Hydraulischer Abgleich

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Der Begriff hydraulischer Abgleich wird meist bei Warmwasserheizungen verwendet, aber auch bei Kühlsystemen und beim Trinkwassernetz. Hier wird der Begriff im Zusammenhang mit der Warmwasserheizung erläutert.

Der hydraulische Abgleich beschreibt ein Verfahren, mit dem innerhalb einer Heizungsanlage jeder Heizkörper oder Heizkreis einer Flächenheizung auf einen bestimmten Durchfluss des warmen Wassers eingestellt wird. Damit soll erreicht werden, dass bei einer bestimmten Vorlauftemperatur als Arbeitspunkt der Heizungsanlage jeder Raum genau mit der Wärmemenge versorgt wird, die benötigt wird, um die gewünschte Raumtemperatur zu erreichen und der Rücklauf jedes Heizkörpers die gleiche Temperatur aufweist.

Folgen bei fehlendem hydraulischen Abgleich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fehlt der hydraulische Abgleich, so werden Heizkörper, die nahe zur Wärmequelle stehen, besser versorgt, weiter entfernte Heizkörper beispielsweise in oberen Stockwerken werden nicht warm. Das Regelverhalten in den entfernten Räumen ist schlecht. Erst das Schließen der Ventile an den nahen Heizkörpern führt dazu, dass weiter entfernte Heizkörper warm werden.

Bei einem Leitungsnetz ohne hydraulischen Abgleich wird der einer Wärmequelle (Heizkessel, Pufferspeicher, Wärmetauscher) am nächsten gelegene Heizkörper mit geringstem Strömungswiderstand erreicht, eher und leichter durchflossen und sein Rücklaufwasser verlässt den Heizkörper mit vergleichsweise hoher Temperatur. Der geringere Durchflusswiderstand wird dazu führen, dass durch diesen Heizkörper mehr Wasser fließt als benötigt.

Der gesamte Heizungsrücklauf zum Warmwassererzeuger besteht zu einem Großteil aus dem Rücklauf des ersten Heizkörpers und seine Temperatur ist dadurch höher als bei gleichmäßigerer Verteilung.

Wird der Heizungsrücklauf zu heiß,

  • entstehen unnötige thermische Verluste im Leitungsnetz,
  • schaltet eine einfach gebaute Heizungsregelung die Pumpe für die Wärmezufuhr ab,
  • schaltet der Brenner des Heizkessels ggf. ebenfalls ab.

Schaltet die Heizungsregelung vorzeitig die Pumpe(n) aus, werden weiter entfernt gelegene Heizkörper nicht beheizt. Meist werden dann als Abhilfe die Leistung der Heizungswasser-Umwälzpumpe und/oder die Vorlauftemperatur erhöht. Aufgrund dieser Eingriffe wird zwar auch weiter entfernten Heizkörper warmes Wasser zugeführt, aber das Rücklaufwasser aus dem ersten Heizkörper fließt dann noch schneller und/oder noch wärmer zurück. Dies führt zu noch mehr Brennerstopps, verbunden mit Auskühlen des Brenners (Wärmeabgabe im Heizungsraum) bis zum Wiedereinschalten („Takten“) des Brenners.

Wesentliche Nachteile und Heizwärmeverluste einer Heizwärmeverteilung ohne hydraulischen Abgleich sind somit

  • häufige Brennerstopps
  • darauf folgende Abkühlung eines Gas- oder Ölbrenners durch Spülung des Brennerraums mit kalter Zuluft (wobei Wärmeenergie ins Abgas verloren geht) oder bei Pelletskesseln ein Rest-Abbrand, ohne die Wärme zu nutzen,
  • unvollständige Verbrennung (Brennstoffverschwendung oder Bildung von Kohlenmonoxid mit Restheizwert) in den ersten Minuten der Brenneranlaufphase

Die Stillstandszeit zwischen Brennerstopp und Brennerstart wird „Takt“ genannt, der Heizkessel oder Brenner „taktet“ zu kurz.

