Havelländische Eisenbahn

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Havelländische Eisenbahn AG (hvle)
Havelländische Eisenbahn logo.svg
Basisinformationen
Unternehmenssitz Berlin-Spandau
Webpräsenz www.hvle.de
Bezugsjahr 2010[1]
Geschäftsführung

Günther Alsdorf

Mitarbeiter 78
Umsatz 30,0 Mio. EURdep1
Anzahl Fahrzeuge
Lokomotiven 28
Sonstige Fahrzeuge 450 Güterwagen
Statistik
Fahrleistung 838 Mio. tkm
Sonstige Betriebseinrichtungen
Betriebshöfe Berlin-Johannesstift, Blankenburg (Harz)
Sonstige Betriebseinrichtungen Rangierbahnhof Wustermark

Havelländische Eisenbahn AG (hvle) lautet seit dem Jahre 2006 der Name eines Eisenbahnverkehrsunternehmens, das im Jahre 1892 unter der Firma AG Osthavelländische Kreisbahnen in Nauen in der Provinz Brandenburg gegründet worden ist. Der Unternehmensschwerpunkt liegt im Güterverkehr (v. a. Kalktransporte); darüber hinaus ist die hvle in den Tätigkeitsfeldern Baulogistik, Werkstattservice und Anschlussbahnverkehr tätig. Den Schienenpersonenverkehr hat sie nach dem Zweiten Weltkrieg aufgegeben.

Geschichte[Bearbeiten]

Bahnhof Spandau OHE mit OHE-Lok 5, 1986
Bombardier 285 001 und 330 03 (Blue Tiger) der Havelländischen Eisenbahn GmbH (HVLE) am Standort Blankenburg (Harz)

Ab 29. Juli 1941 nannte sich die Gesellschaft Osthavelländische Eisenbahn AG, kurz OHE. Neben dem Kreis Osthavelland waren der preußische Staat, die Provinz Mark Brandenburg sowie die Stadt Ketzin und die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) beteiligt. Obwohl sich also das gesamte Kapital im Staats- und Kommunalbesitz befand, wurde die Gesellschaft 1946 von den Sowjetischen Besatzungsmacht enteignet und die Bahnen zunächst den Landesbahnen Brandenburg, dann der Deutschen Reichsbahn unterstellt.

Nach Ausdehnung der Tätigkeit auf die Gestellung von Lokomotiven für den Güterfernverkehr auf Gleisen der Deutschen Bahn und weitere Dienstleistungen im Transportbereich firmiert die Gesellschaft, auch um Verwechslungen mit der Osthannoverschen Eisenbahn zu vermeiden, seit 2006 als Havelländische Eisenbahn AG (hvle) mit Sitz in Berlin. Hauptaktionär ist mit 50,5 Prozent des Kapitals der Landkreis Havelland. Auch Berlin und die Städte Nauen und Ketzin halten Aktien an dieser Eisenbahngesellschaft.

Infrastruktur[Bearbeiten]

Bahnstrecken[Bearbeiten]

Unmittelbar nach dem Inkrafttreten des Preußischen Kleinbahngesetzes im Jahre 1893 beschlossen der Landkreis Osthavelland in der Provinz Brandenburg und die Gemeinden Nauen und Ketzin sowie die Zuckerfabrik Nauen, das Kreisgebiet mit Eisenbahnstrecken in der Fläche zu erschließen. Daraus entstanden die Osthavelländischen Kreisbahnen.

Im benachbarten Landkreis Westhavelland errichtete die Eisenbahngesellschaft zwei Kleinbahnen mit einer Länge von insgesamt 46 Kilometer, die Westhavelländischen Kreisbahnen.

