Hunsrücker Knochenflickerfamilie Pies

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Die Hunsrücker Knochenflickerfamilie Pies war eine ab der frühen Neuzeit bis zum Ende des 20. Jahrhunderts im Hunsrück wirkende Familie in Heilberufen, deren bekannteste Personen als Chiropraktiker, also als „Knocheneinrenker“, bekannt wurden. Die Familie bringt auch heute noch viele Mediziner hervor.

Ursprünge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als frühester Vertreter auf dem Hunsrück lässt sich im Dreißigjährigen Krieg der Pfalz-Neuburgische Regimentsfeldscher Diederich Pies ausmachen, der 1666 in Mannebach verstarb. Er stammte, wie auch sein Halbbruder Wilhelm Pies der ebenfalls Arzt war, aus einer Klevischen Familie die zuletzt in Amsterdam lebte. Von seinen Nachkommen mit Namen Pies sind in neuerer Zeit zwischen 1907 und 1978 allein 13 medizinische Dissertationen zu finden.[1] Die Nachkommen lebten in Sabershausen, Dorweiler und Dommershausen.[2]

Pies-Museum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das vom Arzt und Historiker Eike Pies im ehemaligen Pfarrhaus von Dommershausen gegründete und betriebene Vorderhunsrück-Museum dokumentiert die Geschichte der Hunsrücker Knochenflicker.

Letzte Vertreter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Peter Pies (* 1875 in Dorweiler; † 1962 in Emmelshausen)[3] praktizierte ab 1908 in einem Raum seiner neu erbauten Gastwirtschaft an der gerade eröffneten Hunsrückbahn in Emmelshausen. Sein Haus am Bahnhof war eins von den zwei ersten Häusern der Bahnhofssiedlung. Die Gemeinde stiftete eine Bronzeplastik der Künstlerin Jutta Reiss,[4] die am 5. April 2009 vor dem Stammhaus enthüllt wurde.[5]
  • Jakob Pies (* 1877 in Dorweiler; † 1941 ebenda), Bauer und Knochenflicker war der letzte seines Standes in Dorweiler. Sein Sohn starb früh, und er hatte noch drei Töchter. Werner Helwig hat ihm in seiner Erzählung: Der Äskulap des Hunsrück ein literarisches Denkmal gesetzt. (Auch in: Richter und Knochenflicker)[6]
  • Jakob Pies (* 1860 in Dorweiler; † 1920 in Kappel) hatte nach Kappel in einen kleinen Bauernhof eingeheiratet. Er und sein Sohn Robert (1902–1973)[7] waren die letzten echten Knochenflicker, die dies neben ihrem Hauptberuf, in diesem Fall Bauer, ausübten. Roberts Bruder Franz und nach ihm dessen Sohn Franz-Georg waren Ärzte in Kastellaun.[8]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Eike Pies (Hrsg.): Der Pies hilft in Knochen, die Pies in den Wochen: eine sprichwörtliche Familie im Spiegel der Literatur; Begriffe und Redensarten, Legenden und Anekdoten, Gedichte und Erzählungen, Stickelcher und Romane, Anmerkungen und Urkunden über eine sprichwörtliche Familie. Brockhaus, Wuppertal 2011, ISBN 978-3-930132-29-4.
  • Eike Pies: Richter und Knochenflicker. 600 Jahre aus der Chronik der Familie Pies 1372–1972. (Enthält auch Der Äskulap des Hunsrücks) Henn, Ratingen 1972, DNB 720168252.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. A. Prinz: Willem Piso, Begründer der wissenschaftlichen Tropenmedizin. Online bei landesmuseum.at
  2. Die Sabershausener Linie (Memento des Originals vom 17. Februar 2014 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/gw.geneanet.org
  3. Peter Pies bei gedbas.genealogy.net
  4. Objekt bei jutta-reiss.de
  5. Archiv Rhein-Zeitung vom 3. April 2009
  6. Daten bei gedbas.genealogy.net
  7. Vorfahren Robert Pies bei gedbas.genealogy.net
  8. Eduard Pies (Franz Pies: * 1896 in Kappel; † 1954 in Kastellaun)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]