Hybrid Broadcast Broadband TV

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Hybrid broadcast broadband TV (HbbTV) ist ein offener und internationaler Standard für die Signalisierung, Übertragung und Ausführung von interaktiven Applikationen für Empfangsgeräte, die sowohl über einen Decoder für digitales Fernsehen (broadcast) als auch über einen Zugang zum Internet (broadband) verfügen (Hybrid-TV).

Applikationen, die von Fernsehanbietern bereitgestellt werden, können an einen oder mehrere Fernsehkanäle des Anbieters gebunden werden. Solche Applikationen (broadcast-related applications) werden bei entsprechender Signalisierung automatisch gestartet, sobald der Nutzer den jeweiligen Fernsehkanal ausgewählt hat. Darüber hinaus unterstützt HbbTV auch Applikationen ohne Bezug zu einem Fernsehkanal (broadcast-independent applications).

Zu den typischen Angeboten von HbbTV-Applikationen gehören:

Historie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ursprünge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ursprünglich handelte es sich bei HbbTV um eine paneuropäische Initiative des deutsch-österreichisch-schweizerischen Instituts für Rundfunktechnik, des Satellitenbetreibers SES Astra, des Elektronikkonzerns Philips und des englischen Softwareunternehmens ANT. Diese Initiative nahm Ende 2008 die gemeinsame Arbeit auf. Ziel war die Definition einer Variante des kurz vor dem Abschluss stehenden Standards des Open IPTV Forums. Die Variante sollte weniger komplex sein aber den Schwerpunkt auf Hybrid-TV setzen. Dementsprechend waren die ersten Tätigkeiten:

  • Profilierung der vom Open IPTV Forum definierten deklarativen Applikationsumgebung
  • Spezifikation eines DVB-Standards zur Signalisierung und Übertragung von Applikationen über den Rundfunkkanal (publiziert unter ETSI Referenznummer TS 102 809)
  • Definition eines Application Frameworks und Entwicklung rudimentärer Bedienkonzepte für an Fernsehprogramme gebundene Applikationen (broadcast-related applications)

Version 1.0[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Folgezeit schlossen sich die französischen Rundfunksender Canal+, France Television und TF1, der Gerätehersteller Samsung sowie die Softwareunternehmen OpenTV und Opera der Arbeitsgruppe an. Die Version 1.0 der HbbTV-Spezifikation wurde Ende 2009 beim ETSI unter der Referenznummer ETSI TS 102 796 1.1.1 eingereicht und am 11. Juni 2010 publiziert. Parallel dazu wurde das HbbTV-Konsortium gegründet.

Version 1.5[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Insbesondere auf Drängen französischer Unternehmen wurde 2012 HbbTV 1.5 verabschiedet und unter der ETSI Versionsnummer 1.2.1 publiziert. Wichtigste Neuerung war die Unterstützung des Streamingformats MPEG-DASH.

Version 2.0[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

HbbTV 2.0 wurde 2015 verabschiedet und unter der ETSI Versionsnummer 1.3.1 publiziert. Mit dieser Version wurden umfangreiche Änderungen und Leistungsmerkmale eingeführt. Dazu gehören:

  • HTML5
  • Kommunikation des HbbTV-Geräts mit mobilen Geräten
  • Synchronisation von Video- und Audioströmen von verschiedenen Quellen auf dem gleichen oder auf unterschiedlichen Geräten
  • Unterstützung eines Übertragungsverfahrens für Push-VoD

Version 2.0.1[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Marktspezifische Anforderungen aus dem Vereinigten Königreich und aus Italien führten 2016 zur Publizierung von HbbTV 2.0.1 unter der ETSI Versionsnummer 1.4.1. Version 2.0 wurde dadurch obsolet.

