Hunters (2020)

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Seriendaten
Deutscher TitelHunters
OriginaltitelHunters
ProduktionslandVereinigte Staaten
OriginalspracheEnglisch
Jahr2020
Produktions-
unternehmen
Monkeypaw Productions,
Big Indie Pictures,
Sonar Entertainment
LängeEp. 1: 90 Minuten,
Ep. 2–10: 60 Minuten
Episoden10 in 1 Staffel
GenreDrama, Fantasy, Thriller, Naziploitation
IdeeDavid Weil
ProduktionKris Baucom, Jerry Kupfer
MusikCristobal Tapia de Veer
Erstveröffentlichung21. Februar 2020 auf Prime Video
Deutschsprachige
Erstveröffentlichung
21. Februar 2020 auf Prime Video
Besetzung
Synchronisation

Hunters ist eine US-amerikanische Fernsehserie, die 2020 begonnen hat und auch auf Deutsch erschienen ist. Sie erzählt in zehn Episoden eine fiktive Geschichte und handelt von der namensgebenden Gruppe, die in den USA der 1970er Jahre Nazis jagt, um sie von der weiteren Infiltration der US-Gesellschaft abzuhalten und sich an ihnen für ihre Verbrechen zu rächen. Kritisiert wurde die Serie unter anderem von der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Serie spielt in New York City im Jahr 1977 und erzählt eine fiktive Geschichte. Nazis, die sich ihrer Bestrafung für ihre Verbrechen während des Zweiten Weltkriegs entzogen haben, sind in den Vereinigten Staaten dabei, US-amerikanische Institutionen zu infiltrieren, darunter auch die US-Regierung, mit dem Ziel, ein „Viertes Reich“ aufzubauen. Dazu begehen sie zahlreiche Morde an jüdischen Bürgern, darunter auch an der Großmutter von Jonah Heidelbaum. Verbittert über den Mord, schließt sich Jonah den sog. „Hunters“ an, einer Gruppe, die von dem Holocaust-Überlebenden Meyer Offerman angeführt wird. Die Gruppe kämpft rachsüchtig gegen die Nazis und lässt sie dazu jeweils auf eine Art und Weise sterben, die ihr Vergehen reflektiert. Zum Beispiel ermordet die Gruppe eine ehemalige deutsche Chemikerin in einer Dusche, umgebaut zu einer Gaskammer.

Besetzung und Synchronisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptdarsteller[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rolle Darsteller Synchronsprecher[1]
Jonah Heidelbaum Logan Lerman Patrick Keller
Millie Moris Jerrika Hinton Rubina Kuraoka
The Colonel Lena Olin Traudel Haas
Murray Markowitz Saul Rubinek Pierre Peters-Arnolds
Mindy Markowitz Carol Kane Heidrun Bartholomäus
Lonny Flash Josh Radnor Leonhard Mahlich
Travis Leich Greg Austin Konrad Bösherz
Roxy Jones Tiffany Boone Lara Trautmann
Joe Mizushima Louis Ozawa Alexander Doering
Schwester Harriet Kate Mulvany Cathlen Gawlich
Biff Simpson Dylan Baker Bernd Vollbrecht
Meyer Offerman Al Pacino Frank Glaubrecht

Nebendarsteller[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rolle Darsteller Synchronsprecher[1]
Sherman „Cheeks“ Johnson Henry Hunter Hall Julius Jellinek
Wilhelm Zuchs Christian Oliver
Tobias Jonno Davies
Maria De La Ruiz Julissa Bermudez
Katarina Löw Megan Channell
Ruth Heidelbaum Jeannie Berlin Isabella Grothe
Carol Lockhart Ebony Obsidian Lea Kalbhenn
Meyer Offerman (jung) Zack Schor
Ruth Heidelbaum (jung) Annie Hägg Patrizia Carlucci

Entstehung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Filmemacher und Oscarpreisträger Jordan Peele, bekannt für den Horrorfilm Get Out, wirkte maßgeblich daran mit, dass die Serie von Amazon aufgegriffen wurde.[2] Die Idee zur Serie hatte allerdings der Schauspieler David Weil und wurde auch durch die Geschichte seiner Großmutter inspiriert, einer Überlebenden der Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau und Bergen-Belsen. Entsprechend seiner Aussage hätten die Erzählungen seiner Großmutter auf ihn im Kindesalter wie Kämpfe zwischen Gut und Böse gewirkt, wie sie für Comics und Superheldengeschichten charakteristisch sind. Aus diesem Grund verweist die Serie an etlichen Stellen auf Comics.[3] Als weitere Inspirationsquelle für die Serie nannte Weil Steven Spielbergs Spielfilm München.[4]

