Hundt zu Lautterbach

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Stammwappen der Hundt zu Lautterbach

Das Geschlecht der Hundt zu Lautterbach oder auch Hundt zu Lauterbach ist eine aus der fürsterzbischöflich-salzburgischen Ministerialität des 12./13. Jahrhunderts aufgestiegene katholische Familie, die bis heute in Oberbayern ansässig ist. Ihr Familienchronist Wiguleus Hundt (1514–1588) schreibt, seine Familie stamme aus dem salzburgischen Pinzgau und sei mit der Familie von der Alben und den Thorern (wohl Thor bei Saalfelden) nahe verwandt gewesen.[1]

Die Familie ist nicht zu verwechseln mit dem Oberpfälzer Geschlecht von Hundt sowie den schlesischen Freiherren von Hundt und Alten-Grottkau. Im deutschen Sprachraum lassen sich neun Geschlechter feststellen, die den Namen „Hundt“ oder „Hund“ führen. Alle stehen in keiner nachweisbaren genealogischen Verbindung zu den altbayerischen Hundt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ursprung der altbayerischen Linie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schloss Lauterbach in Bergkirchen

Die altbayerischen Hundt gehen auf Hans I. Hundt (gest. 1380) zurück, der salzburgischer Pfleger von Lichtenberg (heute Österreich) war. Sein Enkel Hans III. wurde der Stammvater der altbayerischen Linie. Er heiratete Martha, die Tochter Konrad Dachauers von Lauterbach (gest. 1439), mit der Hälfte von Burg und Hofmark Lauterbach (Gemeinde Bergkirchen, Landkreis Dachau) im damaligen oberbayerischen Landgericht Dachau. Die familiären Bindungen im salzburgischen Pinzgau blieben aufgrund der Geschwister bis zum Aussterben des Pinzgauer Zweiges 1630 bestehen.

Aufspaltung in die Linien Lauterbach, Kaltenberg und Falkenstein[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die beiden erstgeborenen Söhne von Hans III. gingen bemerkenswerte Ehen ein:

  • Der zweite Sohn aus erster Ehe, Hans IV., von 1475 bis 1481 Landrichter in Dachau, ehelichte die uneheliche Tochter Margreth (gest. 1506) des Herzogs Sigmund von Bayern (1439–1501, der von 1460 bis 1467 als Herzog von Bayern-München regierte). Die Ehe blieb kinderlos.
  • Engelmar I. aus der zweiten Ehe von Hans III. setzte die Lauterbacher Hauptlinie fort. Er war mit Dorothea von Adelshofen verheiratet. Engelmars’ I. Sohn Georg oder Jörg (1503–1566) gelang es 1539, Anteile der 4/6-Linie, die mittlerweile zu Kaltenberg saß, zu erwerben. Er war mit einer Tochter des Augsburger Syndikus und Ratskonsulenten Dr. Konrad Rehlinger (1470–1553) verheiratet. Der in Lauterbach zu sehende Hauptbau, eine dreistöckige Zweiflügelanlage mit eingestelltem Treppenturm, geht auf Georg zurück. 1552 kaufte er von Herzog Albrecht V. (reg. 1550–1579) die Herrschaft Falkenstein im unteren Inntal für 10.000 Gulden an.
  • Der zweitgeborene Hanns Christoph erbte Lauterbach und wurde der Stammvater der bis in die Gegenwart blühenden Familie zu Lauterbach und Unterweikertshofen.[1]

Beamte und Soldaten, Domherren und Nonnen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Laufe der Zeit waren viele Hundt als Beamte und Soldaten nicht nur in herzoglich- bzw. kurfürstlich-bayerischen, sondern auch in erzbischöflich-salzburgischen, fürstbischöflich-eichstättischen, kurfürstlich-pfälzischen, habsburgisch-österreichischen und kaiserlichen Diensten. Die Hundt lassen sich vor allem als Pfleger und Landrichter, aber auch im Hofdienst (Hofrat, Hofkammer) der bayerischen Herzöge und Kurfürsten feststellen. Ansonsten führten sie das Leben von landadeligen Hofmarksherrn.

Kirchliche Karrieren waren für die männlichen Abkömmlinge eher selten: Christoph Hundt (gest. 1549) aus der Linie Kaltenberg lässt sich als Domherr in Eichstätt nachweisen.

