Hundwil

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Hundwil
Wappen von Hundwil
Staat: Schweiz
Kanton: Appenzell Ausserrhoden (AR)
Bezirk: ehemaliger Bezirk Hinterlandw
BFS-Nr.: 3002i1f3f4
Postleitzahl: 9064
Koordinaten: 742081 / 247782Koordinaten: 47° 21′ 56″ N, 9° 19′ 11″ O; CH1903: 742081 / 247782
Höhe: 788 m ü. M.
Fläche: 23,94 km²
Einwohner: 962 (31. Dezember 2015)[1]
Einwohnerdichte: 40 Einw. pro km²
Website: www.hundwil.ch
Hundwil

Hundwil

Karte
Kanton Appenzell Innerrhoden Kanton Appenzell Innerrhoden Kanton St. Gallen Kanton St. Gallen Bezirk Mittelland Bezirk Vorderland Herisau Hundwil Schönengrund Schwellbrunn Stein AR Urnäsch WaldstattKarte von Hundwil
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Hundwil ist eine politische Gemeinde im Hinterland des Kantons Appenzell Ausserrhoden in der Schweiz. Sie liegt an der Strasse zwischen Herisau und Appenzell.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hundwil liegt am Nordfuss der Hundwiler Höhi auf 788 m ü. M..

Auf Hundwiler Gemeindegebiet liegt auch der Säntis (2502 m ü. M.), den Hundwil aber mit anderen Gemeinden teilt. Die Talstation Schwägalp der Luftseilbahn Schwägalp–Säntis gehört auch zur langgezogenen Gemarkung Hundwil.

Die Nachbargemeinden sind im Uhrzeigersinn Urnäsch, Waldstatt, Herisau und Stein AR im Kanton Appenzell Ausserrhoden, Schlatt-Haslen, Gonten und Schwende im Kanton Appenzell Innerrhoden sowie die sanktgallischen Gemeinden Wildhaus und Nesslau-Krummenau.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Historisches Luftbild von Walter Mittelholzer von 1923

Hundwil wurde erstmals 921 unter dem Namen Huntwilare erwähnt. Es ist die älteste Niederlassung östlich des Flusses Urnäsch, die ab etwa 900 von Gotteshausleuten aus St. Gallen urbarisiert und kolonisiert wurde. Unter äbtischer Herrschaft umfasste das Amt Hundwil die Rhoden Hundwil und Urnäsch. Die Schwägalp, die seit 1280 Sweigalpe hiess, gehörte nicht dazu, sondern unterstand ab 1353 direkt dem Hofamt St. Gallen. Wohnsitz der klösterlichen Dienstmannen, der Edlen von Hundwil, war vermutlich der Weiler Sonder. Im dortigen Haus "Burg" sind Mauerreste eines ehemaligen Wohnturms erhalten geblieben. Im Reichsverband gehörte Hundwil zur Vogtei St. Gallen. Ab 1300 verfügte die Rhode Hundwil über eine gewisse kommunale Eigenständigkeit. 1367 verband sie sich zur Abwehr der äbtischen Ansprüche mit Appenzell, 1377 trat Hundwil dem Schwäbischen Städtebund bei, und ab 1401 verfügte es über ein eigenes Siegel. 1401 bis 1429 war Hundwil mit Appenzell und Urnäsch die treibende Kraft in den Appenzeller Kriegen. In diese Zeit fiel auch die politische Neuordnung in eine Obere (Hundwil) und eine Untere Rhode (Stein), die je über eigene Behörden verfügten, sich aber das Gemeindegut und das Rathaus teilten. Urnäsch wurde 1417 eine selbstständige Gemeinde, die in den Appenzeller Kriegen beschlagnahmte Schwägalp kam nach der Grenzbereinigung mit Urnäsch 1480 zu Hundwil. Ab 1607 war das Dorf regelmässig Tagungsort des Grossen und des Kleinen Rats, und 1611 bis 1997 war Hundwil neben Trogen zweiter Landsgemeindeort.

