Hystricognathi

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Hystricognathi
Die Stachelschweine (hier Hystrix leucuta) gehören zu den Hystricognathi.

Die Stachelschweine (hier Hystrix leucuta) gehören zu den Hystricognathi.

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Überordnung: Euarchontoglires
Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
Unterordnung: Stachelschweinverwandte (Hystricomorpha)
Teilordnung: Hystricognathi
Wissenschaftlicher Name
Hystricognathi
Tullberg, 1899

Hystricognathi ist eine Teilordnung der Nagetiere (Rodentia).[1]

Bis heute sind 230 rezente Arten in 68 Gattungen beschrieben worden. Die Hystricognathi werden in zwei Gruppen unterteilt: die Phiomorpha, welche auf die Alte Welt beschränkt sind, sowie die auf die Neue Welt beschränkten Caviomorpha (Meerschweinchenverwandte). Die altweltlichen Hystricognathi (Phiomorpha) umfassen vier rezente Familien: die Sandgräber (Bathyergidae), die Stachelschweine (Hystricidae), die Felsenratte (Petromus typicus) sowie die Rohrratten (Thryonomys). Die neuweltlichen Hystricognathi dagegen sind diverser und umfassen 13 rezente Familien, die in vier Überfamilien klassifiziert werden: die Baumstachlerartigen (Erethizontoidea), die Meerschweinchenartigen (Cavioidea), die Chinchillaartigen (Chinchilloidea) sowie die Trugrattenartigen (Octodontoidea). Die nächsten Verwandten (Schwestergruppe) der Hystricognathi sind die Gundis (Ctenodactylidae), eine auf Nordafrika beschränkte Nagetier-Familie.[1]

Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Hystricognathi unterscheiden sich von anderen Nagetieren durch verschiedene anatomische Merkmale des Unterkiefer- und Schädelbaus. Das namensgebende Merkmal ist der hystricognathe Unterkiefer: Der vom Hinterende des Unterkiefers auswachsende Angularfortsatz steht nicht in einer Linie mit dem Rest des Kiefers, wie es bei anderen Nagetieren mit sciurognathem Kieferbau der Fall ist, sondern ist seitlich abgewinkelt.[2] Der Massetermuskel (Musculus masseter medialis), ein Kiefermuskel, verläuft dabei teilweise durch das Foramen infraorbitale („Unteraugenloch“). Zudem fehlt bei Vertretern dieser Teilordnung die Infraorbital-Platte.

Verbreitungsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ursprung und Verbreitungsgeschichte der Hystricognathi sind umstritten. Einige der ältesten Vertreter wurden aus dem frühen Obereozän (etwa 37 Mya) aus der Oase Fayum im nördlichen Ägypten beschrieben.[2] In Südamerika taucht die Gruppe im frühen Oligozän (31 Mya) auf. Südamerika war während des gesamten Tertiärs von Afrika und Nordamerika isoliert; Fossilien der Hystricognathi wurden jedoch ausschließlich in Südamerika, Afrika und Eurasien gefunden. Auf welchem Weg die Hystricognathi Südamerika erreichten ist daher unbekannt.[1] Nordamerika erreichte die Gruppe erst, nachdem vor drei Millionen Jahren mit dem Isthmus von Panama eine Landbrücke gebildet wurde; diese Landbrücke führte zu einem breiten Faunenaustausch zwischen Nord- und Südamerika.[3]

Familien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Teilordnung Hystricognathi besteht aus 17 Familien, die in zwei Untertaxa eingeordnet werden. Abweichend von der hier vorgestellten Aufteilung werden die Stachelschweine (Hystricidae) auch als gemeinsame Schwestergruppe von Phiomorpha und Caviomorpha angesehen.

Phiomorpha[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Meerschweinchenverwandte (Caviomorpha)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Dorothée Huchon, Emmanuel J. P. Douzery: From the Old World to the New World: A Molecular Chronicle of the Phylogeny and Biogeography of Hystricognath Rodents. In: Molecular Phylogenetics and Evolution. 20, Nr. 2, August 2001, S. 238–251. doi:10.1006/mpev.2001.0961.
  2. a b Hesham M. Sallam, Erik R. Seiffert, Michael E. Steiper, Elwyn L. Simons: Fossil and molecular evidence constrain scenarios for the early evolutionary and biogeographic history of hystricognathous rodents. In: Proceedings of the National Academy of Sciences. 106, Nr. 39, 29. September 2009, S. 16722–16727. doi:10.1073/pnas.0908702106. PMID 19805363.
  3. Michael J. Benton: Vertebrate Paleontology. 3rd ed., Blackwell Science Ltd., Oxford 2005. ISBN 0-632-05637-1. S. 320–323.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wilson, D. E. (Ed.) (2005): Mammal Species of the World: A Taxonomic and Geographic Reference. (Vol. 2). JHU Press.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]