Hvaldimir

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Im Hafen von Hammerfest
Hinweistafel zu Hvaldimir

Hvaldimir ist ein Belugawal, der sich im April 2019 im Norden Norwegens wiederholt Fischern näherte; offensichtlich war das Tier an Menschen gewöhnt. Der Wal trug ein Geschirr mit Kamerahalterung und dem Aufdruck „Ausrüstung St. Petersburg“ in englischer Sprache. Es wurde spekuliert, dass der Wal von der russischen Marine zu Spionagezwecken ausgebildet worden war. In einer Abstimmung im Internet erhielt das Tier den Spitznamen Hvaldimir, eine Kombination des norwegischen Wortes für Wal, Hval, mit dem Vornamen des russischen Präsidenten Wladimir Putin.[1][2][3][4]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Wal erschien am 26. April 2019 nördlich von Hammerfest vor der Insel Ingøy bei einer Gruppe von Fischerbooten.[5] Er trug ein eng anliegendes Geschirr, das er an den Booten abzustreifen versuchte. Es gelang den Fischern, den Wal von seinem Geschirr zu befreien;[6] sie fanden den Aufdruck „Ausrüstung St. Petersburg“ auf einer Schnalle.[7][8] Auch nachdem er von dem Geschirr befreit worden war, blieb der Beluga mehrere Tage in der Nähe der Fischer. Er ließ sich kraulen, bettelte um Futter und spielte Apportieren.[6] Auch folgte er den Booten bis in den Hafen von Hammerfest.[9]

Hvaldimirs Alter wurde auf 8 bis 10 Jahre geschätzt. Bei einer Länge von 3 Meter sechzig wurde ein Gewicht von etwa 570 Kilogramm angenommen.[10]

Aufgrund seiner Zutraulichkeit wurde befürchtet, Hvaldimir könne nicht mehr für sich selbst sorgen und keinen Anschluss an eine Belugagruppe finden.[9] Die norwegische Fischereibehörde und die Polizei riefen die Öffentlichkeit auf, den Wal nicht zu füttern oder anzulocken. Man warnte, das Tier könne aggressiv reagieren oder zu stark von Menschen abhängig werden, wie zum Beispiel der Orca Keiko. Es gab Überlegungen, den Wal in eine Auffangstation in Island zu bringen, wo sich bereits zwei Belugas aus China aufhielten.[7]

Die Organisation „Norwegian Orca Survey“ (NOS) übernahm die Fütterung Hvaldimirs. Über die „Hvaldimir Foundation“ wurden Spenden gesammelt.[10] Der Hafen von Hammerfest war kein idealer Aufenthaltsort für Hvaldimir; verschmutztes Wasser und reger Schiffsverkehr waren nicht unerhebliche Risiken. Zeitweise zeigte Hvaldimir Zeichen von Unterernährung.[11]

Am 19. Juli 2019 verließ Hvaldimir den Hafen von Hammerfest und wurde etwa 50 Kilometer entfernt gesichtet. Möglicherweise war er einem Boot gefolgt.[12][13]

In den folgenden Wochen hielt sich Hvaldimir an verschiedenen Orten rund um die Insel Seiland südlich von Hammerfest auf, unter anderem in der Nähe einer Lachsfarm. Versuche, ihn nach Hammerfest zurückzulocken, schlugen fehl. Beobachtungen ließen jedoch darauf schließen, dass der Beluga sich mittlerweile eigenständig Nahrung suchte.[13]

Am 30. August 2019 tauchte Hvaldimir nach über einem Monat wieder in Hammerfest auf. Er hatte Gewicht verloren, schien jedoch gesund, aber erschöpft. Nach einigen Tagen der Ruhe, in denen er wieder gefüttert wurde, machte Hvaldimir sich am 6. September 2019 erneut auf die Reise nach Seiland.[13]

Anfang November 2019 ging ein Video durch die Medien, auf dem ein Beluga einen ins Wasser geworfenen Rugbyball zu einem Boot zurückbringt. Hvaldimir Foundation bestätigte, dass es sich dabei um Hvaldimir handelte.[14][15]

Der Smartphone-Zwischenfall[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachdem Hvaldimir in Hammerfest angekommen war und dort in Hafennähe blieb, kamen Menschen zum Hafen, um den Beluga zu sehen und wenn möglich auch zu streicheln. Eine junge Frau verlor, als sie sich vorbeugte, ihr Smartphone, das im Hafenbecken versank. Wenig später tauchte Hvaldimir mit dem Smartphone im Maul auf und gab es der jungen Frau zurück. Ein Video des Zwischenfalls wurde auf Instagram gepostet.[16]