Töchter finden sich als Nonnen in führenden Positionen in den Klöstern Altenhohenau (Lkr. Rosenheim) (Dominikanerinnen), Frauenchiemsee (Lkr. Rosenheim), Geisenfeld (Lkr. Pfaffenhofen a.d.Ilm), Neuburg an der Donau (Lkr. Neuburg-Schrobenhausen) und im württembergischen Urspring (alle Benediktinerinnen). Im 18. Jahrhundert, unter den Kurfürsten Max Emanuel (reg. 1679–1726), Karl Albrecht (reg. 1726–1745, Kaiser ab 1742) und Max III. Joseph (reg. 1745–1777) und deren Gemahlinnen, gibt es angeheiratete Gräfinnen von Hundt als Fräuleinhofmeisterinnen im Hofstaat der jeweiligen Kurfürstinnen.[1]

Gegenwart[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Familie Hundt zählt zu den wenigen noch aus dem Spätmittelalter herrührenden und blühenden Familien Altbayerns. Zweimal drohte im 20. Jahrhundert das Aussterben der Hauptlinie Lauterbach auf den Schlössern Lauterbach und Unterweikertshofen. Aber Wolf Dietrich Wiguleus und Christoph Maximilian Hundt setzen die Familientradition in den beiden Linien zu Unterweikertshofen und zu Lauterbach fort.[1]

Standeserhebungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Hundt entstammten der Ministerialität und gehörten zum niederen Adel. Seit 1470 war die Familie landsässig und mit Sitz und Stimme im oberbayerischen Landtag auf der Ritterbank vertreten. Am 3. November 1681 wurde Franz Maximilian von Hundt zu Lauterbach und Eisolzried (1662–1706), durch Kurfürst Max Emanuel in den kurbayerischen Freiherrenstand erhoben.

Am 11. Mai 1701 verlieh Kaiser Leopold I. (reg. 1658–1705) ihm und seinen Erben den Reichsgrafenstand. Da die Hundt kein reichsunmittelbares Territorium besaßen, handelte es sich um einen reinen Ehrentitel, also um einen Briefadel. 1703 bestätigte Kurfürst Max Emanuel die Rangerhöhung. Die Hundt durften sich seitdem als "Hund Grafen von und zu Lauterbach" bezeichnen und mit "Wohlgeboren" ansprechen lassen. 1812 wurden die Hundt in die Klasse der inländischen Grafen immatrikuliert, damit entfiel der Reichsgrafentitel.[1]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Stammwappen zeigt in Rot zwei mit einem schwarzen Balken belegte silberne Adlerflügel. Auf dem Helm mit rot-silbernen Decken ein in Rot gekleideter Mohrenrumpf mit silberner Stirnbinde und silbernem Kragen, statt der Arme von den Flügeln des Schildbildes beseitet.

Das gemehrte Wappen ist in vier Felder unterteilt. Das erste und vierte Feld zeigt zwei mit zwei schwarzen Balken belegte silberne Adlerflügel auf rotem Grund. Die übrigen beiden Felder zeigen einen goldenen Hund auf blauem Grund. Der Hund trägt ein Halsband. Über dem Wappen sind drei Helme aufgesetzt. Der zentrale Helm zeigt den rotgekleideten Mohrenrumpf mit silberner Stirnbinde und silbernem Kragen. An Stelle der Arme sind die silbernen Adlerflügel mit zwei schwarzen Balken angesetzt. Das Motiv wird zu beiden Seiten von einem Helm mit je einem goldenen Hund flankiert.

Grabplatte des Eichstätter Kanonikers Christoph Hund von Lauterbach im Mortuarium des Eichstätter Domes

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Magdalena Hundt von Lauterbach (gest. 1554) war von 1547 bis zu ihrem Tod die letzte Äbtissin des Benediktinerinnenklosters Neuburg an der Donau.
  • Christoph Hund von Lauterbach, Kanoniker in Eichstätt, † 1. Dezember 1567 in Eichstätt, Grabplatte im Mortuarium des Eichstätter Domes
  • Wiguleus Hund (auch Wiguläus Hundt; 1514–1588), Jurist und Geschichtsschreiber
  • Barbara Hundt von Lauterbach (ca. 1573–1639) leitete von 1622 bis 1639 als Meisterin das Benediktinerinnenkloster Urspring bei Schelklingen (Baden-Württemberg). Sie baute nach einem Brand von 1622 bis 1627 Kloster und Kirche neu auf und führte mit wechselndem Glück den Konvent durch den Dreißigjährigen Krieg.
  • Hans Wilhelm Hundt (1560–1630), Herr auf Sulzemoos und Odelzhausen, Kämmerer und Pfleger zu Menzing, Gründer des Klosters Taxa
  • Friedrich Hektor Hundt (auch Graf von Hundt, 1809–1881) Geschichtsschreiber, Königlich Kaiserlicher Kämmerer und Ministerialrat

Schlösser der Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e Wilhelm Liebhart Hundt zu Lauterbach (Ausführlich bei den Weblinks)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Graf Friedrich Hektor von Hundt, Wappen und Stämme der Grafen Hundt von Lautterbach im Bezirksamt Dachau, 1864
  • Wiguläus Hundt Bayrisch Stammen-Buch III, mit den Zusätzen des Archivars Libius (Nachdruck Neustadt a.d. Aisch 1999)
  • Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Gräflichen Häuser Band A 1940
  • Handbuch Bayern II 1951
  • Genealogisches Handbuch des Adels, Gräfliche Häuser Band A III 1985

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]