Im Besitz der hvle ist heute noch die Reststrecke der Bötzowbahn vom Übergabebahnhof Berlin-Spandau zum Güterbahnhof Johannesstift. Außerdem wird der Bahnhof Schöneicher Plan an der ehemaligen Neukölln-Mittenwalder Eisenbahn betrieben.[2]

Nach der Wende übernahm die hvle zudem die Betriebsführung mehrerer Anschlussbahnen: im Jahre 1999 im Güterverkehrszentrum (GVZ) Berlin West in Wustermark, 2002 für die Premnitzer Industriebahn und 2004 die Werksbahn Bombardier in Hennigsdorf. Weitere Anschlussbahnen werden in Berlin, Vorketzin und Kirchmöser betrieben.[3]

Ab dem 1. April 2005 wurde der Kalktransport auf der Rübelandbahn zwischen Blankenburg und Elbingerode im Harz schrittweise von der hvle übernommen.

Bahnbetriebswerk[Bearbeiten]

Das zentrale Betriebsgelände der hvle ist bis heute der Güterbahnhof Berlin-Johannesstift. Früher hatte dieser eine große Bedeutung, denn hier verzweigten sich die Spandauer Industriebahnen. Während diese mittlerweile allesamt stillgelegt sind, werden im Gbf Johannisstift weiterhin Güterwagen wie Lokomotiven abgestellt und im modernen, angrenzenden Bahnbetriebswerk gewartet. Hier befinden sich zudem Unternehmenssitz und Verwaltung.

Für den Verkehr auf der Rübelandbahn wurde zudem eine Niederlassung in Blankenburg (Harz) eingerichtet.

Wustermark Rangierbahnhof[Bearbeiten]

Nach über dreijährigen Verhandlungen hat die hvle den fast 100 Jahre alten Rangierbahnhof Wustermark von der Deutschen Bahn AG gekauft. Die offizielle Wiederinbetriebnahme erfolgte am 1. Juli 2008. Für den Betrieb ist die Rail & Logistik Center Wustermark GmbH & Co KG (RLC)[4] zuständig, an der die hvle mehrheitlich beteiligt ist. Der 25-gleisige Rangierbahnhof fungiert als Dienstleistungszentrum für andere Eisenbahnverkehrsunternehmen (v. a. Zugbildung und -auflösung, Abstellmöglichkeit, Werkstattdienste). Seither erfolgt ein schrittweiser Ausbau der Infrastruktur und der bahnaffinen Logistikaktivitäten in Zusammenarbeit mit dem GVZ Wustermark.[5] Ende September 2011 wurde eine direkte Westanbindung des Rangierbahnhofes hergestellt, die eine Zufahrt ohne Rangieren auch für bis zu 800 Meter lange Güterzüge erlaubt. Inzwischen wird das RLC Wustermark von 120 Kunden genutzt.[6]

Im Jahr 2011 hat sich die hvle über die BahnLogistik Terminal Wustermark GmbH am Kauf des Containerterminals im GVZ Wustermark beteiligt, in dem sie bereits die Anschlussbahn betreibt und das in der Nachbarschaft des Rangierbahnhofs Wustermark am Berliner Außenring liegt.[7]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Havelländische Eisenbahn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vgl. Unternehmenszahlen. 2011, abgerufen am 30. Dezember 2011.
  2. Infrastruktur der hvle. Havelländische Eisenbahn AG, 2011, abgerufen am 30. Dezember 2011.
  3. Anschlussbahnen der hvle. Havelländische Eisenbahn AG, 2011, abgerufen am 30. Dezember 2011.
  4. Website des RLC mit technischen Angaben zu den Serviceeinrichtungen. Abgerufen am 2. Januar 2011.
  5. Pressemeldung Allianz pro Schiene vom 1. Juli 2008. Abgerufen am 2. Januar 2011.
  6. Anke Fiebranz: Rangierbahnhof in Elstal ist nun besser angebunden / Firma RLC Wustermark hat erweitert. In: Märkische Allgemeine. 22. September 2011, abgerufen am 4. Oktober 2011.
  7. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatVgl. Interview mit Winfried Bauer, Geschäftsführer RLC Wustermark. In: Privatbahn Magazin, Heft 6/2011, S.38f. 2011_11, abgerufen am 30. Dezember 2011 (PDF).