Hypocras

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Herstellung und Verkostung von Hypocras im Mittelalter

Der Hypocras, in anderen Schreibweisen auch hipocras, hippocrass, ypocrasse, ypocras, hypocras, hyppocras, ipocras oder ippocras, war ein mit Honig, später auch mit Zucker, stark gesüßter roter Gewürzwein, dem man im Mittelalter medizinische Eigenschaften zuschrieb. Das Getränk war wegen der damals sehr teuren Gewürze nur an den Höfen von Königen und reichen Adligen üblich. Die weiße Sorte des Hypocras heißt in sächsischen Wein- und Winzerbüchern Claret.

Herstellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein klassisches Rezept von Taillevent, dem Leibkoch Karls V., sieht Zimt, Gewürznelken und Orangenblüten als aromatisierende Zutaten vor. Weitere typische Zutaten sind Ingwer, Kardamom und Rosenwasser an Stelle von Orangenblüten, aber auch Majoran, Muskatnuss und Pfeffer kamen vor.

Der Name des als Arznei angesehenen Gewürzweines wurde vom Namen des griechischen Arztes Hippokrates abgeleitet, der im Mittelalter auch als Appellativ für angesehene Ärzte auftaucht.[1] Die Bezeichnung „Hippokrates“ findet sich auch in der Sachbezeichnung Manica Hippocratis („Hippocras-Sack“[2]) einem damals von Apothekern genutzten textilen Filtersack aus Filz, der zur Zubereitung des „Hypocras“ verwendet wurde.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gewürzweine kannten schon die Römer. Sie verbreiteten Weine als Nahrungs- und Heilmittel in ihre Provinzen. So sind drei Rezepte in der Naturgeschichte Plinius des Älteren verzeichnet. Genannt wurden diese Weine in Rom Conditum Paradoxum.

Der Tempelritter und Mediziner Arnau de Vilanova erwähnte in seinen Schriften Hippokrates, im alten Katalanisch Ipocras, und gab ein Rezept an, das Zimt verwendete. Die Gewürzweine erinnern an die heute getrunkenen Glühweine und Feuerzangenbowlen.

Basler Hypokras[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der heute noch in Basel beliebte Hypokras wird aus verschiedenen Rot- und Weißweinsorten, Zucker, Zitronenschale sowie den Gewürzen Zimt, Nelken, Muskat, Ingwer, Koriander und Kardamom hergestellt. Erstmals erwähnt wird dieser Hypokras bereits im Mittelalter. 1523 gestattete der Grosse Rat von Basel den Handel mit diesem süßen Wein. Getrunken wird er in der Stunde vor und nach dem Jahreswechsel, üblich werden dazu Basler Läckerli serviert.

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • André Dominé: Die Kunst des Aperitif. Rezepte, Getränke, Philosophie. Kunstverlag Weingarten, 1989, ISBN 3-8170-0013-8, S. 21
  • Willem Frans Daems: Die Clareit- und Ypocrasrezepte in Thomas van der Noots 'Notabel boecxken van cokeryen' (um 1510). In: Fachliteratur des Mittelalters. Festschrift für Gerhard Eis. Hrsg. von Gundolf Keil, Rainer Rudolf, Wolfram Schmitt und Hans J. Vermeer, Metzler, Stuttgart 1968, S. 205–224

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gundolf Keil: Ipokras. Personalautoritative Legitimation in der mittelalterlichen Medizin. In: Herkunft und Ursprung. Historische und mythische Formen der Legitimation. Hrsg. von Peter Wunderli, Jan Thorbecke, Sigmaringen 1994, S. 157–177; hier: S. 165 und 168
  2. Zedler: Grosses vollständiges Universal-Lexicon aller Wissenschafften und Künste ... Hrsg. von Carl Günther Ludovici, 1739 (Manica Hippocratis)