Veröffentlichung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alle zehn Episoden wurden am 21. Februar 2020 bei Amazons Subscription-Video-on-Demand-Dienst Prime Video veröffentlicht, in Deutschland auch als deutsche Synchronfassung.[5]

Episodenliste[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nr. Deutscher Titel Original­titel Regie Drehbuch
1 Im Bauch des Walfisches In the Belly of the Whale Alfonso Gomez-Rejon David Weil
2 Das Trauer-Kaddisch The Mourner’s Kaddish Wayne Yip David Weil
3 Erscheinungen While Visions of Safta Danced in His Head Wayne Yip Nikki Toscano
4 Fromme Diebe The Pious Thieves Nelson McCormick Mark Bianculli
5 Nachts sind alle Vögel schwarz At Night, All Birds are Black Dennie Gordon David J. Rosen
6 (Ruth 1:16) (Ruth 1:16) Millicent Shelton Zakiyyah Alexander
7 Shalom, Schweinebacke Shalom Motherf***er Nelson McCormick Eduardo Javier Canto, Ryan Maldonado
8 Die Judenfrage The Jewish Question Michael Uppendahl David Weil, Charley Casler
9 Das gute alte Nazi-Grillen von ’77 The Great Ole Nazi Cookout of ’77 Nelson McCormick Nikki Toscano
10 Eilu v’Eilu Eilu v’ Eilu Michael Uppendahl David Weil

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Interpretation und Analyse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kritiker verglichen die Serie mit dem Spielfilm Inglourious Basterds. Sie wirke, so etwa Felicitas Kleiner im Filmdienst, mit ihrem „grellbunten, burlesk-brutalen Umschreiben der Geschichte“ ähnlich wie der Film und „wie eine Teenager-Fantasie, die auf die Konfrontation mit den Gräuel der NS-Zeit reagiert, indem sie sie ins popkulturelle Koordinatensystem einordnet.“[6]

Der Serie wurde zugeschrieben, mit Blick auf Versäumnisse bei der juristischen Verfolgung von NS-Verbrechen und der Mitverantwortung der Vereinigten Staaten Gesellschaftskritik zu üben. Diese äußere sich, so Kleiner, zum Beispiel in einer Reminiszenz an die Operation Paperclip.[6]

Der Kritiker des Magazins Esquire äußerte sich überzeugt davon, dass das Simon Wiesenthal Center als Vorbild für die Nazijäger-Gruppe in der Serie diene, auch, weil es im Jahr 1977 gegründet wurde, in dem die Handlung spielt. Zudem sei die von Pacino verkörperte Figur wahrscheinlich durch Simon Wiesenthal inspiriert.[7]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Serie erhielt ambivalente Kritiken. Das zeigt sich auch an Zustimmungswerten von 63 beziehungsweise 55 Prozent, die die Bewertungsaggregatoren Rotten Tomatoes und Metacritic basierend auf überwiegend englischsprachigen Kritiken berechnet haben (Stand: 7. März 2020).[8]

Die Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau kritisierte die Serie via Twitter dafür, historisch inakkurat zu sein, und verwies dazu auf die auch im Vorspann enthaltene Rückblende auf das Konzentrationslager Auschwitz, in der sich jüdische Häftlinge, eingesetzt als lebendige Schachfiguren, gegenseitig töten müssen. Die Szene sei eine „gefährliche Dummheit“ und eine „Karikatur“ und würde „künftige Leugner“ animieren. In einer veröffentlichten Stellungnahme auf die Kritik erwiderte Serienschöpfer David Weil, dass symbolische Repräsentationen dabei helfen würden, die Erfahrungen der Shoah besser zu verstehen, und, dass die Serie nie als Dokumentation gedacht war.[9] Auch zahlreiche andere Kritiker beanstandeten die Serie wegen der Schachspiel-Szene. Der Kritiker der Zeitung The Jewish Week zum Beispiel äußerte sich diesbezüglich mit dem Wort „inakzeptabel“.[10]

Dem Journalisten Jürgen Schmieder gefiel in der Süddeutschen Zeitung nicht, dass die Serie zu Vieles gleichzeitig sein wolle, darunter eine Rachefantasie ähnlich Inglorious Basterds, ein Nazi-Thriller wie The Boys from Brazil und eine Action-Superhelden-Serie; jedoch scheitere sie in diesem Anspruch und sei „am Ende gar nichts“.[11] Zu einer ähnlichen Einschätzung kam Oliver Kaever im Spiegel, demzufolge die Serie ein „Kreativunfall“ sei und nach der Pilotepisode zu unklar bleibe, was sie eigentlich wolle. Die Reflexion der Serie über die Rechtmäßigkeit von Selbstjustiz wirke „wie angeklebt“ und die Serie gehe „fahrlässig“ und lapidar mit dem Holocaust um.[2] Hingegen meinte der Filmdienst, der die Serie mit drei von fünf möglichen Sternen bewertete, dass die Serie „die realen Schrecken des Holocaust präsent“ halte. Zudem trete sie mit ihrer multiethnischen Besetzung lobenswerterweise für Diversität ein.[5]