Intention[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit HbbTV lassen sich auf Grundlage von CE-HTML (Consumer Electronics Hypertext Markup Language) als Basistechnologie – der für Unterhaltungselektronik (CE) entwickelten Variante von HTML - Fernsehprogramme und Internetinhalte auf einem TV-Bildschirm darstellen. Die dabei verwendete Technik orientiert sich an den Standards und Internettechnologien von Open IPTV Forum (OIPF), Consumer Electronics Association (CEA), Digital Video Broadcasting (DVB) und World Wide Web Consortium (W3C).

Funktionsweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

HbbTV ermöglicht eine inhaltliche Verknüpfung von Rundfunk- und Internetinhalten. Dazu wird in das Rundfunksignal eine Signalisierung in Form einer so genannten AI-Tabelle (application identification) eingefügt. Diese AI-Tabelle wird vom Empfänger ausgelesen und enthält in der Regel eine Adresse (URL) auf eine spezielle HTML-Seite, die über die beim Zuschauer zusätzlich vorhandene Internetverbindung geladen wird. Diese HTML-Seiten werden gewöhnlich mit Hilfe der roten Farbtaste der Fernbedienung sichtbar geschaltet.

Damit lassen sich u.a. TV-Editionen der Mediatheken starten, so dass Sendungen jederzeit vom Zuschauer abgerufen werden können. Auch für Teletext ergeben sich mit Optionen für Abbildungen und Grafiken bessere Darstellungen. Die HTML-Umgebung ermöglicht dabei eine Reihe von neuen Funktionalitäten: Ein verkleinertes Fernsehbild kann in HTML-Seiten integriert werden und von der HTML-Seite kann direkt auf ein anderes Fernsehprogramm umgeschaltet werden. Darüber hinaus lassen sich synchron zum Fernsehprogramm Menüfunktionen und Nachrichtenticker transparent über das laufende Fernsehbild legen.

Auf ein HbbTV-Angebot eines Programmanbieters wird häufig mit einem roten Symbol auf dem Bildschirm aufmerksam gemacht, was darauf anspielt, dass eine rote Taste zur Aktivierung dient. Daher wird im Zusammenhang mit HbbTV häufig von einem „Red-Button-Konzept“ analog zum BBC Red Button gesprochen.

HbbTV ist ein Dienst, der direkt durch einen Fernsehsender gestaltet wird. Davon abzugrenzen sind Dienste, die – teilweise auf einer ähnlichen technischen Plattform arbeitend – auf dem Fernsehgerät nur in Form einer App installiert sind und sämtliche Daten über das Internet beziehen.

Für die Harmonisierung der verschiedenen Hybrid-TV-Lösungen engagiert sich seit Frühjahr 2009 eine Arbeitsgruppe der Deutschen TV-Plattform.

Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geräte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Etwa seit 2011 statten die meisten Hersteller ihre hochwertigeren Fernsehgeräte und Set-Top-Boxen mit HbbTV-Funktionalität aus, soweit die Geräte einen Netzwerkanschluss haben. Bei Samsung z.B. ist HBBTV ab der 7er Serie standardmäßig integriert, ebenso bei den meisten Geräten der 6er Serien. Geräte der 4er und 5er Serie sind nur teilweise ausgestattet (Stand Juni 2016). Da HbbTV eine Konkurrenz zu den eigenen Smart-TV-Funktionen darstellt, muss man bei einigen Herstellern die HBBTV-Funktion explizit freischalten.[1] Bei Sony verfügen Stand Juni 2016 alle Fernseher mit Android-Betriebssystem sowie alle 4k-Fernseher über HbbTV.

Fernsehsender[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Deutschland wird HbbTV bereits seit Ende 2010 von praktisch allen namhaften privaten wie öffentlich-rechtlichen Fernsehsendern genutzt. 2011 wurden ähnliche Dienste auch von Sendern in Frankreich, den Niederlanden und Spanien gestartet, weitere Sender praktisch überall in Europa planen oder testen HbbTV. Interesse gibt es zudem auch aus diversen außereuropäischen Staaten. Teilweise werden dabei MHP-Dienste oder landesspezifische Sonderlösungen ersetzt, die jeweils nur in diesen Ländern (wenn überhaupt) von einer größeren Zahl an Empfangsgeräten unterstützt wurden.

