedians und Moderatoren Hella von Sinnen, Bernhard Hoëcker und Hugo Egon Balder. In: gesundheit-adhoc.de. 21. Oktober 2009, abgerufen am 30. Oktober 2020.
    Charity mit Hugo Egon Balder und Hella von Sinnen. In: Bild.de. 1. September 2008, archiviert vom Original am 2. Februar 2014; abgerufen am 30. Oktober 2020.
  7. Würde, Verantwortung, Demokratie: Erklärung zur Politik des Bundesinnenministers Horst Seehofer. In: seehofermussgehen.de. 21. September 2018, archiviert vom Original am 21. September 2018; abgerufen am 20. August 2020.
  8. Stefan Ahrens: „Me Too“ mal anders: Wenn „Kulturschaffende“ am eigenen Moralismus zugrunde zu gehen drohen. In: die-tagespost.de. 2. Oktober 2018, abgerufen am 30. Oktober 2020.
  9. Hans Hoff: Hugo Egon Balder – „Also saufen nicht mehr so, aber rauchen“. In: sueddeutsche.de. 22. März 2020, abgerufen am 30. Oktober 2020 (Interview).
  10. Nach 30 Jahren: Hugo Egon Balder verlässt Köln und gibt der Stadt ordentlich einen mit. In: Express.de. 29. Oktober 2020, abgerufen am 30. Oktober 2020.
  11. Hit-Bilanz, Deutsche Chart-Singles auf CD-ROM, Taurus Press
  12. Die Rückkehr der Radiolegenden: Hugo Egon Balder. Zugriff am 28. Januar 2013
  13. Dirik: Hugo Egon Balder zurück im Radio. 11. November 2016, abgerufen am 3. Dezember 2017.
  14. Sprenger: Hugo Egon Balder zurück im Radio. 1. Januar 2017, abgerufen am 3. Dezember 2017.
  15. Borowski und die Sterne. In: DasErste.de. Abgerufen am 6. Januar 2014.
  16. Cord Krüger: Vom Beamten zum Aushilfsgigolo. (Memento vom 16. Juni 2011 im Internet Archive) In: news.de. 9. April 2011.
  17. Claudia Hötzendorfer: Gelungene Premiere mit Hugo Egon Balder. (Memento vom 16. Mai 2016 im Internet Archive) In: derWesten.de. 8. November 2010.
  18. br.de vom 31. Oktober 2013: Nordlicht über Bollerbach – Deutsche Erstausstrahlung, abgerufen am 30. November 2016
  19. Bayerischer Rundfunk: Komödie: Ein guter Rutsch. 26. November 2018 (br.de [abgerufen am 20. August 2020]).
  20. derStandard.at: Satire-Preis „Prix Pantheon“ für Hugo Egon Balder. Artikel vom 29. Mai 2018, abgerufen am 29. Mai 2018.