Humbaur

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Humbaur GmbH

Rechtsform GmbH
Gründung 1985
Sitz Gersthofen, Deutschland
Leitung Ulrich Humbaur
Mitarbeiterzahl ca. 600 (2021)
Branche Nutzfahrzeugbau
Website www.humbaur.com

Die Humbaur GmbH ist ein deutscher Hersteller von Anhängern, Aufbauten und Aufliegern aus Gersthofen. Mit über 1.000.000 verkauften Einheiten zählt Humbaur zu den führenden Nutzfahrzeugherstellern Europas. Die Geschäfte werden von dem Gersthofener Unternehmer Ulrich Humbaur geführt.[1] 2010 wurde er zum „Botschafter“ für den Landkreis Augsburg ernannt.

Ulrich Humbaur
Luftfoto Humbaur

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1957 wurde von Anton Humbaur (1933–2022) in Donauwörth die Firma Humbaur als Werksvertretung für landwirtschaftliche Maschinen, Anhänger, Pflüge und Getreidemühlen gegründet.

Ab 1978 war ein Rückgang des Landmaschinenumsatzes zu verzeichnen und Eigentümer Anton Humbaur nahm zusätzliche Produkte in das Verkaufsprogramm auf. Im Jahr 1980/81 zog das Unternehmen von Donauwörth nach Gersthofen bei Augsburg in ein neu errichtetes Bürogebäude mit Lagerhalle. Am neuen Standort erfolgte zusätzlich eine Anpassung an die geänderten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen: 1981 war der Startschuss für den Vertrieb von PKW-Anhängern. Diese wurden in der Anfangsphase noch aus Italien importiert und für den deutschen Markt umgebaut. 1984 wurde mit einer eigenen PKW-Anhänger-Produktion in Gersthofen begonnen. Seit 1985 firmiert es unter dem Namen Humbaur GmbH. Zudem gab es Änderungen in der Firmenleitung, denn Ulrich Humbaur übernahm 1982 die Geschäftsführung. 1989 war die Umorientierung zum PKW-Anhängerhersteller abgeschlossen und der Vertrieb von Landmaschinen wurde endgültig eingestellt. Seit 1998 werden zudem Pferdeanhänger produziert. Die Humbaur GmbH hatte zunehmend Erfolg am PKW-Anhänger-Markt. Mit aus diesem Grund wurde im Jahr 2001 ein Verwaltungs- und Fertigungsgebäude mit 22.000 m² Nutzfläche neu errichtet.

Erstmals war das Unternehmen 2004 mit einer Präsentation vom Schwerlastprogramm auf der IAA in Hannover vertreten. Im folgenden Jahr wurde eine zweite, 23.000 m² große Produktionshalle mit modernster Fertigungstechnik gebaut. Ein neuer 30 t Tieflader-Drehschemel und der Sattelanhänger „BIG ONE“ wurden 2006 auf der IAA präsentiert. Humbaur dehnte sein Angebot zusätzlich mit Eigenentwicklungen im Bereich Speditionsprogramm weiter aus.

Humbaur-Gebäude Gersthofen

2007 übernahm das Unternehmen den Polyesterlieferanten NCK. Die Firma NCK wurde in Polynova GmbH & Co. KG umformiert. Des Weiteren wurde mit dem Ausbau eines europäischen Servicenetzwerkes begonnen.

Infolge des anhaltenden Markteinbruchs in der Trailerbranche musste Ende Juli 2009 der Konkurrent Kögel Insolvenz anmelden. Ulrich Humbaur kaufte daraufhin Kögel, ohne das Unternehmen vom Markt zu nehmen. Das Ziel der Übernahme war die Etablierung am Markt mit zwei weiterhin eigenständigen Marken. Insgesamt konnten 2009 noch 442 Mitarbeiter weiterbeschäftigt werden, während 233 Mitarbeiter für eine Übergangszeit von sechs Monaten durch eine Transfergesellschaft aufgefangen wurden.[2]

Im Jahr 2009 führte das Unternehmen die neuen Humbaur-Achsen, -Leuchten und -Kotflügel ein. Diese bringen deutliche Verbesserungen der Fahreigenschaften. Darüber hinaus erfolgte die Vorstellung des Rückwärtskippers Loady. Im darauffolgenden Jahr kam zusätzlich die neue HA-Serie auf den deutschen Markt.

Humbaur Serie7000 Xanthos AERO

2012 folgten eine Erweiterung der Betriebsfläche und die Einführung des neuen Serienmodells Universal. Die neue Generation der Humbaur-Pferdeanhänger: Balios/AERO, Xanthos/AERO und Zephir/AERO wurden 2013 auf den Markt gebracht. Im Frühjahr 2014 wurde der neue Pferdeanhänger Notos entwickelt. Die Notos-Pferdeanhänger-Familie wurde durch NotosPLUS und NotosTRIO erweitert.

