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Hydra 70

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Hydra 70
M261-Startbehälter mit Hydra 70-Raketen an einer Bell AH-1 „Cobra“

M261-Startbehälter mit Hydra 70-Raketen an einer Bell AH-1 „Cobra“
Allgemeine Angaben
Typ Luft-Boden-Rakete
Heimische Bezeichnung Mark 66 Hydra 70, Hydra 70
Herkunftsland Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten
Hersteller Lockheed Martin (aktuell General Dynamics)
Indienststellung 1972
Einsatzzeit im Dienst
Technische Daten
Länge 1,38–1,86 m
Durchmesser 70 mm
Gefechtsgewicht 8,5–10,5 kg
Antrieb Feststoffraketentriebwerk
Geschwindigkeit 739–1.000 m/s
Reichweite ~8 km
Ausstattung
Lenkung keine (Drallstabilisiert)
Gefechtskopf verschiedene
Zünder Aufschlagzünder, Näherungszünder, Verzögerungszünder, Zeitzünder
Waffenplattformen Kampfflugzeuge, Kampfhubschrauber, Unbemannte Luftfahrzeuge
Listen zum Thema

Die Hydra 70 (genaue Bezeichnung Mark 66 Hydra 70) ist eine Familie von ungelenkten Luft-Boden-Raketen die in den Vereinigten Staaten entwickelt wurden. Sie werden in Raketen-Rohrstartbehältern transportiert und ab Luftfahrzeugen gestartet. Die Hydra 70-Raketen zählen zu den weltweit am weitesten verbreiteten Luft-Boden-Raketen.[1]

Ab 1948 entwickelte die Naval Ordnance Test Station (NOTS) die ungelenkten Luft-Boden-Raketen Mark 4 Mighty Mouse. Diese Raketen hatten einen Durchmesser von 70 mm (2,75 inch) und waren für die Bekämpfung von Luftzielen konzipiert. In den 1960er-Jahren wurde dieser Raketentyp zur Luft-Boden-Rakete Mark 40 FFAR weiterentwickelt. Basierend auf der FFAR entstand Anfang der 1970er-Jahre ein weiteres Raketenmodell. Dieses wurde im Auftrag der United States Army von Lockheed Martin und BEI Defense entwickelt. 1972 wurde das neue Raketenmodell unter der Bezeichnung Mark 66 Hydra 70 bei den Streitkräften der Vereinigten Staaten eingeführt. Später wurde die Hydra 70 auch an andere Staaten exportiert. Die Hydra 70 wird noch heute von General Dynamics in den Vereinigten Staaten und im Lizenzbau in weiteren Staaten produziert. Die Produktionszahlen gehen in die Millionen.[2][3][4]

Hydra 70-Raketen (rechts) neben einer AGM-114 Hellfire

Das komplette Hydra 70-Raketensystem besteht aus Raketen-Rohrstartbehältern und ungelenkten Raketen. Eingesetzt kann das Raketensystem von Kampfflugzeugen, Kampfhubschraubern und unbemannten Luftfahrzeugen. Hydra 70-Raketen werden hauptsächlich für die Luftnahunterstützung verwendet. Weiter können sie auch gegen taktische und strategische Ziele eingesetzt werden. Dabei kann ein breites Spektrum an Bodenzielen, wie lebene Ziele, ungepanzerte und gepanzerte Fahrzeuge sowie Gebäudestrukturen mit den Raketen bekämpft werden. Die Hydra 70-Raketen können aus mittlerer Flughöhe wie auch aus dem Tiefflug, im Horizontalflug und Sturzflug abgefeuert werden. Die Hydra 70-Raketen haben eine Streuung von 29 Strich. Daher können nur auf kurze Schussdistanzen Punktziele wie einzelne Fahrzeuge präzise bekämpft werden. Auf große Schussdistanzen eigenen sich die Raketen nur zur Bekämpfung von Gruppenzielen.[5][6][7][8][9][10]

Die Hydra 70-Raketen haben einen Durchmesser von 70 mm (genauer 69,85 mm). Sie bestehen aus dem Mark 66-Raketentriebwerk auf das verschiedene Gefechtsköpfe aufgeschraubt werden können. Die Raketen haben je nach Modell eine Länge von 1,38 bis 1,86 m sowie ein Gewicht von 8,5 bis 10,5 kg. Im Flug rotiert die Rakete mit 10 bis 35 Umdrehungen pro Sekunde um die Längsachse. Bei einer Brennschlussgeschwindigkeit von 739 bis 1000 m/s beträgt die Schussdistanz 2,5 bis 8 km. Die maximal mögliche Schussdistanz wird mit 10,4 km angegeben. Die Raketen werden elektrisch gezündet und können einzeln oder in Salven abgefeuert werden.[1][2][3][11][12]