Einsparpotential[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei dem von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) geförderten OPTIMUS-Programm wurden Einsparpotentiale bei 92 Ein- bzw. Mehrfamilienhäusern im Raum Norddeutschland in der Praxis ermittelt und die Wärmeverluste anschließend mit einem eingeschränkten Leistungskatalog minimiert. Die untersuchten Objekte hatten unter anderem im Mittel 3fach überdimensionierte Heizungsumwälzpumpen, bezogen auf die eigentlich ausreichende elektrische Leistung[1].

Die Gegenmaßnahmen waren (2003) mit Aufwänden von € 2,- bis € 7,- pro Quadratmeter Wohnfläche vergleichsweise kostengünstig.[2] Die Erfolge der beim OPTIMUS-Projekt verbesserten Einzelheizungen, hochgerechnet auf die gesamte Bundesrepublik Deutschland, ergaben ein Einsparungspotential zwischen 20.000 und 28.000 GWh pro Jahr.[3]

Durchgeführt wurden lediglich:

  • Voreinstellung der Durchflussbegrenzung der Heizkörper-Thermostatventile (= hydraulischer Abgleich)
  • Einstellungen der Heizungsumwälzpumpen (geringere Leistung) oder deren Differenzdruckregler
  • Einstellung der Heizungsregelungen [4]

Anzeichen für fehlenden hydraulischen Abgleich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • einzelne Heizkörper werden nicht warm, während andere Anlagenteile überversorgt sind („hydraulischer Kurzschluss“)
  • Brenner der Heizkessel takten zu oft
  • die flächenbezogenen Heizkosten sind vergleichsweise hoch
  • Heizkörperventile geben Geräusche ab, da der Differenzdruck im Ventil zu groß ist.
  • Heizkörperventile und Rohrleitungen geben Geräusche ab, da die Strömungsgeschwindigkeit groß ist.
  • Heizkörper-Thermostatventile öffnen und schließen wegen zu hoher Differenzdrücke im Ventil nicht bei der gewünschten Innentemperatur
    • Motoren elektromot. Heizkreisventile versagen wegen hoher Stellkräfte
  • Das Regelverhalten von Heizkörper-Thermostatventilen ist schlecht durch starkes Überschwingen.
  • Die Heizungsanlage wird mit hohen Vorlauftemperaturen betrieben, um die Unterversorgung auf diesem Wege auszugleichen
  • Die Heizkörper werden unnötig heiß: insbesondere beim Einsatz von Wärmepumpen und bei unterstützender Stromheizung verschlechtert sich der Nutzungsgrad
  • Es werden ungeregelte Pumpen mit zu hoher Leistung verwendet, die zu hohe Nebenenergie-Kosten verursachen.
  • Die Rücklauftemperaturen sind unnötig hoch:
    • insbesondere beim Einsatz der Brennwerttechnik verschlechtert sich der Wirkungsgrad des Wärmeerzeugers, da stark schwankende Volumenströme auftreten.
    • Die Brennwerttechnik kann ihre Vorteile nur dann entfalten, wenn Wasser aus dem Abgas im Kessel kondensiert. Hierzu ist es notwendig, dass die Rücklauftemperatur unterhalb des Taupunktes des Abgases liegt.

Aus dem nicht optimalen Betriebsverhalten resultiert ein erheblicher Mehrverbrauch an Strom- und Heizungsenergie. Die Energieeinsparverordnung in Deutschland schreibt aus diesem Grund den Einbau von Raumtemperaturreglern und selbstregelnden Umwälzpumpen für zu erstellende oder zu sanierende Anlagen gemäß § 14 vor.

Abgleichmethoden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grundlage des hydraulischen Abgleichs ist ein entsprechendes Rechenmodell. Dabei muss

  • die Wärmeleistung der einzelnen Heizkörper
  • die Größe des Raumes
  • der Luftaustausch durch Türen und Lüftung
  • der Wärmeverlust durch Wände und Fenster

bekannt sein. Je weniger bekannt ist, desto schlechter wird das Rechenmodell versorgt. Mit dem hydraulischen Abgleich wird eine bessere Verteilung des Heizwassers erreicht.

Ein anderer messtechnischer Ansatz benutzt eine Temperaturmessung am Rücklauf des einzelnen Heizkörpers. Mit dem hydraulischen Abgleich wird eine etwa gleiche Temperatur an allen Rücklaufdrosseln erreicht.

