Huningue

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Huningue
Huningue (Frankreich)
Staat Frankreich
Region Grand Est
Département (Nr.) Haut-Rhin (68)
Arrondissement Mulhouse
Kanton Saint-Louis
Gemeindeverband Saint-Louis Agglomération
Koordinaten 47° 35′ N, 7° 35′ OKoordinaten: 47° 35′ N, 7° 35′ O
Höhe 242–259 m
Fläche 2,87 km²
Einwohner 7.261 (1. Januar 2019)
Bevölkerungsdichte 2.530 Einw./km²
Postleitzahl 68330
INSEE-Code
Website www.ville-huningue.fr

Rathaus (Hôtel de ville)

Huningue (deutsch Hüningen, seltener Großhüningen[1], im örtlichen Dialekt Hinige, baseldeutsch Hünige) ist eine französische Gemeinde mit 7261 Einwohnern (Stand: 1. Januar 2019) im Département Haut-Rhin im Elsass in der Region Grand Est. Sie gehört zum Arrondissement Mulhouse und zum Kanton Saint-Louis.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Huningue an der linken Seite des Rheins grenzt unmittelbar an Basel in der Schweiz und Weil am Rhein in Deutschland. In Huningue zweigt der Canal de Huningue vom Rhein ab. Rechts des Rheines liegt Kleinhüningen, bis 1907 eine eigene Gemeinde und seither ein Außenquartier von Basel. Die französischen Nachbargemeinden sind Saint-Louis und Village-Neuf.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hüningen wurde erstmals 828 in einer Schenkung an das Kloster St. Gallen erwähnt. Anschließend wechselten die Besitzer noch einige Male. Der Stadt Basel gelang es trotz einiger Anstrengungen nicht, in den Besitz des ehemals habsburgischen Nachbarortes zu gelangen.

Im Jahr 1679 wurde mit dem von Ludwig XIV. an Vauban in Auftrag gegebenen Bau der Festung Hüningen[2] begonnen, die er mit dem Baumeister Jacques Tarade, Verantwortlicher für die Festungen des Elsass, errichtete. In diesem Zusammenhang wurde die Bevölkerung Großhüningens zur Umsiedlung nach Neudorf gezwungen. Noch heute erinnert der Ortsname Village-Neuf, „le village neuf de Grand-Huningue“, an diese Umsiedlung. Ebenfalls mit dem Festungsbau hängt der Lachsfangstreit von 1736/37 zusammen. Dabei ging es vordergründig um Fangrechte, die zwischen den Hüninger und Kleinhüninger Fischern strittig waren, tatsächlich aber um Landbedarf für den Bau eines Brückenkopfes auf dem rechten Rheinufer. Dem Festungskommandanten Jean Charles Abbatucci ist ein Denkmal gewidmet. Er verteidigte die Festung 1796 gegen österreichische Angriffe, verlor dabei aber sein Leben.

Nach dem Wiener Kongress leitete Erzherzog Johann von Österreich die Belagerung und Bestürmung der Vauban-Festung von Hüningen, die sich nach elf Tagen Beschuss am 26. August 1815 zur großen Freude der Basler Bürger ergab.[3] Die Festung wurde danach auf Bitte[4] der Basler Bürger im Winter 1815/16 geschleift.[5]

1883 fanden Bauarbeiter am Rheinbord wenig unterhalb der Schweizer Grenze einen Fundkomplex von Goldmünzen und Ringschmuck aus Gold, in der Literatur fälschlich "Goldfund von Saint-Louis" genannt. Durch die Rheinüberschwemmung im Winter 1882/83 war der grossartige Fund freigelegt worden. Es handelt sich offenbar um eine sakrale Opferung aus der Zeit kurz vor 100 v. Chr. in der unmittelbaren Nachbarschaft zur keltischen Siedlung Basel-Gasfabrik, heute Novartis-Campus.[6]

Bevölkerungsentwicklung
Jahr 1962 1968 1975 1982 1990 1999 2009 2016
Einwohner 4963 5769 6576 6.679 6252 6097 6584 7213