Das Jahr 2016 stand ganz im Namen der FlexBox. Hier wurden die Humbaur Fahrzeugaufbauten eingeführt. Diese sind in drei Ausführungen erhältlich und jeweils auf den speziellen Einsatzzweck angepasst: Trocken- (Dry), Kühl- (Cool) und Tiefkühlfracht (Freeze). Als Basisfahrzeug können die verschiedensten Fahrgestelle genutzt werden. Zudem ist Humbaur zertifizierter Partner namhafter Nutzfahrzeughersteller.

Im Folgejahr, 2017, brachte Humbaur den Pferdeanhänger Maximus Deluxe auf den Markt. Das Modell ist mit einer Vollausstattung versehen und steht für höchste Sicherheit und maximalen Komfort.

2018 folgte die Einführung der neuen Kofferanhänger-Modelle. Die Fertigung der Sandwichplatten erfolgt nun in eigener Fertigung.

Im Jahr 2020 wurde der 1.000.000. Anhänger gefertigt.

Produkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Portfolio umfasst rund 420 Anhänger-Serienmodelle für Gewerbe- und Privatkunden und 230 Modelle der FlexBox-Kofferaufbauten. Die Humbaur GmbH produziert in Gersthofen u. a. Einachsanhänger, Tandemanhänger, kippbare Anhänger, Fahrzeugtransportanhänger, Kofferanhänger, Pferdeanhänger, Viehanhänger, Bauanhänger und Speditionsanhänger sowie Fahrzeugaufbauten. Dabei sind zahlreiche Ausstattungsmerkmale wie Hoch- oder Tieflader und ungebremst oder gebremst erhältlich. Das gesamte Humbaur Produkt-Programm unterteilt sich in den verschiedenen Serien, die nummernbezeichnungen haben. So z. B. Serie 1000 – Einachsanhänger, Serie 3000 – Rückwärts- und 3-Seitenkipper, Serie 7000 – Pferdeanhänger oder Serie 11000 – Speditionsanhänger.

Entwicklungszahlen der Mitarbeiter und Nutzfahrzeuge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine rasante wirtschaftliche Entwicklung kennzeichnet die Humbaur GmbH: Wo 1985 noch 10 Mitarbeiter 1500 Anhänger im Jahr produzierten, waren es 2000 schon 175 Mitarbeiter mit etwa 20.000 Aufliegern und Anhängern. Im Jahr 2010 wurden mit etwa 400 Beschäftigten rund 50.000 Anhänger gefertigt. 2015 fertigen ca. 480 Mitarbeiter 1.000 Anhänger pro Woche. 2021 haben die mittlerweile 600 Beschäftigten über 60000 Anhänger produziert. Aufgrund dieser schnellen Entwicklung konnte das Unternehmen im Jahr 2020 den 1 Millionsten Anhänger fertigen.

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit Ende 2021 geht die Geschäftsführung unter Ulrich Humbaur gegen die Gründung eines Betriebsrats vor. Das Management bedient sich dabei klassischer Union-Busting-Methoden, wie z. B. der Versuch der Geschäftsleitung die Aufstellungsversammlung per einstweiliger Verfügung für nichtig zu erklären. Das Arbeitsgericht Augsburg schmetterte diesen Versuch ab.[3] Angebot von Auflösungsverträgen mit hohen Abfindung an die Initiatoren der Betriebsratsgründung, Versuch der fristlosen, außerordentlichen Kündigung gegen einen Initiator der Betriebsratsgründung oder Hausverbot gegen einen Initiator der Betriebsratsgründung.[4][5]

Bereits 2009 scheiterte die Gründung eines Betriebsrats.[6] Ein Betriebsrat ist nach Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG) für alle Betriebe mit mehr als fünf ständig Beschäftigten routinemäßig vorgesehen. Die IG Metall Augsburg prüft im Februar 2022 eine Strafanzeige gegen Humbaur.[7] Nach §119 BetrVG steht auf Behinderung der Betriebsratsarbeit bis zu einem Jahr Freiheitsstrafe.[8]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Portrait von Humbaur
  2. Humbaur kauft Kögel
  3. Maximilian Gerl: Gersthofen: Ärger bei Humbaur wegen Erstwahl eines Betriebsrats. Abgerufen am 21. März 2022.
  4. Maximilian Gerl: Gersthofen: Ärger bei Humbaur wegen Erstwahl eines Betriebsrats. Abgerufen am 15. März 2022.
  5. a.tv kompakt: IG Metall droht mit Strafanzeige. Abgerufen am 21. März 2022 (deutsch).
  6. Christoph Frey, Gerald Lindner: Gericht schmettert Humbaur-Vorstoß gegen Betriebsratswahlen ab. Abgerufen am 15. März 2022.
  7. Maximilian Sonntag: IG Metall droht Gersthofer Firma Humbaur mit Strafanzeige. Abgerufen am 26. März 2022.
  8. § 119 BetrVG - Einzelnorm. Abgerufen am 21. März 2022.