Ein hydraulischer Abgleich wird bei einem Neubau des Gebäudes oder der Heizanlage durch gute Planung, Überprüfung und Einstellung bei der Inbetriebnahme der Anlage erreicht.

Wenn die dafür erforderlichen Armaturen zur Durchflussminderung bei einzelnen Heizkörpern vorhanden sind, ist auch ein nachträglicher hydraulischer Abgleich möglich durch

  • druckgeregelte Vorlaufpumpen
  • einstellbare Rücklaufdrosselventile
  • Einbau voreinstellbarer Thermostatventilen oder
  • Einbau von Strangdifferenzdruckreglern.

Der hydraulische Abgleich ist eine Aufgabe für Heizungsfachbetriebe, Fachplanungsbüros, Energieberater und Schornsteinfeger. Diese können beraten und die Berechnungen oder Messungen vornehmen.

Für eine Förderung der Heizungsmodernisierung durch die KfW und das Marktanreizprogramm zur Nutzung erneuerbarer Energien (MAP) des BAFA ist der hydraulische Abgleich eine Voraussetzung.

Der hydraulische Abgleich in der Theorie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit dem 1. April 2004 gilt in Deutschland die DIN EN 12831 (Juni 2003). Danach ist eine fachgerechte Planung mit Heizlast-, Rohrnetz- und Heizflächenberechnung von einem Planer erforderlich. Aus der Planung ergeben sich Wärmebedarf und Volumenströme.

In Deutschland sind Handwerker, die ihr Werk im Sinne der Verbände vollständig ausführen möchten, nach der Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen (VOB) Teil C verpflichtet, Heizungsrohrnetze hydraulisch abzugleichen. Das ist insbesondere für Heizanlagen ohne Durchflussregelung erforderlich.

Ein stationärer (quasi statischer) hydraulischer Abgleich ist erreicht, wenn alle parallelen Systeme (etwa Heizkörper an einem Strang oder Wohnungen in einem Gebäude) jeweils den gleichen hydraulischen Widerstand besitzen. Grundsätzlich ist das jedoch nur für einen Arbeitspunkt (gewünschte Raumtemperatur) und bei gleichbleibenden Systembedingungen, also einer bestimmte Durchflussmenge, möglich.[5] Zum Beispiel darf die Pumpenfördermenge nicht schwanken oder einzelne Heizkörper dürfen nicht geschlossen werden. Deshalb erfolgt der stationäre hydraulische Abgleich für einen besonders kritischen Zustand: der maximalen Heizlast, bei der alle Heizflächen durchströmt werden.

Insbesondere in modernen Heizanlagen mit geregeltem Pumpendruck (ergibt veränderliche Gesamtdurchflussmenge), mit Thermostatventilen am einzelnen Heizkörper (ergibt veränderliche Einzeldurchflussmenge) und mit veränderlicher Wärmeabnahme ist der stationäre hydraulische Abgleich von geringerer Bedeutung. Statt dessen muss dort die maximal mögliche Durchflussmenge für den einzelnen Heizkörper begrenzt werden. So wird ein dynamischer Abgleich erreicht.

Der hydraulische Abgleich in der Praxis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein hydraulischer Abgleich der Heizanlage für einen an allen Heizkörpern gleichen Betriebspunkt (momentane Raumtemperatur, Solltemperatur und Durchflussmenge) ist Voraussetzung für eine gute Funktion, insbesondere für Brennwertkessel.

Um die Durchflussmenge für jeden Heizkörper voreinzustellen, werden entweder Thermostatventile mit Durchflusskennwert (angepasste kV-Kegel) eingesetzt, an welchen Einstellung des berechneten Werts erfolgt, oder es werden die Durchflusswiderstände durch die Rücklaufverschraubungen reguliert. Generell ist das Einstellen entsprechend einer Modellrechnung für einen Betriebspunkt möglich. Besser ist eine thermostatgeregelte Begrenzung des Rücklaufs. Das empfiehlt sich allemal für Räume mit mehreren Wärmequellen, welche den Betriebspunkt verschieben.

Dies Voreinstellen ist sinnvoll mit speziellen Rücklaufverschraubungen mit zwei Einstelloptionen (grob auf-zu und fein 0-100 %) möglich,[6] die eine Feineinstellung unterstützen und nicht allein dem Absperren dienen.