1297 ist mit der Erwähnung eines Vizeleutpriesters die Existenz einer Kirche oder Kapelle nachgewiesen. Sie war eine Filialkirche von St. Laurenzen in St. Gallen, und vor 1380 wurde sie zur selbstständigen Pfarrkirche erhoben mit dem Namen St. Martins-Patrozinium. 1524 setzte der Hundwiler Josef Schumacher an der Landsgemeinde das Kirchhöriprinzip durch, dass jede Kirchgemeinde abstimmen konnte, ob sie beim alten katholischen Glauben bleiben oder zum neuen evangelischen Glauben übertreten wolle. 1525 trat die Gemeinde zur Reformation über, wobei sie innerhalb des Verbands der appenzellischen Rhoden eine führende Rolle einnahm. 1522 bis 1530 und 1543 bis 1567 war der Reformator Walter Klarer evangelischer Pfarrer in Hundwil.[2] Nach der Landteilung 1597 galt im konfessionell gemischten Gebiet von Stechlenegg eine Sonderlösung, die Grenze zwischen Appenzell Ausserrhoden und Appenzell Innerrhoden wurde hier erst 1851 bis 1852 endgültig bereinigt.

Die Lostrennung der Unteren Rhode und die Neugründung der Gemeinde Stein, die 1749 trotz heftigen Protesten der Oberen Rhode erfolgte, leitete den Niedergang Hundwils ein. Die Mehrzahl der vermögenden Hundwiler liess sich in Stein nieder und bürgerte sich dort ein. In Hundwil blieben eher die ärmeren Bevölkerungsteile und eine grosse Zahl auswärtiger Bürger. Die Einwohnerzahl sank von 3.360 vor auf 1.910 nach der Trennung. Dies brachte in den Hungerjahren 1770 und 1817 eine enorme Armenlast, von der sich die Gemeinde erst nach 1860 dank einer Neuordnung der Finanzen sowie verbesserter Verkehrserschliessung erholte.

Flachsanbau und die Herstellung von Leinwandtuchen sind schon seit 1500 bezeugt. 1862 bis 1958 wurden Stickerei und Plattstichweberei betrieben. Die Bleicherei im Gapf hatte bis 1885 Bestand, jene im Befang 1868 bis 1897. Bis um 1850 gab es in Hundwil vier Jahrmärkte.

Eine herausragende Rolle spielte schon immer die Milch- und Alpwirtschaft. Hundwil und Stein waren bis um 1940 Hochburgen der appenzellischen Molkenhändler. Dann verlagerte sich das Schwergewicht allmählich von der Milch- und Käseproduktion auf die Jungviehzucht.

Das Mineralbad war von 1855 bis 1905 in Betrieb. Ab 1895 wurde die Gegend für den Fremdenverkehr attraktiv, es entstanden Ferienkolonien. Der Bau der Säntis-Schwebebahn 1935 begünstigte die Steuereinkünfte der Gemeinde, da die Berg- und die Talstation auf ihrem Gebiet liegen. Seit dem 2. Weltkrieg gilt Hundwil als eher strukturschwache Gemeinde, Vieh- und Milchwirtschaft sowie Holzbau bilden die wichtigsten Erwerbszweige. Im Jahr 2000 waren knapp 40 Prozent der Beschäftigten im 1. Sektor tätig. Um 1900 betrug die Einwohnerzahl 1.523, seither nahm sie laufend ab; 1950 waren es noch 1.290 und im Jahr 2000 1.038 Bewohner.[3]

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung
Jahr Einwohner[4]
1667 1845
1734 3360 (mit Stein)
1794 1910 (ohne Stein)
1850 1500
1900 1523
1950 1290
1980 943
2000 1038
2010 968

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sehenswert ist neben dem hervorragend erhaltenen Ortsbild besonders die reformierte Kirche aus dem 13. Jahrhundert mit gotischen Wandmalereien.

Von den einzigen zwei erhaltenen Brücken Johann Ulrich Grubenmanns befindet sich die 1778 konstruierte Holzbrücke auf dem Gemeindegebiet. Wegen den Sprüchen und Inschriften an den Dachbalken wird sie «sprechende Brücke» genannt.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ständige und nichtständige Wohnbevölkerung nach institutionellen Gliederungen, Geschlecht, Staatsangehörigkeit und Alter. In: bfs.admin.ch. Bundesamt für Statistik (BFS), abgerufen am 29. August 2016.
  2. Andrea Vonlanthen: Mit Steinen gegen Pfarrer Hess, Interview mit Josef Rechsteiner, ideaSpektrum 20. April 2017, Seiten 8-11
  3. Thomas Fuchs: Hundwil In: Historisches Lexikon der Schweiz
  4. Thomas Fuchs: Hundwil In: Historisches Lexikon der Schweiz