Mark 66-Raketentriebwerke

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Das Mark 66-Raketentriebwerk hat je nach Modell eine Länge von 1,06 m und wiegt 6,17 kg. Am Heck des Raketentriebwerks sind drei federgespannte Wickelleitwerke (englisch wrap around fins) angebracht. An der Auslassdüse sind spiralförmig angeordneten Deflektoren angebracht, welche die Rakete in Drehung um die Längsachse versetzen. Verwendet wird zweibasiger Raketentreibstoff. Das Raketentriebwerk entwickelt je nach Modell einen Schub von 5,9 bis 6,7 kN und die Brenndauer liegt zwischen 1 bis 1,1 Sekunden. Von dem Raketentriebwerk existieren verschiedene Ausführungen.[9][13]

Übersicht Mark 66-Raketentriebwerke
Raketenmotor Beschreibung
Mark 66 Mod 0 1972 fertiggestellt, wurde jedoch nicht in Serie produziert.
Mark 66 Mod 1 1. Serienversionen für die U.S. Army.
Mark 66 Mod 2 1. Serienversionen für die U.S. Air Force und U.S. Navy ab 1981/86. Mit Schutz vor elektromagnetischer Strahlung.
Mark 66 Mod 3 2. Serienversionen für die U.S. Army. Mit Schutz vor elektromagnetischer Strahlung.
Mark 66 Mod 4 Serienversionen für alle Teilstreitkräfte seit 1999. Mit neuer Zündvorrichtung.
Mark 66 Mod 5 Version mit Schutz vor Cook off. Wurde nicht in Serie produziert.
Mark 66 Mod 6 Version mit Schutz vor Cook off und verringerter Sekundärverbrennung der Abgase.

Quellen:[1][2][3][4]

In Abhängigkeit von der Zielbeschaffenheit können vor dem Einsatz auf die Raketen unterschiedliche Gefechtsköpfe aufgeschraubt werden. Als Zünder werden Aufschlagzünder, Näherungszünder, Verzögerungszünder sowie Zeitzünder verwendet.[9][4][14]

Übersicht Gefechtsköpfe
Gefechtskopf Typ Gewicht Länge Füllung
M151 Splittergefechtskopf 3,95 kg 0,41 m 1,05 kg Composition B
M156 Rauch/Brand 4,38 kg 0,41 m 1 kg Weißer Phosphor
M229 Splittergefechtskopf 7,71 kg 0,66 m 2,17 kg Composition B
M247 Hohlladung 4 kg - 0,91 kg Composition B
M255 Flechette - 0,68 m 2500 Flechettes zu je 1,8 g
M255A1 Flechette - 0,68 m 585 Flechettes zu je 12 g
M255E1 Flechette 6,35 kg 0,68 m 1180 Flechettes zu je 3,8 g
M255E2 Flechette - 0,68 m 1200 Flechettes zu je 6 g
M257 Gefechtsfeldbeleuchtung 4,98 kg 0,74 m M257-Leuchtkörper mit Fallschirm
M259 Rauch/Brand 4 kg - Weißer Phosphor
M261 Streumunition 6,12 kg 0,68 m 9 M73 Hohlladungs-Bomblets
M264 Rauch/Brand 3,9 kg 0,68 m 72 Pellets mit Rotem Phosphor
M267 Übungsgefechtskopf 6,12 kg 0,68 m M261-Übungsgefechtskopf
M274 Übungsgefechtskopf 4,22 kg 0,41 m Übungsgefechtskopf
M278 Gefechtsfeldbeleuchtung 4,98 kg 0,74 m M258-IR-Leuchtkörper mit Fallschirm
M282 Mehrzweck-Gefechtskopf 6,2 kg - 0,44 kg PBXN-110
Mk 67 Mod 0 Rauch/Brand - - Weißer Phosphor
Mk 67 Mod 1 Rauch/Brand - - Roter Phosphor
Mk 149 Flechette - - 1180 Flechettes zu je 3,8 g
Mk 149 Splittergefechtskopf 4,53 kg - PBXN-109
WDU-4A Flechette 4,22 kg - 96 Flechettes
WDU-4A/A Flechette 4,22 kg - 2205 Flechettes zu je 1,3 g
WTU-1/B Übungsgefechtskopf 4,67 kg 0,41 m M151-Übungsgefechtskopf

Quellen:[1][2][3][15][4][16]

Raketen-Rohrstartbehälter

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LAU-68-Startbehälter wird beladen

Für die Hydra 70-Raketen stehen verschiedene Raketen-Rohrstartbehältern für Kampfflugzeuge, Kampfhubschrauber und unbemannte Luftfahrzeuge zur Verfügung. Die Behälter werden von Herstellern in den Vereinigten Staaten wie auch in verschieden anderen Staaten produziert und angeboten. Die Behälter haben die Form eines Zylinders und sind aus Stahl, Aluminium und/oder Kunststoff gefertigt. Zur Montage verfügen alle Startbehältern über das NATO-Standard-Bombenschloss mit 356 mm (14 inch). Frühe Startbehälter mussten am Boden programmiert werden, ob die Raketen einzeln oder in einer Salve gestartet sollten. Bei späteren Modellen kann diese Auswahl während des Fluges durch den Piloten vorgenommen werden. Die Startbehälter sind wiederverwendbar. Nach dem Start der Raketen verbleibt der Startbehälter am Luftfahrzeug und kann nach der Landung wieder neu beladen werden. Der Startbehälter kann aber nach dem Gebrauch auch im Flug abgeworfen werden. Je nach Startbehälter können die Raketen einzeln oder in Salven abgefeuert werden. Bei Salven-Starts beträgt das Intervall zwischen den Starts 20–600 Millisekunden.[9][17][18]

