Hydraulis

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Wasserorgel von Dion, 1. Jahrhundert v. Chr.
Wasserorgel, nach der Beschreibung des Heron von Alexandria gezeichnet
Rekonstruktion einer Wasserorgel
Antike Wasserorgel, Mosaik in der römischen Villa in Nennig an der Saar

Die Hydraulis (auch Hydraulos oder Wasserorgel) ist ein seit der Antike bekanntes orgelartiges Tasteninstrument mit einem Satz von Pfeifen, bei dem ein gleichmäßiger Luftdruck durch Wasser aufrechterhalten wird. Größere Wasserorgeln besaßen mehrere Pfeifenreihen, die einzeln registrierbar waren.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heron von Alexandria hat eine solche Wasserorgel in seinem Traktat Pneumatika beschrieben (organon hydraulikon, „Wasserpfeife“), die von Ktesibios um 250 v. Chr. konstruiert wurde. Ihre Konstruktion wird auch von Vitruv erklärt (De Architectura 10, 8). Im römischen Reich wurde die Wasserorgel im Zirkus und Theater eingesetzt, bei reichen Römern diente sie zur Hausmusik.

In der Zeit der Renaissance wurden in Anlehnung an die antike Hydraulis wassergetriebene Orgelautomaten gebaut, zum Beispiel in der Villa d’Este in Tivoli.

Man nimmt an, dass Orgelteile, die bei Ausgrabungen in Dion – siehe die Wasserorgel von Dion –, Avenches sowie in der Nähe von Budapest gefunden wurden, von Hydraulen aus dem 1. Jahrhundert v. Chr. (Dion) bzw. aus spätantiker Zeit stammen. Der letztere Fund aus der römischen Stadt Aquincum (an der Stelle des heutigen Budapest) wird auf das Jahr 228 n. Chr. datiert. Diese hervorragend erhaltenen Teile der antiken Hydraulis haben zu mehreren Rekonstruktionen geführt.[1][2]

Wortherkunft und Funktionsweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben Labialpfeifen könnten möglicherweise auch Lingualpfeifen mit Aufschlag- oder Gegenschlagzungen zum Einsatz gekommen sein. Für Pfeifen mit Rohrblättern spricht die Wortherkunft von hydraulis (ὕδραυλις, fem.) oder hydraulos aus Altgriechisch húdōr (ὕδωρ), „Wasser“ und aulos (αὐλός), worunter in der Antike meist ein gedoppeltes Rohrblattinstrument mit Einfach- oder Doppelrohrblatt verstanden wurde. In Frage gestellt wird das Argument wegen der allgemeinen Bedeutung von aulos, „Röhre“, weshalb jedes Blasinstrument als aulos bezeichnet werden konnte. Alternativ lässt sich -aulos auf aulē, „Kammer“, mit Bezug auf den Wasserbehälter zurückführen. Ferner deuten die stets schlank abgebildeten Pfeifen nicht auf Rohrblätter hin.[3] Neben hydraulos ist die Kurzform hydras (ὕδρας, masc.) belegt.

Bei der Hydraulis wird ein unten offener Behälter (Pnigeus) in ein Wassergefäß getaucht. Durch Pumpen wird Luft in den Behälter gedrückt, wodurch das Wasser aus dem Behälter verdrängt wird. Der Wasserdruck hält den Luftdruck im Behälter weitgehend konstant, obwohl die Pumpen keinen gleichmäßigen Luftstrom erzeugen. Bei späteren Orgeln dienen Windwerke und Windladen diesem Zweck ohne Wasser.

Das gleiche technische Prinzip wie bei der Hydraulis findet man auch bei Nassgasbehältern.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • F. Jakob, M. Leuthard, A. C. Voûte, A. Hochuli-Gysel: Die römische Orgel aus Avenches/Aventicum. Avenches 2000, ISBN 2-9700112-7-1.
  • James W. McKinnon: Hydraulis. In: Grove Music Online, 2001
  • Werner Walcker-Meyer: Die römische Orgel von Aquincum. Stuttgart 1970, ISBN 3-920670-00-0.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Hydraulis – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Zwei Rekonstruktionen (1965/1969) stammen von dem Orgelbaumeister Werner Walcker-Meyer. vgl. Werner Walcker-Meyer: Die römische Orgel von Aquincum, Stuttgart 1970.
  2. Ein Nachbau von 2006 mit Hörbeispiel in Weißenburg
  3. James W. McKinnon: Hydraulis. 2. Description. In: Grove Music Online, 2001