Spitzname Hvaldimir[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der norwegische Rundfunk NRK rief die Öffentlichkeit auf, einen Namen für den zutraulichen, der russischen Spionage verdächtigten Beluga zu wählen. 25.000 Menschen nahmen an der Wahl teil und entschieden sich mehrheitlich für Hvaldimir, eine Kunstwort aus dem norwegischen Wortes für Wal, Hval, und dem Vornamen des russischen Präsidenten Wladimir Putin.[17]

Herkunftstheorien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zunächst wurde vermutet, dass Hvaldimir von der russischen Marine zu Spionagezwecken ausgebildet worden war. Die Gegend, in der der Beluga auftauchte, ist nicht weit von der norwegisch-russischen Grenze und etwas mehr als 400 km vom russischen Marinestützpunkt Murmansk entfernt. Das russische Verteidigungsministerium wies die Unterstellung zurück.[7][5][9][8]

Eine andere Theorie sieht Hvaldimir ausgebildet zur Arbeit mit Kindern. Das Geschirr habe zum Ziehen von Booten mit Kindern gedient.[7] Laut Bettina Wurche ist Hvaldimir ein Therapie-Wal, der in Russland verletzt aufgefunden, gesund gepflegt und seit 2008 am Weißen Meer zur Therapie von kranken und behinderten Kindern eingesetzt worden war. Sein russischer Name war Semjon.[11]

Aufgrund der Inschrift „Equipment St. Petersburg“ (Ausrüstung St. Petersburg) in englischer Sprache[6] gab es auch die Vermutung, Hvaldimir könnte aus einem US-amerikanischen Trainingszentrum für Delfine und Wale in Saint Petersburg, Florida, entwichen sein (das es jedoch nicht gibt). Allerdings schien Hvaldimir keine derart große Entfernung zurückgelegt zu haben.[17][9][6]

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vom norwegischen Fotografen Aleksander Nordahl aufgenommene Fotos von Hvaldimir schafften es bei der Wahl der Gewinner der Sony World Photography Awards 2021 in die Shortlist unter der Kategorie „Wildlife“.[18]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Hvaldimir – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Mutmaßlicher Spionage-Wal heißt jetzt „Hvaldimir“. Spiegel Online, 5. Mai 2019
  2. Rätsel vor der norwegischen Küste: Ist dieser Wal ein russischer Spion? Bericht auf den Seiten des ZDF, 30. April 2019
  3. Julia Haase: Beluga-Wal mit Geschirr rempelt gezielt Fischerboote an. Die Welt, 29. April 2019
  4. Matthias Stolz: Beluga-Wal: Über prominente Tiere. Zeit-Magazin Nr. 21/2019, 15. Mai 2019
  5. a b Norway finds ‚Russian spy whale‘ off Arctic coast. BBC, 29. April 2019 (englisch)
  6. a b c d Jan M. Olsen: Meet the world’s friendliest escaped Russian spy whale. NavyTimes.com, 30. April 2019 (englisch)
  7. a b c d Darko Janjevic: Russian ‚spy whale‘ may have provided therapy for children. Deutsche Welle, 8. Mai 2019 (englisch)
  8. a b Jack Guy and Emily Dixon: ‚Russian spy‘ whale shines spotlight on military-grade anaimals. CNN, 4. Mai 2019 (englisch)
  9. a b c d Jon Henley: ‚Russian spy‘ whale has defected to Norway, locals claim. The Guardian, 2. Mai 2019 (englisch)
  10. a b Hvaldimir Foundation – An Initiative of Norwegian Orca Survey (englisch)
  11. a b Bettina Wurche: Neues von Hvaldimir, dem weißen Wal. scienceblogs.de/meertext, 2. August 2019
  12. Kai Strittmatter: Der Wal, der allen Rätsel aufgab. Süddeutsche Zeitung, 22. Juli 2019
  13. a b c Blog der Hvaldimir Foundation – abgerufen am 20. November 2019 (englisch)
  14. Beluga whale playing rugby auf YouTube
  15. Hilary Hanson: Beluga Playing Fetch In Viral Video Confirmed To Be So-Called ‚Russian Spy Whale‘. Huffpost, 12. November 2019 (englisch)
  16. Mike Moffit: See the alleged Russian spy whale retrieve woman’s dropped iPhone. San Francisco Chronicle, 8. Mai 2019 (englisch)
  17. a b Nina Berglund: White whale now named ´Hvaldimir‘. NewsInEnglish.no, 3. Mai 2019 (englisch)
  18. Julia Stanek: Herausragende Fotos aus aller Welt: Ein Wal wie wir. In: Spiegel Online, 2. März 2021, abgerufen am 5. März 2021.