Hybridkrieg

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Der Hybridkrieg oder die hybride Kriegführung beschreibt eine flexible Mischform der offen und verdeckt zur Anwendung gebrachten regulären und irregulären, symmetrischen und asymmetrischen, militärischen und nicht-militärischen Konfliktmittel mit dem Zweck, die Schwelle zwischen den völkerrechtlich angelegten binären Zuständen Krieg und Frieden zu verwischen.[1]

Die Grenze zu der nach der Genfer Konventionen verbotenen Heimtücke (Perfidieverbot) ist fließend.

Etymologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der ehemalige Direktor der Militärakademie der ETH Zürich und heutige Kommandant der Generalstabsschulen, Daniel Lätsch, geht davon aus, dass der Begriff erstmals 2005 vom Militärautor und Politikwissenschaftler Frank G. Hoffman verwendet worden sei. "Hoffman definiert hybride Kriegsführung als Kombination von konventionellen und irregulären Kampfweisen in Verbindung mit terroristischen Aktionen und kriminellem Verhalten."[2]

Der Begriff erfuhr seine allgemeine sprachliche Verbreitung im deutschsprachigen Raum 2014 durch die Beschreibungen der militärischen Interventionen Russlands einerseits auf der Krim als auch im Osten der Ukraine. Der russische Präsident Putin hatte russische Truppen ohne Hoheitszeichen auf der ukrainischen Krim eingesetzt. In einem Bericht des UN-Hochkommissariat für Menschenrechte UNHCHR wurden Teile der flankierenden russischen Propaganda als völkerrechtlich verbotene Hass-Propaganda bezeichnet.[3]

Elemente der hybriden Kriegsführung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Elemente dieser Kriegsführung sind:

  • Einsatz von verdeckt kämpfenden Truppen, bzw. Soldaten und militärische Ausrüstung ohne Hoheitszeichen, die auf fremdem Territorium operieren,
  • Nutzung von umfänglichen Kampfmitteln, die auch atomare, biologische, chemische und improvisierte Sprengmittel beinhalten können,
  • Desinformations- und Propaganda-Kampagnen
  • sowie in der neuesten Zeit zusätzlich Cyberattacken.[4]

Andere Definitionen sprechen u.a. von „einer Form des Guerillakrieges, der sich moderner Technologien und Informations- sowie Werbemethoden“ bedient.[5] „Die Rolle der nicht-militärischen Mittel beim Durchsetzen von politischen und strategischen Zielen ist gewachsen; in einigen Fällen ist ihre Durchschlagskraft deutlich höher als die von Waffen“ (Waleri Wassiljewitsch Gerassimow, Generalstabschef der russischen Streitkräfte).[6]

Problematik der hybriden Kriegsführung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der hybride Krieg ist nicht definiert, das bedeutet, dass sich die „Kämpfer“ zumindest teilweise im rechtsfreien Raum bewegen, solange die internationale Rechtslage in Bezug auf hybride Kriegsführung nicht geklärt werden kann. Das ist umso schwieriger, als sich der Einsatz von hybrider Kriegsführung gerade für Akteure anbietet, „die sich beim Einsatz konventioneller Methoden vor der internationalen Gemeinschaft rechtfertigen müssten“.[7]

Angebliche Guerillakämpfer sind verschleierte Kombattanten aus konventionellen Truppen oder treten umgekehrt als Demonstranten auf. So werden ergänzend zu oder ausschließlich anstelle konventioneller militärischer Mittel auch Mittel eingesetzt, „die bisher üblicherweise nicht Staaten zugeordnet wurden“, wie es die Schweizer Regierung definierte.[8] Der Begriff des hybriden Krieges wird stattdessen überwiegend mit Terrorismus, Fehlinformation, Manipulation und Cyberangriffen assoziiert.[9] Der "Verlust von gültigen Konventionen" wurde auch von der Interparlamentarischen Konferenz für die Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik der EU festgestellt. Die „kriminelle Unordnung“ erschwere die Suche nach Antworten.[10]

2016 diagnostizierten Geostrategen auf einem NATO-Gipfel, dass die neuen Konflikte "nicht mehr nur von Waffenstärke, sondern auch von [...] sozialen Techniken zur Spaltung von Gesellschaften bestimmt" werden.[11]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Margaret S. Bond: Hybrid War: A New Paradigm for Stability Operations in Failing States. United States Army War College (USAWC), Strategy Research Project, 2007.
  • Captain Scott A. Cuomo, Captain Brian J. Donlon: Training a "Hybrid" Warrior at the Infantry Officer Course. Small Wars Journal Blog Post, 27. Januar 2008.
  • Wolfgang Schreiber: Der neue unsichtbare Krieg? Zum Begriff der „hybriden“ Kriegsführung. In: Aus Politik und Zeitgeschichte. Ausgabe 35-36/2016 (29. August 2016), S. 11–15 (online)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Hybrid – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Florian Schaurer: Alte Neue Kriege – Anmerkungen zur hybriden Kriegsführung. In: Bundesministerium der Verteidigung. August 2015. (PDF)
  2. Bericht der Zürichsee-Zeitung auf Offiziersgesellschaft Zürichsee Rechtes Ufer. zsz.ch, 2. April 2015.
  3. Bericht des UN-Hochkommissariats für Menschenrechte im April. „Media monitors indicated a significant raise of propaganda on the television of the Russian Federation, which was building up in parallel to developments in and around Crimea. Cases of hate propaganda were also reported.“
  4. dpa: Kleine grüne Männchen, ein Hybridkrieg und die Probleme der Nato. In: Die Welt. 25. Juni 2014, abgerufen am 21. Februar 2015.
  5. Frank G. Hoffman: Hybrid vs. compound war. In: Armed Forces Journal. 1. Oktober 2009, archiviert vom Original am 17. September 2010, abgerufen am 11. Oktober 2015.
  6. Gerassimow in einem Artikel der russischen militärisch-industriellen Wochenzeitung WPK («Военно-промышленный курьер») Nr. 8/2013. Zitiert in „Spiel im Schatten – Putins unerklärter Krieg im Westen“. In: ARD. 4. Juli 2016, Minute 11:04 (in der Mediathek verfügbar bis 4. Juli 2017)
  7. Robert Helbig: Wie wir in Zukunft Krieg führen. In: Handelsblatt. 7. August 2014, abgerufen am 11. Oktober 2015.
  8. Schutz gegen hybride Bedrohungen Geschäftsdatenbank des Schweizer Parlaments, 20. Januar 2015
  9. Weiterentwicklung der Armee – Änderung der Rechtsgrundlagen, Schweizerisches Parlament, 14. Sitzung 18. Juni 2015
  10. Unterrichtung durch die deutsche Delegation in der Interparlamentarischen Konferenz für die Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik und die Gemeinsame Sicherheitsund Verteidigungspolitik zu Handen des Bundestags, 11. Juni 2015
  11. Deutschlandfunk: Die NATO und die hybride Kriegsführung: Der Kopf als Ziel, vom 07.07.2016, geladen am 11.01.2017