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unter der deutschen Verwaltung wurde 1878 die Bahnlinie von der Leopoldshöhe (Weil am Rhein) nach Saint-Louis gebaut mit einer Brücke über den Rhein und einem Bahnhof in Hüningen. Die Linie sollte einem allfälligen Aufmarsch deutscher Truppen im Elsass dienen[7]. Die Basler Strassenbahn wurde 1910 nach Hüningen verlängert mit der Endstation am Bahnhof. Die Strecke war kriegsbedingt 1914/1915 und 1939–1947 stillgelegt. Die Linie nahm 1947 ihren Betrieb wieder auf, bis sie 1961 durch einen Autobus ersetzt wurde.[8]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Das Musée historique et militaire (Historisches und Militärmuseum) zeigt das militärische Leben der alten Vaubanschen Festung. Es ist untergebracht in einem Haus aus dem 17. Jahrhundert.
  • Die ehemalige Garnisonskirche wurde nach Plänen des Architekten Jacques Tarade, Mitarbeiter von Vauban, errichtet. Sie liegt an der Place Abbattucci und ist heute profaniert. Wegen ihrer Raumakustik ist sie geschätzt als Konzertraum für Kammermusik. Seit 1938 sind Fassade, Glockenturm und Bedachung als Monument historique geschützt.[9]
  • Der Parc des Eaux Vives ist ein Freizeitgelände mit künstlichem Wildwasser, das Kajak- und Kanusport, Rafting und Wildwasserschwimmen erlaubt. Im Verwaltungsgebäude des Wildwasserparks befindet sich eine laufend wechselnde Ausstellung historischer Kanus und Kajaks. Die Sammlung umfasst etwa 120 Boote, von denen jeweils etwa ein Dutzend ausgestellt sind.[10]
  • Die Dreiländerbrücke, eine reine Fußgänger- und Fahrradbrücke über den Rhein, verbindet seit 2007 Huningue mit der deutschen Stadt Weil am Rhein. Sie ist die weltweit längste Bogenbrücke für Fußgänger und Radfahrer und wurde von dem heute in Paris lebenden und arbeitenden österreichischen Architekten Dietmar Feichtinger in Zusammenarbeit mit dem Büro LAP Leonhardt Andrä & Partner (Berlin/Stuttgart) entworfen. Der Name leitet sich vom Dreiländereck Deutschland-Frankreich-Schweiz ab, das sich 200 Meter südlich im Rhein befindet. Nördlich davon verbindet die Palmrainbrücke die beiden Orte für den motorisierten Verkehr und bietet direkten Anschluss an die deutsche Autobahn A 5.
  • Der Triangle ist ein Kulturzentrum mit insgesamt 5540 Quadratmetern Fläche, die sich auf 21 Räume verteilt. Es wurde nach Plänen des Mülhauser Architekten Jean-Marie Martini errichtet und im Februar 2002 eingeweiht. Dort finden zahlreiche kulturelle Veranstaltungen statt; Tanz, Theater, Konzerte, Zirkuskunst, Kabarett, Ausstellungen, auch ist es ein Treffpunkt für die Jugend.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Huningue pflegt seit 1962 Partnerschaften mit der auf der gegenüberliegenden Rheinseite gelegenen deutschen Stadt Weil am Rhein sowie mit Soustons in Aquitanien.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Johann Peter Lamy (um 1760–nach 1838), Maler, Stichverleger und Kunsthändler
  • André-Paul Weber (1927–2016), elsässischer Politiker, Unternehmenschef und Schriftsteller

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Le Patrimoine des Communes du Haut-Rhin. Flohic Editions, Band 1, Paris 1998, ISBN 2-84234-036-1, S. 618–620.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Huningue – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Zeno: Lexikoneintrag zu »Hüningen«. Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 9. Leipzig ... Abgerufen am 30. April 2022.
  2. Historische Karten als Digitalisate 1 und 2 der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf
  3. Jürg-Peter Lienhard: Geschichte von Hüningen
  4. Geschichte bei Geocities (Memento vom 12. Februar 2005 im Internet Archive)
  5. Bericht in der Badischen Zeitung
  6. Andres Furger: Der Goldfund von Saint-Louis bei Basel - Keltische Hortfunde mit Münzen und Ringschmuck im Kontext, 2015 pdf auf www.academia.edu. In der Literatur hat sich aufgrund der früheren Geheimhaltung des Fundes die Bezeichnung "Goldfund von Saint Louis" durchgesetzt, obwohl der Fund am Rheinufer erfolgte und die Gemarkung von Saint Louis nicht bis zum Rheinufer reicht.
  7. Gottlieb Burckhardt, Basler Heimatkunde 2. Bd., Basel 1927, S. 46
  8. www.tram-basel.ch - Aktuell. Abgerufen am 23. Februar 2022.
  9. Eintrag Nr. IA00024495 in der Base Mérimée des französischen Kulturministeriums (französisch)
  10. Alexandra von Ascheraden: Bei den Bootsbau-Pionieren im Elsass. In: bz - Zeitung für Basel. 30. September 2020, abgerufen am 7. Oktober 2021.