Es können auch Heizkörperventile mit integriertem Volumenstromsteller eingesetzt werden. Bei diesen Ventilen wird der für den Heizkörper maximal erforderliche Volumenstrom einmalig fest eingestellt. Danach wird der Thermostat auf dem Ventil montiert. Der Thermostat regelt jetzt nur noch im Bereich von Null bis zum voreingestellten Volumenstrom. Eine so ausgerüstete Anlage arbeitet zu jeder Zeit stabil, da die Einflüsse anderer Anlagenteile keine Rückwirkungen auf den Heizkörper haben. Es muss nur dafür gesorgt werden, dass am Heizkörper ein ausreichender Differenzdruck ansteht.

Die Heizungspumpe muss elektronisch auf einen einstellbaren Differenzdruck geregelt sein[7], denn sie ist Voraussetzung für optimale Durchflusswassermenge entsprechend maximaler Förderhöhe. Dies muss auch nach der vorgenommenen Berechnung für den Betriebspunkt eingestellt werden.

Hydraulischer Abgleich in Warmwasserzirkulationsnetzen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für erwärmtes Trinkwasser wird häufig eine Zirkulation installiert, die über eine rückführende Leitung die Temperatur bis zum letzten Verbraucher aufrechterhält. In Großanlagen ist es sinnvoll, dieses Rohrnetz ähnlich dem der Heizung hydraulisch abzugleichen. Die Zirkulationspumpe in der rückführenden Leitung kann so oft bis zu 50 % effizienter laufen und somit Strom sparen. Außerdem wird die Gefahr des Auftretens von Legionellen verringert, da die bessere Durchströmung auch an weit entfernten Verbrauchern ausreichend hohe Temperatur sichert.

Das DVGW-Arbeitsblatt W 553 gibt Aufschluss über die richtige Bemessung der entsprechenden Leitungsdimension. Hier wird der Begriff „Großanlage“ für den Bereich der Warmwasserbereitung auch spezifiziert: Als Kleinanlagen im Sinne des Arbeitsblatts sind somit nur zu betrachten Anlagen in Gebäuden mit 1 Wohneinheit (WE) bzw. 2 WE, wenn der Eigentümer mit im Haus wohnt. Ferner spielen Inhalt des Warmwasserbereiters (WWB) und der Rohrinhalt der Installation eine Rolle. Beträgt das Nennvolumen des WWB 400 Liter oder mehr, handelt es sich um eine Großanlage. Darüber hinaus darf eine als Kleinanlage definierte Installation nicht mehr als 3 Liter Rohrinhalt im Warmwassernetz haben.

Wichtigster Unterschied zwischen Klein- und Großanlagen ist die geforderte Betriebstemperatur der Warmwasserbereitung bzw. -verteilung. Ein Warmwassernetz in Großanlagen ist immer mit mindestens 60 °C zu betreiben, die Auskühlung bis zum Wiedereintritt der Zirkulation in den Warmwasserbereiter (WWB) darf nicht mehr als 5 K betragen. In Kleinanlagen darf der Warmwasserbereiter mit 50 °C betrieben werden, jedoch werden auch hier wegen der Legionellenproblematik dauerhaft 60 °C oder eine wöchentliche Erwärmung auf 70 °C empfohlen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Meine Heizung kann mehr, vom Bundesumweltministerium geförderte Kampagne zum hydraulischen Abgleich mit Bildergalerien und Fachartikeln

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Jagnow, Wolff: OPTIMUS-Kurzbericht, Seite 3 (PDF; 198 kB)
  2. Das Projekt OPTIMUS
  3. Jagnow, Wolff: OPTIMUS-Kurzbericht, Seite 7 (PDF; 198 kB)
  4. Jagnow, Wolff: OPTIMUS-Kurzbericht, Seite 5 (PDF; 198 kB)
  5. Die Heizungsumwaelzpumpe
  6. Die Ruecklaufverschraubung
  7. http://www.haustechnik-hart.de/foerderungen/hydraulischer-Abgleich.html Bauliche Voraussetzungen für den hydraulischen Abgleich