Hussein Chalayan

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Hussein Chalayan (Hüseyin Çağlayan), 2006
Kleider von Hussein Chalayan im Design Museum London, 2009

Hussein Chalayan (türk.: Hüseyin Çağlayan), MBE (* 1970 in Nikosia, Zypern) ist ein britischer Modeschöpfer türkisch-zypriotischer Herkunft, Unternehmer und Konzept-Künstler. Chalayan gilt gemeinhin als äußerst kreativer Modemacher mit intellektuellem Anspruch und Hang zur Avantgarde.[1][2]

Leben[Bearbeiten]

Der Sohn türkisch-zypriotischer Eltern wuchs zunächst in Zypern auf, zog allerdings 1978 mit seiner Familie nach England und lebt seit 1982 in London. Chalayan absolvierte 1993 ein Design-Studium am Londoner Central Saint Martins College of Art and Design und gründete nach einem Praktikum bei dem Savile Row Schneider Timothy Everest 1994 unter dem Namen Cartesia Ltd. sein eigenes Modeunternehmen in London. Mit Metallspänen gespickte Seidenkleider seiner “The Tangent Flows” genannten Abschlussarbeit am Saint Martins College hatte er in einer rituellen Zeremonie für einige Monate in der Erde vergraben, um den Zersetzungsprozess aufzuzeigen. Das Londoner Edelkaufhaus Browns stellte Teile dieser Kollektion daraufhin in dessen Schaufenstern aus. 1995 gewann Chalayan einen von dem Wodka-Hersteller Absolut Vodka gesponserten Wettbewerb, dessen Preisgeld um die £30.000 betrug. So konnte Chalayan seine Mode ab 1995 bei der London Fashion Week präsentieren. Die Sängerin Björk trägt auf dem Cover ihres Albums Post (Album) (1995) eine weiße Chalayan-Jacke aus papierartigem Material und modelte für den Designer auf einer seiner ersten Modenschauen 1995.

Chalayans gänzlich unkonventionelles, sehr experimentierfreudiges künstlerisches Hervorbringen überzeugte die Fachleute aus der Kunstszene und aus der Modebranche gleichermaßen, so dass er für mehrere internationale Ausstellungen in Museen gebucht wurde und zwei Jahre hintereinander, 1999 und 2000, den Titel Designer of the Year der British Fashion Awards verliehen bekam. Seine Modenschauen, für die Chalayan sich von der Welt der Kunst, Politik, Architektur, Zeitgeschichte oder der Natur inspirieren lässt, waren von Anfang an geprägt von seinem intellektuellen Anspruch und glichen mitunter konzeptionellen Performances.[3] So zeigte er 1998 in Anspielung auf den Islam in seiner Laufstegschau weibliche Models, die von voll verhüllt in einen Tschador gekleidet über mit verhülltem Oberkörper und nacktem Unterkörper auftretend bis hin zu außer einem Gesichtsschleier völlig nackt auf dem Laufsteg erschienen. Im Jahr 2000 stieg am Ende einer seiner Modenschauen ein Model in einen Couchtisch und zog ebenjenen als Teleskoprohr-Rock an. 2001 zeigte er unter dem Namen Airmail Dress ein zusammenfaltbares Origami-Kleid. 2007 präsentierte Chalayan ein aus transparenten Plastikbällen bestehendens Bubble Dress und in Zusammenarbeit mit Swarovski LED-Kleider, auf deren Oberfläche ein kurzer Film abgespielt wurde. 2008 präsentierte er Kleider, von denen rote Laser-Strahlen ausgingen.