Unzufrieden äußerte sich auch der Journalist Mike Hale in der New York Times. Die Serie wirke „underwritten“ (auf Deutsch etwa: „unterentwickelt“) und erreiche nie die „Mischung aus dramatischer Intensität, Comic-ähnlicher Ausschmückung und kathartischer Action“, die sie anzustreben scheine. Ihre Schauspieler wirkten mit Ausnahme von Greg Austin ungenügend ausgelastet.[12]

Der Kritiker der israelischen Tageszeitung Haaretz äußerte sich zwiegespalten: Einerseits wirke Hunters zu oft wie ein Aufsatz eines jüdischen Jungen, der zum ersten Mal von den Schrecken der Vernichtungslager erfahren habe und mittels jüdischer Superhelden fiktiv Rache üben wolle. Andererseits verdiene die Serie Beifall dafür, dass sie auf die Themen Weiße Vorherrschaft und Antisemitismus aufmerksam mache.[13]

Positiv äußerten sich Kritiker mancher britischer Medien. David Craig etwa vergab, basierend auf der Pilotepisode, in der RadioTimes vier von fünf möglichen Sternen und hob hervor, dass selbst die drastischsten Momente nicht überflüssig wirkten, sondern der Geschichte dienten und oft später noch unerwartete Bedeutung erführen.[14] Die gleiche Bewertung vergab Hugh Montgomery in einer Kritik auf der BBC-Webseite. Er meinte, dass die Serie bewegend und provokativ sei und zeige, dass der Faschismus nie weit weg sei.[15]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Hunters in der Deutschen Synchronkartei
  2. a b Oliver Kaever: Batman und das »Vierte Reich«, in: Der Spiegel Nr. 9 vom 22. Feb. 2020, S. 123
  3. Karl Gedlicka: Nazi-Jagd mit Comic-Brille: Neue Amazon-Serie "Hunters", in: Der Standard vom 21. Feb. 2020, abgerufen am 6. März 2020
  4. Gabe Friedman: Murder or mitzvah? Amazon’s ‘Hunters’ grapples with the morality of Jews killing Nazis., in: Jewish Telegraphic Agency vom 21. Feb. 2020, abgerufen am 7. März 2020
  5. a b Hunters. In: Lexikon des internationalen Films. Filmdienst, abgerufen am 6. März 2020.Vorlage:LdiF/Wartung/Zugriff verwendet  (Kurzkritik)
  6. a b Hunters. In: Lexikon des internationalen Films. Filmdienst, abgerufen am 6. März 2020.Vorlage:LdiF/Wartung/Zugriff verwendet  (Langkritik von Felicitas Kleiner)
  7. Tom Nicholson: Is Amazon's Al Pacino And Jordan Peele Drama 'Hunters' A True Story?, in: Esquire vom 17. Feb. 2020, abgerufen am 7. März 2020
  8. Hunters bei Rotten Tomatoes, Hunters bei Metacritic, abgerufen am 7. März 2020
  9. Jordan Moreau: ‘Hunters’ Slammed by Auschwitz Memorial for ‘Dangerous’ Historical Inaccuracy, in: Variety vom 23. Feb. 2020, abgerufen am 6. März 2020, Originalzitate in selber Reihenfolge: „dangerous foolishness“, „caricature“, „future deniers“
  10. Andrew Silow-Carroll: ‘Hunters’ Plays Unacceptable Games with the Truth, in: The Jewish Week vom 3. März 2020, abgerufen am 10. März 2020
  11. Jürgen Schmieder: "Die beste Form der Rache? Rache!", in: Süddeutsche Zeitung vom 27. Feb. 2020, abgerufen am 6. März 2020
  12. Mike Hale: Nazis, in Amazon’s ‘Hunters’, in: The New York Times vom 19. Feb. 2020, Originalzitat: „blend of dramatic intensity, comic-book embroidery and cathartic action“
  13. Adrian Hennigan: Amazon’s ‘Hunters’ Is a Total Mess – but Here’s Why You Should See It, in: Haaretz vom 26. Feb. 2020, abgerufen am 7. März 2020
  14. David Craig: Hunters review: Al Pacino’s new Amazon series takes itself seriously – and that’s a good thing, in: RadioTimes vom 19. Feb. 2020, abgerufen am 7. März 2020
  15. Hugh Montgomery: Nazi-killing series Hunters shows fascism is never far away, in: BBC vom 21. Feb. 2020, abgerufen am 7. März 2020