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Sender DVB-C DVB-S DVB-T Angebot
arte ja ja ja Mediathek (arte+7), arteLiveWeb (weitere Videoangebote), Mini-Programmvorschau
anixe ja ja ja Programmvorschau, Mediathek (im Aufbau), News
ARD ja ja ja Mediathek, TV-Programm (14 Tage Vorschau, 7 Tage Rückschau, ausführliche Infos & Trailer, Tipps, Schnellübersicht), „Mag ich“ (Möglichkeit Sendungen zu „mögen“ und Vorschläge anhand dessen zu erhalten), MeinTV (Vorschläge, Erinnerungsfunktion, Programmfilter nach Interessen), Radioprogrammvorschau, Suche, Interaktiv (Tagesschau, EinsExtra Ticker), Videotext, Hilfe, Einstellungen
Das Erste ja ja ja siehe ARD
tagesschau24 ja ja ja siehe ARD, individualisierte Startleiste
ONE ja ja ja siehe ARD, individualisierte Startleiste
ARD-alpha ja ja siehe ARD, individualisierte Startleiste
3sat ja ja ja Mediathek, TV-Programm (14 Tage Vorschau, 7 Tage Rückschau, ausführliche Infos & Trailer, Tipps, Schnellübersicht), „Mag ich“ (Möglichkeit Sendungen zu „mögen“ und Vorschläge anhand dessen zu erhalten), MeinTV (Vorschläge, Erinnerungsfunktion, Programmfilter nach Interessen), Suche, Videotext, Hilfe, Einstellungen
Dritte Programme der ARD ja ja ja siehe ARD, mit eigener Mediathek (voller Funktionsumfang wie im Internet)
ZDF ja ja ja (SD) Mediathek („Sendung verpasst“, „Sendungen A–Z“, „Rubriken“, „Themen“, „Empfehlungen“, „Nachrichten“, „heute journal plus“), Einstellungen, Suche, Favoriten, Hilfe, Impressum
PHOENIX ja siehe ARD, individualisierte Startleiste
PRO7 ja ja ja HD-Text (News, Sport, V.I.P., Service), TV-Programm (Tagesvorschau, Trailer), Mediathek, maxdome (kostenpflichtig), Applikationen (Votings, Puzzle, Wetter [Angebot durch wetter.com], Pairs), Lesezeichen, Optionen, Impressum
Sat.1 ja ja ja siehe PRO7, individualisierte Startleiste
Kabel 1 ja ja ja siehe PRO7, individualisierte Startleiste
SIXX ja ja ja siehe PRO7, individualisierte Startleiste
n-tv ja ja weitgehend komplettes Webportal, zu Beginn nur über Satellit[2]; seit September 2013: „n-tv now“ bietet zeitversetztes Fernsehen der Eigenproduktionen für eine Woche bei kostenlosem Zugriff (seitens n-tv), jedoch ist dafür HD+ RePlay notwendig, das nicht kostenlos ist und ggf. zertifizierte Endgeräte voraussetzt.[3]
RTL ja ja s. unter n-tv
VOX ja ja s. unter n-tv
QVC ja ja ja
HSE24 ja ja k.A.
RTL II ja ja TV-Programm, Videos, Sendungsinformationen, Spiele

Schweiz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im November 2012 nahm das Solothurner Kabelfernsehunternehmen GA Weissenstein den ersten HbbTV-Dienst der Schweiz auf dem regionalen Infokanal in Betrieb. Das Angebot umfasste zu Beginn aktuelle Informationen, Schaltungen zu TV-Kameras und eine Mediathek mit Filmbeiträgen aus der Region. Konzipiert und aufgebaut wurde der HbbTV-Dienst vom Zentralschweizer Unternehmen Soland Media AG.

