Humane Adenoviren

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Humane Adenoviren
Adenovirus transmission electron micrograph B82-0142 lores.jpg

Adenoviren im TEM

Systematik
Reich: Viren
Ordnung: nicht klassifiziert
Familie: Adenoviridae
Gattung: Mastadenovirus
Art: Humanes Adenovirus A-F
Taxonomische Merkmale
Genom: dsDNA linear
Baltimore: Gruppe 1
Symmetrie: ikosaedrisch
Hülle: keine
Wissenschaftlicher Name
Human Adenovirus (engl.)
Taxon-Kurzbezeichnung
HAdV
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Humane Adenoviren sind humanpathogene Viren aus der Familie Adenoviridae und der Gattung Mastadenovirus. Sechs der 19 Arten dieser Gattung können beim Menschen Erkrankungen auslösen und wurden erstmals aus menschlichen Rachenmandeln (Adenoiden) isoliert, wovon sich auch ihr Name ableitet. Derzeit sind 51 serologisch unterscheidbare Subtypen festgestellt.

Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die humanpathogenen Adenoviren gehören zu den unbehüllten doppelsträngigen, linearen DNA-Viren (dsDNA), daher zeichnen sie sich durch hohe Stabilität gegenüber chemischen und physikalischen Einwirkungen aus und tolerieren extreme pH-Werte und alkoholische Desinfektionsmittel. Zehnminütiges Erwärmen auf 56 °C inaktiviert sie hingegen vollständig. Ihr stabiles ikosaedrisches Kapsid und das Fehlen einer empfindlichen Hülle führt zu einer langanhaltenden Infektiosität außerhalb des Wirtskörpers. Adenoviren haben einen Durchmesser von rund 70–90 nm, als Genom besitzen sie eine doppelsträngige lineare DNA.

Klinik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Adenoviren verursachen hauptsächlich Erkrankungen der Atemwege. Abhängig vom jeweiligen Serotyp können allerdings auch eine Reihe anderer Erkrankungen hervorgerufen werden, so beispielsweise Gastroenteritis, Keratoconjunctivitis epidemica, Zystitis, Rhinitis, Pharyngitis oder Durchfälle. Die Symptome der Atemwegserkrankung durch Adenoviren reichen von der einfachen Erkältung über die akute Bronchitis bis zur Pneumonie. Bei Patienten mit geschwächtem Immunsystem besteht eine besondere Anfälligkeit für ernsthafte Komplikationen bei Adenovirus-Infektionen, wie zum Beispiel das Acute Respiratory Distress Syndrome (ARDS). Außerdem wird vermutet, dass es einen Zusammenhang zwischen dem Virustyp Ad-36 und Fettleibigkeit beim Menschen gibt.

Epidemiologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Obwohl die epidemiologischen Merkmale der Adenoviren von Typ zu Typ verschieden sind, werden doch alle durch direkten Kontakt, fäkal-orale und gelegentlich durch Wasserübertragung weitergegeben. Einige Arten verursachen persistente, asymptomatische Infektionen von Hals- und Rachenmandeln oder Magen-Darm-Trakt des Wirtes; eine Ausbreitung kann über Monate oder Jahre erfolgen. Wenige Adenoviren (beispielsweise die Serotypen 1, 2, 5 und 6) sind nachgewiesenermaßen in einigen Zonen der Welt endemisch; die Infektion erfolgt hier in der Regel bereits in der Kindheit. Andere Arten verursachen bei ansonsten sporadischen Infektionen gelegentliche Ausbrüche. So wird zum Beispiel die Keratoconjunctivitis epidemica durch die Serotypen 8, 19 und 37 ausgelöst. Epidemisch auftretende fieberhafte Erkrankungen mit Konjunktivitis sind oftmals mit Adenoviren assoziiert und treten im Allgemeinen im Umfeld unzureichend chlorierter Schwimmbecken und kleiner Seen auf. Gastroenteritiden werden, insbesondere bei Kindern, durch die Serotypen 40 und 41 ausgelöst. Bei einigen Serotypen variiert das klinische Spektrum der infektionsassoziierten Erkrankungen abhängig von der Eintrittspforte. So geht beispielsweise eine Infektion mit Adenovirus 7 durch Inhalation mit schwerwiegenden Erkrankungen der unteren Atemwege einher, während eine orale Übertragung des Virus keine beziehungsweise nur eine milde Infektion verursacht.

Diagnose[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Antigen-Detektion, PCR-Assay, Virusisolation, Elektronenmikroskopie und Serologie dienen zum Nachweis von Adenovirus-Infektionen. Die Typbestimmung wird in der Regel durch Hämagglutinationshemmungsreaktion oder Neutralisation mit typspezifischen Antisera vorgenommen. Da Adenoviren über einen längeren Zeitraum ausgeschieden werden können, bedeutet der Nachweis des Virus nicht unbedingt auch den Nachweis einer Erkrankung.

Therapie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die meisten Infektionen verlaufen mild und erfordern keine Therapie oder eine symptomatische Behandlung. Aber auch bei ernsthaften Erkrankungen durch Adenovirus-Infektionen richtet sich die Behandlung mangels virusspezifischer Therapie auf die Symptome und Komplikationen der Infektion.

Prävention[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für die Serotypen 4 und 7 wurden Adenovirusimpfstoffe entwickelt, die allerdings nur zur Prävention schwerer Atemwegsinfektionen bei Rekruten der US-Streitkräfte verfügbar sind. Für die effektive Beschränkung der Ausbreitung Adenovirus-assoziierter Erkrankungen, wie zum Beispiel die epidemische Keratokonjunktivitis, die 2004 die vorübergehende Schließung mehrerer Bundeswehr-Stützpunkte bedingte, ist eine sorgfältige Infektionskontrolle notwendig.

Spätkomplikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diskutiert werden verschiedene Krankheitsbilder, die sich als Spätfolgen einer Adenoviren-Infektion einstellen können, wie beispielsweise die persistierende Bronchiolitis, Gelenkschmerzen, die dilatative Kardiomyopathie oder Hörsturz. Vielfach wurde bislang angenommen, dass auch Adenoviren als Auslöser für Typ-1-Diabetes galten, was sich aber 2013 durch die Ergebnisse der internationalen TEDDY-Studie (The Environmental Determinants of Diabetes in the Young) als relativ unwahrscheinlich herausstellte.[1]

Therapeutische Anwendung von Adenoviren in der Medizin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Adenoviren finden vermehrt Einsatz in der medizinischen Therapie, so zum Beispiel als Dystrophinträger in der Gentherapie der Duchenne-Muskeldystrophie, als genmanipulierte Vakzine beispielsweise gegen Ebolavirus-Infektionen oder in der Krebstherapie zur Hemmung von Tumorwachstum.

Meldepflicht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Meldepflicht von Adenoviren nur aus Konjunktivalabstrich unterliegt in Deutschland dem § 7 IfsG.[2]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. H.-S. Lee et al.: Next-generation sequencing for viruses in children with rapid-onset type 1 diabetes. In: Diabetologia. August 2013, Vol. 56, Iss. 8, S. 1705–1711, doi:10.1007/s00125-013-2924-y, (Volltext als PDF-Datei).
  2. juris: IfsG §7 abgerufen 17. Februar 2013.