Ende der 1990er Jahre gab es Zusammenarbeiten mit Topshop und Anfang der 2000er mit Marks & Spencer. 1998 verpflichtete der New Yorker Kaschmir-Spezialist TSE Chalayan als Designberater. Sein Vertrag lief 2001 aus. Aufgrund von Produktionsschwierigkeiten und hohen Schulden meldete Chalayans Modeunternehmen Cartesia Ltd. 2001 Insolvenz an. Ein Deal über eine Beteiligung an seinem Unternehmen durch die damalige Gucci-Gruppe war zuvor durchgefallen. Daraufhin lancierte er ein neues Unternehmen unter seinem eigenen Namen als Hussein Chalayan LLP und schloss mit dem italienischen Textilhersteller Gibó einen Vertrag über die Produktion seiner Damenmode. Noch im gleichen Jahr stellte der Londoner Juwelier Asprey Chalayan als Kreativdirektor für eine neue Asprey-Bekleidungslinie an. Chalayan schied 2004 bei Asprey aus; die Modesparte des Hauses wurde eingestellt.

2002 verlagerte Chalayan die Präsentation seiner Modenschauen nach Paris zur Paris Fashion Week. Im gleichen Jahr brachte er zusammen mit Gibó seine erste Herrenmode-Kollektion heraus, die allerdings 2006 vorübergehend eingestellt und erst 2014 neu lanciert wurde. Im April 2004 eröffnete in Tokio ein Chalayan-Flagshipstore. Am 17. Juni 2006 wurde Chalayan für seine Verdienste um die britische Modeindustrie als Mitglied in den Order of the British Empire aufgenommen. 2007 vergab Chalayan die Rechte für seine Herrenmode an den italienischen Internet-Modehändler YOOX. Die Zusammenarbeit endete 2008.

Am 28. Februar 2008 machte die Puma AG Chalayan zum Kreativdirektor der Puma-Modesparte. In der Folge entstanden die Bekleidungs- und Schuh-Kollektionen Puma by Hussein Chalayan und Puma Urban Mobility. Im Gegenzug erwarb die damalige Muttergesellschaft von Puma, PPR (heute: Kering), eine Mehrheitsbeteiligung an der Marke Hussein Chalayan. Daraufhin stellte Puma den Manager Giorgio Belloli als Geschäftsführer der Hussein Chalayan LLC ab. 2009 kaufte Chalayan die Anteile an seiner Firma von PPR zurück. Sein Engagement bei Puma endete im Mai 2012.

Anfang der 2010er Jahre existierte von Chalayan neben der Black-Hauptkollektion eine preiswertere Zweitlinie namens Grey und für den japanischen Markt eine Kollektion unter dem Namen Red. Die Unterteilung wurde 2013 aufgegeben. Seither existiert lediglich eine einzige Damenmodelinie als Hauptkollektion. 2008 gab es eine Zusammenarbeit von Chalayan mit dem Strumpf-Hersteller Falke. 2009 entwarf Chalayan drei Jeansmodelle für den kalifornischen Denim-Hersteller J Brand Jeans. Mitte 2011 strich der Firmengründer seinen Vornamen aus dem Unternehmensnamen, der seither nur noch Chalayan lautet. 2011 lancierte er in Zusammenarbeit mit Comme des Garçons das Damenparfüm Airborne. 2012 entwarf Chalayan für den türkischen Jeans-Hersteller Mavi eine Damenkollektion. 2013 ging die Produktionslizenz für die Chalayan-Damenmode an den italienischen Textilhersteller Pier SpA. Anfang 2014 bestellte die Eigentümerin und Kreativdirektorin des französischen Modehauses Vionnet, Goga Ashkenazi, Chalayan zum Designer der hauseigenen Demi-Couture-Damenmodelinie. Ende 2014 ging Chalayan unter dem Namen VSP Chalayan eine über mehrere Saisons angelegte Zusammenarbeit mit dem in Paris ansässigen türkischen Lederhersteller VSP (Vespucci Group) über Damenmode aus Leder ein.

Ausstellungen[Bearbeiten]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Barbera van Kooij und Sue-An van der Zijpp (Hrsg.): Hussein Chalayan - Essays Caroline Evans et al., NAI Publ., Rotterdam 2004. 191 S. ISBN 90-5662-443-1.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Der Konzeptkünstler unter den Modeschöpfern, art-magazin.de, 22. Januar 2009
  2. Mind over material, theguardian.com, 24. September 2000
  3. Designer-ABC: Chalayan, Hussein, faz.net, abgerufen: 14. Juni 2015

Quellen[Bearbeiten]