Per 5. März 2013 startet die SRG SSR den Testbetrieb von HbbTV in der Schweiz auf den TV-Sendern RTSun HD und RTSdeux HD unter dem Namen RTS+. Die Lösung wurde von der Swiss TXT entwickelt.[4][5]

Am 4. Dezember 2013 nahmen die Sender SRF 1 HD und SRF 2 HD den regulären Betrieb von HbbTV auf.[6]

Österreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Über Mux F (DVB-T2) haben ProSieben Austria und Sat.1 Österreich bereits seit dem Start im April 2013 einen regulären HbbTV-Betrieb; Ende August zog der ORF für die beiden Hauptprogramme sowohl in SD- (Mux A), als auch in HD-Auflösung (Mux D) nach.[7]

Datenschutz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für das Verfahren ist es notwendig, dass der Fernseher Kontakt mit dem Informationsanbieter aufnimmt. Während der Nutzer beim gewöhnlichen Fernsehen anonym bleibt, so ist er jetzt unter Umständen identifizierbar. Bei Tests hat sich gezeigt, dass teilweise persönliche Daten verschickt werden, ohne dass der Nutzer die entsprechenden Funktionen aktiviert hatte. Das ist datenschutzrechtlich bedenklich, zumal die Fernsehsender die Daten wahrscheinlich auch Drittanbietern zur Verfügung stellen.[8][9][10]

Das Problem besteht ebenso bei Smart-TV-fähigen Fernsehern – jede Rückkanal-fähige Netzwerkverbindung bietet die Möglichkeit zur Übermittlung personenbezogener oder sonstiger Daten an den Hersteller oder andere Parteien, meist Inhalteanbieter.[11][12]

Konkurrierende bzw. alternative Systeme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alle Verfahren zur Ablösung des als veraltet geltenden Videotexts setzen auf eine Verbindung mit dem Internet. Internetdienste, v.a. Portale von Geräteherstellern, welche als Plattform-im-Fernseher als HbbTV-Konkurrenz auftreten:

  • Smart-TV / Smart-Hub von Samsung mit Samsung SDK
  • NetTV von Philips (mit freiem Webzugang)
  • Viera Connect von Panasonic
  • Widget-Lösungen wie AQUOS NET+ von Sharp: Das laufende TV-Programm kann mit Anwendungen aus dem Internet überlagert werden.
  • Applicast von Sony
  • SmartTV bei einigen LG-Fernsehgeräten

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. HBBTV auf Samsung TVs aktivieren. Abgerufen am 15. Juni 2016.
  2. n-tv via Satellit
  3. n-tv now
  4. Weber Hannes: SRG testet HbbTV. In: PCtipp.ch. 6. März 2013. Abgerufen am 19. März 2013.
  5. Swiss TXT entwickelt SmartTV-Angebot für SRG. In: werbewoche. 7. März 2013. Abgerufen am 21. März 2013.
  6. Teletext-Nachfolger kommt am 4. Dezember. 20Min online. 20. November 2013. Abgerufen am 5. Januar 2014.
  7. Bescheid der KommAustria vom 18. Dezember 2012
  8. Anne Grauenhorst: Smarte Spione – Fernsehsender analysieren SmartTV-Besitzer. Technische Universität Darmstadt, 15. Mai 2013
  9. Marco Ghiglieri, Florian Oswald, Erik Tews: HbbTV – I Know What You Are Watching. 13. Deutscher IT-Sicherheitskongress:(PDF-Datei)
  10. Erschreckende Ergebnisse – So dreist spähen uns Smart-TVs im Wohnzimmer aus Focus Online, Samstag, 10. Mai 2014
  11. Zeit.de: „Der Spion in meinem Fernseher“. Smart-TVs von LG sammeln heimlich Nutzerdaten. Vom 22. November 2013, abgerufen am 25. November 2013
  12. N24: „Smart-TV sendet Daten nach Südkorea: LG spioniert Kunden aus“, vom 22. November 2013, abgerufen am 25. November 2013

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Informationen der Fernsehsender