Huthi

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Huthi-Flagge
Slogan der Huthis an einem Haus in Yafaa: „Gott ist groß! Tod den USA! Tod Israel! Verdammt seien die Juden! Sieg dem Islam!“[1]

Die auch als Ansar Allah (arabisch أنصار الله, DMG anṣār allāh ‚Helfer Gottes‘) bekannte politisch-militärische Bewegung der Huthi (von arabisch الحوثيون, DMG al-Ḥūṯiyyūn) ist eine Bürgerkriegspartei im Jemen. Gegründet wurde sie in erster Linie von dem religiösen und politischen Führer Hussein Badreddin al-Huthi (1956–2004), nach dem sie benannt wurde.[2] Die Huthi gehören den Zaiditen, einer schiitischen Gruppierung mit eigener Rechtsschule, an. Seit 2015 sind sie de facto die Machthaber des Jemen. Die USA beschuldigen den Iran, die Huthi zu unterstützen,[3] was der Iran zurückweist.[4]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Zaiditen treten für den Erhalt des zaidistischen Glaubens ein. Sie bilden eine eigene Rechtsschule und herrschten seit dem 9. Jahrhundert in der südwestlichen Region der arabischen Halbinsel, wo ihre Imame als Könige bis zur Revolution 1962 über Jemen, den späteren „Nord-Jemen“, mit der Hauptstadt Sanaa herrschten. Bis 1970 bekämpften sie die republikanische Regierung in Sanaa.

1994 bis 2000[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erste schiitische Kampfgruppen bildeten sich 1994 im Zuge des Bürgerkriegs im Jemen, als die saudisch-wahhabitische Regierung die Abspaltung des Südens (früher Volksdemokratische Republik Jemen) unterstützte. Die beidseits von Sunniten eingeengten Schiiten griffen damals jedoch kaum in die Kämpfe ein.

2001 bis 2010[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Konflikt der Huthi mit der Regierung entwickelte sich jedoch zehn Jahre später und besteht seit Sommer 2004.[5] Die Milizionäre überwarfen sich mit der Regierung, weil sie separatistische Bestrebungen verfolgten. Nach 42 Jahren steuerten sie wieder ein eigenes Imamat an.[6] Daraufhin entbrannten schwere Kämpfe, als die Regierung versuchte, den Prediger und ehemaligen Abgeordneten Hussein al-Huthi zu verhaften. Hussein und seine Brüder Abdul-Malik und Yahia Badreddin waren damals die bedeutendsten Vertreter der Zaiditen im Nordjemen.[7]

Bei einer großen Demonstration am 18. Juni 2004 vor der Hauptmoschee in Sanaa hatte die Polizei 640 Anhänger al-Huthis verhaftet und am 20. Juni 55.000 Dollar Kopfgeld auf ihn ausgesetzt. Nach zahlreichen Morden und wochenlangen Kämpfen kam al-Huthi am 14. September auf nicht ganz geklärte Weise ums Leben. Die Führung der Huthi übernahmen daraufhin der Vater des Getöteten, Imam Badr Addin Al-Huthi und diesen wiederum ablösend, sein Bruder Abdul-Malik.[8] Sie verfuhren dabei mit einer an die schiitischen Hisbollah im Südlibanon erinnernde Guerilla-Taktik, angeblich unterstützt aus dem Iran.[9]

Hauptartikel: Huthi-Konflikt

Im August 2009 begannen jemenitische Streitkräfte eine neue Offensive gegen die Rebellen der Provinz Sa'da, die über 100.000 Menschen in die Flucht trieb. Der in westlichen Medien kaum erwähnte Konflikt nahm jedoch internationale Dimension an, als es im November an der Grenze zu Zusammenstößen zwischen den Rebellen und Saudi-Arabien kam, wobei auch die USA mit Luftangriffen intervenierten.[10] Anfang 2010 erklärten die Huthi-Rebellen eine einseitige Waffenruhe, die im Februar 2010 seitens der Zentralregierung für das Land bestätigt wurde.

2010 bis 2014[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach gescheiterten Friedensvereinbarungen kam es im Laufe des Jahres 2012 erneut zu einem, diesmal landesweiten Bürgerkrieg. Als nach den Wahlen vom Februar 2012 der seit 34 Jahren herrschende Präsident Salih zurücktrat, verlor sein Nachfolger Mansur Hadi bald die Kontrolle über seinen Machtapparat, und einzelne Generäle begannen, mit ihren Truppen auf eigene Faust zu kämpfen.[11] Dennoch eroberten die vom Norden kommenden Huthi-Milizen nach der Hauptstadt Sanaa auch die wichtige Hafenmetropole Hudeida und stießen dabei in den Küstenregionen mit den von Osten kommenden Al-Qaida-Kämpfern zusammen. Die Kämpfe nahmen im Herbst 2014 noch an Heftigkeit zu.