Hydra 70-Startbehälter der Streitkräfte der Vereinigten Staaten
Name Anzahl Raketen Länge Durchmesser Gewicht (unbeladen) Startplattform
M260 7 1,68 m 20,3 cm 15,9 kg Hubschrauber
M261 19 1,68 m 40,3 cm 15,9 kg Hubschrauber
LAU-61G/A 19 1,94 m 41,2 cm 93 kg Hubschrauber & Kampfflugzeuge
LAU-68D/A 7 1,52 m 25,7 cm 32 kg Hubschrauber & Kampfflugzeuge
LAU-69D/A 19 - - 44,5 kg Hubschrauber & Kampfflugzeuge
LAU-131/A 7 1,52 m 25,7 cm 29,5 kg Kampfflugzeuge

Quellen:[2][18][19][20]

Advanced Precision Kill Weapon System

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Beim Advanced Precision Kill Weapon System (APKWS) handelt es sich um eine gelenkte Version der Hydra 70. Dabei ist zwischen dem Raketentriebwerk und dem Gefechtskopf eine zusätzliche Lenkeinheit verbaut, die nach dem Prinzip der passiven Laserzielsuche funktioniert. APKWS befindet sich seit 2012 im Einsatz.[21]

Lizenzproduktion

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Das Hydra 70-Raketensystem wird in verschiedene Staaten, darunter Argentinien, Belgien, Brasilien, Griechenland, Italien, Japan, Kanada, Spanien in Lizenz gefertigt. Basierend auf dem Hydra 70-Raketensystem entstanden die kompatiblen 70-mm-Raketensysteme Forges de Zeebrugge FZ90 und Bristol Aerospace CRV7.[2]

Das Hydra 70-Raketensystem befindet sich bei den Streitkräften der Vereinigten Staaten sowie bei nahezu allen NATO-Staaten im Dienst. Daneben wird die Hydra 70 weltweit exportiert.[2][5][9][4]

Einzelnachweise

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  1. a b c d Gdots.com: HYDRA-70
  2. a b c d e f g Robert Hewson: Jane’s Air launched Weapon 2003. Jane’s Information Group, 2003, S. 767–770.
  3. a b c d Designation-systems.net: Air-Launched 2.75-Inch Rockets
  4. a b c d e Airwar.ru: Hydra-70
  5. a b Jeremy Flack: Lenk- und Abwurfwaffen der NATO-Luftwaffen. Motorbuch Verlag 2005, S. 29.
  6. Dtic.mil: Advanced Propulsion Concepts for the HYDRA-70 Rocket System (PDF; 1,5 MB)
  7. Dtic.mil: Recent Developments in Affordable Laser Guided Precision Weapons Capabilities (PDF; 3,9 MB)
  8. Metu.edu.tr: AN ACTIVE ROCKET LAUNCHER DESIGN FOR AN ATTACK HELICOPTER (PDF; 1,9 MB)
  9. a b c d e Army-technology.com: Hydra-70 Rocket System
  10. Bits.de: FM1-140 HELICOPTER GUNNERY (PDF; 3,4 MB)
  11. Globalsecurity.org: AIRCRAFT ROCKETS AND ROCKET LAUNCHERS (PDF; 0,3 MB)
  12. Dtic.mi: HYDRA 70 MK66 AERODYNAMICS AND ROLL ANALYSIS (PDF; 1,0 MB)
  13. Bulletpicker.com: US Rocket Motor, 2.75 inch SSWAFAR, Mk 66 Mod 1, 2, 3, 4
  14. Aircav.com: Hydra 70 2.75 inch Rockets
  15. Bulletpicker.com: 43-0001-30 Rockets, Rocket Systems, Rocket Fuzes, Rocket Motors (PDF)
  16. Dtic.mil: Adaptation of Existing Fuze Technology to Increase the Capability of the Navy’s 2.75-Inch Rocket System (PDF; 0,7 MB)
  17. Fas.org: LAU-19 Rocket Launcher, LAU-68 Rocket Launcher, LAU-69 Rocket Launcher, LAU-131 Rocket Launcher, M260 Rocket Launcher
  18. a b Generalequipment.info: 2.75” WEAPON SYSTEM MANUFACTURE & TOTAL SUPPORT
  19. Designation-systems.net: LAU/LAK to LUU - Equipment Listing
  20. Arnolddefense.com: Launcher Portfolio
  21. APKWS laser-guidance kit. In: baesystems.com. BAE Systems, abgerufen am 21. Januar 2026 (englisch).