Trotz der US-Drohnenangriffe auf den jemenitischen Al-Qaida-Ableger gelang es diesem 2014, die Provinzhauptstadt Ibb und Gebiete westlich davon einzunehmen.

Seit 2015[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Februar 2015 lösten die Huthi-Machthaber, die sich selbst Shabab Al Mu'mineen (übersetzt etwa: Gläubige Jugend) nennen, das Parlament Jemens auf und erklärten, dass das „Revolutionskomitee“ nun die Macht über das Land übernehmen werde.[12] Der abgesetzte jemenitische Präsident Jabed Rabbo Mansur Hadi stand nach der Machtübernahme durch die Huthi-Milizen in der Hauptstadt unter Hausarrest. Es gelang ihm aber die Flucht nach Aden bzw. Saudi-Arabien, welches ihm Asyl gewährt.[13]

Seit März 2015 flog die so genannte arabische Militärallianz in einer Militärintervention im Jemen mehr als 2000 Angriffe auf die Huthi-Milizen[14] und warf dem Iran zugleich militärische Unterstützung der Huthi vor. Ob Iran tatsächlich Einfluss auf die Huthi hat, ist umstritten und wird vom Iran dementiert.[15]

Der Versuch der US-saudi-arabischen Allianz, ihre vom Ausland aus in den Jemen getragenen Angriffe nachträglich durch ein UN-Mandat legitimieren zu lassen, ist bislang im UN-Sicherheitsrat auf keine Resonanz gestoßen.[16] Der UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sowie der Iran forderten hingegen eine sofortige Einstellung der Angriffe und die Wiederaufnahme von Friedensverhandlungen.[17]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ariela Groß: Jemens bedingungslose Kapitulation. Präsident Hadi wird nur noch durch die internationale Gemeinschaft gestützt. Zur Freude eines gewissen Ali Abdullah Salehs… In: Referat Internationale Politikanalyse der Friedrich-Ebert-Stiftung (Hrsg.): ipg-journal. 29. September 2014.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Benjamin Wiacek: In Pictures: The scars of North Yemen's wars. In: aljazeera.com. 2. Juli 2012, abgerufen am 16. April 2015.
  2. Abgleiten in die Anarchie, 12. Juni 2015, FAZ, Abruf 8. Juni 2016
  3. TAZ.de "Staatskrise im Jemen - Huthi-Rebellen ergreifen die Macht"
  4. welt.de "Teheran weist aber den Vorwurf zurück"
  5. A. Barak Salmoni, Bryce Loidolt, Madleine Wells, Regime and Periphery in Northern Yemen. The Huthi Phenomenon. Santa Monica, 2010
  6. Sarah Phillips, Cracks in the Yemini System, in Middle East Report, 28. Juli 2005
  7. Profile: Yemen's Houthi fighters. Al Jazeera, 12. Juli 2009
  8. April Longley/Abdul Ghani al-Iryani, Fighting brushfires with Batons: An Analysis of the political crisis in Soth Yemen., Seite 1–13, in The Middle East Institute Policy Brief, No7, February 2008
  9. Johannes Krug, Ein Ausdruck der Krise, 2009
  10. Olivier Guitta: Iran and Saudi Arabia drawn to Yemen, Asia Times Online, 11. November 2009
  11. Michael Schmölzer: Jemenitischer Albtraum. Arabischer Frühling mündete direkt ins Chaos: Al-Kaida und schiitische Rebellen bekämpfen einander - hunderte Tote. Wiener Zeitung 22. Oktober 2014, S. 7
  12. Schiitische Rebellen übernehmen die Macht im Jemen, 7. Februar 2015
  13. Abgesetzter Präsident aus Sanaa geflohen ZEIT.de http://www.zeit.de/politik/ausland/2015-02/jemen-hadi-hausarrest-flucht abgerufen am 21. Februar 2015
  14. Im Jemen wird weiter gekämpft (Memento vom 24. April 2015 im Internet Archive), 22. April 2015
  15. Spiegel online vom 6. April 2015: Gefechte im Jemen - "Aden ist eine Geisterstadt"
  16. jemen-mandat-zum-einmarsch SZ http://www.sueddeutsche.de/politik/jemen-mandat-zum-einmarsch-1.2469442 abgerufen am 7. Mai 2015
  17. ZEIT.de Ban Ki Moon forderte eine Wiederaufnahme der Friedensverhandlungen http://www.zeit.de/politik/ausland/2015-04/jemen-iran-huthi-rebellen-luftangriffe abgerufen am 12. April 2015